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Luchtwegen / Atemwege

Erkältung; Rhinitis, Sinusitis und Otitis  http://www.drugbase.de/de/datenbanken/arzneipflanzen

Mehr als 90% aller Erkrankungen der Atemwege werden durch Viren hervorgerufen, die in die Schleimhäute eindringen und Zellen zerstören. Die nekrotischen Gewebe können sekundär von Bakterien befallen werden. Die Schleimhäute schwellen bei Infektion an und produzieren reichlich Schleim. Pollinosis (Heuschnupfen) ist eine allergische Störung, die die Atemwege beeinträchtigt. Im Einzelnen kann man die Atemwegsbeschwerden in Rhinitis, Tracheitis, Laryngitis, Pharyngitis und akute Bronchitis untergliedern. Rhinitis kann zu schmerzhafter Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) führen. Otitis, die meist bakterielle Ursachen hat, ist eine schmerzhafte Entzündung des Mittelohres (Otidis media) oder Außenohres (Otitis externa).
Eine einfache Erkältung muss von einer Influenza-Grippe unterschieden werden; letztere Krankheit wird durch hohes Fieber, starke Kopf- und Muskelschmerzen und Husten charakterisiert.
Behandlung
Meist symptomatisch. Es können Phytopharmaka mit entzündungshemmenden, adstringierenden, reizstillenden, antiallergischen, schleimhautschützenden, antimikrobiellen und immunstimulierenden Eigenschaften eingesetzt werden. Die Arzneimittel werden meist lokal appliziert in Form von Salben, Balsamen oder Inhalationen. Immunstimulantien werden oral (seltener parenteral) eingesetzt. Einige Monoterpene, wie z. B. Menthol, rufen das Gefühl einer Kühlung hervor; sie lindern dadurch Schmerzen und Erkältungssymptome.
Warnung
Säuglinge oder Kleinkinder können ernsthafte Erstickungskrämpfe erleiden, wenn sie mit ätherischen Ölen behandelt werden.
Wichtige Arzneipflanzen und Pflanzen der Volksmedizin
Pflanzen mit ätherischen Ölen: Cinnamomum camphora, Commiphora myrrha, Eucalyptus globulus, Foeniculum vulgare, Matricaria recutita, Mentha x piperita und Arten, Picea abies, Pimpinella anisum, Pinus mugo und andere Nadelbäume, Salvia officinalis, Thymus serpyllum, T. vulgaris. Pflanzen mit Alkaloiden und anderen Inhaltsstoffen: Allium cepa, Cinchona Arten, Ephedra distachya, Euphrasia officinalis, Galphimia glauca, Gentiana lutea, Luffa operculata, Phytolacca americana, Primula veris, Verbena officinalis. Immunstimulierende Drogen: Baptisia tinctoria, Echinacea angustifolia und verwandte Arten, Pelargonium sidoides, Thuja occidentalis.

