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WTB Dissent 29x2.5


Bestellung und Versand aus den USA:

Ich habe die Reifen bei bike29.com fuer knapp 50 US$/Stueck gekauft. Die zunaechst berechneten Versandkosten lagen bei 10 US$, einen Tag spaeter kamen nochmals 40 US$ fuer Versand ueber USPS Priority Mail dazu.
Nach etwa 2 Wochen kamen die Reifen beim Zoll in Deutschland an, wo die Kiste wegen eines verdaechtig niedrigen Warenwertes (Gift, Value 30 US$) geoeffnet wurde. Diesen Wert hatte der Verkaeufer entweder angegeben, um die Kosten fuer die Versicherung niedrig zu halten, oder um mir einen Gefallen zu tun. Leider musste ich deswegen extra eine Stadt weiter zum Zollamt fahren, und die Originalrechnungen fuer die Zollabfertigung vorlegen. Auf die Gesamtsumme wurde nochmals EUSt. in Hoehe von 19% erhoben (23 Euro), so dass ich insgesamt etwa auf 150 Euro Kosten fuer zwei Fahrradreifen gekommen bin. Nicht gerade ein Schnaeppchen, aber dafuer bin ich wohl der Erste in Europa, der die Teile hat.

Montage und Masse und Gewichte:
Das Gewicht der Reifen lag bei 1314/1353 g.
Die Reifen waren etwas schwerer auf die Giant Felge (24 mm Maulweite) zu bekommen als die anderen Reifen, die ich bisher gefahren bin. Trotzdem waren sie noch ohne Reifenheber montierbar. Nach dem Aufpumpen auf zunaechst 3 Bar (der Maximaldruck) waren sie noch unrund, nach etwa 15 gefahrenen Kilometern hatte sich das schon weitgehend normalisiert. Die Breite von Stollen zu Stollen lag zunaechst bei 62-63 mm, nach einer Nacht bei Maximaldruck schon bei 65 mm. Die Karkasse ist 58 mm breit, und der Reifen insgesamt etwa 56 mm hoch. Also eher etwas groesser. Die Stollen sind hoch und gross, aber sehr weich. Ich bin mal gespannt, wie lange die halten...
Zum Vergleich habe ich die Reifen mal mit einem Rampage in 29x2.35
 und einem Ardent in 29x2.25 fotographiert.


In meinen Access XCL 9er passen die Reifen noch ganz gut, viel Platz ist aber nicht mehr...




Erster Fahreindruck:
Ich bin mit den Reifen etwa 15 km Teer-, Feld- und Waldwege gefahren. 
Was mich am meisten ueberrascht hat, war das Laufgerauesch. Ich haette mit solchen Stollen auch eine entsprechende Geraeuschkulisse erwartet, aber mitnichten: Man hoert den Reifen fast gar nicht. Er ist nicht viel lauter als ein Rennradreifen, so leise, dass ich neben dem Lauf meiner Kette, dem Quietschen meiner Schuhsohlen auf den Pedalen eigentlich nur noch den Fahrtwind gehoert habe.
Subjektiv treten sich die Reifen sehr leicht, viel leichter als erwartet. Woran das liegt, weiss ich nicht. In der Ebene auf Teer lassen sich entspannt Geschwindigkeiten von etwa 27-28 km/h fahren, und das bei recht niedrigem Puls. Viel schneller fahre ich auch mit den Ignitors nicht, mit den Rampages wird das anstrengender.
Die Haftung ist, soweit ich das bisher beurteilen kann einfach nur erstaunlich. Der Reifen laedt foermlich dazu ein, ausgewaschene Rinnen oder schraege Ebenen im festgefahrenen Dreck laengs zu fahren, nur um sich daran zu freuen, dass der Reifen einfach nie wegrutscht. Beim Durchqueren eines kleinen Bachbettes musste ich kurz mit nassen Reifen nasse Steine im steilen Winkel hochfahren, und haette eigentlich fest damit gerechnet, dass der Reifen wenigstens kurz durchdreht, aber weit gefehlt. Der hat das einfach ignoriert.
Das Gewicht merkt man natuerlich, beim Anfahren, aber auch  bergauf macht sich das hohe Gewicht bemerkbar. Die gute Nachricht ist, dass man das Gewicht auch bei der Fahrstabilitaet merkt. So komisch das klingt, aber der Reifen beruhigt das Fahrrad. Es gleitet jetzt viel entspannter ueber kleine und groessere Hindernisse, ein schoenes Fahrgefuehl.
Ueber Nacht scheinen die Reifen noch etwas breiter geworden zu sein (Breite von Stollen zu Stollen ist jetzt 65 mm), denn jetzt schrappt der vordere Umwerfer am Reifen. Das ist mir gestern noch nicht aufgefallen. Ich werde mal versuchen, etwas mit den Anschlagschrauben zu spielen, mal sehen, ob ich es wieder wegbekomme.

Update 15.07.10:

Nach einigen km Trails kann ich jetzt mehr zum Reifen im Gelaende sagen.

