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Wanderer hängen Schuhe an den Nagel ... zumindest zeitweise

veröffentlicht um 24.07.2016, 01:46 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 03.08.2016, 05:03 ]

Die unmittelbare Nachbarschaft zur Stadt Hamm und die damit verbundene recht gute Erreichbarkeit lockt uns Wanderer aus Welver regelmäßig an, um die dort vorhandene Infrastruktur für „Fußgänger“ zu erkunden. Unser Ziel am Sonntag, den 31.07.2016, hieß diesmal Bockum-Hövel und Herringen, also Bezirke im Nordwesten und Westen der großen Stadt. Dabei liegt der Reiz insbesondere einer innerstädtischen Tour darin, einen Streckenverlauf zu finden, der für Wanderer eine gewisse Attraktivität besitzt und zudem abseits der verkehrsreichen Straßen liegt.

 Speziell der industrielle Strukturwandel hat hier völlig neue Bereiche begehbar gemacht. Da wo einst noch der Steinkohleabbau betrieben wurde, ergeben sich durch die Aufgabe dieser Nutzung und der nachfolgenden Schaffung von Grün-, Wald- und Parkflächen neue regionale Erholungsräume für die Bürger. Ein innerstädtischer Bereich, der früher abgeschottet, uneinsehbar als absolute Tabuzone galt und sich nun als grünes Band zwischen siedlungsbaulichen Nutzungen präsentiert.

 In diesem Fall ist hier konkret der „Lippepark“ gemeint. Nach der Aufgabe der Zeche Radbod in Bockum-Hövel und der Zeche Heinrich-Robert bzw. Schacht Franz im Stadtteil Herringen ist durch die Umgestaltung dieser Flächen ein öffentlicher Landschaftspark entstanden. Ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender, frei zugänglicher und weitläufiger grüner Korridor.

Bärbel Grösgen hatte sich vorgenommen, uns dieses neu entwickelte und teilweise renaturierte Areal vorzustellen, wobei am Fuße der Halde „Kissinger Höhe“ noch ein zusätzlicher Info- und Erlebnispunkt auf uns warten sollte.

 

Am nördlichen Startort in Bockum-Hövel treffen wir zunächst auf die ersten Zeugen der industriellen Ära. Drei noch vorhandene mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Fördertürme der ehemaligen Zeche Radbod prägen hier das Gesicht des Stadtteils. Diesen baulichen Abschnitt lassen wir zügig hinter uns, während wir auf die renaturierte Halde „Radbod“ zusteuern. Die 20 Teilnehmer starke Wandergruppe umkurvt die grüne Erhebung im Gelände im leichten Bogen und trifft am südlichen Fuß der Halde auf Teile der alten Lippe. Ein toter Arm, der den ehemals geschlängelten Verlauf des Gewässers dokumentiert. Am Rand wurde ein kleiner Aussichtsturm errichtet, der hier die Möglichkeit bietet, das Gewässer mit seiner Fauna und Flora zu beobachten. Die eigentliche Lippe fließt begradigt weiter nördlich parallel zum Datteln-Hamm-Kanal.

Foto: an den neuen Brücken zwischen Bockum-Hövel und Herringen über Lippe und Datteln-Hamm-Kanal

Zwei im Frühjahr 2016 neu errichtete Brücken für Fußgänger und Radfahrer über Lippe und Kanal verbinden nun den Bereich „Radbod“ mit den ehemaligen Bergbauflächen des „Schachtes Franz“ im Stadtteil Herringen und stellen letztendlich einen zentralen Baustein im Zuge der Entwicklung der alten Industrieflächen dar. Das Gelände „Schacht Franz“ ist der Mittelpunkt des „Lippeparks“ mit verschiedenen Attraktionen und Angeboten für die aktive Freizeitgestaltung und ruhige Erholung …und mit der großen Rasenfläche, die hier den Anwohnern/ Bürgern zur individuellen Nutzung zur Verfügung steht.

 Für uns geht es nach der Überquerung von Lippe und Datteln-Hamm-Kanal an der östlichen Seite des Parks entlang mit weitem Blick über das zuvor erwähnte Gelände weiter in südliche Richtung. Dass wir uns tatsächlich innerstädtisch befinden, macht uns die vielbefahrene Dortmunder Straße deutlich, die wir auf unserem nachfolgenden Weg Richtung Halde „Kissinger Höhe“ queren müssen. Auf dem angrenzenden islamischen Friedhof kehrt aber auch schnell wieder Ruhe ein und der Zivilisationslärm ist vergessen. Wer an dieser Stelle von einem Quäntchen Orientierungslosigkeit bezüglich der Himmelsrichtung geplagt ist, kann sich ganz leicht an den Grabstätten orientieren, die sind hier nämlich schön akkurat nach Osten ausgerichtet.

Direkt nebenan befindet sich schließlich das Zwischenziel unserer heutigen Tour: „Der Barfußpfad Hamm“. Kurz die Rucksackverpflegung genutzt und anschließend befreit von der geschnürten „Wanderberreifung“ begrüßen wir Burkhard Reinberg, der uns in der nächsten Stunde sehr ausführlich in einem kurzweiligen Vortrag viele Informationen rund um die Füße und das Barfußlaufen vermittelt. Er präsentiert sehr anschaulich die gesundheitlichen Aspekte des Lebens auf freien Füßen, wobei es nicht darum geht, nie wieder Schuhe zu tragen, sondern vielmehr darüber nachzudenken, ob man nicht gelegentlich auf Schuhe verzichten kann.

Nach dem theoretischen Teil geht es auch aktiv auf den Barfußpfad. Der Barfußpfad Hamm wurde 2012 offiziell eröffnet und bietet den Besuchern mit seinen unterschiedlichsten Bodenbelägen ein besonderes Freizeit- und Naturerlebnis. Für die Gruppe eine interessante Erfahrung, mal wieder konzentriert mit den Füßen „zu fühlen“ und bei Geschicklichkeits- und Gleichgewichtsübungen mal eine Strecke barfuß zurückzulegen.


Entlang der benachbarten Halde „Kissinger Höhe“ befindet sich sogar ein 3 km langer Barfußwanderweg, der aber heute nicht auf unserem Programm steht. 

Für uns geht es anschließend vielmehr wieder gut eingepackt in Wanderschuhen auf die ehemalige Abraumhalde "Kissinger Höhe", die immerhin ihr Umland um fast 60 m überragt und somit eine schöne Aussicht bietet. Leider haben zwischenzeitlich ein paar Regenwolken ihre Pforten geöffnet, so dass wir geschützt unter Regenschirmen unsere Wanderung fortsetzen müssen.

Auf unserem Rückweg durch den Landschaftspark halten wir noch kurz am „Ort der interreligiösen Begegnung“. Ein Begegnungsort aller fünf Weltreligionen, an dem fünf Stahltore auf einen Platz mit fünf im Kreis angeordnete Stehpulte führen. Umgeben von Symbolen und Kernaussagen der fünf Religionen soll die Mitte des Platzes als Ort des Austausches und des Gespräches dienen.

Foto: am Ort der interreligiösen Begegnung

Auf dem weiteren Weg zurück zum Ausgangsort geht es noch einmal über die neuen Brücken und im großen Bogen am Fuße der Halde Radbod entlang. 

Schließlich liegen 13 km Wegstrecke hinter uns, gefüllt mit vielen schönen, interessanten und informativen Eindrücken und dem festen Vorsatz, mal wieder öfters barfuß zu laufen. Der Dank der Teilnehmer geht an Bärbel Grösgen für die Idee zu dieser Tour.


Text und Fotos: D. Große

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