Gedicht
Einen Meister muss ich finden. Einen, der mir etwas zeigen kann.
Der mich lehrt, die Schuhe zu binden, und von dem ich es dann lerne.
Der erkennt, was ich erkenne, weil er aus dem gleichen Holz geschnitzt ist.
Der fröhlich sein kann und auch verschmitzt lacht, wenn er in der Ecke sitzt.
Der ahnungslos sein kann, wenn ich gelogen habe, aber den Hintersinn versteht.
Der mich beschützt, wenn ich betrogen habe, weil darauf Freiheitsstrafe steht.
Er muss mir ein Rechter sein, schließlich bin ich nicht aus Ton gewesen.
Man könnte mich nicht einfach formen, man verlacht mich deshalb schon.
Ich bin nicht die Pfeife, zu der man mich machen will.
Die Leute lieben das Sticheln. Das hat bei mir keinen Sinn.
Ich bin vielleicht verloren, wenn mir keiner etwas erklärt.
Darum muss ich jetzt einen finden, der weiß wie Weizen gärt.
Denn Bier, das will ich brauen. Ein Maß für jeden Mann.
Es kann doch nur erbauen, das, was man genießen kann.
So mache ich die Lehre in einer Brauerei.
Entdecke dabei, was wäre. Das Jahr geht schnell vorbei.
Dann bin ich fortgegangen. Hinaus geht es in diese Welt.
Mein Himmel ist verhangen. Kein Stern mehr steht unter diesem Zelt.
Ich bin vielleicht jetzt Brauer, doch ich tue nichts.
Sehe ich es auch etwas genauer, mache ich doch noch kein Geschick.
Zu meiner Freude stelle ich fest, dass ich die Gerste brauen kann.
Mir schmeckt dieses Bier auch fein, doch andere könnten besser sein.
Darum suche ich mir einen neuen Meister. Einen, der mir etwas erklärt.
Einer, von dem ich lerne, von dem man etwas erfährt.
Ich gehe zu einem Schreiner, weil er etwas richten kann.
Er ist ein ganz Gemeiner, ein Baum von einem Mann.
Er lehrt mich das Sägen und er zeigt, wie man das Sägeblatt schränkt.
Ich darf auch gerne hobeln und putzen, wenn er pennt.
So schlage ich mich durch, erlerne manches neu.
Abends bin ich müde, werf mich dann ins Heu.
Ich schlafe dann und träume von einer besseren Zeit.
Ich träume davon, dass ich etwas versäume und werde dann gescheit.
So geh ich fort vom Schreiner, zu einem Schneider hin.
Der lugt mit seiner Brille, ganz freundlich und ohne argen Hintersinn.
Ich lerne bei ihm das Stopfen und wie man einen Ärmel näht.
Er pflanzt im Garten Hopfen, so ist es für das früher Gelernte auch noch nicht zu spät.
Ich braue ihm ein Bier, wie er es noch nicht gehabt hat.
So danke ich ihm dafür, dass er mir das Nähen gelehrt hat.
Ich lerne auch Spinnen. Er ist ein fleißiger Mann.
Er zeigt mir noch das Weben. Es ist gut, wenn man das kann.
Ich lerne bei ihm vieles. Empfinde dabei Glück.
Aber es fehlt mir die Erleuchtung. Es zieht mich auf die Straße zurück.
So ziehe ich dann wieder in die Ferne, weit über dieses Land.
Nehme ein Obdach bei einem Bauern und arbeite dafür für das Pfand.
Ich lerne Kartoffeln zu säen. Pflanze die Zucchini ein.
Tomaten, die manche schälen, eh, die Schale schmeckt doch fein.
Lerne die Grütze zu schätzen. Der Hafer macht mich satt.
Zum Schlachten gilt es die Messer zu wetzen. So lerne ich, wie man Würste macht.
Ich füttere die Ziegen. Sie sind mir eine Freude.
Ich träume von der Liebe, doch was kann ich schon gut heute!
So ziehe ich nun weiter. Gar viel habe ich gelernt,
und bin doch noch kaum gescheit. Ich spüre, dass die Sonne mich kaum wärmt.
