Bericht zum Vortrag von Kerstin Pausch, Systemische Familienberaterin aus Coburg, am 05. Juni 2014

 

Der zweite Vortrag des Jahres 2014 war der Systemischen Familienberatung gewidmet, einem Heilverfahren, das für das seelische Gesundsein und das Gesundwerden der Mitglieder einer Familie eine große Bedeutung erlangt hat. Als Referentin hatten wir die Systemische Familienberaterin Kerstin Pausch aus Coburg eingeladen. Sie führt seit 2006 eine eigene Systemische Familienpraxis und konnte uns aufgrund ihrer langjährigen Arbeit mit Familien auf fundierte Art und Weise in die Systemische Familienberatung einführen. Zu Beginn ihres Vortrags unter dem Titel „Familie - ein starkes System“ veranschaulichte sie mithilfe eines gegenständlichen Mobile, was unter dem Begriff „systemisch“ zu verstehen ist: Das System der Familie ist ständig in Bewegung, und jedes Familienmitglied trägt dazu bei, es im Gleichgewicht zu halten. Allerdings ist es durch verschiedene Einflüsse oft starken Schwankungen unterworfen. Dies kann das dritte Kind in der Familie sein, das nach dem Verlust des zweiten (zum Beispiel durch Abtreibung) dessen Platz einnehmen muss. Auch der Besuch der Kita, der Eintritt in die Schule, der Übergang in die Pubertät, das Erwachsenwerden der Kinder mit den damit verbundenen Problemen für die Paarbeziehung sind Herausforderungen, die das Familiensystem in eine Schieflage bringen können. In der Regel schaffen es die Familien, solche Umstellungen zu bewältigen (das macht ihre Stärke aus!). Diese Neufindung geschieht meist unbewusst. Entsteht jedoch eine chaotische Situation, stellt sich ein Familienmitglied zur Verfügung, um dies ins Bewusstsein sein zu bringen. Es ist das „Schwarze Schaf“ der Familie, aus der Sicht der Systemischen Familienberatung die „identification person“, die als die sensibelste, mutigste Person im Familiensystem anzusehen ist.

An drei Beispielen verdeutlichte Frau Pausch, was Systemische Familienberatung zu leisten vermag. So kommt es oft darauf an, bei scheinbar unlösbaren Verwicklungen in der Familie überhaupt bewusst zu machen, wer die „identification person“ ist und warum sie ihre Opferrolle einnimmt. Es kann aber ebenso wichtig sein, einem Kind (in der Regel ist es, psychisch gesehen, ein starkes) einen bestimmten Platz in der Familie zuzuweisen. Oder es geht darum, ein Familienmitglied von einer psychosomatischen Erkrankung zu befreien, die auf unheilvolle Verwicklungen vorausgegangener Generationen zurückzuführen ist.

Mit dem spirituellen Gedanken, in Familien Liebe fließen zu lassen und alles für deren Frieden zu tun, endete der Vortrag, der die Zuhörer tief bewegte.

Wie Homöopathie die Seele berührt

veröffentlicht um 27.02.2020, 13:07 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum ersten Vortrag im Jahr 2020 am 31. Januar hatte unser Homöopathieverein den renommierten Münchner Internisten und Homöopathen Dr. med. Ulf Riker eingeladen, der auch den Landesverband Bayern im Deutschen Zentralverein  homöopathischer Ärzte leitet. Zum vierten Mal war er seit Bestehen unseres Vereins nach Bayreuth gekommen, und wie früher zog sein Thema eine überwältigende Hörerzahl an. Diesmal hatte er seinen Vortrag mit dem Titel „Wie Homöopathie die Seele berührt“ überschrieben. Seine Botschaft: Homöopathie wirkt - auf körperlicher und auf seelischer Ebene!
Voraussetzung dafür ist, das machte er einleitend klar, dass das Mosaik der Patientensymptome bestmöglich in Deckung gebracht wird mit dem, was eine homöopathische Arznei besonders gut „kann“, und das bedeutet, mit deren Arzneimittelbild (Ähnlichkeitsregel der Homöopathie: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“). Materie (Körper) und Nichtmaterielles (Geist, Spiritualität etc.) gibt es sowohl auf Seiten unseres Menschseins als auch auf Seiten der homöopathischen Arzneien. In Arzneimittelprüfungen tauchen immer neben körperlichen auch geistige/emotionale Symptome bzw. Veränderungen auf. Lange vor der Geburt des psychosomatischen Denkens hat der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele beobachtet und einen Weg gefunden, beide Bereiche zusammen zu führen. Dies veranschaulichte Dr. Riker an drei Fallbeispielen.
Im ersten leidet die Patientin an Husten, mutmaßlich nach grippalem Infekt. Zwei hierauf bezogene Arzneien (Eupatorium perfoliatum und Carbo vegetabilis) ändern zunächst nichts am Husten. Erst die Information, dass der Husten bereits vor dem Infekt, und zwar seit einer Fehlgeburt, bestand,  lässt das geeignete „Hustenmittel“ erkennen, das gleichzeitig ein bekanntes „Kummermittel“ ist.
Der zweite Fall ist ein junger Mann mit Bluthochdruck. Seit der Schulzeit wird er allopathisch behandelt. Tief im Innern fühlt er sich als „Versager“. Die Kenntnis dieses „Lebensgefühls“, zusammen mit ein paar körperlichen Phänomenen (kann nicht auf der linken Seite liegen, „Absterben“ der Finger in der Öffentlichkeit)  weisen eindeutig auf Naja tripudians als Bluthochdruckmittel hin. Unter dieser Arznei können die allopathischen Arzneien bei Bltudruckkontrolle langsam ausgeschlichen werden. Der Bluthochdruck ist letztlich allein mit Homöopathie zu behandeln.
Beim dritten Fall handelt es sich um einen Patienten mit nächtlichen Knochenschmerzen, letztere als „Osteoporose“ diagnostiziert. Er leidet zusätzlich an schweren Schlafstörungen und einer tiefen Depression seit dem Tod seiner Ehefrau (die er mehrere Jahre gepflegt hatte).
Die gewählte Arznei ist Aurum metallicum, in aufsteigenden LM-Potenzen verordnet. Nacheinander verschwinden Schlafstörungen,  Depression und Knochenschmerzen.

Alle drei Beispiele zeigten den Zuhörern eindrucksvoll, dass Homöopathie körperliche Beschwerden oft erst dann heilen kann, wenn sie die Seele berührt. Diese entscheidende homöopathische Arznei zu finden, ist die Kunst der Repertorisation, die Dr. Riker auf verständliche Weise nachvollziehbar machte. Bleibt der Genuss zu erwähnen, den seine Vortragsweise, gelegentlich gewürzt mit schwäbischem Dialekt, bereitete. 

Wir danken ihm für diesen großartigen Abend! 

