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"Wiederholungstäter" am Höxberg

veröffentlicht um 26.11.2017, 09:14 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 27.11.2017, 03:08 ]

Wir waren schon einmal vor ein paar Jahren hier am Höxberg südlich von Beckum wandermäßig zu Besuch. Da nicht ganz eine halbe Stunde Fahrt von Welver hierhin einzuplanen ist, hatten wir diese Region schon aufgrund der räumlichen Nähe noch einmal ins Jahresprogramm aufgenommen und eine Wanderung am 19.11.2017 eingeplant. Aber nicht nur die Nähe, sondern auch eine abwechslungsreiche Landschaft lohnt für einen Wiederholungsbesuch. Diesmal sollte der Rundkurs gegenüber damals (rund 10 km) etwas erweitert werden, so dass wir schließlich 16 km Wanderstrecke bewältigen wollten.

Foto: Wandergruppe "Höxberg" am Kriegsdenkmal im Stadtpark

Naturräumlich gehört das Umland der Stadt Beckum zum Münsterland, somit also zu einer Region, die eher weniger durch ihre hohen Berge bekannt ist.  Man kann im Münsterland im Mittel so rund 55 m ü NN erwarten. Insofern plattes Land, das sich vor allem als Eldorado für Radfahrer präsentiert. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass einigermaßen aus der Umgebung herausragende Bodenerhebungen hier schon als Berg bezeichnet werden. Unser Ziel an diesem nasskalten und diesigen Novembersonntag hieß „Höxberg“, eine 160 m hohe „Bodenwelle“ in der Hügellandschaft der Beckumer Berge.

Wir starten unsere Tour am Parkplatz der „Soestwarte“, einem beliebten Ziel für Naherholungssuchende. Gäste erwartet hier ein weitläufiges Wildgehege, eine Vogelvoliere, ein Kinderspielplatz, eine Windmühle sowie Einkehrmöglichkeiten und schließlich ein alles überragender Aussichtsturm auf dem Höxberg, die „Soestwarte“. Ein 23 m hoher Wartturm.

 Foto: Aussichtsturm "Soestwarte" (aufgenommen im Sommer während der Vortour!)

Erst ist Bestandteil der hier südlich der Stadt Beckum verlaufenden ehemaligen Landwehr, einem kulturhistorischen Grünstreifen aus mittelalterlichen Zeiten. Von der einst 18 km langen Landwehr rund um die Stadt Beckum sind heute nur noch Reste vorhanden. Diese Landwehr diente im Hoch- und Spätmittelalter als Siedlungsschutzanlage und bestand aus Hecken und Sträuchern (Gedörn und Gebüsch). Ihre Art der Gestaltung sollte das Durchdringen von feindlichen Nachbarn und Räuberbanden erschweren. Durchlässe gab es nur an mit Schlagbäumen gesicherten und bewachten Durchgangstraßen. Die strategisch günstige Lage entlang des bereits erwähnten Höhenzuges ermöglichte hier eine gute Sicht ins Lippetal, so dass Herannahende gut und frühzeitig zu erkennen waren. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass die Soestwarte an der einstigen Durchfahrtstraße von Beckum nach Soest liegt. Von der Aussichtsplattform ist eine Rundumsicht vom Münster- bis zum Sauerland möglich.

Foto: Aussicht von der Soestwarte ins Münsterland

Heute befindet sich auf und entlang der Landwehr ein schöner, waldreicher Fußweg, den wir gleich zu Beginn unserer Tour westwärts nutzen.

Anfangs geht es vorbei an einer Windmühle, hier am Südwesthang des Höxberges schon seit 1853 steht und nach einer grundlegenden Restaurierung im Jahre 2004 heute für Trauungen und Besichtigungen zur Verfügung steht.

Forstarbeiten und der viele Regen der letzten Tage haben auf dem wegemäßigen Untergrund ihre Spuren hinterlassen; aber dennoch ist der Pfad für uns in einem begehbaren Zustand. Diesbezügliche Erschwernisse sollten sich erst auf einem späteren Abschnitt ergeben!