Es wird schon bald wieder Winter. Das Jahr geht schnell vorbei.
Ich schaffe nun in einer Grube, grabe nach Erz und spiele Schalmei.
Die Grube ist ein Unglück. Wir sterben hier zuhauf.
Doch jeder für den Fortschritt, wir sind angewiesen darauf.
So sind wir halt gezwungen. Wir müssen runter gehen.
Doch abends bei der Musik wird das Leben wieder schön.
Man bekommt schon genug zu essen. Beim Bauern hatte ich dennoch mehr.
Ich kann das nicht vergessen, die Arbeit war auch nicht ganz so schwer.
Darum breche ich dann auch wieder auf. Die Welt gilt es zu erkunden.
Bin ich fort, bin ich gut drauf. Hab mich hier genug geschunden.
Es ist Frühjahr und auch Zeit. Dennoch bin ich noch nicht gescheit.
Auch wenn ich hier etwas gelernt habe, so weiß ich doch nur, dass ich grabe.
So gehe ich nun meine Wege. Weiter zieht es mich über Stege.
Ich habe noch lange nicht viel erreicht. Bin nicht auf den Erfolg geeicht.
Einen Förster lerne ich kennen. Der stellt mich auch gerne ein.
Lerne Baumsorten und schlafe nach der harten Arbeit ein.
Die frische Luft und ihr Duft, der Sonnenschein und seine Wärme.
Das ist anders als der Grube Muff. Ich möchte wieder wie ein Mensch werden.
Es kommt mir gut nach der Plage. Gute Arbeit, wenig Leid.
Doch habe ich an manchen Tagen mit dem Förster manchen Streit.
Er schickt mich weg. Ich bin verdammt.
Und zu allem Unglück hat man mir noch ein Messer in den Arm hinein gerammt.
Ich bin rechtlos, nur ein kleiner Knecht.
Wenn ich mich wehre, dann verliere ich erst recht.
So ziehe ich von dannen. Das Unglück, das ist so schwer.
Ich kann es lange nicht schaffen. Nachts friert es mich auch sehr.
Ohne Arbeit kein Brot. So komme ich in Not.
Man lacht mich auch aus. Kein Glück, kein Applaus.
Man kann mich nicht leiden. Schließlich werde ich krank.
Ich lebe ganz bescheiden, bin vom Leben verdammt.
So ziehe ich die Lehre aus meinem Geschick.
Wenn ich rechtzeitig schlau geworden wäre, brächte mir jetzt nicht das Genick.
Meine größte Dummheit war die Suche nach dem Können.
Heute bin ich auch nicht gescheit, aber könnte vor Unglück einfach nur flennen.
Mein Arm ist verdorben. Mein Geist wird langsam wirr.
Ich habe nicht genug zu essen und keine Hoffnung mehr.
Ich bin nicht klug geboren, doch glücklich war ich dabei doch.
Nun, da ich gescheit bin, hat es mich nur noch gereut.
Alles ist vergänglich. So auch meine beste Zeit.
Hätte ich sie für mich gut genutzt, hätte ich mich heute mehr gefreut.
Ich hätte nicht so viel verloren. Mein Glück war mir stets hold.
Doch ich habe mir zu viel geschworen, es nicht anders gewollt.
Alles Gute ist vorbei. Und wenn ich nun die anderen Leute ansehe,
dann kann es sein, dass ich sie ganz gut verstehe.
Ich schaue diese Welt. Mir wird dabei so vieles klar.
Es ist schon eine schöne Erfahrung, die mir zuvor noch nie so geschehen war.
Leider fehlt mir zum Glück noch ein rechter Lohn.
Doch beides kann ich nicht haben, das weiß ich selber schon.
Die Welt ist stets das Gleiche. Doch ich wollte anders sein.
So habe ich es mir verscherzt. Bin nun verarmt und auch allein.
Ich trauere aber nicht ums Geld. Es stört mich nur der Schmerz.
Zu meiner angelernten Weisheit fehlt mir auch das gute Herz.
So lebe ich denn in Armut
und ergründe mit der eigenen Liebe
des Lebens bitteren Scherz,
seine tausendfachen Hiebe.