Homöopathie für Kinder

veröffentlicht um 01.01.2020, 12:54 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Schon lange ist es uns ein Anliegen, die Gesunderhaltung von Kindern durch Homöopathie zu einem Thema unserer Veranstaltungen zu machen. Wir hatten das Glück, zwei Ärztinnen zu gewinnen, denen die Heilung kranker Kinder zur Lebensaufgabe geworden ist und die auf dem Gebiet der ärztlich-homöopathischen Kinderheilkunde über einen Fundus langjähriger Erfahrung verfügen: Frau Dr. med. Stefanie Sartorius aus Nürnberg und Frau Dr. Petra Paling aus Würzburg. Am 16. November 2019 hielten sie im Gemeindehaus St. Georgen in Bayreuth jeweils einen Vortrag unter dem Leitthema „Homöopathie für Kinder“.
Frau Dr. Sartorius ging unter dem Thema „Kinder und Jugendliche in der homöopathischen Praxis mit Fallbeispielen“ zunächst auf die Besonderheiten / Probleme bei der Fallaufnahme (Anamnese) und die Folgen für die Arzneiwahl ein. Grundsätzlich gilt: Je jünger die Kinder sind, desto stärker ist der (die) homöopathische Therapeut(in) auf die Beobachtung des Kindes durch die Eltern bzw. Bezugspersonen angewiesen. Schulkinder und Jugendliche können auch selbst ihre Beschwerden bzw. die Modalitäten schildern, etwa bei Schmerzen.
Grundlegend wichtig ist die körperliche Untersuchung unter Einschluss der sinnlichen Wahrnehmung, z. B. von Fuß- oder Kopfgeruch (Schweiße). Ebenso bedeutsam sind die Psychosymptome, die über Fragen wie „Schläfst du im Dunklen?“ oder „Kannst du allein sein?“ erschlossen werden können. Aussagen zur Schlafqualität und natürlich Fragen zur Ätiologie des Krankheitsbildes (Seit wann bestehen die Beschwerden? Gibt es Auslöser? Wurde das Kind geimpft, und wenn ja, wogegen? Hat es schwere Erkrankungen, z. B. Pfeiffer’sches Drüsenfieber oder eine Lungenentzündung, durchgemacht?) tragen ebenso zu einer gründlichen Anamnese bei. 
Einer der beiden Fälle, die Frau Dr. Sartorius vorstellte, veranschaulicht gut die Herausforderungen, vor die sie sich bei der Anamnese gestellt sah. Es handelt sich um einen 11-jährigen Jungen, der an einer Depression litt, begleitet von „seelischen“ Bauchschmerzen. Er hatte eine lebensbedrohliche Erkrankung seiner Mutter erlebt, seine Eltern sind getrennt. Auf seinen Vater empfand er große Wut. Er hatte keinen Kontakt zu anderen Kindern, war untröstlich, weinte, wollte sich sogar aus dem Fenster stürzen. Behandelt wurde er u. a. in einer psychiatrischen Tagesklinik. Frau Dr. Sartorius verordnet ihm Ignatia C 200, ein klassisches Kummermittel. Trotz anfänglicher Verschlimmerung bessern sich die Bauchschmerzen, nach 1 Woche macht er wieder Sport (10 km Inline-Skating), kann seine Wut herauslassen. Nach 5 Wochen hat er wieder Kontakt zu seinem Vater. Die Wiederholung von Ignatia stabilisiert seinen Zustand, vor allem ist er nicht mehr depressiv.

Frau Dr. Paling stellte ihren Vortrag unter den Titel „Verhaltensauffälligkeiten im Säuglings- und Kindesalter - klassisch homöopathisch behandelt“.  Damit sind besonders ungewöhnliche Aspekte des Verhaltens gemeint, die meist als Folge lang andauernder Belastungen zu deuten sind, oft begleitet von heftigen körperlichen Symptomen. Drei Fälle mögen dies veranschaulichen, wie schwierig es sein kann, die jeweiligen Elemente des Verhaltens in die Sprache des Repertoriums zu übersetzen und daraus das passende Mittel abzuleiten. 
Der erste Fall: Ein Kindergartenjunge hat Angst vor Gewitter und Blitz, kann sich nur schwer von seinen Spielsachen trennen, gibt sein Essen nicht her, obwohl er satt ist. Resumée seines Verhaltens: Das Haus ist für ihn kein sicherer Ort. Im Repertorium finden sich die Rubriken „Furcht vor Gewitter und Blitz, auch „Wünsche nach mehr, als man braucht“, nicht aber zu der Eigenart, alles für sich behalten zu wollen. Stattdessen wird angeboten „Beschwerden durch finanziellen Verlust“, das ein Teil des Arzneimittelbildes von Arsen ist. Frau Dr. Paling verordnet Calcium arsenicum C 200. Das Ergebnis: der Junge verhält sich bezüglich nächster Gewitter und dem Essen unauffällig.
Der zweite Fall ist komplizierter. Ein Mädchen leidet unter Schulangst. Seit der Einschulung ist ihr übel bis zum Erbrechen.  Sie ist sehr empfindlich auf Kritik.  Jede Nacht schläft sie bei der Mutter. Gegenüber anderen Kindern ist sie zurückhaltend, aber selbstbewusst und will nach ihren Regeln mit ihnen spielen. Außerdem hat sie Verlangen nach Eis. Es kommen mehrere Polychreste bei der Repertorisation in Frage. Letztendlich erhält das Mädchen Carcinosin C 200 / M, ein Mittel, zu dessen Arzneibild Versagensängste gehören. Diese erklären den extrem hohen Anspruch des Mädchens an sich selbst. Sechs Wochen später geht es ihm insgesamt viel besser, die Wiederholung des Mittels bringt die vollständige Heilung.
Der dritte Fall behandelt ein Kleinkind mit Verstopfung und Stuhlverhalt. Nach einer Fehlverschreibung mit Lycopodium war hier der Eigensinn des Kindes auffällig und seine Weigerung, Stuhl abzusetzen. Familiendynamisch bestand zusätzlich noch ein langer Kummer der Mutter über die Kaiserschnittentbindung dieses Kindes. 
Ein längeres Probieren der passenden Potenz von Natrium muriaticum brachte nach ein paar Monaten, gepaart mit einer Gabe Opium, den gewünschten Erfolg. 

Wie oft schon in früheren Vorträgen, hat auch dieser Doppelvortrag eindrucksvoll bestätigt, was an der Homöopathie so fasziniert, nämlich das Individuum in seiner Einzigartigkeit erfassen, und eine Störung oder Schwächung der Lebenskraft mit einer dem Beschwerdebild angepassten Arznei zu beantworten. Dazu braucht es das Können und die Erfahrung des (der) Therapeuten (in), wie bei unseren beiden Referentinnen. 


Systemische Erkrankungen in der Familie

veröffentlicht um 22.09.2019, 02:12 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 04. Juli 2019 gab uns Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg,  zum vierten Mal einen Einblick in ihre Arbeit als Systemische Familienberaterin, diesmal unter dem Thema „Systemische Erkrankungen in der Familie“. Zu Beginn ihres Vortrags beschrieb sie, wie man sich die Familie aus systemischer Sicht vorstellen kann, nämlich als Mobile, auf das äußere Einflüsse wie ein Krieg oder die soziale Umwelt einwirken, das aber ebenso inneren Herausforderungen ausgesetzt ist, die aus dem Familiensystem selbst stammen. Solche Belastungen können sich in bestimmten Krankheitsbildern der Familienmitglieder niederschlagen. Wie ein roter Faden zog sich durch ihre Ausführungen die Aussage, dass die Entstehung von Krankheiten aus systemischer Sicht  auf das Verdrängen, Verleugnen und Verschweigen von - in der Regel - traumatischen Erlebnissen / Erfahrungen innerhalb einer  Ursprungsfamilie zurückzuführen ist. Einige Beispiele mögen diese Zusammenhänge, die mit dem Mittel der Familienaufstellung aufgedeckt werden, verdeutlichen.


