Er is kein Gott mehr

Emanzipation eines Idols: Wie aus Prince ein Symbol wurde - und ein neuer Pop-Star

David Baum



Der Mann hat genug Verwirrung gestiftet: Nach jahrelangem Hin und Her um die Abschaffung seines Namens “Prince” und dem spektakulären Kampf mit seiner Plattenfirma Warner Brothers hat der Pop-Star “Symbol” jetzt sich selbst ganz neu geschaffen. Neue Plattenfirma, neues Album, neue Frau - und ein Kind. Das Werk ist vollbracht.

Götz Bühler, Hambürger Moderator beim Musiksender VIVA 2 und Miteigentümer des Soul-Labels “Soulciety", besuchte den Star in Minneapolis. Eine seltene Ehre. Der MORGENPOST erzählte Bühler: “Er ist völlig verändert. Das alte Prince-Bild vom. arroganten, exzentrisehen und unnahbaren Superstar gehört der Vergangenheit an.”

Klar, am schillemden Image und extravaganten Auftreten hält das Chamäleon weiterhin fest. “Aber ich weiß jetzt, daß ich selbst mein größter Feind war", sagt der Ex-Prince un Interview. “Ich bin jetzt mit Bescheidenheit erfüllt. Ich kann mit diesem Typen, der ich mal war, nichts mehr anfangen.”

Roger Nelson – auf diesen Namen wurde der Typ getauft – startete seine Karriere Ende der Siebziger. Damals nannte er sich Prince. Ein Name, der die Pop-Musik der Achtziger prägte wie kein zweiter. Prince holte die Massen vor die Boxen und erntete Lobeshymnen der Kritiker - für Alben, wie “Purple Rain", “Sign ’O’ The Times” oder “1999".

Doch Prince gab auch stilistische Impulse. Impulse, die die Neunziger prägten: Er löste die herkömmlichen Attribute der Geschlechter auf. Er entwickelte, eine eigene Spiritualität jenseits aller Religionen – und gebärdete sich dabei oft selbst wie ein Gott. Das ist jetzt anders. “Heute weiß ich, daß ich alles was ich bin, Gott verdanke", sagt “Symbol” zum VIVAModerator Bühler.

Seine Heirat mit Mayte Garcia (“Die halbe Kirche war leer, weil wir Platz für die Engel brauchten") hat Ordnung m sein Leben gebracht.

Dabei kannte man den  “sexy Dancer” eher als Weiberhelden. Das weiß auch Julia Valet, das Hamburger Top-Foto-Model (u.a. GUESS). Das Gerücht, die schöne Norddeutsche hätte Prince bis ins Schlafzimmer begleitet, hält sich seit Jahren. Jetzt steht fest: Der Mann, der sich einst Prince nannte, hatte Julia Valet tatsächlich ins Herz geschlossen.

Bühler fand an einer der Wände m Paisley-ParkStudio von Minneapolis, wo Prince auch wohnt, ein großes Bild der Hamburgerin.

Und noch ein Deutscher hat in den heiligen StudioHallen Furore gemacht: Hans Martin Buff ist der Toningenieur im Imperium des Prinzen. Der einzige, der an des Meisters Tonregler darf.

Trotz aller Veränderungen ist der Unaussprechliche in manchen Dingen schwierig geblieben. Das Geheimnis um sein angeblich behindertes Kind von seiner Frau Mayte Garcia etwa soll ein Geheimnis bleiben. Interviewer Bühler erzählt: “Überall sind Spielecken und Spielzümner mit allen nur erdenklichen Geräten Zu sehen. Ob das Kind sie je benutzen wird, ist allerdings nicht zu erfahren.”

Vielleicht hat die Wandlung des Pop-Prinzen auch damit zu tun, daß er keine wirklichen Erfolge mehr landen konnte. Seichtes Geträller hatte die oft experimenteüen Klänge der alten Prince-Ara abgelöst. Der Grund: Ein Streit mit dem Musik-Giganten Wamer. “Eine ganze LP ist nicht erschienen, weil ich mit einem Plattenboss nicht essen gehen wollte", erzählt die 1,58 Meter kleine Pop-Größe. “Dabei sehe ich doch wirklich nicht wie jemand aus, der gern essen geht.”

Jetzt also hat sich das Symbol einer ganzen Pop-Ara emanzipiert. Das neue Album soll es mit den guten alten “Prince"-Zeiten aufnehmen können. “Emancipation” heißt die drei Stunden dauemde Dreifach-CD.Tatsächlich neu ist etwas altes: Prince nimmt Coverversionen auf - als Tribut an Komponisten, die ihn beeinflußten, wie er sagt. Linda Creed etwa, die Schöpferin des Stylistics-Songs “Betcha By Golly Wow", brach in Tränen aus, als er sie davon informierte und legte vor Rührung gleich wieder denTelefonhörer auf.

Ähnlich gerührt war VIVA-Mann Götz Bühler der mit einer pathetischen Verabschiedüng bedacht wurde. “Symbol” (oder wie auch immer er heißt) hat offenbar Gefallen an dem Hamburger gefünden. “Ich danke für die Hilfe. Wir sehen uns in Hamburg wieder", sagte er. Mal sehen, ob es mehr war als nur eine “symbolisehe” Geste.