Bronchitis
Eine akute Bronchitis wird durch virale, bakterielle oder pilzliche Infektionen ausgelöst; die Bronchial-schleimhäute sind gereizt. Man beobachtet Hyperämie, Ödeme, das Absterben einzelner Zellen, eine vermehrte Schleimproduktion, Husten und Kurzatmigkeit. Eine chronische Bronchitis kann durch nicht ausgeheilte Infektionen, durch chronische Sinusitis, bronchiale Allergien und starkes Rauchen hervorgerufen werden. Kennzeichen sind anfänglich Husten und starker Auswurf, später Kurzatmigkeit und Atemnot sowie in schweren Fällen Lungenemphysem. Eine akute Bronchitis kann zur Lungenentzündung führen, die mit Antibiotika behandelt werden sollte.
Behandlung
Phytopharmaka zur Bronchitisbehandlung bestehen aus Drogenmischungen, die oral, durch Inhalation (ätherische Öle) oder topisch (lipophile ätherische Öle) verabreicht werden. Zusätzlich zur Antibiotika- oder Chemotherapie können pflanzliche Immunstimulantien eingenommen werden. Auch physikalische Maßnahmen wie (Inhalation, topisch Anwendungen oder nasse Wickel) können sinnvoll sein. Äußerlich angewandte Phytopharmaka haben meist expektorierende, entzündungshemmende, krampflösende und desinfizierende Eigenschaften. Expektorantien enthalten meist Saponine oder das Alkaloid Emetin; Saponine werden nicht resorbiert, sondern stimulieren den Nervus vagus im Magen. Reflektorisch kommt es dann zu einer Wassersekretion in den Bronchien, die den vorhandenen Schleim verflüssigt (sekretolytischer Effekt). Ätherische Öle werden leicht resorbiert und stimulieren die Wassersekretion in den Bronchien und die ziliäre Aktivität (sekretomotorische Aktivität) der Bronchialepithelien. Die entzündungshemmenden, spasmolytischen und antimikrobiellen Eigenschaften vieler Ätherischöl-Komponenten (Mono-, Sesquiterpene, Phenylpropane) dürften zur positiven Wirkung der Drogen beitragen. Saponine weisen zusätzliche corticomimetische, Salicylsäurederivate in Viola und Primula oder Iridoidglykoside in Verbena, Plantago oder Veronica weisen entzündungshemmende Eigenschaften auf. Klinische Studien belegen die positive Wirkung von ätherischen Ölen in der Bronchitisbehandlung.
Wichtige Arzneipflanzen und Pflanzen der Volksmedizin
Saponin- und Iridoid-glykosiddrogen: Aesculus hippocastanum, Castanea sativa, Glycyrrhiza glabra, Gypsophila paniculata, Hedera helix, Plantago lanceolata, Polygala senega, Primula elatior, P. veris, Pulmonaria officinalis, Rumex crispus, Saponaria officinalis, Verbena officinalis, Veronica officinalis, Viola tricolor. Alkaloiddrogen: Camellia sinensis, Ephedra distachya, Hydrastis canadensis, Papaver somniferum, Psychotria ipecacuanha. Pflanzen mit ätherischen Ölen: Asarum europaeum, Cinnamomum camphora, Eucalyptus globulus, Foeniculum vulgare, Glechoma hederacea, Hyssopus officinalis, Inula helenium, Larix decidua, Mentha x piperita und andere Minzen, Myrtus communis, Pelargonium sidoides, Picea abies, Pimpinella anisum, P. saxifraga, Pinus mugo und andere Nadelbäume, Salvia officinalis, Thymus vulgaris, T. serpyllum, T. zygis.

Asthma
Asthma (Asthma bronchiale) bezeichnet eine komplexe Erkrankung. Sie wird durch Infektion der Atemwege, Gifte und Allergene beeinflusst, die zur chronischen Entzündung der Bronchien führen; aber auch durch Stress und andere psychosomatische Faktoren. Bronchiale Überreaktivität ist ein Zwischenstadium zum Asthma bronchiale. Ein Asthma-Anfall beginnt mit der Ausschüttung von zellulären Mediatoren aus Mastzellen, Granulozyten und Makrophagen, darunter Leukotrienen, Prostaglandinen, Bradykinin und Histamin. Diese Wirkstoffe führen zu einer Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur, fördern die Schleimproduktion und die Ödembildung.
Behandlung
Zur kausalen Therapie gehört eine Vermeidung der Allergene, eine spezifische Desensibili-sierung, die Gabe von Antiinfektiva und eventuell Psychotherapie. Symptomatisch werden Broncho-dilatatoren, expektorierende, hustenstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe gegeben. Bei einem akuten Asthmaanfall (Status asthmaticus) setzt man Glucocorticoide und Reinalkaloide, wie z. B. Theophyllin ein, das durch eine Hemmung der cAMP Phosphodiesterase und der Histamin-Sekretion bronchienerweiternd wirkt, oder Atropin und Derivate, die als Sympatholytika an glatten Bronchialmuskeln eine spasmolytische Wirkung zeigen. Ephedrin ist ein indirektes Sympathomimetikum, das die Freisetzung von Noradrenalin mit bronchodilatatorischen Eigenschaften fördert. Auch komplexe Pflanzenextrakte mit schwächeren Wirkstoffen werden eingesetzt.
Wichtige Arzneipflanzen
Ammi visnaga, Atropa belladonna, Camellia sinensis, Datura stramonium, Ephedra-Arten, Hyoscyamus niger. Pflanzen der Volksmedizin: Allium cepa, Aralia racemosa, Grindelia robusta, Lobelia inflata, Solanum dulcamara.

