Bericht zum Vortrag von Kerstin Pausch, Systemische Familienberaterin aus Coburg, am 05. Juni 2014

 

Der zweite Vortrag des Jahres 2014 war der Systemischen Familienberatung gewidmet, einem Heilverfahren, das für das seelische Gesundsein und das Gesundwerden der Mitglieder einer Familie eine große Bedeutung erlangt hat. Als Referentin hatten wir die Systemische Familienberaterin Kerstin Pausch aus Coburg eingeladen. Sie führt seit 2006 eine eigene Systemische Familienpraxis und konnte uns aufgrund ihrer langjährigen Arbeit mit Familien auf fundierte Art und Weise in die Systemische Familienberatung einführen. Zu Beginn ihres Vortrags unter dem Titel „Familie - ein starkes System“ veranschaulichte sie mithilfe eines gegenständlichen Mobile, was unter dem Begriff „systemisch“ zu verstehen ist: Das System der Familie ist ständig in Bewegung, und jedes Familienmitglied trägt dazu bei, es im Gleichgewicht zu halten. Allerdings ist es durch verschiedene Einflüsse oft starken Schwankungen unterworfen. Dies kann das dritte Kind in der Familie sein, das nach dem Verlust des zweiten (zum Beispiel durch Abtreibung) dessen Platz einnehmen muss. Auch der Besuch der Kita, der Eintritt in die Schule, der Übergang in die Pubertät, das Erwachsenwerden der Kinder mit den damit verbundenen Problemen für die Paarbeziehung sind Herausforderungen, die das Familiensystem in eine Schieflage bringen können. In der Regel schaffen es die Familien, solche Umstellungen zu bewältigen (das macht ihre Stärke aus!). Diese Neufindung geschieht meist unbewusst. Entsteht jedoch eine chaotische Situation, stellt sich ein Familienmitglied zur Verfügung, um dies ins Bewusstsein sein zu bringen. Es ist das „Schwarze Schaf“ der Familie, aus der Sicht der Systemischen Familienberatung die „identification person“, die als die sensibelste, mutigste Person im Familiensystem anzusehen ist.

An drei Beispielen verdeutlichte Frau Pausch, was Systemische Familienberatung zu leisten vermag. So kommt es oft darauf an, bei scheinbar unlösbaren Verwicklungen in der Familie überhaupt bewusst zu machen, wer die „identification person“ ist und warum sie ihre Opferrolle einnimmt. Es kann aber ebenso wichtig sein, einem Kind (in der Regel ist es, psychisch gesehen, ein starkes) einen bestimmten Platz in der Familie zuzuweisen. Oder es geht darum, ein Familienmitglied von einer psychosomatischen Erkrankung zu befreien, die auf unheilvolle Verwicklungen vorausgegangener Generationen zurückzuführen ist.

Mit dem spirituellen Gedanken, in Familien Liebe fließen zu lassen und alles für deren Frieden zu tun, endete der Vortrag, der die Zuhörer tief bewegte.

Wenn der Schlaf zum Albtraum wird

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:52 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Immer größer wird die Zahl der Patienten, die über Schlafstörungen klagen und zu Schlaftabletten greifen. Dabei ist dies langfristig keine Lösung, denn Schlaftabletten können abhängig machen und viele Nebenwirkungen besitzen. Um so dankbarer waren wir, dass die Ärztin und klassische Homöopathin  Dr. med. Inge Heinz aus Hof am 14. Juni 2018 zu uns kam, um einen Vortrag über das natürliche Heilen von Schlafstörungen zu halten.

Zu Beginn erläuterte sie, wie wichtig ein erholsamer Schlaf für die körperliche, seelische und geistige Gesundheit des Menschen ist. Schlafen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, so wie Essen und Trinken. Besondere Bedeutung kommt den Träumen als „Hüter des Schlafes“ zu. Sie sind die Ventile einer unterdrückten Welt in uns, die genauso zu uns gehört „wie ein Eisberg nicht nur aus seiner sichtbaren Spitze, sondern aus einer viel größeren wasserbedeckten Basis besteht“ (Sigmund Freud). Träumen wird durch zu wenig Schlaf und eben auch durch allopathische Schlafmittel verhindert.

Woher kommen nun Schlafprobleme? Warum kann man nicht einschlafen, wacht mehrmals in der Nacht oder zu früh am Morgen unausgeschlafen auf? Es gibt zahllose Ursachen dafür, die Frau Dr. Heinz darstellte:

  • „schlechte“ Gewohnheiten, wie zu spätes Schlafengehen, spätes schweres Essen oder zu viel Alkohol,

  • äußere Ursachen, z. B. Nachtdienst, Schichtarbeit, das Schnarchen des Partners, zu warmes/zu kaltes Zimmer, zu hartes/zu weiches Bett, Fehlen frischer Luft,

  • organische Ursachen: Schmerzen, häufiges Wasserlassen, kalte Füße, Juckreiz,

  • gesellschaftliche Ursachen: Aufregung vor Prüfungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme,

  • seelische Ursachen: Probleme in Familie/Partnerschaft, einschneidende Familienereignisse (Geburt, Heirat, Tod),

  • psychische Ursachen: Ängste, Schuldgefühle, Albträume, Depressionen.


Was bedeutet nun natürliches Heilen von Schlafstörungen? Dieser Frage widmete Frau Dr. Heinz den größten Teil ihres Vortrags. Die generelle Antwort darauf lautet: Mit natürlichen Verfahren einen Heilungsprozess in die Wege zu leiten. Das kann eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und gesunder Ernährung ermöglichen, das können aber auch Naturheilverfahren bewirken, die eine ganzheitliche Behandlung anstreben, wie die Homöopathie. Entscheidend in der Homöopathie ist die Ermittlung der individuellen Ursachen des Schlafproblems. Dafür braucht es ein ausführliches Gespräch, in dem Antworten auf folgende zentralen Fragen notwendig sind: Handelt es sich um eine Einschlaf- oder Durchschlafstörung? In jeder Nacht oder ab und zu? Ist der Schlaf oberflächlich oder zu kurz? Vor allem aber: Seit wann besteht die Schlafstörung?

Heilkunst im Sinne Hahnemanns bedeutet nicht nur homöopathische Medikamente zu verordnen, sondern auch nichtarzneiliche Maßnahmen anzuregen, die folgende Aspekte umfassen:  

a) die Lebensordnung:

  • ausreichende Bewegung am Tag,

  • Reduzierung von Koffein-, Alkohol- und Nikotinkonsum am Abend,

  • maßvolles, nicht zu spätes Abendessen,

    

     b) die „Schlafhygiene“:

  • regelmäßige Schlafenszeiten,

  • Entspannungstechniken,

  • Bewusstes Abschließen des Tages,


      c) eigene Überlegungen:

  • Habe ich vor etwas Angst, z. B. vor der Nacht oder dem Tod?

       

d) Probleme tagsüber lösen und nicht mit ins Bett nehmen.


Wenn die nichtarzneilichen Maßnahmen nicht ausreichen und eine   homöopathische Behandlung erfolgen soll, muss das sonstige Befinden des Patienten ermittelt werden: körperliche Beschwerden, psychisch-emotionales Befinden, Allgemeinbefinden (wichtige Körperfunktionen), biographische Daten (Kindheit, Ehe, Beruf), frühere Erkrankungen. Für den homöopathischen Therapeuten wesentlich sind die Fragen: Wann ist die Schlafstörung zum ersten Mal aufgetreten? Welche Maßnahmen und/oder Heilmittel sind erforderlich, um diesen Patienten wieder in sein Gleichgewicht zu bringen?

An Beispielen erläuterte Frau Dr. Heinz das Vorgehen in der Homöopathie. Einer Patientin, die eigenartigerweise am schlechtesten schläft, wenn ihr eine große Freude begegnet ist, verordnet sie nach der Ähnlichkeitsregel Coffea in der D 30 oder C 30 (auch Kindern, die nach einem aufregenden Fest nicht einschlafen können). Berichtet ein Patient jedoch, dass er besonders dann nicht schlafen kann, wenn er am Abend ein reichliches Essen mit einigen Gläsern Wein zu sich genommen hat, dann ist Nux vomica in der C 6 oder C 12 vor dem Schlafen angezeigt. Wenn der Patient an chronischen Kopfschmerzen und Verstopfung leidet, so müsste die Arznei auch diese beiden Beschwerden heilen oder zumindest bessern.

