Prince Namelos

Den “Slave” kann The Artist Formerly Known As Prince sich jetzt von der Backe putzen. Aus dem ungeliebten Vertrag mit Warner ist er endlich raus. Unter dem vielsagenden Titel “Emancipation” hat er gleich ein opulentes Werk vorgelegt, das an seine genialische Schaffensperiode anknüpfen soll. Deshalb lud er die Medien zur “ Jam Of The Year” ins Allerheiligste, den Paisley Park in Minneapolis. TIP-Autor Georg Stamelos durfte in die gute Stube and sprach mit dem Meister Ober Identität, Familie und Musikgeschäft

Georg Stamelos



tip: Auf dem "Jam Of The Year"-Konzert hast du nicht nur neue Songs vorgestellt, sondern auch "Purple Rain” gespielt Eigentlich wolltest du diesen Song nie wieder live darbieten.

The Artist: Ich bin einfach glücklich, wieder frei zu sein. Zwar besitze ich die Rechte an "Purple Rain” nicht, aber ich kenne die Noten. Mit diesem Stuck wollte ich der Welt zeigen, daß vieles in meinem Leben sich zum Positiven gewendet hat.

tip: Vorbei also auch die namenlose Zeit?

The Artist: Den Namen “Prince" abzulegen, war mein individueller Weg, mich aus der Sklavenschaft zu befreien. Der erste wohlüberlegte Schritt zur wiedergewonnenen Unabhängigkeit. Alle dachten, ich sei durchgeknallt. Der soll doch zufrieden sein mit seinen Millionen, haben sie gesagt. Aber ich bin Künstler und konnte nicht ertragen, daß selbst mein Name nicht mehr mir gehörte. Die Rechte an meinen Songs lagen alle bei Warner. Aber wenn du dich hier so umsiehst, wirst du merken, daß wir alle ganz normal miteinander umgehen. Schließlich habe ich die Verantwortung über all die Menschen, die hart für mich arbeiten.

tip: Wirst du auf deinem neuen Label NPG-Records auch andere Musiker veröffentlichen?

The Artist: Das steht noch nicht fest. Zumachst einmal geht es darum, mein Album unabhängig zu promoten und gleichzeitig die Kontrolle Ober das “Emancipation"-Projekt zu behalten. So konnten wir durchsetzen, daß drei CDs zum Preis einer Doppel-CD verkauft werden. Außerdem haben wir bereits eine halbe Million Dollar aus dem Fundus für karitative Zwecke wie Hospitäler, Schulen und Kindergarten gespendet.

tip: Mittlerweile bist du selbst Vater. Wie fühlst du dich?

The Artist: Natürlich toll. Deshalb bin ich es ja geworden. Ich habe schon lange vor der Geburt Spielplätze und Kinderzimmer einrichten lassen.

tip: Auch auf dem neuen Album finden sich Spuren deiner neuen Rolle.

The Artist: In der Tat. lch wollte mein Glück und die Veränderungen in meiner Musik dokumentieren. Fur “Sex In The Summer” habe ich den Herzschlag unseres Babys gesampelt und als Rhythmus benutzt. Und in “Let's Have A Baby" habe ich es geschafft, Stille als Instrument einzusetzen. Fur mich ist sie das großte Instrument. Es liegt eine ungeheuer schöpferische Kraft in der Stille.

tip: Das klingt ja sehr spirituell.

The Artist: Ist es auch. Mayte und ich Beschäftigen uns mit Pyramiden. Die Ägypter haben
daraus eine astronomische Wissenschaft gemacht. Allein aus der Konstellation der Pyramiden kann man ablesen, wann sie erbaut wurden. Ebenso präzise habe ich mein Album geplant. Es war ein harter Job, jede CD auf exakt eine Stunde zu arrangieren.

tip: Du wirkst so aufgeschlossen und auskunftsfreudig. War dos auch Mayte?

The Artist: Endlich habe ich ein Album zu promoten, das mir gehört. Aber vor allem
Mayte hat mir geholfen, einen Weg aus meiner Verbitterung zu finden. Damit habe ich mich selbst in eine Box gesteckt und meine kreative Kraft eingeschränkt. Wir glauben beide an Wiedergeburt und daran, daß jedes Wesen eine männliche und eine weibliche Hälfte hat. Durch Mayte fühle ich mich komplett, bin mit mir im reinen.

tip: Und was wird da jetzt aus deinem Image als omnipotenter Sex-Gott?

The Artist: Weiß du, was wirklich sexy ist? Sich frei zu fuhlen. Wenn ich auf der Bühne stehe und die schopferische Energie in mir spure, das ist sexy.