So ist das, was man beim Anschauen sieht, nur Form und Farbe, was man beim Hören vernimmt, nur Name und Schall.
Zhuhang Zi
Zwei Fensterstürze ohne Armbanduhr
Der Filmessay "Zwischen den Kriegen" (1978) von Harun Farocki schließt mit einer Reminiszenz an Slatan Dudows "Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt" aus dem Jahr 1932, nach dem Drehbuch von Brecht und Ernst Ottwalt:
Sorgfältig legen die beiden Protagonisten ihre Armbanduhren ab, bevor sie sich in den Hoftod stürzen.
Ist der Selbstmord in "Kuhle Wampe" noch inmitten des Films situiert und dient der drastischen Darstellung arbeitslosen - doch zu überwindenden und überwindbaren - Unglücks, so beschließt er in Farockis Arbeit ernüchternd den Film:
Es ist, als wolle Farocki den Optimismus des Arbeiterbewegungsmarxismus a la "Kuhle Wampe" zurücknehmen, wie vor ihm einst Adrian Leverkühn im 45. Kapitel des "Doktor Faustus" von Thomas Mann jenen bürgerlich-idealistischen der 9. Sinfonie Beethovens "zurücknehmen" wollte.
Ralf Frodermann Juli 2017