Als Grundsatz bei der homöopathischen Behandlung von Schlafstörungen, gilt: Je mehr diese auf seelischen Ursachen beruhen, desto höher muss die Potenz des Mittels gewählt werden, denn höhere Potenzen wirken auf den Geist und die Seele.

Im letzten Teil ihres Vortrags gab Frau Dr. Heinz einen Überblick über bewährte homöopathische Mittel bei Schlafstörungen, bezogen auf ihre Ursachen:

  • Arnica: Verletzungen, Muskelkater

  • Chamomilla: Unruhe, Zahnungsbeschwerden

  • Cocculus:  Schichtarbeit, geistige und körperliche Erschöpfung

  • Coffea: Herzklopfen, Aufregung, Wechseljahre

  • Gelsemium: Aufregung vor Prüfungen

  • Ignatia, Natrium muriaticum: (Liebes-) kummer, unterdrückter Zorn

  • Nux vomica: Jetlag, zu viel Essen, Alkohol. Tabak

  • Rhus toxicodendron: Gliederschmerzen (bei Grippe)

  • Sulfur: Oberflächlicher Schlaf, Wechseljahre, Unruhe der Beine.


Empfohlene Potenzen:

Körperliche Ursachen: D 12, 1-3 x tgl. 1-5 Globuli

Seelische Ursachen:     C oder D 30, 1 x tgl. 1-5 Globuli


Hinsichtlich der Behandlungsdauer betonte Frau Dr. Heinz, dass bei einer seit 10 Jahren dauernden Schlafstörung nicht erwartet werden könne, dass die Behandlung sofort eine 100%ige Besserung erbringt. Doch mit einer Konstitutionsbehandlung über mehrere Monate ist auf jeden Fall damit zu rechnen, dass sich das Allgemein- und das seelische Befinden bessert.

Wir hörten einen beeindruckenden Vortrag, in dem es Frau Dr. Heinz verstand, die Besonderheiten der homöopathischen Heilmethode zu verdeutlichen und sie mit der gewählten Thematik zu verbinden.


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Die homöopathische Hausapotheke

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:47 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Welche homöopathischen Arzneimittel sollten bei häufig auftretenden Beschwerden oder Notfällen zuhause zur Verfügung stehen und wie wendet man sie an? Diese Fragen standen am 19. April 2018 im Mittelpunkt eines Vortrags von Pia Aßmann, Pharmazeutisch-technische Assistentin und Heilpraktikerin aus Himmelkron, unter dem Titel „Die homöopathische Hausapotheke“. 
Einführend gab sie einen Überblick über die Grundlagen und Besonderheiten der Homöopathie (Ähnlichkeitsregel, Potenzierung der Ursubstanzen, Behandlung mit Einzelmitteln), aber auch über deren Grenzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle aus ihrer Berufspraxis verstand sie den Einsatz der Homöopathie ergänzend zu schulmedizinischen Therapieformen, und zwar in der Potenzhöhe D 6 und C 12. Das bedeutet bei Akutfällen, die Gabe der Arznei in relativ kurzen Zeitabständen (15-30 Minuten) zu wiederholen, bis eine Besserung der Krankheitssymptome eintritt. Ist dies der Fall, sollten die Dosierungsintervalle verlängert werden.
Anschließend stellte Pia Aßmann diejenigen Mittel vor, die sich bei der Selbstbehandlung verschiedener, im Alltag häufiger Krankheitssituationen bewährt haben. Am Anfang standen solche Mittel, die zur Grundausstattung der homöopathischen Hausapotheke ( in der Potenz D 12) gehören: 
  • Arnica als das Wundheilmittel schlechthin (bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen sowie nach Operationen),
  • Hypericum, auch „Nerven-Arnica“ genannt, bei Verletzungen, bei denen mit zahlreichen Nerven versorgte Gewebe betroffen sind,
  • Apis bei Insekten-, speziell Bienenstichen,
  • Ledum vor allem bei Stichverletzungen,
  • Cantharis bei Sonnenbrand und Verbrennungen,
  • Rhus toxicodendron bei für Verletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken,
  • Arsenicum album bei Brechdurchfall,
  • Nux vomica, das klassische „Katermittel“, aber auch bei Narkosefolgen (Übelkeit, Kopfschmerzen).

Es schloss sich dann die differenzierte Beschreibung von (Symptomen und die darauf bezogene Anwendung von Einzelmitteln bei folgenden Einsatzbereichen an:
  • Erkältung,
  • Allgemeine Wundbehandlung,
  • Wunden nach medizinischen Eingriffen,
  • Beschwerden an Gelenken,
  • Allergie – Stiche – Bisse.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Mittel, die der Gesundheit von Kindern dienen, z. B. bei seelischen Problemen oder Schulschwierigkeiten. Da es sich hier um geistig- seelische Symptome und Modalitäten handelt, ist die sorgfältige Wahl der passenden Arznei besonders wichtig.
Die konkreten Ausführungen von Pia Aßmann motivierten dazu, eine homöopathische Hausapotheke anzulegen  und damit erste Schritte der Selbstbehandlung zu gehen. Besonders dankenswert war es, dass sie Zuhörer mit den Voraussetzungen dafür, nämlich den Grundlagen der Homöopathie, vertraut machte.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:39 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 05.08.2018, 03:49 ]

Die mehr als 2500 Jahre alte Heilkunst der Chinesischen Medizin und die aus einem ganz anderen Kulturkreis stammende klassische Homöopathie: Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie und wie können beide Heilsysteme zum Wohle des Patienten genutzt werden?
Das waren die wesentlichen Fragen, mit denen sich Dr. med. Wolfgang Dittmar, Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut und klassischer Homöopath aus Bayreuth, in seinem Vortrag „Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie – Berührungspunkte“ am 22. März 2018 im Gemeindehaus St. Georgen beschäftigte. Um es grundsätzlich zu sagen: die Berührungspunkte sind vielfältig. Beide Heilmethoden betrachten den Menschen als Ganzheit, also als Einheit von Körper, Seele und Geist. Beide behandeln nicht eine Krankheit, sondern das Individuum. Dies verdeutlichte Dr. Dittmar eingangs an einem Beispiel. Bei verschiedenen Personen wird die einheitliche schulmedizinische Diagnose „Magengeschwür“ gestellt. Doch der TCM-Arzt erkennt bei ihnen völlig unterschiedliche „Disharmoniemuster“ und leitet daraus unterschiedliche Verordnungen ab. Auch der Homöopath gelangt auf der Basis individueller Anamnese zu verschiedenen Mitteln.
Beiden Methoden geht es weiter darum, die Selbstheilungskräfte des Organismus im Krankheitsfall zu mobilisieren. In der Homöopathie bedeutet dies, die immaterielle Lebenskraft, die durch den Krankheitsprozess verstimmt ist, zurückzugewinnen. Auch die TCM verfolgt das Ziel, Lebensenergie bzw. ein harmonisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Doch um zu verstehen, wie letzteres geschieht, muss man die Grundlagen der TCM kennen. So war es unumgänglich, dass Dr. Dittmar ausführlich darauf einging.