Eine Mutter verschweigt ihrer erwachsenen Tochter, dass sie ein Zwillingspaar abgetrieben hat. Die Tochter trägt dies mit, nicht nur in Form von Neurodermitis und einem Burnt-out - Syndrom mit, sondern auch mit dem Gefühl, auf ihr eigenes Leben kein Recht zu haben.

Eine junge Frau hat ohne äußeren Grund Angst, vergewaltigt zu werden. Ihr Großvater hat verdrängt, dass er am Ende des Zweiten Weltkrieges Zeuge von Vergewaltigungen an (deutschen) Frauen geworden ist.

Menschen, die sich chronisch müde fühlen, assoziieren damit Schwere im Leben. Systemisch gedeutet, ist dieses Gefühl eine Annäherung an die Toten, die in jungen Jahren ihr Leben überschattet haben.

Kriege, heute eher Trennung und Scheidung mit den damit verbundenen Traumata, bedingen einen Verlust an väterlicher Kraft in der Familie. Dies wird, systemisch gesehen, als Ursache der inneren Leere gedeutet, unter der Suchtkranke leiden.


In allen diesen und anderen, hier nicht erwähnten Fällen erfolgt die zwischenmenschliche Übertragung auf nichtverbalem Wege.


Natürlich ist Kerstin Pausch auch auf Lösungsschritte eingegangen, die die Ordnung in der Familie wiederherstellen können und damit Heilung ermöglichen. Der erste Schritt ist immer das Gespräch um W-Fragen: Was ist wie / wann / wo passiert? Dies geschieht mit dem Ziel, Gefühle wahrzunehmen und zu versprachlichen. Besondere Bedeutung hat dies für den Fall, wenn hinter Leid und Schmerz das Resultat einer Opfer-Täter Beziehung  ist, z. B. bei sexuellem Missbrauch. Dann geht es darum, die beteiligten Menschen aus der Opfer-Täter-Rolle zu entlassen, um Heilung und Frieden zu schaffen. 


Die Homöopathie spielt bei der systemischen Familienberatung nur eine indirekte Rolle, insofern, als homöopathische Therapeuten eng mit Kerstin Pausch zusammenarbeiten. Ihre eigene therapeutische Arbeit gründet sich auf tiefe Spiritualität. In manchen Zuhörern, die an diesem warmen Sommerabend gekommen waren, werden ihre von der christlichen Botschaft hergeleiteten Gedanken zur Heilung nachgewirkt haben. 

Homöopathisch körperliche und seelische Traumata behandeln

veröffentlicht um 22.09.2019, 02:11 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zahlreiche Zuhörer hatten sich im Gemeindehaus St. Georgen eingefunden, um am 06. April 2019 zwei der angesehensten und erfahrensten homöopathischen Therapeuten in Deutschland, Herrn Dr. med. Klaus Roman Hör aus Waldmünchen und Frau Dr. v. d. Planitz aus Bayreuth, zu hören. Sie  waren die Referenten eines Doppelvortrags zur Thematik „Homöopathische Behandlung körperlicher und seelischer Traumata“. Herr Dr. Hör übernahm unter dem Titel „Akute und chronische körperliche Traumata – Behandlungsstrategien der Homöopathie“ die körperlichen Aspekte, während sich Frau Dr. v. d. Planitz dem Thema „Homöopathische Begleitbehandlung bei seelischen Traumata“ widmete.

Dr. Hör betonte eingangs, dass eine Verletzung alle Ebenen des Menschen erfassen kann. Dementsprechend erfordere sie auch eine Heilweise, die die Komplexität der Verletzung berücksichtigt. Dies könne die Homöopathie leisten. Dr, Hör belegte diese Aussage an den Arzneibildern wichtiger Verletzungs- und Wundmittel, getreu dem Prinzip der homöopathischen Therapie „Gleiches wird mit Gleichem geheilt“. Er begann mit Arnica, das als bedeutendstes Wundheilmittel gilt. Arnica hilft aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich bei Patienten, die sich „gut drauf“ fühlen, ja sogar die Arznei nur widerspenstig einnehmen (ganz im Gegensatz zu solchen, die ihr Leiden betonen und deshalb Coffea benötigen). In körperlicher Hinsicht ist der Bluterguss  (Hämatom) ein wichtiges Symptom für Arnica. Sein Einsatzbereich ist vielfältig: er reicht von stumpfen Gewebeverletzungen über Zerrungen und  Verstauchungen bis hin postoperativen Zuständen, auch nach zahnärztlichen Eingriffen. 

Bellis perennis, das Gänsblümchen, hat die gleiche Wirkung wie Arnica, hat sich aber eher bei Verletzungen bewährt, die in der Tiefe des Gewebes empfunden werden, z. B. nach Verletzung der Gebärmutter. Auch die Gemütssymptome sind ähnlich wie bei Arnica. Es handelt sich um reizbare Patienten, die spät zum Arzt kommen.

Calendula, die Ringel- oder Studentenblume, gilt als Heilmittel für offene Wunden, also Schürf-, Riss – oder Quetschwunden, bei denen die Wundränder auseinander klaffen. So wird ein Dammriss mit warmer Calendula-Lösung behandelt. In mentaler Hinsicht handelt es sich um selbstbewusste, oft diktatorisch auftretende Menschen.

Millefolium (von Achillea millefolium, die Schafgarbe)-Patienten ähneln denen, die Arnica benötigen, was die Haltung gegenüber der Verletzung betrifft. Sie empfinden sich als „Helden“ (man zeigt keine Schwäche) oder fordern Respekt ein. Als wichtiges körperliches Symptom gilt eine hellrote Blutung, z. B. bei der Mensis oder nach einer Zahnextraktion.

Interessant ist, dass sich alle bisher erwähnten Mittel von den Korbblütlern ableiten. In ihren Arzneibildern spielt „Kampf“ eine besondere Rolle.

Ledum (der Sumpfporst) ist ein wichtiges Mittel bei Stichwunden, wie sie durch Nadeln (auch Injektionsnadeln) Nägel oder Splitter verursacht werden. Die Wunde fühlt sich kalt an, und der Patient verlangt auch nach Kälte.

Hypericum (das Johanniskraut) ist das Mittel der Wahl bei Nervenverletzungen, z. B. an Zahnnerven oder an den Nerven der Fingerspitzen.

Bei Verrenkungen und Verstauchungen, Zerrungen der Sehnen und Bänder hat sich Ruta (die Gartenrauke) bewährt. Was die Psychostruktur von Ruta-Patienten betrifft, so handelt es sich um ehrgeizige Menschen, die auch dazu neigen, sich übernehmen. 

Rhus toxicodendrum (der „Giftsumach“ aus Nordamerika) wirkt ähnlich wie Ruta, sein Arzneibild unterscheidet sich aber davon, dass die Patienten ein ausgesprochenes Bedürfnis nach Bewegung haben.

Als wichtiges „Knochenmittel“ gilt Symphytum (der Beinwell). Es wird bevorzugt eingesetzt, wenn sich nach Knochenbrüchen die Wundheilung verzögert.

