Tag 1 - Montag 9.6. "Höllentrip"


gegen 6 in der früh geh ich dann wieder in den waschraum, zandi putzen und umziehen auf's radgwand.
ich lass mir zeit und kaum bin ich draussen gibts auch schon wieder eine fahrkartenkontrolle. auch die zollkontrolle erfolgt kurz später.

patrick lässt sich wie immer zeit mit umziehen und waschen. ich mach das lieber ein bissal früher und habe dafür einen freien waschraum. jeder wie er das mag :)
ich verspeise meine topfengolatsche und drink den rest des wassers dazu. patrick verspeist ein semmel und kabanossi; wie schon gesagt, jeder wie er das mag :)))
ich begebe mich mal zu den rädern um mal die bügelschlösser zu entfernen. na habiderre, da stehen aber viele räder. mehr als dort offiziell platz haben dürften. somit ist es eine kraxlerei zu den unsrigen zu kommen. irgendwie klappt das aber trotzdem und ich vertschüsse mich dann wieder ins abteil, da 20 min. vor ankunft schon fast alle radbesitzer sich in diesem kleinen raum aufhalten. jeder will anscheinend der erste sein.

pünktlich um 7:20 kommen wir in zürich an.
patrick und ich tragen zuerst mal all unser gepäck auf dein bahnsteig und stellen es an an/auf einer bank ab.
ich geh dann wieder in den zug und hole unserer räder (nachdem sich der radraum wieder ein wenig geleert hatte). dann beginnen wir mit der "montage" :) zuerst die sättel dann die spiegel und all die restlichen kleinen dinge. dann kommen die radtaschen an die reihe und nach gut 20 minuten sind die räder und auch wir fahrbereit.

wir schieben die räder aus dem bahnhofsbereich hinaus und dann wird mal genau geschaut wo wir hin müssen. da ich ja viele kopien aus map.veloland.ch gemacht habe ist es mal nicht schwer voran zu kommen. 
nach ca. einer halben stunde stehen wir aber an, da nicht genau erkennbar ist wo es jetzt weiter geht. datenpaket ist ja vorhanden also google-maps aufmachen und nachschauen wo wir sind. nach einigem hin und her entscheide ich dann ein bestimmte gasse zu wählen und mit 2 kleinen haklern sind wir auch wieder auf kurs, juhuuu.  entlang eines baches/kleinen kanals geht es dann raus aus zürich. patrick ist wie immer "zu" schnell und so fahren wir auch wieder mal zu weit :(
nicht schlimm denn die paar hundert meter schaff ma auch wieder zurück. wir machen einen kleinen umweg und fahren weiter den flughafen entlang. nachdem wir diesen dann fast zur hälfte umrundet haben entscheiden wir uns leider für die falsche richtung (auch auf grund der auskunft eines pensionsten, den wir befragten leider). ein bissal spanisch, oder in diesem fall schweizerisch, kommt mir das schon vor aber wir fahren mal ein stückal. nach ca. 1 km stoppe ich unsere karawane und google-maps muss wieder auskunft geben wo wir sind. natürlich falsch, eh klor. also einige gassen wieder retour und nach gut 10 minuten sind wir wieder auf dem richtigen wege.

es geht die strasse entlang richtung lufingen. ojjee da gehts ja rauf, was soll das *seufz* die sonne brennt und bei einem kleinen schattenplatzerl machen wir kurze rast zum sonnencremeschmieren und kapperl aufsetzen. ich hatte mich im zug schon grundlegend eingeschmiert aber nase und nacken musste ich noch nachschmieren. patrick's haut war noch sonnencremejungfräulich :)
irgendwie mag das rauf keine ende nehmen. egal schaut gut aus, so wie wir fahren. zur sicherheit frag ich noch 2 polizisten ob das der richtige weg richtung teufen ist und sie bejahen. also kann jetzt hoffentlich nix mehr schief gehen.
nach weiterem anstieg und dann gottseindank wieder abfahrt kommen wir nach teufen und gelangen so dann auf den richtigen radweg nr. 2 (rhein-radweg), der uns dann bis konstanz begleiten sollte.

immer wieder geht es bergauf und so auch jetzt wieder. patrick entdeckt ein kleines aussichtsplatzerl wo wir von oben auf den rhein runtersehen können. ein wenig futtern und viel trinken ist angesagt, denn es geht mir nicht wirklich gut. bin ausgedörrt und krieg nicht wirklich was runter. kaum was zu mir genommen wird mir auch gleich wieder schlecht. und die hitze (fast 40 grad in der sonne) tut ihr eigenes dazu, dass meine kräfte schwinden.

