Die Einheit wurde ausgearbeitet und weiterentwickelt von:
Pastor Ralf Krüger
Diakonin Maike R. Hofmann
Teamerinnen und Teamer
Die Fragen nach "Liebe, Freundschaft und Sexualität" bewegen die Jugendlichen im Konfirmandenalter. Jungs und Mädchen beginnen, sich füreinander zu interessieren. Zumindest angeregt von außen schwingt das Thema "Sexualität" immer mit.
Wir haben das Thema an einem Wochenende - Freitag bis Samstag - in einem externen Jugendgästehaus behandelt. Damit die Provokationen des einen Geschlechts gegenüber dem anderen in einem "normalen" Rahmen blieben, wurden die Gruppen immer wieder geschlechtsspezifisch aufgeteilt. So mussten die Jungs sich nicht vor den Mädchen "produzieren", die Mädchen konnten in einem geschützten Raum den Teamerinnen die Fragen stellen, die unter den Nägeln brennen.
Wir verstehen diese Unterrichtseinheit im Rahmen der aktuellen Diskussion um sexuellen Missbrauch auch als Präventionsmaßname, die die Jugendlichen sensibilisiert, dass sie Zeichen von Missbrauch deuten können und sich Hilfe suchen. Mit Nachdruck habe ich den Jugendlichen immer wieder eingeschärft, dass niemand sie berühren darf, wenn sie nicht einverstanden sind. Dieses darf und muss geradezu im Blick auf das Verhalten Erwachsener den Jugendlichen gegenüber mit Nachdruck deutlich gemacht werden.
Selbstverständlich sind Eltern vorab über das Thema zu informieren und deren schriftliches Einverständnis ist einzuholen.
Diese Erste Einheit ist sozusagen Warm-Up-Phase und Einführung ins Thema durch das Sammeln von ersten Assoziationen. Die Jugendlichen bekommen einen Überblick über verschiedene Arten und Sichtweisen der Liebe (freundschaftliche/platonische Liebe, romantische Liebe, heterosexuelle und homosexuelle Liebe, Liebe zu Tieren und zur Natur, Selbstliebe usw.)
Aus einer Vorauswahl von ca. 30 Bildern haben wir uns pro Konfifreizeit immer 10-15 Bilder herausgesucht und ausgedruckt. Diese wurden im Raum verteilt und jede*r Konfirmandin/Konfirmand hatte die Aufgabe, sich für jedes Bild eine Überschrift auszudenken und diese auf einen kleinen, vorbereiteten Zettel zu schreiben. Das ganze geschieht in Einzelarbeit mit möglichst geringem Austausch, um die verschiedenen Eindrücke kennenzulernen. Die Zettel mit den Überschriften werden verdeckt unter die Bilder gelegt, damit die Gedanken anderer vorerst nicht einsehbar sind.
Die Bilder wurden auf pixabay.com gefunden und dürfen ohne Namensnennung verwendet werden.
Nach dem ersten Arbeitsschritt teilen sich die Konfis in Kleingruppen auf - pro Bild eine Gruppe. Der Arbeitsauftrag lautet dann, die Überschriften eines Bildes zu sichten, doppelte Begriffe auszusortieren und die Begriffe nach Wichtigkeit zu ordnen. Die wichtigsten Überschriften werden dann den anderen Gruppen vorgestellt.
Die Jugendlichen werden ist geschlechtsspezifische Gruppen eingeteilt, begleitet von Teamerinnen und Teamern, so dass letztendlich nur Jugendliche beieinander sind. Die Konfis setzen sich mit Begriffen auseinander, die ohne Reflexion, mit Vorurteilen behaftet, oft einzelnen Geschlechtern zugeordnet werden.
Ziel dieser Einheit ist es, die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass stereotype Zuordnungen nicht zutreffend sind.
Die Ergebnisse aus der Jungen- und aus der Mädchengruppe werden dann im Gruppenraum angepinnt.
In den gleichen Gruppen wie zuvor soll nun ein Brief an das jeweils "andere" Geschlecht verfasst werden.
Theoretisch soll dies eine vertiefte Auseinandersetzung und Reflexion der vorhergehenden Einheit sein. Es kann aber durchaus passieren, dass hier noch einmal "richtig vom Leder gezogen wird". Auch wenn das nicht zum üblichen "Handwerkzeug" der Unterrichtenden und Teamenden gehört, hier kann es nötig sein, deutlich korrigierend einzugreifen.
Bislang war keine nicht-binäre Person auf unseren Konfi-Freizeiten dabei. Sollte dies der Fall sein, würden wir mit dieser Person und deren Eltern Rücksprache halten und die Themeneinheiten „Typisch männlich/weiblich“ und „Brief an das andere Geschlecht“ ggf. entsprechend anpassen.