Zentrale Begriffe der TCM sind das Yin-Yang-System und das Qi (sprich „tschi“). Ersteres beschreibt die Gegensätzlichkeit aller Erscheinungen und Lebensvorgänge. Das Verhältnis dieser Gegensätze ist fließend und nicht starr, was folgende Grafik veranschaulicht:



Gesundheit lässt sich als harmonisches Zusammenspiel beider Aspekte beschreiben, bei Krankheit ist dieses dynamische Gleichgewicht gestört. Ziel jeder Therapie muss es deshalb sein, die Harmonie von Yin und Yang wieder herzustellen.
Qi dagegen ist das, was in der westlichen Medizin als „Lebensenergie“ gelten kann. Es hat vielfältige Funktionen und zirkuliert in Bahnen, den Meridianen. Über Akupunkturpunkte, die auf diesen Energiebahnen liegen, ist es möglich, das Qi zu beeinflussen.
Ein ebenso bedeutsamer Bestandteil der TCM ist die Lehre von den 5 Elementen oder Wandlungsphasen. Darin wird der Zyklus der Naturelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser dargestellt, ein Modell, das auf Abläufe im menschlichen Körper übertragen wird. Jeder Wandlungsphase ist ein bestimmter Funktionskreis zugeordnet, welcher mit einem Organnamen bezeichnet wird. Während in der westlichen Schulmedizin der Organbegriff auf die rein physiologisch-biochemischen Prozesse bezogen wird, charakterisiert er in der TCM die vitalen Funktionen, die dem Organ zugeschrieben werden, sowie die Yin/Yang-Eigenschaften. So besteht die Bedeutung des Funktionskreises Lunge/Yin)-Dickdarm(Yang) darin, dass die Lunge über das Qi und die Atmung herrscht. Die völlig andere Denkweise als in der Schulmedizin zeigt sich auch beim Funktionskreis Herz-Dünndarm. In der TCM regiert das Herz das Blut und hat großen Einfluss auf das Aussehen der Zunge. Diese ist gleichsam ein Sichtfenster auf den Zustand von Herz und Blut.
Einen weiteren Schwerpunkt in Dr. Dittmars Vortrag bildete die Fallaufnahme und die Diagnostik in der TCM. Wie in der Homöopathie charakterisieren die jeweiligen Krankheitssymptome die Einzigartigkeit  des Individuums. Steht bei der homöopathischen Anamnese die Befragung des Patienten im Vordergrund, so  erfasst die TCM auch die Funktionen der Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten). Eine besondere Stellung in der TCM-Diagnostik haben der Zustand der Zunge sowie die Eigenschaften des Pulses, zwei Methoden, die in der Homöopathie eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch können sich beide Heilmethoden bei der Fallaufnahme wechselseitig ergänzen.
Berührungspunkte zwischen beiden Naturheilmethoden gibt es auch bei der Miasmenlehre Hahnemanns, also seiner Theorie der Entstehung chronischer Krankheiten. Dr. Dittmar erläuterte kurz die drei miasmatischen Grundformen, aus denen sich die Vielfalt der Erscheinungsformen chronischer Krankheiten ableitet: Psora, Sykosis und Syphilis. Besonderes Augenmerk widmete er dem Phänomen, dass die (allopathische) Unterdrückung von Symptomen, z. B. bei der Neurodermitis, einen „Etagenwechsel“ der Erkrankung nach sich zieht, etwa als Asthma. 
Wenn man nach diesem Vortrag ein Résumé ziehen soll, dann dieses: Dr. Dittmar hat uns eine Denkwelt von Gesund- und Kranksein, aber auch Heilung von Krankheiten nahe gebracht, die den meisten von uns fremd war,  für die wir ihm aber dankbar sind. Sein von profundem ärztlichen Können geprägter Vortrag hat wieder einmal deutlich gemacht, was komplementäre Heilmethoden neben der westlich- akademischen Medizin zu leisten vermögen.

Ganzheitliche Augenheilkunde

veröffentlicht um 19.03.2018, 11:50 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Eine selten überwältigende Resonanz erlebte der erste Vortrag unseres Vereins im Jahr 2018: annähernd 100 Zuhörer waren gekommen, um den Kulmbacher Augenarzt Dr. med. René Woytinas zu dem Thema „Was kann ganzheitliche Augenheilkunde?“ zu hören. 

Dr. Woytinas gliederte seinen Vortrag in zwei Teile. Im ersten befasste er sich in grundsätzlicher Weise mit Gesundheit und Krankheit, mit Heilung und mit Naturheilkunde.

Eine Erkrankung kann als Störung des Fließgleichgewichtes aller energetischen Vorgänge im Körper verstanden werden. Körper und Psyche seien nicht voneinander trennbar, Daraus folgt, dass eine Krankheit ganzheitlich betrachtet werden müsse. Notwendig sei die Änderung der Denkweise, Kranksein betreffe immer nur einen körperlichen Sektor unseres Organismus.
Ganz allgemein, aber auch mit Blick auf Erkrankungen des Auges betonte er: Geheilt werden kann, was gestört ist, jedoch nur gelindert, was zerstört ist.  Jede Erkrankung und damit auch jede Augenerkrankung sei komplementär, also die (Hoch-)schulmedizin ergänzend, behandelbar. Dabei spielen Naturheilverfahren, also solche, die die Natur uns liefert, eine gewisse Rolle (Beispiel: Moorpackungen), aber ebenso Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Traditionelle Europäische Medizin (Beispiel: die Ernährungslehre von Pfarrer Kneipp).

Die Homöopathie dagegen sei ein wissenschaftliches Lehrgebäude. Komplementär einsetzbar sind auch die Phytotherapie oder die Anthroposophie. Als eine der wichtigsten Aufgaben komplementärer Medizin bezeichnete Dr. Woytinas die Darmsanierung, denn der Darm ist die „Wurzel für das Gesundsein“. Große Bedeutung komme auch Störfeldern, z. B. aus dem Darm oder aus den Zähnen, zu. Gemeinsam ist allen komplementären Verfahren die Wiederherstellung der körpereigenen Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte. Man könnte sie deshalb auch unter dem Begriff der „Regulationsmedizin“ zusammenfassen.
Andererseits gibt es bei bestimmten Augenleiden, z. B. bei einer Netzhautablösung, keine Alternative zur Operation. Die Domäne der Regulationsmedizin in der Augenheilkunde sind eher chronische Erkrankungen. So lassen sich homöopathische Organpräparate fast bei jedem Krankheitsbild einsetzen, Anthroposophika sind bei Lid-, Bindehaut- und Linsenerkrankungen hilfreich. Spezielle Therapien sind die Behandlung mit  Arzneimitteln der Fa. SANUM und der Einsatz von Eigenblut. Während erstere, basierend auf der Therapie von Prof. Enderlein, zur Verbesserung des inneren Körpermilieus, z.B. des Säure-Basen-Gleichgewichtes, eingesetzt werden, kann Eigenblut in hochpotenzierter Form bei Autoimmunerkrankungen wirksam sein. Fazit: eine pauschale Therapie bei Augenleiden ist nicht möglich!

Diesen Grundsatz verdeutlichte Dr. Woytinas im zweiten Teil des Vortrags, der bestimmte Augenkrankheiten zum Gegenstand hatte. Lidentzündungen, die zum Gersten- oder Hagelkorn führen, lassen sich durch Bestrahlung mit Rotlicht bessern. Augenlidzucken (Lid Tic) ist einer homöopathischen Behandlung zugänglich. Wesentlich differenzierter  ist die Therapie der Bindehautentzündung zu sehen. Ist sie bakterieller Natur, helfen antibiotische Augentropfen, u. U. in Kombination mit Calendula-Präparaten. Hat sie physikalische Ursachen, z. B. die Klimaanlage im Auto oder die Computerbelüftung, sind Homöopathika erfolgreich. Letztere, in hoher Potenz, haben sich auch bei der Regenbogenhautentzündung bewährt. Für die Behandlung der (infektiösen) Hornhauterkrankung empfiehlt sich die SANUM-Therapie. Um Allergien am Auge zu heilen, ist wiederum die Darmsanierung wesentliche Voraussetzung.