Von den Verbrennungsmitteln sei Cantharis (aus dem Sekret des Käfers  Cantharis vesicatoria /„Spanische Fliege“) hervorgehoben. Das wichtigste Merkmal seines Arzneibildes ist die Blasenbildung der Brandwunde.


Die für viele überraschende Erkenntnis, dass für die erfolgreiche Behandlung körperlicher Traumata auch die Psychostruktur eine wichtige Rolle spielt, dass also Homöopathie immer die Einheit von Körper, Seele und Geist sieht, zog sich auch wie ein roter Faden durch die Ausführungen von Frau Dr. v. d. Planitz.

Ein seelisches Trauma ist eine tiefe seelische Verletzung, mit schwer wiegenden Folgen für das Leben. Es gibt kaum ein seelisches Trauma, das sich nicht auch körperlich auswirkt. Angesichts der Ohnmacht und Hilflosigkeit, die das traumatisierende Ereignis auslöst, suchen die Betroffenen nach einem Ausweg, damit umzugehen: sie verdrängen das belastende Erlebnis, so z. B. die Menschen der Kriegsgenerationen, bei denen es nur ums nackte Überleben ging.

In der psychotherapeutischen Behandlung Traumatisierter wird versucht, das „abgespaltene“ Traumagedächtnis in das Leben zu integrieren, so dass das traumatische Ereignis als Teil der Biographie verstanden werden kann. Die Homöopathie kann auf die seelische Struktur bei der Traumabewältigung reagieren und diesen Prozess beschleunigen.

Traumaerfahrungen sind sehr vielfältig: Naturkatastrophen, Kriege und Folter, der Verlust geliebter Personen, sexuelle Gewalt. Chronische Traumatisierung äußert sich in dem Gefühl von Kränkung, Vernachlässigung,  existentiellem Verlassensein.

Anhand bestimmter homöopathischen Arzneimittelbilder differenzierte dann Frau Dr. v. d. Planitz seelische und körperliche Auswirkungen traumatischer Ereignisse.

Sie begann mit Aconitum napellus (dem „Sturmhut“), der bei körperlichem und seelischem Schock angezeigt ist. Betroffene sind zu keiner Abwehr des traumatischen Erlebnisses fähig, und die Erinnerung  meldet sich aus nichtigen Ursachen immer wieder, z. B. in Form von Todesangst.

Ganz anders reagieren Menschen, die bei einem schweren Unfall in Schockstarre verfallen und dann wie betäubt wirken. Man muss sie schützen, da sie in diesem Zustand - wie in einem Traum -  nicht mehr auf weitere Gefahren reagieren können. Homöopathisch kann man sie mit einigen Gaben Opium relativ rasch wieder in die Realität holen. 

Auch Arnica wirkt gegen seelischen Schock, jedoch vorwiegend bei solchen Menschen, die die Schwere ihrer Verletzung bagatellisieren oder verleugnen, dazu Angst haben, behandelt oder nur berührt zu werden. Auf Ärzte und Helfer reagieren sie grantig und mit Abwehr,

Das Gefühl von tiefer seelischer Zerstörung (etwa nach sexueller Gewalt), Ohnmacht und Hilflosigkeit, innerer Wut trotz äußerer Liebenswürdigkeit, oder auch das Gefühl „geschnitten“  worden zu sein, sind Symptome für den Einsatz von Staphisagria, eines südeuropäischen Hahnenfußgewächses, das ebenso bei Schnittverletzungen am Körper, z.B. infolge einer Operation, ein wichtiges Mittel darstellt.

Ignatia (aus den Samen der Ignazbohne) ist ein großes Mittel  bei Kummer als Folge einer seelischen Verletzung. Die Patienten sind erstarrt im Leid (z. B. bei Verlust eines Kindes). Der seelische Zustand ist  in manchen Bereichen mit den Symptomen von Nux vomica (aus der gleichen Pflanzenfamilie) verwandt: Gedankenkreisen, Unfähigkeit zum Loslassen. Auf körperlicher Ebene sind beide extrem sensibel gegenüber Genussmitteln (Kaffee, Alkohol, oft sogar gegen Kamillentee und andere pflanzliche Drogen).

Natrium muriaticum (Kochsalz) kommt bei Folgen von tiefem Kummer (enttäuschter Liebe) in Frage. Die Menschen verbergen ihren Kummer und wirken unnahbar (aus Furcht vor erneuter Verletzung). Oft sind sie Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt oder chronischer emotionaler Vernachlässigung.

Eine besondere Rolle in der homöopathischen Traumabehandlung spielen die Nachtschattengewächse Belladonna (Tollkirsche), Hyoscyamus (Bilsenkraut) und Stramonium (Stechapfel). Sie sind dann angezeigt, wenn die traumatischen Erlebisse besonders heftig gewesen sind und der ehemalige Schrecken aus geringsten Anlässen (z.B. ein bestimmter Geruch, eine bestimmte Geste, ein bestimmtes Bild etc.) wieder wie ein flash back erlebt wird. 

Im Falle von Belladonna sind es oft beängstigende Bilder, die sie verfolgen (z. B. verstümmelte Lebewesen etc.) Hyoscyamus passt u.a. zu kriegstraumatisierten Menschen, die sich ihr Leben  lang weiterhin wie im Krieg fühlen,   Stramonium zu solchen, deren Grundgefühl ähnlich wie das „Alleinsein in der Wildnis“ erlebt wird, die sich den Schrecken vollkommen hilflos ausgeliefert fühlen, sich vor dem Bösen fürchten oder auch nur davor, durch einen dunklen Tunnel fahren zu müssen. 

Alle diese Mittel, aber noch viele andere, können dazu verhelfen, die Ängste mit ihren körperlichen Begleiterscheinungen zu verlieren oder sie in schweren Fällen in einer Traumatherapie viel schneller zu bearbeiten und zu integrieren.


Wir sind mit dem Gefühl auseinander gegangen, eine Sternstunde der Homöopathie erlebt zu haben, dank unserer Referenten! 

Homöopathie im Brennpunkt

veröffentlicht um 16.12.2018, 01:34 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 25. Oktober 2018 konnten wir wieder einmal den Bayreuther Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ansgar Schimmöller zu einem Vortrag begrüßen. Sein Thema: „Homöopathie im Brennpunkt“. Aktuell steht die Homöopathie im Kreuzfeuer  der Kritik. Von bestimmter Seite der konventionellen Medizin als auch der Politik wird ihr jegliche Wirksamkeit abgesprochen, und das, obwohl Tausende von Patienten belegen könnten, dass sie heilend oder lindernd wirkt. Dr. Schimmöller dokumentierte die Tatsache zu Beginn seines Vortrags eindrucksvoll mit einer Reihe von Fallbeispielen. Hier eine Auswahl:

  • Ein 12jähriges Mädchen leidet an Einschlafstörungen, sie braucht viel Ruhe, zieht sich in ihre Bücherwelt zurück, fühlt sich zutiefst allein und hat Ängste. Die Diagnose lautet: Selbstwert- und Bindungsstörung. Sie erhält von Dr. Schimmöller Lithium muriaticum zunächst als C 200, dann als C 1000. Im Verlauf der Therapie wird sie ausgeglichener, verliert ihre abendlichen Ängste, wird selbstbewusst und stabil, die Einschlafdauer normalisiert sich von 2-3h auf 15 Min.
  • Ein 16jähriger Junge leidet an Morbus Basedow, einer Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem gegen die eigene Schilddrüse richtet, was sich in einer Schilddrüsenüberfunktion äußert. Er wird 2 Jahre lang mit dem Schilddrüsen-Blocker Thiamazol behandelt, zuletzt wird von den behandelnden Ärzten empfohlen, die Schilddrüse entfernen zu lassen. Dr. Schimmöller verordnet Secale cornutum C 200 und im Verlauf Secale cornutum täglich in Q-Potenzen, was nach 4 Wochen das Verschwinden der Augenschmerzen, vor allem aber ein Absinken der Schilddrüsen-Antikörper zur Folge hat. Nach einem halben Jahr kann das Allopathikum abgesetzt werden, nach einem Jahr liegt der Antikörperspiegel im Normalbereich, d. h. der Autoimmunprozess gegen die Schilddrüse ist gestoppt.