Husten, Reizhusten und Keuchhusten
Husten ist das Symptom unterschiedlicher Erkrankungen, z. B. von Bronchialinfekten, Asthma und chronischer Bronchitis. Keuchhusten (Pertussis) wird durch Infektion mit Bordetella pertussis ausgelöst. Husten kann Herz und Kreislauf stark belasten.
Behandlung
Husten ist ein Reflex, der dazu dient, den Schleim oder Fremdkörper aus dem Bronchialtrakt zu entfernen. Deshalb ist eine vollständige Unterdrückung des Hustenreizes nicht ratsam. Hustenmittel setzt man bei unproduktivem Husten, insbesondere bei störendem nächtlichen Reizhusten ein. Sobald ausreichend Schleim vorhanden ist, werden Hustenmittel nicht länger benötigt. Husten kann zentralnervös gedämpft werden, indem das Hustenzentrum in der Medulla oblongata sediert wird (z. B. durch Codein oder Noscapin). Die meisten bei dieser Indikation genutzten Phytopharmaka enthalten ätherische Öle und vor allem Schleime, die einen schützenden Film über die Hustenrezeptoren im Rachen legen und somit reizlindernd wirken. Drogen mit Chinonen, wie Plumbagin und Droseron, werden zur Behandlung von Keuchhusten eingesetzt. Die meisten Phytopharmaka, die oben zur Bronchitisbehandlung diskutiert wurden, sind auch bei Husten und Reizhusten relevant.
Wichtige Arzneipflanzen und Pflanzen der Volksmedizin
(s. o. Bronchitis) Drosera ramen-tacea, D. rotundifolia, Ephedra distachya, Eryngium planum, Papaver somniferum, Pinguicula vulgaris, Rhododendron tomentosum (= Ledum palustre). Schleimdrogen: Althaea officinalis, Cetraria islandica, Malva neglecta, M. sylvestris, Plantago lanceolata, Trigonella foenum-graecum, Tussilago farfara, Verbascum densiflorum etc.

Schleimhautentzündungen
Die Schleimhäute von Mund, Rachen und Bronchien können durch Viren, Bakterien oder Pilze befallen werden, was meist zu schmerzhaften Entzündungen führt. Als Symptome von Gingivitis, Stomatitis, Pha-ryngitis, Laryngitis und Tonsillitis beobachtet man gerötete, geschwollene raue Gewebe und geschwollene Lymphknoten sowie Schwierigkeiten beim Schlucken und Sprechen.
Behandlung
Eine Therapie mit Phytopharmaka ist meist symptomatisch und äußerlich, indem Extrakte zur Spülung, Gurgeln oder Inhalation eingesetzt werden. Etliche Drogen dieser Indikation weisen entzündungshemmende Eigenschaften auf. Drogen mit Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Senfölen haben antimikrobielle Eigenschaften, so dass zusätzlich eine leichte desinfizierende Wirkung erreicht wird.
Wichtige Arzneipflanzen und Pflanzen der Volksmedizin
Pflanzen mit ätherischem Öl: Achillea millefolium, Chamaemelum nobile, Commiphora erythraea, C. myrrha und andere, Eucalyptus globulus, Foeniculum vulgare, Matricaria recutita, Mentha x piperita, Salvia officinalis, S. triloba, Santalum album, Syzygium aromaticum, Thymus vulgaris. Gerbstoffdrogen: Geum urbanum, Hamamelis virginiana, Hydrastis canadensis, Krameria lappacea, Potentilla erecta, Quercus robur und andere Arten, Rheum palmatum. Pflanzen mit Senfölglykosiden: Armoracia rusticana, Tropaeolum majus. Pflanzen mit Entzündungshemmern: Plantago lanceolata, Solidago virgaurea, Viola tricolor.
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