Zwischen den unbelaubten Bäumen wäre bei entsprechender Wetterlage immer wieder ein schöner Blick über das Lippetal hinaus bis zur Haar möglich. Heute kommen wir nur mit Einschränkung in diesen Genuss.

Nach rund 3 km auf der leicht welligen Strecke verlassen wir die Landwehr und steuern auf den Siedlungsrand von Beckum zu. Kurz vor den ersten Wohnhäusern treffen wir auf den ökologisch wertvollen Landschaftsbestandteil „Pflaumenallee“. Hierbei handelt es sich um einen ca. 3,5 km langen Grünstreifen am Übergang zwischen Stadt zur freien Landschaft. Geprägt ist dieses „Band“ durch seine alleenartig aufgereihten Pflaumenbäume. An dieser Stelle folgen wir der Pflaumenallee westwärts, bis sie am Ende in einen asphaltierten Wirtschaftsweg übergeht. 

Dank einer Baustelle mit Straßenvollsperrung sind wir gezwungen kurz über ein angrenzendes Feld auszuweichen. Wer dachte, der Boden im Wald nach Regen und Forstarbeiten wäre in die Kategorie „schlechte Wegstrecke“ einzuordnen, hat die Rechnung ohne den lehmigen Boden an Beckums Stadtrand gemacht. Das Ergebnis unserer kleinen „Baustellenbesichtigung“ mit „Ausweichmanöver“ präsentiert sich an unseren Schuhen in tellergroßen Lehmklumpen, und aufgrund fehlendem Schutzblech, haben sich zudem die Dreckspritzer schön auf unseren Wanderhosen verbreitet. Wir können nur hoffen, dass unsere Schuhe auf dem weiteren Weg bis zur geplanten Einkehr, noch die größten Lehmklumpen wieder abwerfen.

Im Zuge der nächsten Passage erreichen wir das Flüsschen Werse. Ein paralleler Weg führt uns stadteinwärts. Eine große Unterstandhütte dient nach etwa 7 km Wegstrecke für eine erste größere Rast.

Foto: erste Rast an der Unterstandhütte an der Werse

Gestärkt setzen wir unsere Tour entlang der Werse bis zum Stadtpark und in einem Bogen vorbei an kleinen Schrebergärten und dem örtlichen Freibad wieder stadtauswärts fort. Bald treffen wir erneut auf die Pflaumenallee, der wir nun ostwärts entlang des Stadtrandes folgen.

Nach gut 3/4 des Tagespensums kehren wir für Kaffee und Kuchen ins Haus Pöpsel ein. Unsere Schuhe haben zum Glück den größten Ballast verloren, so dass wir hoffentlich keine zu auffälligen Spuren im Gasthaus hinterlassen haben.

Auf dem letzten Abschnitt wandern wir durch den „Höxberg-Wald“ noch einmal auf der eingangs erwähnten Landwehr zurück bis zum Parkplatz.


Zum Abschluss machen wir noch einmal richtig Höhenmeter, in dem wir die vielen Stufen der Soestwarte erklimmen und von der oberen Plattform einen herrlichen Ausblick Richtung Sauerland einerseits und ins Münsterland andererseits genießen können (siehe oben).

Foto: Wo wir sind ist "oben". Auf der Soestwarte.


Fazit:

Das eigentlich angesagte Regenwetter hat uns verschont. Bei einer 5-Stunden-Wanderung war der lediglich 5-minütige Einsatz der Regenschirme akzeptabel, es ist halt November!

Der Wechsel von Wald und Weitblick sorgte für Naturgenuss. Zusätzlich interessant, was so an geschichtlichen Spuren in der Örtlichkeit vorzufinden war.


Wdf.: Andrea und Dirk Große

Text und Fotos: Dirk Große 

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