An einem schönen Tag bestellte ich mein Feld.
Da kamen zu mir des Wegs zwei Herren,
die trugen Marschgepäck und waren hier fremd in unsrer kleinen Welt.
Sie fragten mich nach dem Wege.
Sie suchten einen bestimmten Berg, um diesen zu besteigen.
Ich kannte ihn, so konnte ich den Weg auch zeigen.
Sie fragten, ob es wahr sei,
dass man dort die Erleuchtung erfahren konnte,
wenn man nur mit dem rechten Willen auf dem Weg dorthin verkehrte.
Ich sprach, das mochte so schon stimmen.
Ich wusste, schon seit je her waren Menschen darüber wie von Sinnen,
welche Erkenntnis ihnen der eine Berg wohl zu schenken vermochte.
Ich befragte diese Männer nach ihrem Marschgepäck.
Sie sagten, es wäre genug für ihren Zweck
und schenkten mir zum Lohn etwas Gebäck.
Sie riefen dann „Gott zum Gruß.“
Das brachte mich leider etwas zum Husten.
Ich wünschte einen guten Weg.
Sodann zogen sie davon,
ließen mich bei der Arbeit zurück.
Ich aß ihr Gebäck als ein zweites Frühstück.
Ach Herrje, was musste ich da denken,
waren das nicht solche Narren?
Aber gutes Gebäck, das wussten sie mir ja zu schenken.
Ich aß das, es schmeckte fein.
'So soll´s denn wahr sein,' dachte ich,
und drückte den Spaten wieder feste in den Boden hinein.
Drei Tage lang hörte ich nichts mehr von diesen Herren.
Es interessierte mich aber ihr weiteres Geschick so sehr.
Ich wüsste manche Wendung ihrer Geschichte gern.
Als sie dann am dritten Tag durch das Dorf zogen,
da erkannte ich sie an ihrem Gang,
während sie gerade um die Kurve bogen.
Ich lief ihnen ein Stückchen hinterher,
rief: „Werte Herren, es interessiert mich etwas sehr.“
Da besannen sie sich auf mich und hielten an.
Ich erkundigte mich bei Ihnen:
„Hat ihnen die Wanderung denn gut getan?“
und da schauten sie mich mit ihren großen Kulleraugen an.
Sie erzählten mir manches kurzer Hand.
Sprachen von einem mir fast unbekannten Land
oder anders vom Berge, als ich das kannte.
Erst nach langem Begreifen bemerkte ich:
Sie sprachen von der von mir geliebten Heimat so absonderlich,
wie das nur ein Fremder tun kann.
`Na, dann erkundige ich mich weiter`,
dachte ich bei mir heiter.
Fragte, wie es mit der gesuchten Erleuchtung ging.
Nun sie sagten, die wäre wirklich schön gewesen.
Aber es behinderten das Entzücken
Myriaden von Stechmücken.
Der eine zeigte seinen zerstochenen Rücken.
Oh weh, keine Stelle am Körper war mehr ganz Heil,
und da konnte ich ihn gut verstehen und ihn auch dabei ansehen.
„So kann es gehen“ sprach ich, ohne Witze zu machen,
und formte mit dem Mund 'ne nachdenkliche Spitze ohne dabei zu lachen.
Dachte daran diesen beiden Hilfe anzubieten.
Ich lud sie erst mal zu mir ein, zu Tische.
Wir speisten einen der feinen Flussfische,
die ich gestern gefangen hatte.
Was meine Frau kochte,
das machte bisher noch jeden satt.
Ganz glücklich sahen sie anschließend aus.
Müde hingen herunter vom langen Marsch ihre Glieder,
der Brustkorb ging stetig schnaufend auf und nieder.
Sie ruhten sich wohl etwas aus.
Ich holte zur ihrer Erlösung dann,
was manchem schon hat gut getan:
Eine frische Heilsalbe aus der Kammer.
Sie rieben sich ein die wunden Stellen.
Ihre Mienen begannen sich dabei weiter aufzuhellen.
Nicht alles hier war Pech allein, nein, nein.
Sie zogen später ihres Weges,
weiter fort mit ihrem Marschgepäck.
Irgendwann ist jeder Fremde wieder weg.
Sie gaben mir zwei gute Groschen.
Zuvor hatten wir noch einen öligen Schnaps getrunken.
Der eine sprach: Ihre Reise hätte ihnen eigentlich doch sehr gestunken.
Alle Erleuchtung, die sie je erfahren hätten,
sei weniger Wert als jener Schnaps.
Der schien ihnen dabei dennoch gar nicht allzu viel zu geben.
Nun denn, dachte ich, als sie gegangen waren,
vielleicht bemerken die Herren jetzt noch mit ihren Jahren,
dass man das Glück nicht auf die Spur zwingen kann.
Ich ging zur Frau, teilte mit ihr das Geld,
schließlich hatte sie ja für uns gekocht.
Es war ja weiter nicht die Welt.
Unser Dorf inmitten der Natur
lag immer schon mitten auf dem Weg,
für den, der zum besagten Berge ging.
So hatten wir Jahraus Jahrein,
manches Mal ein Stelldichein
mit allerlei Gestalten.
Wir waren das gewohnt, von je her bis heute,
immerzu verirrte es die Leute,
hierher wo wir glücklich sind.
Doch keiner fand, so wollte ich es glauben,
das womit er nachher prahlte,
wobei er zugleich wie einer dieser Sieger strahlte.
Erst die verkehrte Dichtung und der falsche Reim
schufen wohl schlussendlich jene Begehrlichkeiten,
welche so manche Irrlichter auch heute noch so an sich zeigen.