Gedicht
Wir täuschen und werden in Täuschung erzogen.
Wir sind es gewohnt, nicht darüber nachzudenken, wie etwas ist.
Stattdessen erfinden wir neu und neu,
weil so etwas mehr Erfolg für uns bewirkt hat.
Der Umstand, dass wir somit ein Unheil heraufbeschwört haben,
weil wir alles Innehalten zu etwas Unsinnigem verkehren,
möchte uns zuweilen schon aufgefallen sein.
Niemals haben wir jedoch über uns gerecht gerichtet.
Da leben wir weiterhin in Vergessenheit.
Wir bestimmen über andere und werden zugleich fremdbestimmt.
Dann haben wir manche Leute an den Ohren gezogen und derweil laut geschrien,
aber wir haben keine unserer Verwicklungen wieder aufgelöst.
Wortlos müssen wir zusehen, wie die Welt ihr Gesicht verändert hat,
wie sie tagtäglich aufs Neue von uns zerstört wird.
Da schließen wir unsere Augen immer fester zu.
Wann immer eine Wahrheit vorgekommen ist, sind wir an ihr vorübergegangen.
Wir möchten keinen Schmerz erfahren.
Deshalb ist es uns gleichgültig geworden,
was geschehen ist.
Alles ist dabei kaputt gegangen.
Wir haben es zugelassen,
solange
es uns nicht zu sehr Weh getan hat.
Aber das ist noch gar nicht alles gewesen.
Im gleichen Atemzug fügen wir anderen Leuten heftige Schmerzen zu,
machen das Ihrige kaputt.
Derweil haben wir alles verleugnet.
Wir übernehmen keine Verantwortung für unser Tun.