egal wir müssen weiter und so gehts weiter, mal rauf mal runter. endlich dann ein wenig mehr runter, auch immer wieder mit schattenfahrten und wir sind jetzt direkt auf wasserhöhe. mhh das tut gut. sich abkühlen und das kühle nass über den kopf rinnen zu lassen. 
es geht aber wieder weiter bis rheinau. dort gibts dann einen weg direkt in die stadt steil runter, angeblich mit schöner aussicht auf die klosterinsel. ich entscheide mich NICHT da runter zu fahren, sondern wir machen uns aus, dass wir uns in schaffhausen wieder treffen. somit kann ich langsam vorfahren und patrick die aussicht geniessen.

gesagt getan und ich fahre langsam am 2-er radweg weiter. meine magenkrämpfe kommen leider immer öfters. ich trau mich aber nicht zu putschen, denn könnt ja was mitkommen und das wäre nit gut. also such ich mir ein plätzchen in der natur um ev. balast aus meinem darm loszuwerden. gefunden; ich kämpfe mich durch hohes gras bis ich von der strasse nimma zu sehen bin. ojjee, da sind ja 100-te viecher und fliegen, bienen und was nicht noch alles. egal was raus muss, muss raus. zumindest dachte ich das :( denn nichts will raus :( also habe mich wieder angezogen und zurück zur strasse. ein wenig zerstochen und zerkratzt komme ich dort wieder an. 

na super, ist patrick jetzt schon vorbei, ist er noch hinter mir? keine ahnung.
ich quäle mich weiter, denn die sonne brennt vom himmel, der asphalt hitzt von unten und mir gehts wahrlich nicht gut. bei jedem schattenplatzerl such ich ein wenig erholung.

irgendwie schaff ich es bis zur nächsten ortschaft namens dachsen. 
dort frag ich einen kleinen jungen am strassenrand ob es hier irgendwo einen brunnen mit frischem kaltem wasser gibt. er schickt mich 2 strassen weiter zur schule, dort gibt es einen brunnen mit trinkwasser. dort angekommen dusche ich wieder meinen kopf mit dem kalten wasser und such mir ein schattiges platzerl zum ausrasten. ich trinke viel vom kalten nass (auch wenn ich halsweh habe und das eigentlich nicht tun sollte; auch das kalte wasser ist für den magen nicht gut, aber ich brauch das jetzt einfach).
patrick versuch ich tel. zu erreichen und nach 2 mal hin und her haben wir kontakt. der ist natürlich NICHT am 2-er weg geblieben sondern ist einem tip eines einheimischen gefolgt und ist wo anders gefahren (wo es angeblich kühler ist, da schattiger). so musste er dann alles wieder retour zur hautpstrasse und ist dann nach ca 20 minuten bei mir eingetroffen.
ich schildere ihm meine situation und er ist sehr nett und gewährt mir zeit und ruhe.

trotzdem haben wir noch seeehr viele kilometer vor uns und so quäle ich mich weiter aufs rad.
in 2 kilometer sind wir dann beim rheinfall. dort auf einer mauer setz ich mich wieder in den schatten und patrick besorgt mit den franken die ich mit habe, 3 kühle getränke. mhh das tut gut. ich trinke langsam das cola und ess ein packerl schnitten dazu. es tut einfach gut nix tun zu müssen. nach sicher 40 minuten pause (patrick schaut inzwischen zum rheinfall, aber der wird für ihn zu diesem (ohne h), denn dieser ist nur gegen gebühr zu besichtigen, was ihn aber nicht freut und dies somit auch nicht tut) geht's dann weiter.
es ist halt eine qual weil jegliche steigungen für mich, seien sie noch so klein, wirken als würde ich am glockner fahren.
die sonne brennt noch immer unerbitterlich auf unsere körper und nach schaffhausen gelangen wir dann nach diessenhofen. dort gibt es dann für mich wieder eine längere rast, gottseidank. auf eine schattenbankerl geniessen wir die aussicht auf die stadt und ich trink und ess wieder ein klein bissal was, denn runterkriegen tu ich nicht wirklich was :(

wir müssen weiter, denn die zeit verrinnt :( also wieder rauf aufs rad und weiter gehts über felder und wälder. meist aber in der sonne :( alle paar minuten brauch ich eine pause, da ich sonst komplett eingeh.
patrick findet dann noch einen weg zum rhein, zwar 200m umweg, aber immerhin wieder eine möglichkeit sich abzuduschen. mittlerweile zieh ich mir keine handschuhe mehr aus und setzt nach der kopfdusche gleich wieder mein kapperl auf um so lange wie möglich alles kühl zu halten.