Ausführlich befasste sich Dr. Woytinas abschließend mit dem grauen und grünen Star sowie der Makuladegeneration. Der graue Star (Trübung der Augenlinse) ist eine klassische Degenerationserscheinung im Zuge des Alterungsprozesses. Sie ist heutzutage dank moderner Operationstechniken heilbar. Der grüne Star dagegen ist eine Bezeichnung für eine Reihe von Erkrankungen, die zum Absterben des Sehnervs und damit zur Erblindung führen können. Der bei grünem Star vorliegende erhöhte Augeninnendruck ist nicht immer die Ursache der Erkrankung, sondern aus naturheilkundlicher Sicht spielen die Belastung mit Schwermetallen und Pestiziden, vor allem aber eine gestörte Darmflora, eine Rolle. Folglich kommt auch hier, neben der Senkung des Augeninnendrucks mit konventionellen Augentropfen, eine ganzheitliche Behandlung, insbesondere eine Darmsanierung, in Frage. 

Bei der Altersabhängigen Makulageneration (AMD) handelt es sich um eine Netzhauterkrankung. Betroffen ist die Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, eines nur wenige Quadratmillimeter großen Areals auf der Netzhaut. Vermittelt durch eine Matrix (Bindegewebe) steht die Makula in engem Stoffaustausch mit der darunter liegenden Pigmentschicht. An dieser Matrix, die im Falle der AMD geschädigt ist, kann Regulationsmedizin therapeutisch ansetzen, und zwar im Sinne eines extrem komplexen Ansatzes, bei dem Entgiftung und Entschlackung (Darmsanierung) eine zentrale Rolle spielen.
Dank der Fülle der Informationen und Ratschläge, die dieser Vortrag bot, gingen die Zuhörer beeindruckt und mit dem Gefühl, bereichert worden zu sein, auseinander.

Kommunikation in der Familie

veröffentlicht um 31.05.2017, 10:24 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal war Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg, der Einladung, einen Vortrag bei uns zu halten, gefolgt. Mit dem Titel „“Das Wort hinter dem Wort verstehen – die fünf Kommunikationsformen nach Virginia Satir“ führte sie am 18. Mai 2017 in die Denkwelt der Pionierin der systemischen Familientherapie, der Amerikanerin Virginia Satir, ein. Diese gilt ihr als Vorbild für ihre eigene therapeutische Arbeit. 

Das von Virginia Satir entwickelte Kommunikationsmodell basiert auf der Erfahrung, dass bei der Kommunikation zwischen Menschen, mithin auch in Familien, doppeldeutige Botschaften ausgesandt werden. Mit anderen Worten: das gesprochene Wort stimmt mit dem wahren Gefühl oft nicht überein.

Hinter doppeldeutigen Botschaften stecken Ängste und ein zu geringer Selbstwert, z. B.:

  • Ich könnte Fehler machen.
  • Die Leute könnten denken, dass ich unvollkommen bin.


Doch Angst ist nicht die Wahrheit. Schritte aus der Angst sind möglich, wenn man zu sich steht:

  • Natürlich mache ich Fehler.
  • Ich werde immer etwas Unvollkommenes an mir entdecken.


Seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und frei zu äußern, ermöglicht kongruente Kommunikation, wie sie Virginia Satir anstrebt. Ihr gegenüber stehen vier andere Kommunikationsformen, mit denen Menschen auf die Minderung ihres Selbstwertes reagieren. Frau Pausch ließ sie in Form einer Skulpturenaufstellung mit vier Personen -  Vater, Mutter, zwei Kinder - aus den Reihen der Zuhörer veranschaulichen.


  • Der „Beschwichtiger“ verdrängt seine eigenen Gefühle, er will vermeiden, dass der andere ärgerlich oder wütend wird und nimmt deshalb eine rücksichtsvolle Haltung ein.
  • Der „Ankläger“ sucht ständig nach Fehlern bei anderen und klagt an, er will „stark“ sein, fühlt sich als „Boss“, ist oft laut und tyrannisch.
  • Der „Rationalisierer“ lässt keine Gefühle zu, er argumentiert sachlich und logisch und erweckt so den Eindruck, alles im Griff zu haben.
  • Der „Ablenker“ vermeidet alles Konkrete, wechselt geschickt das Thema (ständige Bewegung bei hyperaktiven Kindern). So versucht er, sich gegen Bedrohungen oder Forderungen zu schützen. Dabei sehnt er sich verzweifelt nach Kontakt. 


Frau Pausch gab bezogen auf diese Muster auch Einblicke in ihre Therapiearbeit. So müssen „Beschwichtiger“ lernen, eine Ich-Struktur aufzubauen und „Nein“ zu sagen.

Abschließend stellte sie Virginia Satirs „fünf Freiheiten“ vor, die zum Ausdruck bringen, wie wir unsere Ressourcen nutzen können:

  • Sehen und Hören, was in mir ist.
  • Aussprechen, was ich wirklich fühle.
  • Fühlen, was ich fühle, statt zu fühlen, was ich fühlen sollte.
  • Bitten, was ich möchte und brauche.
  • Wagen, was mich reizt, statt Sicherheit zu wählen.


Verschiedentlich machte Frau Pausch deutlich, dass sich ihre Arbeit mit der Homöopathie berührt, wenn diese zur Mittelfindung verlässliche Aussagen über die seelische Verfassung des Patienten benötigt. So gingen die an diesem Sommerabend im Mai erfreulich zahlreich erschienenen Zuhörer gingen mit dem Gefühl nach Hause,  bereichert worden zu sein. Dank an unsere Referentin, wie eindrucksvoll und lebendig sie ihre Arbeit im Dienste der seelischen Gesundheit der Familie darstellte!


Homöopathie und Wechseljahre

veröffentlicht um 18.03.2017, 08:49 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Seit langer Zeit hatten wir wieder einmal den bekannten Homöopathen Dr. med. Klaus Roman Hör aus Waldmünchen zu Gast, diesmal in einem neuen Format, einem ganztägigen Seminar am 04. März 2017 im Gemeindehaus St. Georgen zum Thema „Das klimakterische Syndrom“. Angesichts des Einschnitts, den der Eintritt in die Wechseljahre im Leben einer Frau bedeutet, war zu erwarten, dass die Möglichkeiten der Homöopathie bei der Behandlung des komplexen Beschwerdebildes im Klimakterium auf besonderes Interesse stoßen würden.

Vor einem leider nur überschaubaren, aber dennoch hoch motivierten Zuhörerkreis näherte sich Dr. Hör der Thematik von der Physiologie her, indem er den Hormonbegriff erläuterte und darauf aufbauend die hormonelle Regulation des weiblichen Zyklus erklärte („ein Meisterwerk der Natur“). Er hob die zentrale Rolle der Östrogene hervor, weil ja deren Mangel mit Beginn des Klimakteriums der entscheidender Auslöser für die Vielfalt der körperlichen Störungen und Beschwerden ist: Hitzewallungen, flush, (Hautröte), Schwitzattacken, Herzrhythmusstörungen, Blasenschwäche, Hautveränderungen, Haarausfall, Gewichtszunahme, Ausprägung männlicher Merkmale (Virilismus), Osteoporose, Zyklusanomalien, Schlafstörungen, Krebsgefahr. Eine ebenso große Rolle spielen psycho-emotionale Verwerfungen, Reizbarkeit und Stimmungslabilität.

Was die Homöopathie generell auszeichnet, nämlich die Behandlung individueller Beschwerden, stoße, so Dr. Hör,  bei Frauen auf gute Voraussetzungen: Erstens weil sie sich wesentlich genauer beobachten als Männer und zweitens, weil ihre Fähigkeit, authentisch Symptome zu beschreiben, weitaus besser ausgeprägt ist. Bei der Anamnese gehe es ihm vor allem um die hinter den Akutsymptomen stehenden Probleme: Probleme mit den Partner, mit den Kindern, Probleme der Selbsteinschätzung. Zentral wichtige Fragen sind: „Was ist anders geworden seit Eintritt des Klimakteriums?“, „Womit können Sie nicht leben?“, „Was müsste anders sein?“. Die Antworten darauf führen Dr. Hör zu der für ihn wichtigen Vorentscheidung, welcher Gruppe von homöopathischen Mitteln die jeweilige Patientin zuzuordnen ist. Dr. Hör verdeutlichte dieses Vorgehen anhand mehrerer Fallbeispiele. Es würde zu weit führen, jeden Fall detailliert zu beschreiben. So seien diejenigen ausgewählt, welche die Bedeutung der psychischen Verfassung für die Mittelwahl besonders gut belegen und die zugleich auf exemplarische Weise Gruppentypisierungen, aber auch die Notwendigkeit zur Differentialdiagnose, zeigen.

