Post date: Oct 25, 2026
Was mich als Informatiker immer fasziniert hat war die mächtigen Möglichkeiten etwas zu kreieren oder zu automatisieren. Wenn es sich um digital verfügbare Informationen handelte, dann konnte man automatisch Informationen extrahieren, digitale Änderungen machen oder Aktionen auslösen, die digital zugreifbar waren. Und mit der Fortschreitung der Digitalisierung im Alltag wurde das auch immer mehr.
Ein Aspekt war natürlich auch, dass ich damit Eindruck machen konnte. Wer nicht die gleiche Ausbildung oder die gleichen Kenntnisse hatte, für den grenzte das an Magie.
Mit KI hat sich das nun geändert. Jeder kann nun programmieren, ohne jemals eine Programmiersprache gelernt zu haben. Dabei gibt es aber ein paar grundlegende Unterschiede.
Das algorithmische Denken: früher hat man gelernt, wie man das, was erreicht werden sollte, in einzelne Befehle der Programmiersprache umsetzt. Und das war wirklich schwierig, weil die Programmiersprachen nur grundlegende Befehle enthielten. Später wurden die Sprachen immer mächtiger oder boten mehr Bibliotheken an, um es für den Programmierer einfacher zu machen.
Bei der KI übernimmte diese Umsetzung aber nicht der Programmierer, sondern die KI. Theoretisch ist das kein Problem, denn nun muss der Mensch eben nur gut beschreiben, was er will, dann macht die KI den Rest. Aber hier ist das Problem: das Ziel so zu beschreiben, dass es vollständig alle Aspekte abdeckt, ist etwas, was man früher beim Programmieren gelernt hat. Fällt dieser Schritt jetzt weg, muss man das anderweitig lernen. Das geht, wird aber am Anfang sicher gerne vernachlässigt. Gibt man der KI nur den Prompt "Schaffe Platz in meiner eMail Inbox", dann könnte die KI alle eMails löschen, statt nur die "alten und unwichtigen" eMails zu archivieren.
Beim frühern Programmieren lernte man sehr schnell, dass ein Computer nicht das macht, was man will, sondern nur das, was man ihm (mit Programmbefehlen) gesagt hat. Und das ist nicht immer das gleiche.
Das zeigt schon den nächsten Aspekt: die Umsetzung muss getestet werden. Jeder Programmierer weiß, während er ein Programm schreibt, wird es in Teilen oder im Ganzen fortwährend mit Beispielen getestet bis man sicher ist, dass es in allen Fällen richtig arbeitet. Besser ist noch, die Anforderungen gleich am Anfang in (automatisierten) Testfällen festzuschreiben, die dann immer wieder zeigen, ob das Ergenbnis nach Änderungen immer noch wie gewünscht arbeitet.
Bei der Lösung der KI muss man das auch machen, aber statt die Umsetzung genau zu kennen, bekommt man hier eine fertige Lösung und muss diese Testen ohne genau zu wissen, wie jedes einzelne Teil funktioniert. Ja, das ist möglich und sollte auch erfolgen, aber die KI macht es dem Menschen so einfach, diesen Schritt zu vernachlässigen.
Die Kosten sind auch ein interessantes Thema. Es gibt genügend Programmiersprachen, die man kostenlos verwenden kann, wie z.B. GNU C/C++, Python, Tcl/Tk, Powershell, bash, GNU Octave, M. Selbst früher kommerzielle Lösungen gibt es nun kostenlos (Intel C, FORTRAN) oder mindestens für den privaten Bereich kostenlos (Visual Studio Community). Jeder, der einen Computer hat, kann mit dem Programmieren anfangen. Und es kostet nichts.
Wenn man jedoch mit der KI arbeiten, dann kostet das Tokens. D.h. für jedes Programm, für jede Lösung, die man mit der KI erstellt, bezahlt man bei der Erstellung erst mal an den KI-Anbieter Geld. Wenn dann Programm-Code erstellt wird, ist der zwar bei der Anwendung kostenlos, aber jeder erfahrene Anwender weiß auch, Programme müssen immer wieder an Änderungen angepasst werden. Das können neuen Anforderungen sein oder sich ändernde Randbedingungen. Und bei jeder Änderung kassiert wieder der KI-Anbieter.
Das muss nicht schlecht sein. Früher haben Familien Hausmusik gemacht. Viel später wurde Musik zu Hause durch ein Spotify-Abo genutzt. Aber man sollte die Verschiebung der Kosten bedenken.
Mein Fazit: ja, mit KI können jetzt viel mehr Menschen etwas machen, was vorher den Programmieren vorbehalten war. Aber man muss es trotzdem sorgfältig machen. Die Vermarktung von mächtigen KIs zur Code-Erstellung an jederman ist etwa so wie der Verkauf von Massenvernichtungswaffen an den Endverbraucher. Es gibt dem Käufer sehr viel Macht, aber es kann auch sehr viel schief gehen.