Gerade das zweite Beispiel zeigt, dass sich durch Homöopathie etwas ereignen kann, was vorher als unvorstellbar gilt, ähnlich dem radikalen Denken Albert Einsteins, dessen zunächst als Spekulation oder gar Spinnerei eingeschätzte Erkenntnisse sich später als wahr erwiesen. 


Nach einem Exkurs in das Wesen von Wissenschaft beschäftigte sich Dr. Schimmöller intensiv mit dem Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments in der konventionellen Medizin. Sogenannter Goldstandard sind Randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien. Dies bedeutet: Probanden werden zufallsverteilt zwei Gruppen zugeteilt: eine Gruppe erhält das zu testende Medikament, die Kontrollgruppe einen Placebo. Doppelblind heißt: weder Versuchspersonen noch Ärzte wissen, welcher Gruppe ein Proband zugeteilt ist. Ohne den Wert solcher Studien in Frage zu stellen, machte Dr. Schimmöller jedoch deutlich, dass die Bewertung eines Medikaments als für die Therapie geeignet allein auf statistischen Wahrscheinlichkeiten beruht. In der Homöopathie erfolgt die Behandlung dagegen nach individuellen Symptomen. Der Therapieplan zur Heilung basiert auf der Anregung von Selbstregulation. Der Vorwurf der Schulmedizin, Homöopathie wirke nicht, reduziert sich mithin auf die Begründung, dass die Homöopathie keine statistische Medizin ist.

Abschließend belegte Dr. Schimmöller anhand von Fallbeispielen, wie die Praxis in der Homöopathie aussehen kann. Auch hierfür wieder zwei ausgewählte Fälle:

Eine 29 Jahre junge Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Sie leidet an Hormonstörungen und einer Endometriose, psychisch ist sie in schlechter Verfassung. Sie erhält Graphites C 200; nach mehrwöchiger Therapie teilt ihr Mann Dr. Schimmöller mit, dass sie in der 10. Woche schwanger sei.




Nicht immer verläuft eine Therapie so geradlinig:

  • Ein 6jähriges Mädchen leidet unter Warzen an beiden Händen, seit 1 Jahr ist sie schulmedizinisch gesehen therapieresistent. Sie erhält Medorrhinum C 200, was insofern eine Verschlimmerung bewirkt, als die Warzen zu jucken anfangen und es zu einer heftigen Verstärkung ihrer ohnehin explosiven Gemütssymptomatik kommt. Dr. Schimmöller wechselt zu Dulcamara C 200. Die Folge: die Warzen beginnen zu schrumpfen und sind bald verschwunden.


Kein Hokuspokus, sondern ärztliches Können nach den Regeln der Homöopathie. Es schloss sich eine lebhafte, offene Diskussion an, die hoffen lässt, dass manche der Zuhörer zur Homöopathie Vertrauen fassen. Zu danken haben wir Dr. Schimmöller für einen fundierten, lebendigen Vortrag, der trotz seines mitunter hohen theoretischen Anspruchs stets verständlich blieb. 

Wenn der Schlaf zum Albtraum wird

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:52 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Immer größer wird die Zahl der Patienten, die über Schlafstörungen klagen und zu Schlaftabletten greifen. Dabei ist dies langfristig keine Lösung, denn Schlaftabletten können abhängig machen und viele Nebenwirkungen besitzen. Um so dankbarer waren wir, dass die Ärztin und klassische Homöopathin  Dr. med. Inge Heinz aus Hof am 14. Juni 2018 zu uns kam, um einen Vortrag über das natürliche Heilen von Schlafstörungen zu halten.

Zu Beginn erläuterte sie, wie wichtig ein erholsamer Schlaf für die körperliche, seelische und geistige Gesundheit des Menschen ist. Schlafen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, so wie Essen und Trinken. Besondere Bedeutung kommt den Träumen als „Hüter des Schlafes“ zu. Sie sind die Ventile einer unterdrückten Welt in uns, die genauso zu uns gehört „wie ein Eisberg nicht nur aus seiner sichtbaren Spitze, sondern aus einer viel größeren wasserbedeckten Basis besteht“ (Sigmund Freud). Träumen wird durch zu wenig Schlaf und eben auch durch allopathische Schlafmittel verhindert.

Woher kommen nun Schlafprobleme? Warum kann man nicht einschlafen, wacht mehrmals in der Nacht oder zu früh am Morgen unausgeschlafen auf? Es gibt zahllose Ursachen dafür, die Frau Dr. Heinz darstellte:

  • „schlechte“ Gewohnheiten, wie zu spätes Schlafengehen, spätes schweres Essen oder zu viel Alkohol,

  • äußere Ursachen, z. B. Nachtdienst, Schichtarbeit, das Schnarchen des Partners, zu warmes/zu kaltes Zimmer, zu hartes/zu weiches Bett, Fehlen frischer Luft,

  • organische Ursachen: Schmerzen, häufiges Wasserlassen, kalte Füße, Juckreiz,

  • gesellschaftliche Ursachen: Aufregung vor Prüfungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme,

  • seelische Ursachen: Probleme in Familie/Partnerschaft, einschneidende Familienereignisse (Geburt, Heirat, Tod),

  • psychische Ursachen: Ängste, Schuldgefühle, Albträume, Depressionen.


Was bedeutet nun natürliches Heilen von Schlafstörungen? Dieser Frage widmete Frau Dr. Heinz den größten Teil ihres Vortrags. Die generelle Antwort darauf lautet: Mit natürlichen Verfahren einen Heilungsprozess in die Wege zu leiten. Das kann eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und gesunder Ernährung ermöglichen, das können aber auch Naturheilverfahren bewirken, die eine ganzheitliche Behandlung anstreben, wie die Homöopathie. Entscheidend in der Homöopathie ist die Ermittlung der individuellen Ursachen des Schlafproblems. Dafür braucht es ein ausführliches Gespräch, in dem Antworten auf folgende zentralen Fragen notwendig sind: Handelt es sich um eine Einschlaf- oder Durchschlafstörung? In jeder Nacht oder ab und zu? Ist der Schlaf oberflächlich oder zu kurz? Vor allem aber: Seit wann besteht die Schlafstörung?

