Er schlang seinen Arm um mich. „Ist dir kalt?“ erkundigte er sich fürsorglich. „Jetzt nicht mehr. Dein Körper wärmt mich wie ein loderndes Feuer.“ Ich schmiegte mich enger an ihn. Bei meinen Worten verschlang er mich mit seinen dunklen Augen, so dass mir ganz heiß ums Herz wurde.
Zack! Nein, warum gerade jetzt. Musste ich gerade jetzt aufwachen, wo mir mit meinem Traummann ein süßes Schäferstündchen bevorzustehen schien. „Das Leben ist ungerecht und Träume auch“, dachte ich schmollend, bevor ich wieder sanft ins Traumland zurückglitt.
Irgendetwas schnürte mir den Atem ab, ich bekam kaum noch Luft. Ich drohte zu ersticken. Da bemerkte ich die riesige Anakonda, die sich um meinen Körper gewickelt hatte und mit ihren starken Muskeln immer stärker zudrückte. Ich versuchte noch einmal, tief Luft zu holen, aber es war ein auswegloser Kampf. Dieses mörderische Urtier würde mir die Rippen brechen.
Schnapp! Panisch schlug ich um mich, als plötzlich ein Schrei ertönte, ein Schmerzensschrei, gefolgt von den Worten „Willst du mir die Rippen brechen?“ Plötzlich war ich hellwach. Was hatte ich noch geträumt, ach ja, diese Riesenschlange drohte mich zu ersticken. Und vor lauter Panik hatte ich wild um mich geschlagen. Was für ein Albtraum!
Martin hatte sich jedoch schon vom Schock erholt und wie es seine Art war, schlief er schon wieder tief und fest. Seinen Arm hatte er dabei wieder um mich gelegt. Das also war die Schlange gewesen, die mich erdrückt hatte. Bevor ich mit klopfendem Herzen wieder hinüberglitt, wurde mir aber bewusst, dass dieser Arm auch der Auslöser für meinen ersten Traum gewesen war. Mein Martin –Traummann und gleichzeitig erdrückend. Ob ich mich am Morgen wohl noch an diesen Gedanken erinnern würde? Und wieder glitt ich ins Traumland hinüber.
Beim Aufwachen am Morgen hatte ich einen seltsamen Satz im Kopf: „Traumschlangen umwickeln dich unauflöslich“. Seltsam, woher war dieser Gedanke plötzlich gekommen? „Egal“, dachte ich, „aber darüber muss ich unbedingt eine Geschichte schreiben.“
Dieses Gedicht habe ich einem Schreibspaziergang von Michael Giongo in Hirschstätten zu verdanken. Anhand von miteinander entstandenen Texten haben wir Bilder gemalt. Diese wurden von jeweils einer anderen Teilnehmerin betitelt. Und der Titel meines Bildes hat dann die Inspiration zu dieser Geschichte geliefert.
Wer sich auch inspirieren lassen will, sollte an einem seiner Schreibspaziergänge teilnehmen oder im Winter an "Schreiben im Café, nähere Informationen unter http://michael-giongo.com/