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Umbau Trekkingrad auf 29er


Ueberblick:

Was ist denn das fuer ein Unsinn? Das wird sich der ein oder andere Leser dieses Leitfadens jetzt fragen. Aber nicht jeder hat das Geld, sich gleich ein neues Bike zuzulegen, und moechte vielleicht nur sein vorhandenes Trekkingrad etwas gelaendegaengiger machen. Genauso ist es auch mir 1999 gegangen, und ich habe versucht, Mittel und Wege zu finden, mein Trekkingrad in ein halbwegs brauchbares Twentyniner zu verwandeln. 

Warum man das eigentlich nicht machen sollte:


Man sollte sich bewusst machen, dass ein Trekkingrad nicht fuer die Belastungen ausgelegt ist, denen Twentyniner ausgesetzt werden. Gerade im Garantiefall koennte es sein, dass die Fahrradhersteller eine Gewaehrleistung ablehnen, wenn das Fahrrad nicht bestimmungsgemaess verwendet wurde. Die Gabeln, die ueblicherweise in Trekkingraedern verbaut werden, sind nicht dafuer geeignet, damit Drops oder Spruenge auszuprobieren. Wer also trotzdem versucht, sein Bike in etwas zu verwandeln, fuer was es nicht vorgesehen ist, sollte wissen, auf was er sich einlaesst, und weder mich noch den Hersteller des Bikes verantwortlich machen, wenn es zu Unfaellen oder Schaeden kommt. 

Neben der mangelnden Stabilitaet des Rahmens, der Gabel und evtl. der Laufraeder kommt aber noch ein weiterer Punkt dazu: Die Geometrie stimmt auch nicht. Trekkingradrahmen sind nicht fuer langhubige Gabeln ausgelegt. Im Regelfall wird dort bestenfalls eine Trekkinggabel mit 63 mm Federweg verbaut. Das jetzt auf 80, 100 oder 120 mm umzuruesten veraendert die Geometrie spuerbar, und bringt ueber den laengeren Hebel deutlich staerkere Belastungen auf das vordere Rahmendreieck.

Aber noch nicht einmal das loest das letzte Problem: Die Reifenfreiheit im Hinterbau. Trekking- oder Crossraeder sind im Regelfall fuer Reifen mit einer gewissen Maximalbreite vorgesehen, meist sind das 47 mm (z.B. ein Schwalbe Black Jack in 28x1.9). Moeglicherweise passt auch ein etwas breiterer Reifen, aber dann auch nicht immer, wenn er mal durch den Dreck gefahren ist, und Steinchen am Reifen kleben. Diese koennen sich naemlich sehr schoen zwischen Ketten- bzw. Sitzstreben und Hinterreifen verkeilen, und dann dort im besten Fall den Lack oder Rahmen beschaedigen, im schlimmsten Fall das Hinterrad blockieren und zum Sturz fuehren.

Warum manche Leute (mich eingeschlossen) das trotzdem versuchen:

Manchmal hat man einen schoenen Rahmen, und ist mit dem Trekking- oder Crossrad auch wirklich zufrieden. Wenn da nicht die mangelnde Gelaendegaengigkeit waere. Wenn man doch nur breitere Reifen aufziehen koennte, oder vielleicht etwas mehr Federweg am Vorderrad haben... Und ein neuer Rahmen kostet ja auch nur wieder Geld, dann muss man noch alles umbauen, gegebenenfalls noch in den USA bestellen, und am Ende wird es doch teurer als gedacht. Nur: Wie schon im letzten Absatz erwaehnt wird ein Trekkingrad nicht zum richtigen 29er, nur weil man Gabel und Reifen veraendert.

Was man veraendern kann:

Die Reifen:
Viele Trekkingraeder sind fuer die Aufnahme von Schutzblechen vorgesehen, deswegen ist manchmal Platz im Hinterbau fuer einen etwas groesseren Reifen. Es empfiehlt sich, den Breite zwischen den Kettenstreben und zwischen den Sitzstreben sowie den Freiraum vom Oberrand der Felge bis Tretlager bzw. zur Verbindung der beiden Sitz- und Kettenstreben genau zu vermessen, um die maximal moegliche Reifengroesse zu ermitteln. 

Ein Beispiel: Bei einer Breite zwischen den Kettenstreben von 60 mm und einer Hoehe von 55 mm bis zur Verbindung der Sitzstreben sollte die maximale Reifenbreite 52 mm nicht uebersteigen, damit auf beiden Seiten des Reifens noch genug Platz fuer Matsch und Steine bleibt, wenn das Bike im Gelaende bewegt wird. Die maximale Reifenhoehe sollte aus dem gleichen Grund ebenfalls nicht ueber 50-51 mm liegen.  Und auch dann wird es manchmal schon eng. 

