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"Südöstlich von Hoangi"

veröffentlicht um 27.05.2017, 04:07 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 27.05.2017, 06:43 ]


Was sich anhört wie ein neues japanisches Brettspiel oder das Reiseziel eines fernöstlichen Urlaubes ist tatsächlich nur der historische Name („Hoangi“) des Ortes Höingen während seiner erstmaligen schriftlichen Erwähnung im Jahre 793. Dieser Ortsteil der Gemeinde Ense war der Ausgangspunkt unserer Wanderung am Sonntag, 21.05.2017. Gestartet waren wir am schön gestalteten Dorfplatz. Durch ständige Erweiterung der Neubaugebiete zählt Höingen mittlerweile etwas mehr als 1.900 Einwohner und gehört damit zu den einwohnerstärksten Ortsteilen der Gemeinde.

 

Ausgehend vom Dorfplatz war unser erstes Ziel, diese Baugebiete auf geradem Weg möglichst zügig zu verlassen, denn insbesondere in diesem Umfeld ist der vom Wanderer nicht beliebte asphaltierte Untergrund vorzufinden und der dagegen so beliebte Naturgenuss stellt sich hier nur bedingt ein. Wobei Studien wohl gezeigt haben, dass der fehlende Naturkontakt auf Wegabschnitten durch Siedlungen weniger als negativ empfunden wird, wenn es sich um eine aufgelockerte Bebauung mit einer Vielfalt an unterschiedlichen grünen Vor- und Hintergärten handelt. Wie es auch sei, schon bald passieren wir die Sportanlagen südlich der bebauten Ortslage von Höingen und erreichen somit gleichzeitig die freie Landschaft, so dass der Naturgenuss uneingeschränkt wirken kann.

 

Topografisch gesehen liegt Höingen auf einer Anhöhe, die nach Süden hin abfällt. Dem bewaldeten Weg folgend verlieren wir anschließend schnell an Meter. Am Ausgang des Waldabschnittes in noch leichter Hanglage eröffnet sich ein schöner Weitblick. Dabei bleibt das Auge an den gegenüberliegenden Häusern einer größeren Siedlung hängen. Es handelt sich um Moosfelde, einem Stadtteil von Neheim. Deutlich zu erkennen ist, wie sich die Wohnbebauung in den umliegenden Forst eingegraben hat. Seit dem hohen Mittelalter war Moosfelde ein Gut im Besitz des Grafen von Arnsberg und später des Klosters Wedinghausen. Im 19. Jahrhundert endete die Beziehung zum Kloster. Zu dieser Zeit umfasste der Bereich 220 ha. In den Nachkriegsjahren kamen erste Pläne auf, das Gutsgelände in mehreren Bauabschnitten durch mehrgeschossige Miet- und Reihenhäuser mit dem Ziel zu entwickeln, Wohnraum für 5000 Menschen zu schaffen. Praktisch ein komplett neuer Stadtteil von Neheim rund 2,5 km von der Innenstadt entfernt. In den 1970er Jahren wurde die weitere Errichtung mehrgeschossiger Bauten zugunsten von weiteren kleineren Eigenheimen aufgegeben, so dass die Einwohnerzahl von 5000 letztendlich nicht erreicht wurde. (Quelle: Wikipedia)

 

Foto: Blick Richtung Moosfelde

Nicht sichtbar, sondern versteckt hinter einem grünen Band aus Büschen und Bäumen verläuft am unteren „Bildrand“ die Möhne; der Fluss, der wenige Meter weiter westlich bei Neheim in die Ruhr mündet.

Das ästhetische Landschaftserlebnis erfährt an dieser Stelle ein kleines Defizit in der „Bildqualität“. Strommasten als notwendiges Übel sind hier technischer Bestandteil der Gebietskulisse. Um es positiv zu sehen, kann man sagen, sie tragen zur Wechselhaftigkeit der Szenerie bei.


Wir verlassen den Ausblicksort, in dem wir weiter vom Höinger Berg „absteigen“ und schon bald die Möhne erreichen, die wir an der „Schafbrücke“ (auch Moosfelder Brücke) überqueren. Ein Schild informiert uns, dass die Überquerung der Möhne an dieser Stelle ursprünglich die Verbindung vom Gut (Haupthof) Moosfelde zu den Äckern und Weiden ermöglichte. 


Wir streifen kurz die Ausläufer des zuvor erwähnten Siedungswohnungsbaus von Moosfelde, um anschließend ab dem Parkplatz „Aupketal“ auf einem Waldweg wieder in den Genuss der uneingeschränkten Naturnähe zu kommen. Die Aupke, die diesem Geländeeinschnitt ihrem Namen gibt, ist ein kleiner 5,5 km langer Nebenfluss der Möhne. Auf seinem Weg von der Quelle bis zur Mündung in die Möhne bei Moosfelde überwindet er einen Höhenunterschied von 160 m ohne irgendeine Ortschaft durchflossen zu haben.

Nach ungefähr der Hälfte der heute auf dem Plan stehenden Streckenlänge machen wir eine erste Rast unweit der sich durch das Tal schlängelnden Aupke.

 

Anfangs vom Berg ins Tal geht es anschließend gestärkt wieder vom Tal auf den Berg, wobei eigentlich nur rund 75 Höhenmeter hoch zum Schlotweg zu bewältigen sind. Hier befinden wir uns für heute am südöstlichsten Punkt vom Ausgangsort Höingen aus gesehen. Und, wie sollte es anders sein, kaum oben angekommen, geht es auf dem nächsten Abschnitt wieder abwärts. Bevor wir erneut die Möhne queren, passieren wir den Ortsteil Steetsberg. Die nächste Ortschaft Niederense streifen wir nur kurz, dabei geht es am örtliche Sportplatz vorbei. Hinter den Sportanlagen beginnt dann für uns heute der letzte Anstieg. Es geht wieder hoch auf die Anhöhe Höingen, wo sich am Dorfplatz der Kreis nach rund 12 km Rundreise schließt.

 

Zum obligatorischen - und wohlverdienten - Abschluss bei Kaffee und Kuchen steuern wir diesmal das Forsthaus Fürstenberg an. In diesem historischen Anwesen wird mittlerweile unter dem Namen „Pater’s Kaffee-Wirtschaft“ Herzhaftes und Selbstgebackenes angeboten.

 


Früher handelte sich um ein Badehaus des Reichsfreiherrn von Fürstenberg. 1749 ging das Badehaus nach zweijähriger Bauzeit in Betrieb. Die Versorgung erfolge von einem bergauf gelegenen Brunnen, von dessen Wasser man sich eine heilsame Wirkung versprach. 1763 zog ein Jäger in das Badehaus ein und es diente fortan bis zum Ende der 1960er Jahre als Forsthaus. Im Jahre 2017 genießen 10 Wanderer des SGV Welver das schöne Ambiente des Biergartens der nun gastronomischen Nutzung.

 

Eine „Genusswanderung“ – nach Naturgenuss nun kulinarischer Genuss – klingt im Schatten der Sonnenschirme langsam aus.


PS: Die Idee zu dieser Wanderung und die Ausarbeitung des Streckenverlaufs erfolgte durch Theresia und Hans Rottmann, die aber krankheitsbedingt die Wanderführung am Tag der Tour nicht übernehmen konnten. Wir sehen uns gesund und munter beim nächsten Mal!


Text und Fotos: Dirk Große

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