  1. Patientin, 48 Jahre, hoher anfallsartiger Blutdruck (hat Todesangst bei solchen Attacken), Angst vor Krebs; zu lange und unregelmäßige Perioden mit dunklen Klumpen, übergewichtig; ihr Mann hat ständig neue Affären; sie sieht ihre Aufgabe darin, für ein schönes Heim zu sorgen, kocht kultiviert, schluckt das Essen herunter; malt gern, verträgt aber keine Kritik an ihren Bildern; möchte ein Leben in Selbstbestimmung führen, kann es aber nicht. Der starke Herzbezug und bestimmte andere Befunde legen ein Schlangenmittel nahe, doch die Gemütssymptome  sprechen eindeutig gegen die typischen Charaktermerkmale von Menschen, die ein Schlangenmittel, z. B. Lachesis, brauchen. Stattdessen deckt sich das ausgeprägte Bedürfnis nach Ästhetik mit dem Arzneibild von Elaps corollinus, der südamerikanischen Korallenotter.
  2. Patientin, 52 Jahre, geschieden, leidet an Entzündung der Bartholin’schen Drüsen, viel flush, „bearing- down“-Gefühl (als würden die Unterleibsorgane nach unten drängen und herausfallen), Klaustrophobie, sexuelle Phantasien bei Abwesenheit ihres Freundes, dessen Perfektion sie hasst; Die Symptomatik passt grundsätzlich zu Menschen, auf die das Arzneimittelbild von Meerestieren zutrifft. Sie leben oft in Beziehungen und Berufen um des Überlebens willen. Frauen können keine Symbiose mit einem Mann eingehen, die sexuelle Vereinigung ist ein Problem. Die Worte „Liebe“ oder „Hingabe“ hört man in Therapiegesprächen selten. Beides deutet auf eine tief sitzende Distanz zum Partner hin. Ein bedeutendes Frauenmittel aus der Gruppe der Meerestiere, nämlich Sepia, kommt andererseits nicht in Frage, denn  Sepia-Frauen können ihre Weiblichkeit nur schwer akzeptieren und lehnen die traditionelle Rolle der Frau ab. Eine für Sepia typische Abneigung gegen Sex liegt hier nicht vor, eher Zeichen für gesteigertes sexuelles Verlangen. Es wurde deshalb Murex purpurea ( aus einer Meeresschnecke) eingesetzt, mit Erfolg.
  3. Patientin im Klimakterium (Hitzewallungen von der Brust bis in den Kopf; dunkle, zähe Blutungen)  handelt oft unüberlegt, empfindet sich als Zumutung für die Familie („Mein Leben ist ein einziges Chaos“), verträgt schlecht enge und warme Räume, bei Fragen nach der Sexualität bricht sie fast zusammen („Wer will schon mit mir intim sein?“).   Die Patientin erhielt das Mittel Crocus sativus aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Lilien gelten als der Inbegriff des Reinen, Schönen, Unbefleckten. Sie haben aber noch eine andere Seite, die mit ihrem Überdauerungsorgan, der Zwiebel, zusammenhängt. Lilien wachsen vorzugsweise auf schwefelhaltigem Boden, ihre Zwiebeln akkumulieren das Element Schwefel in organischer Form. In der Mythologie wird Schwefel mit dem Teufel, dem Verführer zur Sünde, assoziiert. Es verwundert also nicht, dass die Gemütssymptome von Lilienpatienten zwischen dem Anständigen, Makellosen und dem „Befleckten“ ihrer Sexualität schwanken, dass sie sich zwischen „Himmel“ und „Erde“ erleben.  Sie leiden auch unter dem Verlust eines geliebten Menschen. Bei der Patientin war es der Verlust eines Kindes durch Abtreibung. Unter der Behandlung mit Crocus sativus schwächten sich ihre inneren Konflikte ab, sie wurde wesentlich ausgeglichener.


Gerade mit dem letzten Beispiel lenkte Dr. Hör den Blick auf eine besondere Sichtweise der Homöopathie, nämlich auf Themen im Leben des Patienten, die eine Mittelgruppe, hier die Familie der Liliaceae, kennzeichnen. Wir waren beeindruckt von Dr. Hör’s tiefem Verständnis des Menschseins und sind ihm dafür dafür, dass er mit seinem umfassenden ärztlich-homöopathischen Wissen und seiner Überzeugungskraft Frauen Klarheit über Heilung und Linderung ihrer Beschwerden im Klimakterium zu geben vermag. 


„Psychische Leiden und Homöopathie“

veröffentlicht um 27.06.2016, 09:31 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal hatten wir Dr. med. Reinhard Hickmann, der als praktischer Arzt und klassischer Homöopath in Würzburg arbeitet, bei uns zu Gast. Sein Vortragstitel „Behandlung psychischer Leiden mit Homöopathie“ zog, wie in früheren Jahren, einen großen Zuhörerkreis an.

Er begann mit einem Blick auf die Realität der modernen Schulmedizin. Sie trennt den Menschen in Körper (Soma) und Seele (Psyche), ihre Zugangsweise zum Verständnis des Menschen ist eine rein naturwissenschaftliche.  Dass demgegenüber Körper und Seele bzw. Geist untrennbar sind, belegten schon volkstümliche  Ausdrücke wie „Die Angst sitzt mir im Nacken“ oder „Etwas bricht mir das Herz“. Auch die Schulmedizin akzeptiere inzwischen diese Sichtweise, ihre Lösung sei jedoch die Erfindung der Psychopharmaka bei seelischen Störungen, ganz im Sinne des naturwissenschaftlichen Weltbildes. Dies verdeutlichte Dr. Hickmann am Beispiel der Depression, die als Stoffwechselstörung, Stichwort: Serotoninmangel, begriffen wird. Nach den tieferen Ursachen dieses Mangels wird allerdings nicht gefragt. Dies tut die  klassische Homöopathie nach Hahnemann, und deswegen weist sie weist - vor dem Einsatz von Psychopharmaka - in der Behandlung der Depression Erfolge auf.

Ausführlich befasste sich Dr. Hickmann mit dem Ansatz Hahnemanns. In dessen Zentrum steht der Grundsatz „ Behandle den Patienten, nicht die Diagnose“, was nichts anderes heißt, als den Menschen als Ganzheit zu betrachten. Dr. Hickmann zitierte in diesem Zusammenhang den § 153 des „Organon“ (Hahnemanns Lehrbuch der Homöopathie), der die genaue Erfassung der spezifischen geistig-seelischen Symptome des Patienten durch den Therapeuten fordert. Entscheidend sei die Frage „Was ist in dessen Leben los?“ Überzeugend konkretisierte Dr. Hickmann dies an einem Fallbeispiel. Es handelte sich um eine Mutter, die aus Sorge um die schulische Zukunft ihres Sohnes („Schafft er das Gymnasium?“) und wegen des Leistungs- bzw. Verantwortungsdruckes in ihrem Beruf schwersten seelischen Belastungen ausgesetzt war.

Hahnemanns erfolgreiche Behandlung eines psychotischen Schriftstellers und Staatsbeamten mit Stramonium (Stechapfel) war für Dr. Hickmann Anlass, auf drei bedeutsame Mittel  bei der Behandlung psychischer Leiden in der Homöopathie einzugehen: neben Stramonium Belladonna (Tollkirsche) und Hyoscyamus (Bilsenkraut). Den Einsatz des letzteren Mittels illustrierte er an einem erstgeborenen Kind, dessen Eifersucht auf das nachgeborene Geschwisterchen sich in aggressivem Verhalten äußerte. Der tiefere Grund: es fühlte sich gekränkt. 