Heilkunst im Sinne Hahnemanns bedeutet nicht nur homöopathische Medikamente zu verordnen, sondern auch nichtarzneiliche Maßnahmen anzuregen, die folgende Aspekte umfassen:  

a) die Lebensordnung:

  • ausreichende Bewegung am Tag,

  • Reduzierung von Koffein-, Alkohol- und Nikotinkonsum am Abend,

  • maßvolles, nicht zu spätes Abendessen,

    

     b) die „Schlafhygiene“:

  • regelmäßige Schlafenszeiten,

  • Entspannungstechniken,

  • Bewusstes Abschließen des Tages,


      c) eigene Überlegungen:

  • Habe ich vor etwas Angst, z. B. vor der Nacht oder dem Tod?

       

d) Probleme tagsüber lösen und nicht mit ins Bett nehmen.


Wenn die nichtarzneilichen Maßnahmen nicht ausreichen und eine   homöopathische Behandlung erfolgen soll, muss das sonstige Befinden des Patienten ermittelt werden: körperliche Beschwerden, psychisch-emotionales Befinden, Allgemeinbefinden (wichtige Körperfunktionen), biographische Daten (Kindheit, Ehe, Beruf), frühere Erkrankungen. Für den homöopathischen Therapeuten wesentlich sind die Fragen: Wann ist die Schlafstörung zum ersten Mal aufgetreten? Welche Maßnahmen und/oder Heilmittel sind erforderlich, um diesen Patienten wieder in sein Gleichgewicht zu bringen?

An Beispielen erläuterte Frau Dr. Heinz das Vorgehen in der Homöopathie. Einer Patientin, die eigenartigerweise am schlechtesten schläft, wenn ihr eine große Freude begegnet ist, verordnet sie nach der Ähnlichkeitsregel Coffea in der D 30 oder C 30 (auch Kindern, die nach einem aufregenden Fest nicht einschlafen können). Berichtet ein Patient jedoch, dass er besonders dann nicht schlafen kann, wenn er am Abend ein reichliches Essen mit einigen Gläsern Wein zu sich genommen hat, dann ist Nux vomica in der C 6 oder C 12 vor dem Schlafen angezeigt. Wenn der Patient an chronischen Kopfschmerzen und Verstopfung leidet, so müsste die Arznei auch diese beiden Beschwerden heilen oder zumindest bessern.

Als Grundsatz bei der homöopathischen Behandlung von Schlafstörungen, gilt: Je mehr diese auf seelischen Ursachen beruhen, desto höher muss die Potenz des Mittels gewählt werden, denn höhere Potenzen wirken auf den Geist und die Seele.

Im letzten Teil ihres Vortrags gab Frau Dr. Heinz einen Überblick über bewährte homöopathische Mittel bei Schlafstörungen, bezogen auf ihre Ursachen:

  • Arnica: Verletzungen, Muskelkater

  • Chamomilla: Unruhe, Zahnungsbeschwerden

  • Cocculus:  Schichtarbeit, geistige und körperliche Erschöpfung

  • Coffea: Herzklopfen, Aufregung, Wechseljahre

  • Gelsemium: Aufregung vor Prüfungen

  • Ignatia, Natrium muriaticum: (Liebes-) kummer, unterdrückter Zorn

  • Nux vomica: Jetlag, zu viel Essen, Alkohol. Tabak

  • Rhus toxicodendron: Gliederschmerzen (bei Grippe)

  • Sulfur: Oberflächlicher Schlaf, Wechseljahre, Unruhe der Beine.


Empfohlene Potenzen:

Körperliche Ursachen: D 12, 1-3 x tgl. 1-5 Globuli

Seelische Ursachen:     C oder D 30, 1 x tgl. 1-5 Globuli


Hinsichtlich der Behandlungsdauer betonte Frau Dr. Heinz, dass bei einer seit 10 Jahren dauernden Schlafstörung nicht erwartet werden könne, dass die Behandlung sofort eine 100%ige Besserung erbringt. Doch mit einer Konstitutionsbehandlung über mehrere Monate ist auf jeden Fall damit zu rechnen, dass sich das Allgemein- und das seelische Befinden bessert.

Wir hörten einen beeindruckenden Vortrag, in dem es Frau Dr. Heinz verstand, die Besonderheiten der homöopathischen Heilmethode zu verdeutlichen und sie mit der gewählten Thematik zu verbinden.


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Die homöopathische Hausapotheke

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:47 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Welche homöopathischen Arzneimittel sollten bei häufig auftretenden Beschwerden oder Notfällen zuhause zur Verfügung stehen und wie wendet man sie an? Diese Fragen standen am 19. April 2018 im Mittelpunkt eines Vortrags von Pia Aßmann, Pharmazeutisch-technische Assistentin und Heilpraktikerin aus Himmelkron, unter dem Titel „Die homöopathische Hausapotheke“. 
Einführend gab sie einen Überblick über die Grundlagen und Besonderheiten der Homöopathie (Ähnlichkeitsregel, Potenzierung der Ursubstanzen, Behandlung mit Einzelmitteln), aber auch über deren Grenzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle aus ihrer Berufspraxis verstand sie den Einsatz der Homöopathie ergänzend zu schulmedizinischen Therapieformen, und zwar in der Potenzhöhe D 6 und C 12. Das bedeutet bei Akutfällen, die Gabe der Arznei in relativ kurzen Zeitabständen (15-30 Minuten) zu wiederholen, bis eine Besserung der Krankheitssymptome eintritt. Ist dies der Fall, sollten die Dosierungsintervalle verlängert werden.
Anschließend stellte Pia Aßmann diejenigen Mittel vor, die sich bei der Selbstbehandlung verschiedener, im Alltag häufiger Krankheitssituationen bewährt haben. Am Anfang standen solche Mittel, die zur Grundausstattung der homöopathischen Hausapotheke ( in der Potenz D 12) gehören: 
  • Arnica als das Wundheilmittel schlechthin (bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen sowie nach Operationen),
  • Hypericum, auch „Nerven-Arnica“ genannt, bei Verletzungen, bei denen mit zahlreichen Nerven versorgte Gewebe betroffen sind,
  • Apis bei Insekten-, speziell Bienenstichen,
  • Ledum vor allem bei Stichverletzungen,
  • Cantharis bei Sonnenbrand und Verbrennungen,
  • Rhus toxicodendron bei für Verletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken,
  • Arsenicum album bei Brechdurchfall,
  • Nux vomica, das klassische „Katermittel“, aber auch bei Narkosefolgen (Übelkeit, Kopfschmerzen).

