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Von der Steinzeit bis zur "Eis-Zeit"

veröffentlicht um 27.08.2016, 02:02 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 05.05.2017, 09:09 ]

Ausgangsort der heutigen Tour am Samstag, den 20.08.2016, ist Warstein. Die Stadt liegt zwar genauso im Kreis Soest wie unser Heimatort Welver, dennoch ist fast eine Stunde Anfahrt notwendig, um an diesen südöstlichen Zipfel des Kreisgebietes zu kommen. Da der Eindruck entsteht, man befinde sich schon tief im Sauerland, ist man irgendwie überrascht, dass auch hier noch die Soester-Autokennzeichen vorherrschen.

Unser Organisator Reinhold ist in Warstein seit Jahren beruflich tätig und will heute die in diesem Zusammenhang entwickelte Ortskenntnis nutzen, um uns einen schönen Wanderweg bis nach Belecke zu zeigen.

Wir starten im Zentrum der Stadt, dort, wo auch der überregionale Wanderweg X 10 seinen Ursprung hat. „Wilhelm-Münker-Weg“ wird er auch genannt. Der Hilchenbacher Wilhelm Münker (1874-1970), Mitbegründer des Deutschen Jugendherbergswerks und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, war Namenspate. Er finanzierte aus seinem privaten Vermögen die Gründung einer Stiftung für Gesundheit, Wandern, Naturschutz und Heimatpflege, so dass ihm zu Ehren der Hauptwanderweg 10 des SGV den Namen „Wilhelm-Münker-Weg“ trägt. Der 93 km lange Wanderweg führt in Nord-Süd-Richtung vom Arnsberger Wald durch das Hochsauerland ins Siegerland.

Wer im Ortszentrum seine Wanderung beginnt, muss - um in die Natur zu kommen - natürlich zunächst die städtebaulichen Siedlungen hinter sich lassen. Am Stadtrand eröffnen sich dann die ersten Blicke in die wellige Landschaft, aber auch auf die hier vorhandenen Kalkstein-Abbaugebiete. Warstein ist bekannt für seinen wertvollen Kalkstein (hoher Carbongehalt), wobei die einzelnen Steinbruchgelände ein zentrales Wesensmerkmal der Bereiche südlich und südöstlich des Stadtgebietes darstellen und zur Wechselhaftigkeit der Kulisse beitragen.

Bereits nach knapp 2 km verlassen wir den X 10 indem wir kurz vor dem Campingplatz mit seinem „Bayernstuberl“ ostwärts abbiegen. Bei Kilometer 4 der Tagesstrecke wird der Weg schmaler, verjüngt sich schließlich zum Pfad und das Wegekennzeichen „geschwungenes weißes W auf grünem Grund“ ist Indiz dafür, dass wir uns auf der Sauerland Waldroute befinden. Dieser Premiumwanderweg verläuft auf 240 km von Iserlohn nach Marsberg quer durch den Arnsberger Wald, so dass man bei Wanderungen in dieser Region diesem „Hauptdarsteller“ im wahrsten Sinn des Wortes kaum aus dem Weg gehen kann. Das „grüne W“ führt uns schließlich ins Lörmecketal.

Foto: auf der Waldroute mit Blick auf den "Hohlen Stein"

Beim Überqueren des Lörmecke-Flusses verlassen wir unmerklich das „Stadtgebiet“ von Warstein, erreichen die Gemarkung Kallenhardt und befinden uns somit auf Rüthener Stadtgebiet. Beim Heraustreten aus dem Wald eröffnet sich ein schöner Blick auf eine Felsformation bekannt als der „Hohle Stein“. Es handelt sich um eine große Kulturhöhle, die archäologische Funde von der End-Altsteinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit erbracht hat.

 

Foto: vor dem "Halleneingang" am Hohlen Stein

Die große Halle des Hohlen Steines hat eine maximale Längenausdehnung von ca. 30 m, die maximale Breite beträgt ca. 20 m. Außerdem setzt im Süden der Halle ein Nebengang an, der nach ca. 12 m zu Tage tritt. Heute liegt der südliche Eingang etwa 3 m, das Höhlenportal im Westen ca. 8 m über dem Normalwasserspiegel der Lörmecke. Die Höhle bleibt also auch bei Hochwasser vollkommen trocken. Wir nutzen den vorgelagerten Bereich für eine erste Rast, wobei einige die Zeit auch nutzen, um den „Gipfel“ des Hohlen Steins zu besteigen, der wiederum standesgemäß mit einem Gipfelkreuz ausgestattet ist. 

Foto: "Gipfelstürmer" auf dem Hohlen Stein

Von hier oben eröffnet sich ein schöner Blick in die Landschaft.

Nach der Pause folgen wir weiterhin der Sauerland-Waldroute entlang der Lörmecke und begegnen wenige hundert Meter vom Hohlen Stein entfernt dem „Hohen Stein“. Eine ebenfalls bemerkenswerte Landmarke südwestlich der Ortschaft Kallenhardt. Ursprünglich war die Felsformation sogar noch etwas höher, hat aber durch einst durchgeführte Steinbrucharbeiten einige Meter verloren, wobei er mit seinen aktuell 50 m auch heute noch deutlich aus seiner Umgebung herausragt.

Foto: Hoher Stein


Auf dem Weg durch die historische Kulturlandschaft verlassen wir wenig später die Sauerland-Waldroute und zweigen dann von der ursprünglich geplanten Strecke ab, um vorbei an den westlichen Ausläufern des Siedlungsbereiches von Kallenhardt zum Schloss Körtlinghausen zu gelangen. Das barocke Wasserschloss im Glennetal nordwestlich von Kallenhardt wurde 1714 von dem Oberjägermeister Freiherr Franz Otto von und zu Weichs  erbaut. Es diente nach 1945 zunächst als Flüchtlingsheim. Das im Privatbesitz befindliche Schloss kann heute für festliche Veranstaltungen gemietet werden.

Nach einer weiteren kleinen Pause werfen wir noch einen Blick in das Innere der Schlossanlage. Vor dem rechteckigen Herrenhaus mit seinen zwei Seitenflügeln stellen wir uns zu einem Gruppenfoto auf.

Foto: am Schloss Körtlinghausen


Anschließend begeben wir uns auf den Schlussabschnitt des heutigen Wandertages. Dabei geht es durch den Belecker Stadtwald und danach durch die Altstadt von Belecke zum Ziel „Wilkeplatz“


Foto: in der Altstadt an der nicht ganz unumstrittenen Bronzeplastik „Melkende Bäuerin“ mit der berüchtigten Kuh von Belecke


Nach den kulturhistorischen Begegnungen mit der Steinzeit am Hohlen Stein schließen wir die Tour bei einer kulinarischen „Eis-Zeit“ im italienischen Eiscafé direkt am Wilkeplatz nach immerhin rund 17 km Wegstrecke ab.

 

Wdf.: Reinhold Großelohmann

Text und Fotos: Dirk Große

 

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