Dass Kränkung der Anfang einer Krankheit sein kann, wurde an einem anderen Fallbeispiel deutlich, das Dr. Hickmann ausführlich darstellte: Ein 44jähriger Patient litt unter unklaren Zahnschmerzen und hatte mehrere Zahnextraktionen und Wurzelspitzen-Resektionen hinter sich. Beruflich stand er stark unter Druck, fühlte sich von seinem Vorgesetzten gemobbt. Im Betrieb gab er den Druck nach unten weiter (galt als „Schreier“). Er war ein „Ritter ohne Rüstung“, ein Mensch, dem „der Biss“ fehlte (hier im wahrsten Sinne des Wortes), der aber seinen Ärger oder seine Wut ständig unterdrückte. Was ihn krank machte, war die Verletzung durch seine Mitmenschen. Dies führte in der Repertorisation zu Staphisagria (Rittersporn, Stephanskraut), einem Mittel, das bei Schnittwunden (z.B. nach Operationen) hilfreich ist,  sich aber auch bei seelischen Verletzungen bewährt hat. Das Ergebnis der  lang andauernden Behandlung war eine wesentliche Besserung der Zahnschmerzen, weitere Extraktionen und Resektionen im Gebiss waren nicht nötig.

Abschließend  stellte Dr. Hickmann dem Weltbild der Schulmedizin das der klassischen Homöopathie gegenüber. Ersteres ist materialistisch geprägt, letzteres vitalistisch, was bei Hahnemann gleichbedeutend mit derLebenskraft ist, die den ganzen Menschen durchwirkt. Da die Lebenskraft immaterieller Natur ist, stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Bewusstsein, also Geist, die Materie bestimmen kann, oder umgekehrt Materie das Bewusstsein bestimmt. Sofern man mit Hahnemann Krankheit als eine Verstimmung der Lebenskraft begreift und Homöopathie als eine Heilmethode, die die Lebenskraft und damit Gesundheit wiederherstellt, kann man, wie Dr. Hickmann, davon überzeugt sein, dass der Geist die Materie bestimmt, oder wie Dr. Hickmann betonte, ohne Geist kein Körper ist.

Sein Vortrag war ein leidenschaftliches Plädoyer für die klassische Homöopathie. Er führte manchen Zuhörer wegen der Verarbeitung verschiedenartiger Details, besonders aber wegen seiner Tiefe und seiner Weisheiten an die Grenze der Aufmerksamkeit, war aber gerade dadurch eine Bereicherung war. Sie dürfte erst beim weiteren Nachdenken spürbar werden.

Bericht: Tag der Homöopathie und Gesundheit 2016

veröffentlicht um 03.05.2016, 12:46 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 03.05.2016, 12:49 ]


Großen Zuspruch erfuhr der „Tag der Homöopathie und Gesundheit 2016“, den unser Verein im Ev. Gemeindehaus St. Georgen in Bayreuth am 16.04.2016 veranstaltete, und zwar unter dem Rahmenthema „Darmgesundheit“. Drei Vorträge mit Diskussion wurden zwischen 10 Uhr und 15 Uhr angeboten. 

Im ersten, grundlegenden Vortrag „Der Darm – die Wurzel der Lebenskraft“ erklärte Frau Dr. Blümel von der Fa. SymbioPharm, Herborn, welch überragende Rolle die Bakterienflora der Darmschleimhaut für die Gesundheit spielt. Frau Dr. Blümel erläuterte die vielfältigen Aufgaben der Darmflora: Trainingspartner für die Immunzellen des Darms (Immunmodulation), Aufbau einer Barriere gegen pathogene Erreger („Kolonisationsresistenz“), Synthese kurzkettiger, für die Ernährung der Darmschleimhaut wichtiger Fettsäuren, Synthese von B-Vitaminen, Produktion antibiotischer Substanzen. Ändert sich die Zusammensetzung der Darmflora, so kann dies zu verschiedenen Beschwerden führen, z. B. zum Reizdarm-Syndrom, Entzündungen der Darmschleimhaut oder zu einer Leberbelastung. „Was können wir also für unseren Darm tun?“, fragte Frau Dr. Blümel. Ihre Antwort: Neben dem Grundsatz „Nahrung gut kauen“, der Zufuhr von Bitterstoffen, z. B. in Form der Schwedenkräuter, Heilessig und  Meersalz sollte an das Heilen mit Bakterien, mit sogenannten Probiotika, gedacht werden. Deren Präparate wirken wie die natürlichen Darmbakterien. Mikrobiologische Therapie unterstützt die körpereigene Abwehr an der Darmschleimhaut (und anderen Schleimhäuten wie der Atemwege), vor allem hebt sie die Zerstörung der mikrobiellen Schutzflora durch Antibiotika wieder auf. 

Neben Verdauungs- und Immunzellen besitzt der Darm Millionen von Nervenzellen das „Bauchhirn“. Dessen Bedeutung erschloss sich aus dem zweiten Vortrag des Tages, den der Bayreuther Internist und klassische Homöopath Dr. Ansgar Schimmöller unter dem Titel „Homöopathische Behandlung von Darmerkrankungen“ hielt. Durch alle Fallbeispiele, von denen er aus seiner Praxis berichtete, zog sich als roter Faden die Botschaft: Homöopathische Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe, die Ressourcen zum Gesundwerden liegen in uns selbst. 

Die Behandlung von Darmbeschwerden beginnt schon im frühen Kindesalter. Blähungskoliken bei Säuglingen können durch eine Fehlbesiedlung der Darmflora sowie Störungen der Mutter-Kind-Beziehung ausgelöst werden. Homöopathika, zum Teil auch in Kombination mit Probiotika, wirken in einem großen Teil der Fälle heilend. Es wurde der Fall eines 3-jährigen Kindes mit Verhaltensauffälligkeit, das den Stuhl nicht halten kann, berichtet. Unter der Gabe von Hyoscyamus wurde das Kind ruhiger und es gab keine Stuhlgangsprobleme mehr. Ein 9-jähriges Kind hatte eine erhebliche Verstopfung, ohne die ständige Gabe von Abführmitteln gelang kein Stuhl. Die Eltern des Kindes hatten sich getrennt, das Kind reagierte mit tiefem Kummer und dem ständigen Bemühen, es den Eltern recht zu machen, seine Emotionen hielt es dafür zurück – und auch seinen Stuhlgang. Nach der Gabe von Ignatia löst sich die Angst, und der Stuhlgang macht keine Probleme mehr. 

Anspannungen und Emotionen werden im Bauchhirn verarbeitet und gespeichert und drücken sich dann als körperliche (Darm-) Symptome aus. Diese Kombination findet sich auch nicht selten beim Reizdarmsyndrom, wo sich in vielen Fällen eine emotionale Ursache der Beschwerden findet. In all diesen Fällen bewährt sich die Homöopathie als individuelle Medizin, die nach dem echten, oft tiefer liegenden Problem sucht.

Besondere Beachtung verdienen auch die Magen-Darm-Infekte im 1. Lebensjahr, oft von Fieber begleitet. Da in dieser Lebensphase und später die Immunabwehr reift, ist es ein Grundfehler, das Fieber mit Allopathika zu unterdrücken. Stattdessen muss die Lernfähigkeit des Immunsystems erhalten werden, mithilfe von Homöopathie, die den Lernprozess reguliert. 

Auch auf die entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ging Dr. Schimmöller ein. Es handelt sich um Autoimmunerkrankungen, deren Behandlung gerade in schweren Fällen nicht immer leicht, aber dennoch lohnend ist. Ein Teil dieser Erkrankungen kann geheilt werden, bei dem Rest der Erkrankungen ist eine Reduktion der immunsuppressiven Medikamente häufig möglich. 

