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Durch die Schoneberger Heide zum Schloss Hovestadt

veröffentlicht um 03.10.2016, 12:44 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 03.10.2016, 14:14 ]

Sonntag, 25.September 2016.

Bei der Namensgebung für Schoneberg soll ein „schöner Berg“ ursprünglich verantwortlich gewesen sein. Der alpine Wanderer wird natürlich in den Niederrungen der Gemeinde Lippetal vergeblich eine Geländeerhebung an dieser Stelle suchen, die tatsächlich nach seiner Sicht die Bezeichnung „Berg“ verdient hat. Aber alles ist relativ und so hat man wohl in dieser eher ebenen Region dünenartige „Bodenwellen“, die sich von ihrer Umgebung durch eine gewisse Höhe abgehoben hatten, als „Berg“ bezeichnet. Tatsächlich beträgt der Höhenunterschied ausgehend von der Lippe immerhin 20 m Richtung Schoneberger Heide. Ob Berg oder nicht, die Landschaft konnte wohl durch ihre eigenen Reize schon damals begeistern. 

Auch der gebürtige Soester Maler Otto Modersohn wusste die Landschaft zu schätzen und schwärmte: "Diese Schoneberger Heide bot moorige Striche, Heidegelände und Waldstücke mit einer großen Luftfeuchtigkeit, die den Farben eine warme und auch magische Leuchtkraft schenkte."

Die Schönheit der Landschaft ist bis heute unbestritten, wenn auch der Mensch unverkennbar Hand angelegt und die Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft verwandelt hat.

Dies war bereits am Startort unserer Wanderung, am Land-Café Humbrechting, unweit der Ahse nicht zu übersehen, denn unter der Leitung von Wolfgang Junker durchstreiften die 14 Teilnehmer der Tour gleich zu Beginn die ackerbaulich geprägte Landschaft bis zur Ortschaft Schoneberg. Das Wetter meinte es gut mit uns an diesem Tag. Sonnig und trocken bei windstillen 28° hieß es im Wetterbericht. Zwischen den fruchtbaren Feldern und Wiesen kamen wir ganz gut ins Schwitzen, wobei dies durchaus auch einem respektablen Anfangstempo geschuldet war.

Foto: am Schloss Hovestadt

Auf dem Weg von Schoneberg weiter in nördliche Richtung trafen wir auf die Landesstraße L 636. Heute eine asphaltierte Piste für den motorisierten Verkehr zwischen Hovestadt und Eickelborn, früher ein sandiger Postweg mit tiefen Wagenspuren und etlichen morastigen Vertiefungen, die sich bei Regenwetter mit Wasser füllten. Schon 1739 beklagten sich die Fuhrleute der Postwagen über den miserablen Zustand dieser  Strecke.

Wir begleiteten die Straße ein Stück, um bald wieder nordwärts Richtung Lippe abzubiegen, wo sich die Parzellen dann weniger als Kulturlandschaft und wieder mehr als Naturlandschaft darstellen. Es handelt sich um Landschaftsschutzgebiete, die im Zuge der Lippeauen zum Schutz von Fauna und Flora festgesetzt wurden. Von mehreren erhöhten Beobachtungsposten kann man einen weiten Blick in das Gebiet werfen. Wir konnten an diesem Tag Störche und Fischreiher beobachten. Zur Wechselhaftigkeit der Kulisse trugen auch die hier vorhandenen Waldabschnitte bei, die wir auf dem Weg nun westwärts Richtung Hovestadt auf schönen Pfaden durchliefen.

Schließlich erreichten wir das Wasserschloss Hovestadt. Prägende Landmarke und der Ortschaft namensgebende Anlage. Ein Rittersitz, der später zu einer Burg ausgebaut wurde. Die heutige Anlage wurde als Wasserschloss Ende des 16. Jahrhunderts im Stil der Lipperenaissance errichtet. (Hofstatt: die Stätte, wo Hof gehalten wird)

Wie es heute dasteht, mit seinen beiden, im rechten Winkel angeordneten Flügeln und dem Turm vor der Spitze des Winkels, stellt es nur knapp die Hälfte von dem ursprünglich geplanten Bauprojekt dar. Es sollten ursprünglich vier Flügel, zu einem Quadrat zusammengeschlossen, einen Binnenhof umgeben, und außen an jeder Spitze des Quadrates sollte je ein Turm stehen.

Wahrlich ein gewaltiges Projekt, das zur Freude der heutigen Besitzer nicht verwirklicht wurde.

Foto: am Rathaus der Gemeinde Lippetal in Hovestadt

Im Dorf Hovestadt machten wir dann Rast unweit des Rathauses, das als Rathaus des „Amtes Oestinghausen“ im Jahre 1926 erstmals bezogen wurde. Der schöne Brunnen davor scheint aber erst später errichtet worden zu sein, zumindest trägt er die Jahreszahl 1987. Egal wann, gut, dass er da war, denn aufgrund der eingangs erwähnten Temperaturen waren wir für die mögliche Erfrischung dankbar.

Der Rückweg von Hovestadt zum Ausgangsort war insbesondere nach Verlassen der kleinen Ortschaft Nordwald wieder von der ackerbaulichen Kulturlandschaft geprägt. Auf befestigten und unbefestigten Wirtschaftswegen steuerten wir Gut Humbrechting an. Dieser an der Ahse liegende Gutshof wird erstmalig im Jahre 1224 urkundlich erwähnt und dient seit 1995 als Landcafé. Für unsere Wandergruppe war leider an diesem Sonntag aufgrund des großen Andrangs kein Plätzchen mehr frei. Und so kamen wir ganz unvorhergesehen in den Genuss der Bewirtung des in der Ortschaft Schoneberg ansässigen Gasthofes Schulte. Im familiären Ambiente des Biergartens ging so bei kühlen Getränken und noch kälteren Eisvariationen ein abwechslungsreicher Wandertag zu Ende.

Wanderführer: Wolfgang Junker


Fotos und Text: D. Große

 


Quellen:

www.felixbierhaus.de (historisches Archiv für die Lippe-Region)

www.lippetal.de

www.wikipedia.de

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