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Brilon ist eine Reise wert! - Wanderbericht vom 19.08.2018

veröffentlicht um 27.08.2018, 11:06 von SGV Abteilung Welver

„Es war eine sehr schöne Wanderung“, so das Fazit aller 18 Wanderer. Wir hatten es auch nahezu ideal getroffen. Die Sonne schien, Temperatur 22 – 25°C und ein leichter Wind. Dazu ein Wanderweg, der Abwechslung, Aussichten und Orte zur Einkehr bot. Sowohl für die spirituelle, als auch für die leibliche Einkehr, gab es gute Gelegenheiten.

An diesem Wandertag erlebten wir gleich drei Qualitätswanderwege (Rothaarsteig, Briloner Kammweg und die Waldroute) und drei Pilgerwege (Jakobsweg und die Briloner Pilgerwege Sankt Michael, „Psalmen“ und „Lebenswege“).

Der erste Kilometer machte klar: heute gehen wir auf dem Rothaarsteig. Es ging bergauf. An „Brockmanns Hütte“ vorbei, zur Möhnequelle und weiter zur „Himmelsschaukel“, an der alten Skisprungschanze. Die Schaukel wurde von uns genutzt und die Aussicht über Brilon und das nördliche Sauerland genossen.

Wenige 100 Meter weiter folgte der „Kyrill – Pfad“, im Briloner Bürgerwald. In der Nacht vom 18. Januar 2007 fegt der Orkan Kyrill über das Sauerland und legte tausende Hektar Wald flach. In Brilon allein fielen 1.000 Hektar, von 7.750 Hektar Gemeindewald, dem Sturm zum Opfer. Die Gemeinde Brilon ist, nach Baden – Baden, der zweitgrößte kommunale Waldbesitzer in Deutschland.

Während Kyrill für viele Waldbesitzer ein dramatischer Eingriff war, brachte das Sturmtief, für Wanderer, auch viele neue Aus- und Weitblicke. Kyrill hatte Fernsichten offenbart, die so nicht bekannt waren. Auch nach zehn Jahren sind diese teilweise erhalten. Wald wächst langsam. Die „Kyrill – Pfade“ des Sauerlandes wachsen auch langsam zu. Vor allem Birken und Fichten wachsen und erobern durch Naturverjüngung neue Standorte. Die Gemeinde Brilon hat auf einem kleinen Hügel den „Briloner Bürgerwald“ angelegt. Mittlerweile wachsen dort mehr als 40.000 Bäume 30 verschiedener Arten.


Der Kyrill – Pfad führte uns durch diesen „Bürgerwald“ zum Aussichtspunkt, mit großem „Schaufenster“. Von dort führte uns der Weg durch das Kyrill – Tor zum Parkplatz Petershagen. Von hier sind Nordic Walking und im Winter Loipen ausgeschildert.




Wir wanderten um Petershagen herum. Dann kürzten wir die Strecke des Rothaarsteiges ab und wanderten direkt zur Antonius Kapelle. Kurz davor trafen wir wieder auf Rothaarsteig und Briloner Kammweg. Die Abkürzung führte auf einen schattigen Schotterweg direkt zur Antonius Kapelle.

Foto: Der Wanderführer erzählt kurz die Geschichte der Kapelle:

Ein Sohn des Henricus Unckel, so heißt es, habe sich einmal auf einem Botengang von Elleringhausen nach Brilon im Nebel verirrt. Erst nach langem Suchen sei er glücklich wieder aufgefunden worden. Aus Dankbarkeit ließ sein Vater diesen Sandstein mit der Figur des hl. Antonius an diesem Ort errichten. Zur damaligen Zeit befand sich an dieser Stelle eine ausgedehnte Heidefläche, in der man sich bei Nebel tatsächlich leicht verirren konnte. Noch heute heißt dieses Gebiet übrigens „Lange Heide“.

Hier lud uns auch eine Station des Pilgerweges „Psalmen“ zur Besinnung. Der Pilgerweg folgt hier dem Rothaarsteig bis zur Hiebammenhütte. Der „kleine Hunger“ machte sich bemerkbar. Also nutzten wir die Gelegenheit für eine Pause.

Immer noch ging es moderat bergauf. Es war wie früher auf den Urlaubkarten beschrieben: „Wetter prima, Stimmung gut, Herz was willst du mehr?“ Vorbei am „Azubi – Wald“ der Firma Egger, mit herrlichem Ausblick auf die „Bruchhauser Steine“, Elleringhausen, Bruchhausen und das Sauerland, kamen wir „Borbergs Kirchhof“ immer näher.