Im letzten Vortrag „Suppe statt Salat? – Ernährung bei Darmerkrankungen, speziell beim Reizdarmsyndrom“ erläuterte Frau Neumann, Dipl.-Oecotrophologin aus Uttenreuth , worauf es ankommt, damit sich Menschen mit empfindsamem Magen-Darm-System gesund und genussvoll ernähren können. Sie betonte die Ernährungskompetenz jedes(r) Einzelnen. Dies sei umso wichtiger, als einem diese Kompetenz von verschiedenen Seiten mehr und mehr genommen wird. Sich genussvoll zu ernähren, bedeute zunächst, sich für die sinnliche Wahrnehmung der Speisen Zeit zu nehmen, primär für das Riechen und Schmecken. Wertschätzung für die Bauchgesundheit setzt diese Sinneswahrnehmung voraus. Was gut schmeckt, kann nicht schlecht sein. Beispiel Brot: Gutes Brot ist eines, das am 1.Tag schmeckt und am 5. immer noch, mehr noch: man mag es gern immer wieder essen. Natürlich gab Frau Neumann auch konkrete Ratschläge. Bleiben wir bei Getreide: Ruhe im Bauch (und Klarheit im Kopf) schenkt Hafer mit seiner reichhaltigen Nährstoffkombination; Dinkel gilt als besonders verträglich. Grundsätzlich sollte jemand mit Darmbeschwerden bei Vollkornprodukten vorsichtig sein, denn sie sind wegen ihres hohen Gehaltes an Ballaststoffen schwer aufschließbar. Rohkost ist reich an sekundären Pflanzenstoffen und deshalb zwar gesund, bei empfindlichem Magen-Darm-System kann Dünsten und Kochen die Bekömmlichkeit aber unterstützen. Deshalb: Suppe statt Salat. Und wenn Salat, v.a. Blattsalat, gegessen wird, dann immer mit Marinade. Erst die macht ihn leichter verdaulich. Beruhigend und ausgleichend für den Magen-Darmtrakt ist unter den Gemüsen allen voran die Fenchelknolle, entspannend und belebend wirken u. a. die sogenannten K-Gewürze: Kreuzkümmel, Kardamom, Koriander. Minze dagegen ist für den Bauch problematisch, da sie Kältegefühl hervorruft, nicht nur als Minzöl.

Fassen wir die Beiträge dieses Tages zusammen, so können wir sagen, dass der Schlüssel zur Erhaltung der (Darm-)gesundheit darin liegt, unsere Selbstheilungskräfte auf natürliche Weise zu aktivieren. Moderne Naturheilkunde schöpft dafür aus jahrhundertealtem Heilwissen - klassische Homöopathie, Hildegard von Bingen -  wie ebenso neuesten Erkenntnissen der interdisziplinären Grundlagenforschung. 

Was man über Homöopathie wissen sollte …..

veröffentlicht um 04.03.2016, 01:58 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 04.03.2016, 02:02 ]

Zum dritten Mal seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2007 hatten wir den bekannten Münchner Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ulf Riker zu Gast. Der Titel seines Vortrages am 04. Februar 2016 lautete Homöopathie - wann, wie und warum (nicht)?“. Er hatte ihn vor dem Hintergrund der in letzter Zeit zunehmenden Angriffe auf die Homöopathie, insbesondere die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, so gewählt. Gleich zu Beginn seines Vortrages machte er sein Anliegen deutlich: uns, den Vereinsmitgliedern, aber auch allen, die die Wirkung homöopathischer Therapie selbst erfahren haben, Argumentationshilfen für die Auseinandersetzung mit den Kritikern der Homöopathie zu geben. Er stellte aber auch klar, dass Homöopathie nur wirkt, wenn wir die Anweisungen ihres Begründers, Samuel Hahnemann, befolgen: Macht’s nach, macht’s aber genau nach! „Genau“, das bedeutet, homöopathische Arzneimittel am gesunden Menschen akribisch zu prüfen, die Ähnlichkeitsregel (das Fundament) der Homöopathie) zu beachten sowie die Arzneien sorgfältig herzustellen.


Wie wird nun Homöopathie wirksam? 

Nach Hahnemann durch „getreue Befragung der Natur“, ohne „übersinnliche Ergrübelungen“. Was nichts anderes heißt, als nach den Anwendungsregeln des Organon die Zeichen-Sprache des Organismus möglichst genau zu erfassen. Jedes Detail der Symptomatik ist dabei wichtig, wie Dr. Riker an dem Symptom einer Patientin „ Speichelfluss beim Schneiden der Zehennägel“ eindrucksvoll erläuterte.

Wie wirkt Homöopathie (eher) nicht? In Form von Komplexmitteln, weil ihnen keine Arzneimittelprüfung zugrunde liegt, oder ausschließlich nach klinischen Indikationen.


Wann ist Homöopathie angezeigt? 

Immer dann, wenn eine Arznei in Resonanz mit dem individuellen Energiefeld treten kann und die Regulationsmechanismen sowie die Organstrukturen noch intakt sind. Dies ist z. B. der Fall bei psychovegetativen Störungen (z.B. Schlafstörungen, übermäßige Schweißproduktion), funktionellen Erkrankungen, z. B. Migräne, allergischen, z.B. Ekzemen) oder entzündlichen (z.B. Nebenhöhlenentzündungen, Blasenentzündung) Erkrankungen.

Wann kann Homöopathie nicht (mehr) helfen bzw.  ist nicht einsetzbar? Bei degenerativen Erkrankungen (z.B. Arthrose, Parkinsonsche Erkrankung)), bei zerstörten Organstrukturen (z.B. Raucherlunge), bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen,  oder wenn homöopathisch verwertbare Symptome ( z.B.   bei Bluthochdruck) fehlen.


Warum Homöopathie? 

Weil sie eine individuelle, punktgenaue Therapie ermöglicht, mehrere Pathologien des Patienten gleichzeitig behandelbar sind („mehr auf einen Streich“), weil sie die Reduzierung der Dosis allopathischer Medikamente erlaubt und weil sie, auf immaterielle Art und Weise,  die Lebenskraft wiederherstellt. Diesen letzten Aspekt verdeutlichte Dr. Riker wiederum an einem Fall aus seiner Praxis. Es handelte sich um eine Patientin mit mehreren Beschwerden (Magenschmerzen, Rückenschmerzen, prämenstruelles Syndrom). Bei ihr deckte Lycopodium alle Symptome ab, half wiederholt, aber jeweils immer kürzer. Was konnte der Grund sein? Brauchte die Patientin ein anderes Mittel? Oder bestand ein Heilhindernis? Für eine andere Arznei gab es keine guten Hinweise, nachdem sämtliche Symptome wiederholt sehr gut auf die Arznei angesprochen hatten: Bis auf die wiederkehrenden Magenschmerzen blieben alle übrigen Beschwerden verschwunden.  Was aber konnte das Heilhindernis sein? Jetzt war internistische Diagnostik erforderlich, die gestörte Lebenskraft „rief“ geradezu nach einer Magenspiegelung! Die entnommenen Gewebeproben der Magenschleimhaut zeigten ein beginnendes Magen-Carcinom! Der Patientin wurde der Magen entfernt, sie erfreut sich heute, mehr als 15 Jahre nach der Operation bester Gesundheit. Das Beispiel zeigt, dass aufmerksames „Hören auf die Ausdrucksform der gestörten Lebenskraft“ auch dem Schulmediziner wichtige Hinweise auf erforderliche diagnostische Schritte und manchmal sogar chirurgische Interventionen geben kann. Voraussetzung: homöopathische Erfahrung und ärztliches Wissen  stehen jederzeit zur Verfügung und gehören nachgerade zusammen!


Warum keine Homöopathie, wie die Kritiker fordern? 

Weil es angeblich keine wissenschaftlichen Studien gibt, was aber nicht stimmt. Weil außerdem nicht sein kann, was nicht sein darf (wenn gemäß dem materialistischen Weltbild keine Moleküle der Ursubstanz vorhanden sein können, dann kann das Mittel auch nicht wirksam sein). Weil, so die Behauptung mancher Kritiker, die in der Regel zeitaufwändige  Zuwendung der Behandler zum Patienten die Wirksamkeit der Homöopathie erkläre. Wobei die Frage zustellen ist, warum die Schulmedizin nicht ihr sogenanntes „setting“ selbst wesentlich verbessert.