Es schloss sich dann die differenzierte Beschreibung von (Symptomen und die darauf bezogene Anwendung von Einzelmitteln bei folgenden Einsatzbereichen an:
  • Erkältung,
  • Allgemeine Wundbehandlung,
  • Wunden nach medizinischen Eingriffen,
  • Beschwerden an Gelenken,
  • Allergie – Stiche – Bisse.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Mittel, die der Gesundheit von Kindern dienen, z. B. bei seelischen Problemen oder Schulschwierigkeiten. Da es sich hier um geistig- seelische Symptome und Modalitäten handelt, ist die sorgfältige Wahl der passenden Arznei besonders wichtig.
Die konkreten Ausführungen von Pia Aßmann motivierten dazu, eine homöopathische Hausapotheke anzulegen  und damit erste Schritte der Selbstbehandlung zu gehen. Besonders dankenswert war es, dass sie Zuhörer mit den Voraussetzungen dafür, nämlich den Grundlagen der Homöopathie, vertraut machte.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:39 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 05.08.2018, 03:49 ]

Die mehr als 2500 Jahre alte Heilkunst der Chinesischen Medizin und die aus einem ganz anderen Kulturkreis stammende klassische Homöopathie: Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie und wie können beide Heilsysteme zum Wohle des Patienten genutzt werden?
Das waren die wesentlichen Fragen, mit denen sich Dr. med. Wolfgang Dittmar, Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut und klassischer Homöopath aus Bayreuth, in seinem Vortrag „Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie – Berührungspunkte“ am 22. März 2018 im Gemeindehaus St. Georgen beschäftigte. Um es grundsätzlich zu sagen: die Berührungspunkte sind vielfältig. Beide Heilmethoden betrachten den Menschen als Ganzheit, also als Einheit von Körper, Seele und Geist. Beide behandeln nicht eine Krankheit, sondern das Individuum. Dies verdeutlichte Dr. Dittmar eingangs an einem Beispiel. Bei verschiedenen Personen wird die einheitliche schulmedizinische Diagnose „Magengeschwür“ gestellt. Doch der TCM-Arzt erkennt bei ihnen völlig unterschiedliche „Disharmoniemuster“ und leitet daraus unterschiedliche Verordnungen ab. Auch der Homöopath gelangt auf der Basis individueller Anamnese zu verschiedenen Mitteln.
Beiden Methoden geht es weiter darum, die Selbstheilungskräfte des Organismus im Krankheitsfall zu mobilisieren. In der Homöopathie bedeutet dies, die immaterielle Lebenskraft, die durch den Krankheitsprozess verstimmt ist, zurückzugewinnen. Auch die TCM verfolgt das Ziel, Lebensenergie bzw. ein harmonisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Doch um zu verstehen, wie letzteres geschieht, muss man die Grundlagen der TCM kennen. So war es unumgänglich, dass Dr. Dittmar ausführlich darauf einging.

Zentrale Begriffe der TCM sind das Yin-Yang-System und das Qi (sprich „tschi“). Ersteres beschreibt die Gegensätzlichkeit aller Erscheinungen und Lebensvorgänge. Das Verhältnis dieser Gegensätze ist fließend und nicht starr, was folgende Grafik veranschaulicht:



Gesundheit lässt sich als harmonisches Zusammenspiel beider Aspekte beschreiben, bei Krankheit ist dieses dynamische Gleichgewicht gestört. Ziel jeder Therapie muss es deshalb sein, die Harmonie von Yin und Yang wieder herzustellen.
Qi dagegen ist das, was in der westlichen Medizin als „Lebensenergie“ gelten kann. Es hat vielfältige Funktionen und zirkuliert in Bahnen, den Meridianen. Über Akupunkturpunkte, die auf diesen Energiebahnen liegen, ist es möglich, das Qi zu beeinflussen.
Ein ebenso bedeutsamer Bestandteil der TCM ist die Lehre von den 5 Elementen oder Wandlungsphasen. Darin wird der Zyklus der Naturelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser dargestellt, ein Modell, das auf Abläufe im menschlichen Körper übertragen wird. Jeder Wandlungsphase ist ein bestimmter Funktionskreis zugeordnet, welcher mit einem Organnamen bezeichnet wird. Während in der westlichen Schulmedizin der Organbegriff auf die rein physiologisch-biochemischen Prozesse bezogen wird, charakterisiert er in der TCM die vitalen Funktionen, die dem Organ zugeschrieben werden, sowie die Yin/Yang-Eigenschaften. So besteht die Bedeutung des Funktionskreises Lunge/Yin)-Dickdarm(Yang) darin, dass die Lunge über das Qi und die Atmung herrscht. Die völlig andere Denkweise als in der Schulmedizin zeigt sich auch beim Funktionskreis Herz-Dünndarm. In der TCM regiert das Herz das Blut und hat großen Einfluss auf das Aussehen der Zunge. Diese ist gleichsam ein Sichtfenster auf den Zustand von Herz und Blut.
Einen weiteren Schwerpunkt in Dr. Dittmars Vortrag bildete die Fallaufnahme und die Diagnostik in der TCM. Wie in der Homöopathie charakterisieren die jeweiligen Krankheitssymptome die Einzigartigkeit  des Individuums. Steht bei der homöopathischen Anamnese die Befragung des Patienten im Vordergrund, so  erfasst die TCM auch die Funktionen der Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten). Eine besondere Stellung in der TCM-Diagnostik haben der Zustand der Zunge sowie die Eigenschaften des Pulses, zwei Methoden, die in der Homöopathie eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch können sich beide Heilmethoden bei der Fallaufnahme wechselseitig ergänzen.
Berührungspunkte zwischen beiden Naturheilmethoden gibt es auch bei der Miasmenlehre Hahnemanns, also seiner Theorie der Entstehung chronischer Krankheiten. Dr. Dittmar erläuterte kurz die drei miasmatischen Grundformen, aus denen sich die Vielfalt der Erscheinungsformen chronischer Krankheiten ableitet: Psora, Sykosis und Syphilis. Besonderes Augenmerk widmete er dem Phänomen, dass die (allopathische) Unterdrückung von Symptomen, z. B. bei der Neurodermitis, einen „Etagenwechsel“ der Erkrankung nach sich zieht, etwa als Asthma. 
Wenn man nach diesem Vortrag ein Résumé ziehen soll, dann dieses: Dr. Dittmar hat uns eine Denkwelt von Gesund- und Kranksein, aber auch Heilung von Krankheiten nahe gebracht, die den meisten von uns fremd war,  für die wir ihm aber dankbar sind. Sein von profundem ärztlichen Können geprägter Vortrag hat wieder einmal deutlich gemacht, was komplementäre Heilmethoden neben der westlich- akademischen Medizin zu leisten vermögen.

Ganzheitliche Augenheilkunde

veröffentlicht um 19.03.2018, 11:50 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Eine selten überwältigende Resonanz erlebte der erste Vortrag unseres Vereins im Jahr 2018: annähernd 100 Zuhörer waren gekommen, um den Kulmbacher Augenarzt Dr. med. René Woytinas zu dem Thema „Was kann ganzheitliche Augenheilkunde?“ zu hören. 

Dr. Woytinas gliederte seinen Vortrag in zwei Teile. Im ersten befasste er sich in grundsätzlicher Weise mit Gesundheit und Krankheit, mit Heilung und mit Naturheilkunde.

Eine Erkrankung kann als Störung des Fließgleichgewichtes aller energetischen Vorgänge im Körper verstanden werden. Körper und Psyche seien nicht voneinander trennbar, Daraus folgt, dass eine Krankheit ganzheitlich betrachtet werden müsse. Notwendig sei die Änderung der Denkweise, Kranksein betreffe immer nur einen körperlichen Sektor unseres Organismus.
Ganz allgemein, aber auch mit Blick auf Erkrankungen des Auges betonte er: Geheilt werden kann, was gestört ist, jedoch nur gelindert, was zerstört ist.  Jede Erkrankung und damit auch jede Augenerkrankung sei komplementär, also die (Hoch-)schulmedizin ergänzend, behandelbar. Dabei spielen Naturheilverfahren, also solche, die die Natur uns liefert, eine gewisse Rolle (Beispiel: Moorpackungen), aber ebenso Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Traditionelle Europäische Medizin (Beispiel: die Ernährungslehre von Pfarrer Kneipp).

