Wer fragt, was ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist, bekommt nicht selten die Antwort, dass es ein Einkommen ist, das alle Menschen erhalten, auch Kinder und das es an keine Bedingungen geknüpft ist.
Warum brauchen wir das in der Zukunft, jetzt, und was haben wir heute?
Wer heute zum Beispiel 35 Jahre alt ist und kein Einkommen hat, der hat dennoch Auslagen. Zum Beispiel für die Miete, für Energie, Heizkosten und die Person braucht Kleidung, Nahrung. Eigentlich ist das gar nicht so viel, was der Mensch braucht, aber er muss es dennoch haben.
Um nun Geld zu bekommen, mit dem die Person ihre Ausgaben bestreiten kann, um existieren zu können, wendet sie sich an die Gemeinschaft in Form des »Staates« und bittet ihn um Unterstützung. - Aber was tut der Staat? Statt seine Bewohner einfach zu unterstützen, ihr berechtigtes Anliegen, existieren zu wollen, schickt der Staat diese Person zu Einrichtungen, die die Worte »Arbeit« und »Job« in ihrem Namen tragen: Agentur für Arbeit und Jobcenter.
Der Staat nimmt also an, dass die berechtigten Anliegen der Menschen, die ein Einkommen brauchen, mit Job und Arbeit zu verknüpfen sind. - Diese Annahme ist falsch und willkürlich! Und eine ungeheure Zumutung, so mit den Bürgern umzugehen. - Hier wird die Arbeitsideologie der Politiker und ihrer Parteien einfach der Bevölkerung aufgezwungen.
Nun, vielleicht werden sie sagen, aber der Staat hat doch recht. Nur wer arbeitet, hat einen Anspruch auf Einkommen.
Und damit sind wir mittendrin, in der Diskussion. Wenn der Staat willkürlich »Einkommen und Arbeit« in Zusammenhang bringt, und wir meinen, er hat zum Teil recht mit seinem Handeln, dann müssen wir andererseits beachten, warum die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens ebenfalls ihre Berechtigung hat.
In der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens steckt der Gedanke darinnen, dass Arbeit und Einkommen voneinander zu trennen sind, wegen der gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte. Vor hundert Jahren haben viel mehr Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet als heute, viel mehr Menschen im Stahlbau gearbeitet, als heute. Und heute wird viel mehr mit viel weniger Mitarbeitern produziert, als es vor Jahrzehnten noch der Fall war. Heute sind viel mehr Menschen ohne Arbeit, weil dieselbe Menge an brauchbaren Gütern und Dienstleistungen erbracht werden kann, mit viel weniger Menschen.
Warum aber wollen die Parteien und Politiker den Menschen weiterhin »zwingen« einer Arbeit nachzugehen, wenn es offensichtlich ist, dass nicht mehr alle Menschen für die notwendigen Arbeiten gebraucht werden? - Es passt nicht in ihr Weltbild, dass der Mensch frei ist! Sie wollen keinen freien Menschen. Es würde ja auch schon Freiheit, mehr Freiheit entstehen, wenn die Menschen weniger arbeiten würden, und die Arbeit auf alle Menschen aufgeteilt würde. Auch das passt den Ideologen nicht in den Kram. - So wird die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen einfach bekämpft und mit niederen Instinkten abgewehrt.
Wenn wir »alle notwendige Arbeit« nehmen (dazu gehören ein Großteil der heute Arbeitsentgelt hervorrufenden Tätigkeiten eben nicht!), dann wäre sie locker auf alle »arbeitsfähigen Menschen« aufzuteilen. - Aber wir haben hier wieder das Moment der Anmaßung, nämlich darüber bestimmen zu wollen, wer was arbeiten soll. - Auch das ist etwas, was die Ideologen der Arbeit nicht hören wollen, dass der Mensch frei ist zu entscheiden, was er tun will und kein Untergebener von fragwürdigen Herrschern ist. - Der Mensch will in Freiheit selbst entscheiden, wie er sich in die Gemeinschaft einbringt, und das geht über ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
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Wenn ich jetzt noch einmal zurückkomme, auf den 35-jährigen Menschen, der ein Einkommen braucht, so ist es eine Arroganz ohne gleichen, diesen zu einer Arbeit nötigen zu wollen. Dies entspricht nicht den Menschenrechten, die von Menschenwürde ausgehen und ein Existenzrecht vorsehen. - Die Hartz4-Sanktionen missachten die Menschenrechte. Wenn das aber so ist, dann müssen wir alle Menschen, die die Sanktionen befürworten, fragen, ob sie nicht Anhänger totalitären Denkens sind.
Gerecht und den Menschenrechten gemäß ist somit einzig und allein die Verfahrensweise, der 35-jährigen Person ein Geld zu geben, mit dem sie existieren kann UND ZUSÄTZLICH einen Arbeitsmarkt zu kreieren, der Einkommensanreize bietet, gute Arbeitsbedingungen zeitigt, der sinnvolle Arbeit und notwendige Arbeit aufzeigt, und damit ein das Grundeinkommen ERGÄNZENDES Einkommen ermöglicht, welches ein höheres Gesamteinkommen schafft. Wer dann dennoch nicht arbeitet, wird Gründe dafür haben. - Den Staat, seine Beamten und die Politiker geht das aber nichts an. Das ist Privatsache. - Nur so ist die Menschenwürde des Einzelnen gesichert.