„Alles also nur Placebo“? , fragte Dr. Riker.  Damit leitete er den letzten Teil seines Vortrags ein. Er betonte, dass bis zu 70% aller schulmedizinischen Therapieneffekte  auf Placebo-Effekten beruhen können, die sehr verschiedene Ursachen haben können ( z. B. das Ansehen des  Therapeuten, die Erwartung des Patienten und zahlreiche weitere Phänomene im Kontext von Diagnose und Therapie). Im Folgenden stellte er  mehrere Szenarien aus der Praxis dar, wie (zunächst „gläubige“ und erwartungsfrohe) Patienten auf homöopathische Arzneigaben reagieren: da gibt es die Fälle, in denen sich trotz hoher Erwartung keinerlei Arzneiwirkung zeigt; oder das am meisten belastende Symptom reagiert überhaupt nicht oder wird sogar schlimmer, während eher nebensächliche und weniger lästige Symptome sofort verschwinden; oder Teile der Patientensymptome werden besser, andere bleiben unverändert bestehen und es treten unter dem Einfluss der homöopathischen Arznei sogar ganz neue Symptome zusätzlich auf; und letztendlich kommt es vor, dass die Hauptbeschwerde erst nach dem vierten oder fünften Mittel reagiert, also dann, wenn die Erwartung des Patienten durch vergebliche Versuche bereits erheblich gelitten haben dürfte....

Nicht zuletzt ist auch die Arzneimittelprüfung am Gesunden ein Argument gegen die Placebowirkung der Globuli: die gesunden „Prüfer“ mögen zwar „gläubige“ Homöopathie-Anhänger sein, aber ohne dass sie im Einzelfall wissen, welche homöopathische Arznei gerade „geprüft“ wird, ist zu erwarten, dass sie Symptome und Modalitäten auf körperlicher, emotionaler und teilweise auf geistiger Ebene als Prüfsymptome hervorbringen, die ganz ähnlich auch andere Prüfer dieser Arznei bei sich beobachten, und das Ganze, ohne dass sich die Prüfer während der Prüfung über ihre Beobachtungen austauschen dürfen!

Das überzeugendste Argument gegen den Placebo-Effekt homöopathischer Arzneimittel stellte der Fallverlauf eines 19jährigen Studenten dar. Sein Symptombild enthielt verschiedene körperliche Beschwerden, am schwersten wog jedoch neben anderen psychischen Symptomen seine Suizidalität und sein Selbsthass. Die Repertorisation führte zu Ambra (Ausscheidungsprodukt des Pottwals!).  Nicht nur die körperlichen Symptome verschwanden unter diesem Mittel, sondern auch die Suizidgedanken. Während des gesamten Behandlungsverlaufes kam es nur zu einer einzigen persönlichen Begegnung zwischen dem Patienten und Dr. Riker, die übrige Kommunikation beschränkte sich auf sporadische, kurze Telefonate! Heute ist der junge Mann psychisch stabil und ein lebensfroher Mensch.

Den Schlüssel zum Verständnis der Homöopathie könnte man, so Dr. Riker, in den Gedanken des renommierten und leider verstorbenen Quantenphysikers Hans-Peter Dürr zu den Eigenschaften von Materie finden. Diese enthalte „Potentialität“, Dürr nennt sie nicht mehr „Teilchen“, sondern „Passierchen“ oder „Wirkse“ und beschreibt damit einen Paradigmenwechsel, der in der Physik selbstverständlich, aber in der Medizin noch nicht angekommen sei. Damit endete ein tiefgründiger, rhetorisch erfrischender Vortrag, der mit großem Beifall honoriert wurde und bei manchen Zuhörern sicher noch nachwirkte.

Gelenkserkrankungen und Homöopathie

veröffentlicht um 14.12.2015, 04:32 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Überwältigend gut besucht war der letzte Vortrag im Jahr 2015, zu dem wir die Bayreuther Ärztin und klassische Homöopathin Monika Bonensteffen eingeladen hatten. Die Erklärung für dieses große Interesse ist sicherlich in ihrem Thema zu suchen: „Homöopathische Behandlung bei Gelenkserkrankungen“. Sie behandelte zwei Krankheitsbilder, die Arthrose, die durch Gelenkverschleiß gekennzeichnet ist, und die rheumatoide Arthritis, bei der das betroffene Gelenk entzündet ist. Welche pathologischen Prozesse bei beiden Erkrankungen beteiligt sind, erläuterte Frau Bonensteffen einleitend am Aufbau eines Gelenks. Im Falle der Arthrose wird das Knorpelgewebe, das die reibungslose Funktion des Gelenks ermöglicht, sukzessive abgenutzt. Bei der rheumatoiden Arthritis entzündet sich die Synovia, also die Gelenkinnenhaut, welche die Gelenk“schmiere“ bildet. Breiten Raum im ersten Teil ihres Vortrages nahm ein fundierter Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnostik sowie schulmedizinische Behandlungsmöglichkeiten bei beiden Erkrankungen ein. Letztere sind trotz aller Fortschritte in der Entwicklung moderner Medikamente, z. B. der Schmerzmittel bei Arthrose oder gentechnisch hergestellter Antikörper in der Therapie der Arthritis, immer noch begrenzt. Homöopathie dagegen ermöglicht dank der ganzheitlichen Sicht auf das Krankheitsgeschehen eine individuelle Behandlung, die die  Chancen auf Linderung der Beschwerden oder gar Heilung verbessert. Dies verdeutlichte Frau Bonensteffen an vier Fallbeispielen aus ihrer Praxis.

Beim ersten handelte es sich um Knieschmerzen nach einer Fahrradtour, zum Teil bei nasskaltem Wetter. Das Hauptsymptom, stechende Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, besonders beim Treppabgehen, war im Arzneimittelbild von Acidum nitricum mit hoher Wertigkeit vertreten, so dass sich dieses Mittel  in der Potenz C 30 auch erfolgreich erwies.

Wesentlich komplizierter war ein Fall mit einer Entzündung in beiden Kniegelenken, später auch in anderen Gelenken. Frau Bonensteffen hatte ihn mit „Folgen bei Kummer“ überschrieben. Nachdem anfänglich verordnete Mittel nur eine vorübergehende Besserung der Beschwerden bewirkt hatten, brachte Natrium muriaticum den Durchbruch, ein Mittel, das der seelischen Verfassung der Patientin - (Liebes-)kummer - Rechnung trug. Das  seitens der Schulmedizin verordnete Cortison konnte darauf hin reduziert werden.

Wie differenziert eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln möglich ist, zeigte der dritte Fall. Die betreffende Patientin litt unter stechenden Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Modalität „Verschlechterung beim Einatmen“ bzw. der damit verbundene Kräfteverlust begründete unter anderem Kalium carbonicum, das sich als Konstitutionsmittel bewährte. Akute Entzündungen arthrotischer Daumengelenke konnten darüber hinaus mit dem Ergänzungsmittel Bryonia erfolgreich behandelt werden.

Ein komplexes Beschwerdebild zeigte der vierte Fall einer Patientin mit einer seit 15 Jahren bestehenden Psoriasisarthritis. Stechende, reißende Schmerzen in wechselnden Gelenken, nachts und im Sommer sich verschlimmernd,  wurden von rezidivierenden Nervenschmerzen im Oberkieferbereich, Blasenschmerzen außerhalb der Miktion, Herzstolpern und oft einer im Magen empfundenen Übelkeit überlagert. Hier kam ein „kleines“ Mittel, nämlich Kalmia, zum Einsatz, denn sein Arzneimittelbild entsprach im Wesentlichen diesen auffallenden und eigenheitlichen Symptomen. Über 2 Jahre verordnet, trat eine nachhaltige Besserung ein, vor allem verschwanden die neuralgischen Schmerzen.

Wir sind Frau Bonensteffen dafür dankbar, dass sie den Zuhörern auf konkrete Weise erneut die Augen für die Denkweise der Homöopathie öffnete, nämlich den ganzen Menschen in seiner Individualität zu erfassen und, bezogen darauf, die nahezu unerschöpfliche Fülle der Arzneibilder, die Samuel Hahnemann uns hinterlassen hat, auszuschöpfen.

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