Borbergs Kirchhof ist einer der geschichtsträchtigsten Plätze der gesamten Region. Und einige der Relikte auf dem Borberg sind uralt. Forscher haben herausgefunden, dass die ältesten Erdwälle aus der Zeit um Christi Geburt stammen, als germanische Stämme auf die Kelten stießen. Damals boten die Aufschüttungen Schutz vor einfallenden Feinden. Im achten und neunten Jahrhundert, etwa als Karl der Große das Fränkische Reich regierte, entstand als Befestigungsanlage eine Mauerburg, die vermutlich fränkischen Truppen als Etappenstation diente.

Die Ruinen der Borbergterrassen strahlen bis heute eine starke Faszination aus – und sie erzählen Geschichte. Im zehnten Jahrhundert war die Grafenburg im Besitz der in Geseke ansässigen Haholte, später dann Eigentum der Stadt Brilon. Den Annalen zufolge soll die Stadt auf dem „Borrenberge“ auch ein kleines Nonnenkloster besessen haben. 


Ausgrabungen haben die Grundmauern einer Kirche, das Tor und die Fundamente einer Kapelle und eines Friedhofs aus dem 13. Jahrhundert zutage gefördert.


Wanderer genießen auf dem Borberg am Rothaarsteig eine spektakuläre Aussicht auf Olsberg und die Sauerländer Bergwelt, studieren die Schautafeln der Wall- und Maueranlage und besuchen die Marienkapelle – auch Friedenskapelle genannt, ein Mahnmal in bewegten Zeiten, das seit 1925 hoch auf der Klippe thront.“ Heimkehrer des ersten Weltkrieges erbauten sie, aus Dankbarkeit, den Krieg überlebt zu haben. Der Sauerländer Heimatbund widmete die Kapelle dem französischen Geistlichen „Abbe Franz Stock“, der viel für die deutsch-französische Aussöhnung getan hat. Hinter der Kapelle hat man einen fantastischen Blick auf Olsberg. Auch hier lud der Ort zu einer Verpflegungspause.

Foto: Aussicht auf Olsberg

Und wie es so ist, wenn man lange bergauf geht, geht es auch irgendwann wieder bergab. Borbergs Kirchhof war der Scheitelpunkt dieser Wanderung. Der Rothaarsteig machte seinem Namen alle Ehre und wurde zum wild-romantischen Pfad. Eine schöne, aber auch anstrengende Strecke, die Aufmerksamkeit forderte. Auch Mountainbiker lieben solche Strecken. Eine Gruppe kam uns entgegen. Aber es gab kein böses Wort, nur ein paar Scherze von beiden Seiten.

So erreichten wir die „Hiebammen Hütte“. Hier treffen sich Rothaarsteig, Briloner Kammweg, Waldroute, Jakobsweg und die Pilgerwege St. Michael Psalmen und Lebenswege. Ein gastlicher Ort, mit Gartengastronomie von urigem Charme innen. Da wir kurz zuvor eine spontane Rast eingelegt hatten und den Abschluss in Brockmanns Hütte geplant hatten, ließen wir die Gelegenheit zur Einkehr aus. Einige aus unserer Gruppe haben geplant, hier noch einmal einzukehren. Ich kann das empfehlen. Auch wenn es immer (?) voll ist. Das spricht für sich. Die Hiebammenhütte ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel nicht nur für die Briloner Bürger.

Wir wanderten also noch einmal auf dem Briloner Kammweg aufwärts, nach Petershagen und zurück zu Brockmanns Hütte. Diese ist ähnlich eingerichtet wie die Hiebammen Hütte, aber nur sonn- und feiertags ab 11:00 Uhr bewirtschaftet.


Hier genossen wir die leckeren Waffeln des Hauses und ließen die Wanderung noch einmal Revue passieren. 

Foto: Abschlussfoto vor Brockmanns Hütte

Es gab viel Lob für die Wanderung. So viel Lob macht doch etwas verlegen. Aber es tut auch gut!

Zufrieden traten wir den Heimweg an. Jederzeit noch einmal war das Credo.


Kursive Textpassagen sind der Briloner Homepage entnommen.

 

Wanderführer und Text: Karl Heinz Hoppe

Fotos. Dirk Große

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