Bauer Schneider und seine Arche Noah
Es macht oink, mecker, schnatter, muh: Wolfgang Schneider hat einen Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Im Bopfinger Weiler Meisterstall setzt der Nebenerwerbslandwirt auf die artgerechte Haltung bedrohter Nutztierrassen. Nebenbei erweist er der Archäologie einen Dienst.
Von unserem Redakteur Bernhard Hampp
Unter dem Dachgebälk drehen Vögel blitzschnelle Kreise. Da oben brüten sechs Rauchschwalbenpärchen“, sagt Schneider. Neben ihm schmiegt sich ein gestern geborenes Lämmchen an die Schafmutter, im benachbarten Raum beäugen die Limburger Kühe die Pferde gegenüber. Auf dem Hof von Bauer Wolfgang Schneider gibt es Schwäbisch-Hällische Landschweine, Höckergänse, Emdener Gänse, Walliser Bergziegen, Texaner-Tauben, Hühner, Hunde, Katzen und sicher auch Mäuse. Und das alles im Weiler Meisterstall, wo nur zwölf Menschen wohnen.
Der 60-jährige Wolfgang Sfchneider, Elektriker im Ruhestand, verbringt seine Tage auf dem Hof, wo einst seine Frau aufgewachsen ist und dessen Gebäude er vor zehn Jahren übernommen hat. Den Hof bewirtschaftet er bereits seit 20 Jahren als Hobby und Nebenerwerb. „Früher war es der Ausgleich zu meinem Beruf, heute ist es mein hauptsächiicher Zeitvertreib", sagt er. Den Hof mit Bauerngarten und Bienenstock nutzt er zur Selbstversorgung. Auf den Pferden, die meist im nahen Dirgenheim grasen, reitet Schneider gerne aus
Artgerechte Tierhaltung
Um die 20 Hektar Feld kümmert ichSchneiders' 20-jähriger Sohn Sven, der von Beruf Zerspanungsmechaniker ist. Beide verfolgen die glei- Chen Ziele, was die Tierhaltung angeht: Artgerecht soll sie sein und ohne Leiden für die Tiere. Für Massentierhaltung hat Schneider nur ein Kopfschütteln übrig: übrig: „Ich halte nichts von großen Mastanlagen, in denen Tiere mit Arzneimitteln und Wuchsförderungsmitteln vollgepumpt werden, so wie auf Beton-Spaltenböden stehen und nie das Tageslicht sehen.“
Begeistern kann man Schneider, auf dessen Bauernhof der Begriff von der Arche Noah bestens passt, mit kreativen Ideen: So stimmte er dem Projekt des des Naturschutzbeauftragen Werner Vonhoff gerne zu, auf dem nahen Buckeleshau, wo 40 Grabhügel aus der Keltenzeit ent-deckt Wurden, mit seinen 25 Bergziegen zu beweiden. Die fressfreudigen Tiere halten das das Gelände frei von Gestrüpp und sorgen dafür, dass der archäologisch wertvolle Grabhain nicht zuwuchert.
Schweine suchen nach Eicheln
Neue Ideen, von denen sie hoffen, dass sie sich umsetzen lassen, haben Wolfgang und Sven Schneider genug: Zum Beispiel die Waldbewei dung mit Schweinen - die Schweine in den Wald zu treiben und sie wie vor hundert Jahren auf dem Waldboden nach Eicheln suchen zu lassen. Wenn Wolfgang Schneider von solchen Ideen spricht, sprüht er vor Freude an seiner Aufgabe. Das soll auch so bleiben, sagt er: „Wenn es in Arbeit ausartet, muss ich mir etwas überlegen."
Erschienen in Ipf- und Jagst-Zeitung / Aalener Nachrichten, 9. Juli 2010