Der Kampf der Tertia
Zur Berliner Uraufführung
Hier ist nicht ein Roman verfilmt worden. Ein sehr befähigter Regisseur hat sich von der gleichen Atmosphäre, dem gleichen Erfahrungsschatz, dem gleichen Kollektivum inspirieren lassen wie Speyer in seinem glücklichen Buche. Der Film hat seine besondere Chance, ein Kollektivum in den Vordergrund stellen zu können, bis aufs letzte ausgenutzt. Von wo auch immer die fünfundzwanzig Tertianer, mit denen Mack arbeitet, zusammengekommen sein mögen, während der Aufnahmen waren sie wirklich mit Leib und Seele Schüler des Schulstaats, nicht angehende Statisten. Diesen Schulstaat hat man aus den Waldbergen an das Meer versetzt. Ein kluger Griff, denn so hat die Entfernung zwischen der Katzenmordstadt Böstrum und dem freien Sparta »Tertia« – das Wattenmeer erstreckt sich zwischen beiden – etwas Pathetisches bekommen. Mack hat in dieser Landschaft einige wundervolle Bilder gewonnen. Man wird an den Wettlauf der Tertianer am Strand entlang – von ihnen sind nur die Schatten sichtbar und leibhaft sieht man nur den Tertiahund, der quer über die Schatten dahinjagt – noch lange denken.
Walter Benjamin (1929)