Unlängst in der medizinischen Therme Oberlaa. Mein Name wurde aufgerufen, und ich humple hinter der Masseurin in den Behandlungsraum. Wie üblich die Frage: „Wie geht es Ihnen?“ Und wie üblich meine Antwort „Schlecht.“ Aber statt des sonst üblichen weiteren Austausches medizinischer Fakten fing die Masseurin plötzlich zu singen an. Und zwar einen mir unbekannten Text, und die Melodie kannte ich auch nicht. Zwar ist Volksmusik nicht gerade meine Leidenschaft, aber ich musste einfach schmunzeln, wie ich da aus heiterem Himmel nicht nur mit Massage, sondern auch mit Gesang verwöhnt wurde.
„Dir weine ich keine Träne nach,
liege keine Nacht lang wach.
Du warst nie mein Sonnenschein,
kann mich auch ohne dich des Lebens freu’n.“
Von anfänglich leisem Summen der Melodie über zartes Singen steigerte sich die Masseurin hin zu einem lauten Crescendo, welches den ganzen Gang beschallte. Nach dem kleinen Ständchen erzählte sie mir mehr von ihrer großen Leidenschaft. Dass sie Gitarre spielte und selbst komponierte. Und sie wollte auch unbedingt etwas herausbringen. Aber Tonstudios seien ja so teuer. „Wollen Sie noch eine meiner Kompositionen hören?“ fragte sie sodann begierig. Und kaum meine Antwort abwartend, erhob sich wieder ihre kräftige Alt-Stimme:
„Du warst mein größter Schatz,
zuerst hattest du in meinem Herzen Platz,
dann am liebsten vergraben hätt‘ ich dich,
und jetzt lass mit Freude ich scheiden mich.“
Mein Körper vibrierte nicht nur von der Ultraschallmassage, sondern auch vor lauter Lachen, welches ich kaum zurückhalten konnte. Nicht nur bekam ich hier Gesangskunst geboten, sondern offenbar auch die Rachegedanken einer zornigen Frau über ihren Ex. Das war doch wirklich einmalig. Als der Wecker nach den üblichen 20 Minuten schrillte, bedankte ich mich für Massage und Musikdarbietung, zog mich an und humpelte aus dem Behandlungsraum hinaus, allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen und die Krücken im zuvor gehörten ¾ Takt schwingend.
Diese Masseurin war Gold wert. Sollte man vielleicht der Krankenkassa ans Herz legen, Massage mit Musik auf Krankenschein anzubieten. Ich bin mir sicher, da gäbe es eine höhere Heilungsquote. „Herr Chefarzt, 10x Musikmassage bitte, aber bitte schön die klassische Variante mit humorvollen Texten.“
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