Ein Spieleabend - u.a. mit einem Tabu-Spiel zum Thema - und eine Andacht runden das Programm des ersten Tags ab.
Hier handelt es sich um ein Aufklärungsvideo bzw. einzelne Sequenzen, die zu einem Video zusammengefasst wurden. Das Aufklärungsvideo (produziert 2009/2010 in Österreich) lässt sich am besten als ein moderner, animierter Sexualpädagogik-Kurzspielfilm beschreiben, der speziell für Jugendliche konzipiert wurde. Der Film nutzt stilisierte Animationen, um auch Sexszenen darzustellen, ohne dabei pornografisch zu wirken. Die Figuren (David und Sophie) sind animiert, was die Darstellung von Körperlichkeiten entpathologisiert und zugänglicher macht.
Auf der Seite https://sexualpaedagogik.at/ kann man nachlesen: "Sex we can?! ist ein Reihe von Aufklärungsvideos für Jugendliche zum Thema erster gemeinsamer Sex. Jugendliche werden zum Thema Sexualität mit Informationen überschwemmt. Dem Bedürfnis nach „echter Information aus erster Hand“ entsprechen in fataler Weise sexuelle mediale Aufarbeitungen in Sex- und Pornofilmen, im Internet und in Handyclips. ..." Diesen "Aufklärungsversuchen" begegnet der Film auf ansprechende Weise.
Eine zusammenhängende Fassung des Videos haben wir hier gefunden:
Auch auf der nachfolgenden genannten Seite findet man das Video in kurzen Sequenzen, jedoch fehlt der Schluss:
Die einzelnen Szenen des Films lassen sich gut besprechen, wenn im Anschluss an das Video der "Verhütungskoffer" bzw. dessen Inhalt vorgestellt wird. Dieses Material wurde uns immer wieder vom Diakonischen Werk zur Verfügung gestellt, nachdem es uns vor einigen Jahren durch die geschulte Mitarbeiterin fachkundig erklärt wurde. Dafür auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön.
Wenn es darum geht, das Thema Sexualität und Verhütung auch anhand des Materials aus dem Verhütungskoffer zu besprechen, ist es ausgesprochen hilfreich, wenn nicht geradezu notwendig, in geschlechtsspezifischen Gruppen zusammenzukommen. So vermeidet man die Provokation des einen Geschlechts gegenüber dem anderen. Gleichzeitig werden Hemmungen abgebaut.
Hemmungen, sich mit dem Thema überhaupt auseinanderzusetzen, sich am Gespräch zu beteiligen und auch die eine oder andere Frage zu stellen
Hemmungen, Verhütungsmittel - Kondome, Pillenpackungen, Diaphragmen, Spiralen etc. - in die Hand zu nehmen
Hemmungen, den Gebrauch von Kondomen üben
Neben dem Thema Verhütung ging es immer darum, über den "Aufbau" des anderen Geschlechts zumindest ansatzweise Bescheid wissen.
Zum theoretischen Wissen über Verhütung wurde stets über die Verantwortung füreinander gesprochen. Nur wenn beide wollen, darf es zu sexuellem Handeln kommen - angefangen bei Händchenhalten, Küssen, Kuscheln bis zum Sex. In jedem (!!!) Fall gilt:
Ein Nein bleibt ein Nein! Erst Ja heißt tatsächlich Ja!
Ein nettes Kompliment war es, dass vor einigen Jahren ein Konfirmand, der da Thema zunächst strikt abgelehnt hatte, auf mich zukam und erklärte: "Das war der beste Aufklärungsunterricht, den ich je hatte."
Ach ja, warum war die Beschäftigung mit dem Thema auch lustig. Nachdem die Kondome auf eine Penisform gezogen waren, machte irgendeiner immer den Anfang, das so gebrauchte Kondom aufzupusten. Man staunte über das Fasungsvemögen, ließ die Kondome wie Luftballone fliegen - und hin und wieder platzte natürlich auch einer.
Was wohl die Reinigungskräfte gedacht haben, wenn sie die Überreste dieses Spaßes in den Abfalleimern fanden?
Ausgehend vom Hohelied der Liebe und inspiriert durch weitere Texte aus Literatur und Musik haben die Konfis den Auftrag, ein kleines Liebesgedicht oder ein Gedicht für eine*n Freund*in zu schreiben. Dabei wurde in der letzten Zeit auch KI-Assistenten wie Chat GPT, Gemini o.a. zugelassen. Die Gedichte werden mit Zustimmung der Konfis (anonym) von den Konfis selbst oder dem Team vorgelesen.