Das Gewicht spuert man. Leider. Sowohl an steilen Anstiegen, als auch beim Beschleunigen an der Ampel.
Der Grip ist eigentlich phaenomenal, das Hinterrad hat (fast) immer Traktion. Wiegetritt im steilen Gelaende ist kein Problem, das Hinterrad rutscht fast nicht mehr. Durch Schlammloecher kurbelt man einfach durch.  Allerdings fuehrt das dann leider gelegentlich zur Selbstueberschaetzung, so dass ich in einem tiefen Schlammloch bis zur Achse im Schlamm gesteckt und dann doch nicht herausgekommen bin...
Der Reifen hat ein seltsames Profildesign. Die seitlichen Stollen verlaufen schraeg nach Aussen. Das fuehrt dazu, dass der Reifen in Spurrillen nach oben laeuft. Am Vorderrad brauche ich das nicht. Also werde ich es herumdrehen, das hatte ich versehentlich anfangs schon, und war damit eigentlich recht zufrieden.
Der Verschleiss ist nicht so schlimm, wie ich befuerchtet hatte. Nach etwa 120 km (40/40/40 km Strasse/Schotter/Trails) sind die "Haare" vom Giessen am Hinterrad an den Mittelstollen ab, am Vorderrad und an den Seitenstollen aber noch voll vorhanden.
Das Volumen in Kombination mit den fetten Stollen macht ein wirklich interessantes Fahrgefuehl. Der Reifen sieht nicht nur aus wie ein Traktorreifen, er faehrt sich auch so. Sehr stabil, gibt sehr (manchmal zu) viel Sicherheit, man hat das Gefuehl, alles zu duerfen, und faehrt absichtlich schlechte Linien, um den Reifen an die Grenze zu bekommen. Dafuer leidet die Agilitaet deutlich. Das Rad ist momentan nicht gerade leichtfuessig.
Feuchtes Gras mag der Reifen nicht so. Auf jeden Fall weniger als der Ardent und Ignitor. Waehrend sich die beiden letzteren schoen mit der Grasnarbe verhaken, reisst der Dissent einfach alles ab, und rutscht dann. Ich koennte mir vorstellen, dass das daran liegt, dass die Stollen so gross und weich sind, dass sie nicht tief genug in die Erde eindringen.
Ein weiterer Nachteil ist natuerlich der Rollwiderstand. Er ist niedriger als befuerchtet, aber immer noch hoeher als der des Ardent. Beim Rollversuch hat der Ardent schon nach wenigen Metern die Nase vorne...

2. Update 11.05.11 nach 2204 km und 36740 hm auf 50% Strasse, 30% Schotter und 20% Trails:


Ich kann es nur wiederholen: Der Reifen hat spektakulaeren Grip. Punkt. Egal, ob in Kurven, auf Wurzeln oder Steinen, Schotter etc. Schon mit normalem Druck (2-3 Bar) ist er in einer anderen Klasse als jeder andere Reifen, den ich bisher gefahren bin, wenn man den Druck deutlich absenkt (1-1.5 Bar), was wegen der 1.5 Ply Karkasse gut geht, klebt der Reifen auf jedem Untergrund wie ein Saugnapf. Ich fahre ihn nur noch am Vorderrad, weil ich erstens diese Traktion am Hinterrad nicht brauche, und zweitens um etwas Gewicht einzusparen. Wenn immer wir unbekannte, technisch anspruchsvolle Trails, auf matschigen Boeden, oder im steilen Gelaende unterwegs sind, oder auch nur fahrtechnische Spielereien vorhaben, ist der Reifen dabei. Man gewoehnt sich einfach so an die zusaetzlichen Reserven, dass man mit weniger griffigen Reifen nicht mehr ueberall fahren moechte. 
Zum Verschleiss: Er ist spektakulaer - niedrig! Nach all den Kilometern und Hoehenmetern fehlen vielleicht 1-2 mm in der Mitte der Laufflaeche. Und der Reifen greift weiter wie am ersten Tag, weil er nur aus einer Gummimischung besteht. Ich gehe von einer sinnvollen Nutzungsdauer von mindestens 5000 km und 70.000 hm aus. Damit ist er mein am langsamsten verschleissender Reifen, wer haette das gedacht. 
 Die Einschaetzung unten habe ich entsprechend angepasst.
Ach uebrigens: Auf 2200 km hatte ich bis jetzt eine Reifenpanne, die aber durch ein verrutschtes Felgenband entstanden ist.




Einsatzbereich:
Der Reifen ist in schwerem Gelaende jeder Art am Besten aufgehoben. Je mehr es bergab geht, desto besser. Bergauf ist er etwas schwer. Fuer CC Rennen wuerde ich ihn sicher nicht fahren wollen, aber auf der Strasse rollt er durchaus gut und der Verschleiss ist zumindest am Vorderrad sehr niedrig.

Fazit:
Ich werde mir den Reifen auf jeden Fall wieder kaufen, wenn er dann irgendwann einmal verschlissen ist. Das kann aber noch eine ganze Weile dauern. Als Alltagsreifen ist er mir eigentlich zu schade. Ansonsten ist er nicht ganz so downhilllastig wie befuerchtet, und laeuft ganz brauchbar. Aber zwei davon sind halt so schwer wie vier Ignitors. Also nichts fuer Biker, die auf ihr Gewicht achten muessen ;-)

Preis:
In Europa derzeit noch nicht erhaeltlich, in den USA ab ca. 50 US$, zzgl. Versandkosten, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer.

Zu den km-Kosten: 
Ich habe jetzt die Profilhoehe gemessen. In der Mitte sind die Stollen von 4 mm auf 3 mm abradiert worden. Das entspricht 25% der Gesamthoehe oder etwa 1% fuer 100 km. Damit kann ich den Reifen bis zur totalen Profilglatze in der Mitte sage und schreibe 10.000 km fahren. Bei Anschaffungskosten von 75 Euro / Reifen kosten 1000 km dann 7.50 Euro. Das ist eher guenstig. 



Schulnoten (1-6):

Rollwiderstand: 3
Daempfung: 1
Pannensicherheit: 1
Gewicht: 6
Verschleiss: 1

 GripTrocken:
  
Nass:
 Teer1
 Schotter11
 Steine1 1
 Wurzeln1 1
 Gras2 2
 Schlamm  1


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