irgendwie schaffen wir es dann bis stein am rhein, wo wir uns bei einer öffentlichen toilette wieder frisches wasser holen und uns neuerlich die köpfe duschen. durch die altstadt geht es dann schiebender weise weiter. noch ein paar fotos und weiter gehts am rhein entlang, der jetzt immer breiter wird.

nach einer heftigen steigung (aus meiner sicht) und einer kurzen abfahrt brauche ich wieder eine längere pause. ich versuche ein wenig was zu essen, aber ich krieg nix runter; mir ist einfach kotzübel :((
patrick ist sehr nett und nach einer neuerliche kleinen rast macht er sich auf den weg kühle getränke zu ergattern.
nach kurzer zeit kommen wir an einem badestrand vorbei mit einer kantine. dort gibts dann wieder kalte getränke, wenn ich diese auch nicht wirklich vertrage.

bei einer neurlichen rast kann ich dann meine gefühle, meine emotionen, meine anstrengungen, meine magenschmerzen, meine ... einfach nimma halten (nach fast einem ganzen tag unterdrücken) und ich muss einfach losheulen. warum, weiss ich selber nicht, aber wahrscheinlich alles zusammen ist zuuu viel. ich geniere mich total und entschuldige mich mehrmals bei patrick, dass mir das passiert, aber ich kann es einfach nimma länger zurückhalten. vielleicht wars auch gut so, dass das mal rausgekommen ist.

die minuten und stunden vergehen und wir kommen nicht weiter, weil ich andauernd pausen brauche :(
außerdem ist es recht frustierend immer wieder zu lesen dass es noch viele viele kilometer bis konstanz sind (zu diesem zeitpunkt waren es so gegen 35 km).
immer wieder steht da 15 kilometer und dann gefühlte 5 kilometer weiter stehen noch immer 15 kilometer auf den wegweisern. irgendwie scheine ich die zeit "verloren" zu haben, denn konstanz mag und mag nicht näher kommen *seufz und heul*
was ist das? mein garmin gibt seinen geist auf? akku leer? das ist mir noch nie passiert! aber irgendwie ist mir das jetzt auch egal. gottseidank läuft der garmin von patrick noch einwandfrei, dass es dann zumindest eine aufzeichnung gibt.

es wird später und später, aber nicht nur die wurst hat ein ende auch meine qual. 
siehe da, konstanz is nimma weit, juhuuuu. irgendwie kommt dann doch noch das stadtschild konstanz und nach überwinden einer autobahn machen wir wieder rast. wir sind in konstanz, jubelll (zumindest meinerseits).
wieder eine rast, denn ich bin völlig ausgelaugt und ausgebrannt. wir entscheiden uns dann richtung zentrum zu fahren und dort dann weiterzuschauen. ist auch nimma weit bis dorthin und bei einer breiteren strasse entdecken wir eine karte von konstanz. perfekt. ich bin nimma so ganz in der lage diese zu lesen aber patrick trifft jetzt die entscheidungen und wir fahren mal in eine richtung. ojee, jetzt links oder rechts? keine ahnung. ok, wir fahren zurück zur karte und schauen nochmals genau. links wäre richtig gewesen. alles retour und dann links.

jetzt sehen wir schon den see und in kürze ist es geschafft. nur noch einmal über die bahn (gottseindank müss ma warten weil ein zug gerade passiert) und dann sind wir bei der unterkunft. mittlerweile ist es 20.15.
patrick macht das formelle während ich heraussen mal die räder bewache. diese werden hinter ein gitter gesperrt, mit den schlössern abgesperrt und das gepäck müssen wir jetzt komplett um die halle herum tragen bis aufs andere ende. ojeee, ich muss immer wieder pausen einlegen und bei halber wegstrecke kommt mir patrick schon entgegen und hilft mir beim restschleppen und rauftragen (denn in den ersten stock müssen wir auch noch).
endlich am zimmer angelangt!
 
wir mache uns aus, dass wir uns um 22 uhr auf den weg richtung stadt machen, um noch was zu essen zu bekommen, denn das restaurant in unserer unterkunft hat schon geschlossen :(

nach langem sitzen am bett und langsamen ausräumen gehts mal unter die dusche. das tut gut, kühle und keine sonne mehr.  ich wasche noch schnell mein kapperl, denn das hat schon viele schweissranderl und sieht nimma schön aus.
dann wieder ein wenig rasten und dann ruf ich uschi an. ich bin völlig fertig. ich weiss dass der tag unheimlich auf meine gesundheit los gegangen ist und dass ich einfach krank bin und nimma kann.