Man sollte nicht einmal daran denken, ein Trekkingrad umzubauen, in dem man einen Reifen mit weniger als 47 mm Breite nicht sicher unterbekommt. Wuenschenswert ist aus meiner Sicht Reifenfreiheit fuer Reifen von mindestens 2.1 Zoll (52 mm), mit weniger hat man wenig Flexibilitaet und wenig Komfort am Hinterrad.

Trekkingraeder, die fuer die Aufnahme von Schwalbe Big Apple vorgesehen sind, erlauben oftmals Reifen bis 2.35 Zoll Breite, dann ist wenigstens ausreichend Platz im Hinterbau.

Die Gabel:
Wenn am Rad schon eine Gabel mit 63 mm verbaut ist, fehlen zu einer 80 mm Gabel nur noch 17 mm, der Unterschied ist nicht so gross. Der Lenkwinkel aendert sich etwas, aber nicht grundlegend. Was die Stabilitaet anbetrifft: Siehe oben. Mehr als eine 80 mm Gabel wuerde ich persoenlich nicht riskieren wollen, es sei denn, dass der Hersteller Gabeln mit mehr Federweg freigibt. Viele der derzeit auf dem Markt befindlichen Gabeln sind auch mit 80 mm Federweg erhaeltlich, so z.B. die Rock Shox Tora 29er , die SR Suntour Raidon 29er oder (denke ich) die Manitou Minute 29. Mit einer solchen Gabel kann man gegenueber einer billigen Trekkinggabel mit 63 mm den Komfort am Vorderrad deutlich verbessern.

Die Bremsen:
Moeglicherweise sind am Bike schon Scheibenbremsen verbaut, dann ist es relativ einfach, ueber groessere Bremsscheiben oder staerkere Bremsen eine Verbesserung zu erreichen. Allerdings sollte man auch hier wieder bedenken, dass Trekkingraeder nicht fuer potente Stopper wie etwa die Avid Code ausgelegt sind. Gerade in Kombination mit dem etwas laengeren Hebel durch die 29er Gabel kann es zu Ueberlastungen kommen, die dann zum Bruch des Rahmens und zum Sturz fuehren koennen.

Die Laufraeder:
Fuer den Fall, dass noch Laufraeder mit Felgenbremsen am Bike verbaut wurden, kann man entweder die V-Brakes weiterfahren, oder auf Scheibenbremsen aufruesten. Dann braucht man allerdings auch neue Laufraeder, denn die Laufraeder fuer Felgenbremsen haben im Regelfall keine Disc-Naben.

Ein schlechtes Beispiel:

Ich habe mein eigenes Trekkingrad (NoName, Alu 7005) 1999 etwas gelaendetauglicher machen wollen. Zunaechst habe ich aber keine brauchbare Federgabel bekommen, deswegen war ich auf eine CroMoly Gabel angewiesen, die gerade so meinen Schwalbe Black Jack beherbergen konnte. Der Hinterbau hatte ebenfalls Platz fuer den Black Jack, aber eben nicht fuer mehr.
Leider haben sich immer wieder kleine Steine zwischen Reifen und Rahmen verfangen, so dass zuerst die Lackierung, dann das Aluminium etwas gelitten haben. Um die Sache noch schlimmer zu machen, habe ich dann mit Hilfe eines Schraubstocks noch etwas mehr Platz im Hinterbau geschaffen, und konnte dann die Michelin XC/AT montieren.


Schliesslich habe ich noch eine Marzocchi MX Comp 29er Federgabel verbaut, welche mir beliebige Reifenbreiten am Vorderrad ermoeglichte, und war damit dann erstmal zufrieden. Nur wenn man sich das im Vergleich zu richtigen 29ern ansieht, wird schnell klar, wie sinnlos mein Umbau war, und wie wenig mein Trekkingrad geeignet war, damit ins Gelaende zu fahren. Das wird schon am Vergleich der Reifen recht schoen deutlich:



Fazit: 

Wer sich ein Twentyniner wuenscht, aber nicht viel investieren moechte, ist wesentlich besser beraten, eine Weile zu sparen, und sich dann entweder ein guenstiges Komplettrad zu kaufen, oder gleich ein komplettes Bike neu aufzubauen. Die Fahreigenschaften sind einfach beim 29er um Klassen besser, man muss sich nicht staendig Sorgen machen, ob das Material das jetzt aushaelt, und man muss sich nicht von 29er Fahrern dumme Kommentare anhoeren ;-)

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