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Auf dem Hüstener Freiheitsweg

veröffentlicht um 05.11.2016, 09:53 von SGV Abteilung Welver   [ aktualisiert: 06.11.2016, 23:18 ]

Da, wo die kleine Röhr und die große Ruhr aufeinandertreffen, da liegt Hüsten. Heute Teil der Stadt Arnsberg, von 1941 bis 1974 zusammen mit Neheim eigenständige Stadt.  Schon 1360 erhielt Hüsten von den Arnsberger Grafen die Rechte einer Freiheit, was bedeutete: die Bürger waren frei, durften einen eigenen Bürgermeister wählen und ihren Ort selbst verwalten, und das ganz ohne Stadtrechte.

650 Jahre später dachten sich der Sauerländische Gebirgsverein und der örtliche Heimatkreis, dass es Zeit wäre, zur Erinnerung an die mittelalterliche Freiheit einen schönen Rundweg um Hüsten nach dieser Begebenheit zu entwickeln. Am 3. Oktober 2010 schließlich wurde der „Hüstener Freiheitsweg“ feierlich eröffnet.

 

Theresia und Hans Rottmann hatten diesen 18 km langen Rundkurs für uns am 30.10.2016 als Tagesprogramm ausgesucht. Wobei Theresia wohl nicht ganz zufällig auf die Strecke aufmerksam wurde, denn, so wie sie berichtete, hat sie ein Teil ihrer Schulzeit in Hüsten verbracht, so dass eine Verbindung zu dieser Region seit je her besteht.

Der Hüstener Freiheitsweg beginnt recht urban im Zentrum des Ortes an der Pfarrkirche St. Petri. Die Glocken des im 12. Jahrhundert als Nachfolger einer Holzkirche erbauten Gotteshauses läuten für uns beim Aufbruch wie ein Startschuss. Der direkt angrenzende Bereich diente bis 1908 als Friedhof. Heute präsentiert sich die alte Begräbnisstätte als schöner Park. Während wir die Grünanlage durchqueren ergibt sich ein Blick auf Haus Hüsten, einem ehemaligen Adelssitz, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht. Das Bruchsteinhaus aus grünem Sandstein wird heute als Museum und Standesamt genutzt.

 

Foto: Haus Hüsten

Ziemlich schnell erreichen wir die Ruhr, so dass es die Wegeführung ermöglicht, ausgehend von der St. Pertri Kirche, zügig das städtische Umfeld hinter sich zu lassen und sich so der erste Naturgenuss einstellt. Wir folgen dem Fließgewässer flussaufwärts auf schmalem Pfad.

 

Bevor die Gruppe in Sichtweite des Waldgebietes Herbremen südwärts abbiegt, macht ein 5,50 m hohes Betonkreuz mit lebensgroßem Corpus auf sich aufmerksam. Fritz Cöppicus hat das mittlerweile nach ihm benannte Kreuz 1948 in der schweren Nachkriegszeit errichten lassen. Er löste damit ein Gelöbnis ein, das er zu Beginn des 2. Weltkrieges dem damaligen Pfarrer gegeben hatte. Cöppicus hatte damals gelobt, wenn seine Familie den Krieg heil übersteht, lass ich auf meinem Grundstück ein Wegkreuz errichten.

 Foto: Cöppicus-Kreuz


Die anschließend hier offene, hügelige Landschaft am Fuße des Spreibergs (277 m) ermöglicht schöne Aussichten auf Hüsten und auf die gegenüberliegenden Höhen des Arnsberger Waldes. 

Foto: offene Landschaft am Fuße des Spreibergs

Nach einer kurzen Waldpassage und entlang einer Kleingartenanlage sowie durch Siedlungsbereiche von Alt-Hüsten erreichen wir dann das Tal der Röhr. Das Gewässer entspringt bei Sundern und mündet nach 29 km in Hüsten in die Ruhr. Nach gut einem Drittel unserer Tagesstrecke machen wir hier die erste Trinkpause.

Der Freiheitsweg insgesamt ist von einem stetigen Wechsel der Kulisse geprägt. Diese Abwechslung lässt - im positiven Sinn - optisch keine Ruhe aufkommen. Es bleibt immer irgendwie spannend, was der nächste Abschnitt an „Erlebnispunkten“ bietet. Dies kann ein schmaler Pfad sein, dann eine aussichtsreiche Freifläche, ein Bauwerk, eine Naturlandschaft entlang eines Gewässers, ein schöner Herbstwald, selbst eine Kleingartenanlage oder die Durchquerung eines Siedlungsbereiches tragen zur Abwechslung bei.


Foto: am Hexentanzplatz

So passieren wir nach Verlassen des Röhrtals, den Hexentanzplatz, einen Golfplatz, den Hüstener Ortsteil Mühlenberg, das Rumbecker Holz mit dem Waldfriedhof bevor wir dann die Ruhr über die Pickenhainbrücke überqueren. Von der Brücke hat man einen schönen Blick auf die hier renaturierte Ruhr.

 Foto: renaturierte Ruhr

Nur kurze Zeit später kommt es zu einer angenehmen „Wanderunterbrechung“, denn Theresia und Hans haben nach rund 11 km Strecke an dieser Stelle am Ufer der Ruhr eine Einkehr ins „R-Café“ vorgesehen. Im sonnendurchfluteten Gastraum des Café-Bistros genießen wir den goldenen Oktober bei Waffeln und Getränken.

Um die gerade zugeführten Kalorien auch sogleich wieder zu verbrennen, hat die Wanderleitung nach Verlassen des Ruhrtales noch einen pulstreibenden Anstieg vorgesehen. Es geht auf den 267 m hohen Ruschenberg. Die „Gipfelbesteigung“ wird mit einem schönen Weitblick belohnt. Auch die sich anschließende, waldreiche Passage gestaltet sich recht wellig, wobei hierbei der „Kleine Hirschberg“ mit seinen 272 m  erklommen wird. Am Waldrand eröffnet sich dann wieder ein weiter Blick auf eine große Wiese zur Linken und auf Hüsten mit seiner Petri-Kirche zur Rechten. Unterhalb des als „Breloh“ bezeichneten Naturraums war in den Nachkriegsjahren eine kleine Märchenlandschaft aufgebaut. Die durch Wasserkraft sich bewegenden Märchenfiguren und eine Spielwiese mit großer Rutsche waren damals ein beliebter Treffpunkt. Von all dem ist heute allerdings nichts mehr zu sehen.

 

Foto: Bereich "Breloh"

Durch das kleine Erlenbachtal verläuft der Freiheitsweg dann wieder zurück zur Ruhr, wobei wir zuvor noch Sportanlagen mit dem Freizeitbad „Nass“ passieren. Nach der erneuten Überquerung der Ruhr schließt sich der Kreis und wir gelangen über den eingangs erwähnten alten Friedhof zurück zur Petri-Kirche.

Einschließlich der Zuwegung liegen respektable 19 km Wegstrecke und rund 350 Höhenmeter hinter uns. Der Leser möge die heute etwas längere Tourbeschreibung verzeihen. Dies ist dem abwechslungsreichen Weg geschuldet, wobei von den insgesamt 36 Erlebnispunkten entlang der Strecke an dieser Stelle nur ein kleiner Teil näher beschrieben wurde.

 Neben einer schönen Strecke hatte unsere Wanderleitung auch noch das passende Herbstwetter mitgeliefert, so dass am Ende des Tages 10 zufriedene Wanderer Hüsten den Rücken kehren.

 

Wdf.: Theresia und Hans Rottmann

Text und Fotos: Dirk Große

 Quelle: www.ich-geh-wandern.de

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