somit gibts die entscheidung, aus - ende, ich brech die tour ab.

ich bitte uschi tom anzurufen und ihn zu bitten ob er uns ev. aus k0nstanz oder lindau, oder bregenz (also irgendwo vom bodensee) holen kann. leider klappt es nicht und er hat keine zeit, bzw. auch keine lust, weiss noch nicht genau wie ich seine absage interpretieren soll. denn mir geht es wirklich nicht gut und hatte gehofft dass er uns mit meinem auto holen kann (denn ein bahnfahrt würde ich ebenfalls nicht überstehen). das wäre ein tag den er "opfern" müsste für einen freund, aber anscheinend geht das nicht, warum auch immer. egal, ist eine andere geschichte.
ich versuche noch andreas scheiber anzurufen, aber da hebt keiner mehr ab (es gab auch die tage danach keinen rückruf, aber kann auch sein, dass ich eine alte nummer hatte).

mir fällt nur mehr andreas hiess ein und uschi ruft ihn an. 10 minuten später der ruckruf. er kann uns holen. am mittwoch geht es sich für ihn aus und er nimmt die laaange fahrt auf sich. juhuuu, ich bin total von den socken und weiss gar nicht wie ich ihm danken soll !!!
jetzt heisst es noch auto und papiere und radträger und ... zu organiseren. 
uschi macht das wie ein profi und ist mir wirklich eine unheimlich große hilfe. 
was würde ich nur ohne sie tun *hdl-kissss*. 

patrick und ich brechen jetzt mal zum essen gehen in die stadt auf. irgendwie habe ich gusta auf eine suppe. eine ganz einfache suppe mit einlage. wir gehen (bzw. patrick hirsch und ich schlepp mich dahin) richtung hafen, wo es viele lokale gibt. wir setzen uns bei einem mal nieder und warten und warten. eeendlich kommt der kellner und wir bestellen was zu trinken und fragen wegen essen und enttäuschende antwort; es gibt nix mehr.
ok, alles retour zum nächsten lokal. dort gleich mal gefragt und wieder nix mehr zu essen, weil gegen 22 uhr schluss ist bei den meisten.
beim dritten haben wir dann glück und es gibt noch futter. 
ich bestelle mir einen großen teller fritattensuppe (doppelte schälchenportion) und patrick ein geschnetzteltes.
die getränke lassen zwar auf sich warten aber dann ist es ein genuss das obi-gspritzt; sorry apfelschorle heisst das ja :)
nach einiger zeit kommt dann auch das essen.  mhh die suppe tut gut, aber nach 5 löffeln hab ich auch schon wieder genug :( ich quäle mich aber auch den großteil des restes zu essen, damit ich endlich was in den magen kriege.

ich erzähle patrick vom abbruch der tour und er ist gottseindank sehr gefasst. klar ist er enttäuscht aber er sieht auch ein, dass es mir gesundheitlich einfach "beschissen" geht und fahren einfach nimma möglich ist.
wir beschliessen nächsten tag mit der fähre nach friedrichshafen zu fahren und dann weiterzusehen wie es mir geht.

wir sind am bodensee und ebenso sind die preise, sauteuer! ein großer teller suppe, mit 3 kleinen einlagen fast 15 euro! in summe kostet das abendliche mahl fast 50 euro! was solls. wir trotten wieder zurück zur unterkunft und morgens um 8 gehts dann mal zum frühstück.

ich bedanke mich nochmals bei patrick, dass er so verständnisvoll ist und dass es mir uuurleid tut, dass aus der tour nix worden ist.

hundemüde und total ko geht's dann ins bett. auch mit der freudigen botschaft von uschi, dass das abholen von ihr komplett organisiert wurde und dass dies alles klappt!! danke!!!!

dieser tag war wahrlich ein höllentrip für mich.
eigentlich wäre es besser gewesen ich hätte die reise gar nicht angetreten; aber danach ist man immer klüger :)
schnarchhhhhhhh!!!

Bilder des Tages.  Strecke/Statistik des Tages.
Tages-Statistik:
  • Abfahrt 07:46 von Zürich
  • 07:55 h netto 
  • 115,0 km
  • 14,5 km/h Ø
  • 684 Höhenmeter ↑
  • 684 Höhenmete
  • max. Höhe: 520 m
  • Ankunft 20:13 in Konstanz