Die Homöopathie dagegen sei ein wissenschaftliches Lehrgebäude. Komplementär einsetzbar sind auch die Phytotherapie oder die Anthroposophie. Als eine der wichtigsten Aufgaben komplementärer Medizin bezeichnete Dr. Woytinas die Darmsanierung, denn der Darm ist die „Wurzel für das Gesundsein“. Große Bedeutung komme auch Störfeldern, z. B. aus dem Darm oder aus den Zähnen, zu. Gemeinsam ist allen komplementären Verfahren die Wiederherstellung der körpereigenen Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte. Man könnte sie deshalb auch unter dem Begriff der „Regulationsmedizin“ zusammenfassen.
Andererseits gibt es bei bestimmten Augenleiden, z. B. bei einer Netzhautablösung, keine Alternative zur Operation. Die Domäne der Regulationsmedizin in der Augenheilkunde sind eher chronische Erkrankungen. So lassen sich homöopathische Organpräparate fast bei jedem Krankheitsbild einsetzen, Anthroposophika sind bei Lid-, Bindehaut- und Linsenerkrankungen hilfreich. Spezielle Therapien sind die Behandlung mit  Arzneimitteln der Fa. SANUM und der Einsatz von Eigenblut. Während erstere, basierend auf der Therapie von Prof. Enderlein, zur Verbesserung des inneren Körpermilieus, z.B. des Säure-Basen-Gleichgewichtes, eingesetzt werden, kann Eigenblut in hochpotenzierter Form bei Autoimmunerkrankungen wirksam sein. Fazit: eine pauschale Therapie bei Augenleiden ist nicht möglich!

Diesen Grundsatz verdeutlichte Dr. Woytinas im zweiten Teil des Vortrags, der bestimmte Augenkrankheiten zum Gegenstand hatte. Lidentzündungen, die zum Gersten- oder Hagelkorn führen, lassen sich durch Bestrahlung mit Rotlicht bessern. Augenlidzucken (Lid Tic) ist einer homöopathischen Behandlung zugänglich. Wesentlich differenzierter  ist die Therapie der Bindehautentzündung zu sehen. Ist sie bakterieller Natur, helfen antibiotische Augentropfen, u. U. in Kombination mit Calendula-Präparaten. Hat sie physikalische Ursachen, z. B. die Klimaanlage im Auto oder die Computerbelüftung, sind Homöopathika erfolgreich. Letztere, in hoher Potenz, haben sich auch bei der Regenbogenhautentzündung bewährt. Für die Behandlung der (infektiösen) Hornhauterkrankung empfiehlt sich die SANUM-Therapie. Um Allergien am Auge zu heilen, ist wiederum die Darmsanierung wesentliche Voraussetzung.

Ausführlich befasste sich Dr. Woytinas abschließend mit dem grauen und grünen Star sowie der Makuladegeneration. Der graue Star (Trübung der Augenlinse) ist eine klassische Degenerationserscheinung im Zuge des Alterungsprozesses. Sie ist heutzutage dank moderner Operationstechniken heilbar. Der grüne Star dagegen ist eine Bezeichnung für eine Reihe von Erkrankungen, die zum Absterben des Sehnervs und damit zur Erblindung führen können. Der bei grünem Star vorliegende erhöhte Augeninnendruck ist nicht immer die Ursache der Erkrankung, sondern aus naturheilkundlicher Sicht spielen die Belastung mit Schwermetallen und Pestiziden, vor allem aber eine gestörte Darmflora, eine Rolle. Folglich kommt auch hier, neben der Senkung des Augeninnendrucks mit konventionellen Augentropfen, eine ganzheitliche Behandlung, insbesondere eine Darmsanierung, in Frage. 

Bei der Altersabhängigen Makulageneration (AMD) handelt es sich um eine Netzhauterkrankung. Betroffen ist die Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, eines nur wenige Quadratmillimeter großen Areals auf der Netzhaut. Vermittelt durch eine Matrix (Bindegewebe) steht die Makula in engem Stoffaustausch mit der darunter liegenden Pigmentschicht. An dieser Matrix, die im Falle der AMD geschädigt ist, kann Regulationsmedizin therapeutisch ansetzen, und zwar im Sinne eines extrem komplexen Ansatzes, bei dem Entgiftung und Entschlackung (Darmsanierung) eine zentrale Rolle spielen.
Dank der Fülle der Informationen und Ratschläge, die dieser Vortrag bot, gingen die Zuhörer beeindruckt und mit dem Gefühl, bereichert worden zu sein, auseinander.

Kommunikation in der Familie

veröffentlicht um 31.05.2017, 10:24 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal war Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg, der Einladung, einen Vortrag bei uns zu halten, gefolgt. Mit dem Titel „“Das Wort hinter dem Wort verstehen – die fünf Kommunikationsformen nach Virginia Satir“ führte sie am 18. Mai 2017 in die Denkwelt der Pionierin der systemischen Familientherapie, der Amerikanerin Virginia Satir, ein. Diese gilt ihr als Vorbild für ihre eigene therapeutische Arbeit. 

Das von Virginia Satir entwickelte Kommunikationsmodell basiert auf der Erfahrung, dass bei der Kommunikation zwischen Menschen, mithin auch in Familien, doppeldeutige Botschaften ausgesandt werden. Mit anderen Worten: das gesprochene Wort stimmt mit dem wahren Gefühl oft nicht überein.

Hinter doppeldeutigen Botschaften stecken Ängste und ein zu geringer Selbstwert, z. B.:

  • Ich könnte Fehler machen.
  • Die Leute könnten denken, dass ich unvollkommen bin.


Doch Angst ist nicht die Wahrheit. Schritte aus der Angst sind möglich, wenn man zu sich steht:

  • Natürlich mache ich Fehler.
  • Ich werde immer etwas Unvollkommenes an mir entdecken.


Seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und frei zu äußern, ermöglicht kongruente Kommunikation, wie sie Virginia Satir anstrebt. Ihr gegenüber stehen vier andere Kommunikationsformen, mit denen Menschen auf die Minderung ihres Selbstwertes reagieren. Frau Pausch ließ sie in Form einer Skulpturenaufstellung mit vier Personen -  Vater, Mutter, zwei Kinder - aus den Reihen der Zuhörer veranschaulichen.


  • Der „Beschwichtiger“ verdrängt seine eigenen Gefühle, er will vermeiden, dass der andere ärgerlich oder wütend wird und nimmt deshalb eine rücksichtsvolle Haltung ein.
  • Der „Ankläger“ sucht ständig nach Fehlern bei anderen und klagt an, er will „stark“ sein, fühlt sich als „Boss“, ist oft laut und tyrannisch.
  • Der „Rationalisierer“ lässt keine Gefühle zu, er argumentiert sachlich und logisch und erweckt so den Eindruck, alles im Griff zu haben.
  • Der „Ablenker“ vermeidet alles Konkrete, wechselt geschickt das Thema (ständige Bewegung bei hyperaktiven Kindern). So versucht er, sich gegen Bedrohungen oder Forderungen zu schützen. Dabei sehnt er sich verzweifelt nach Kontakt. 


Frau Pausch gab bezogen auf diese Muster auch Einblicke in ihre Therapiearbeit. So müssen „Beschwichtiger“ lernen, eine Ich-Struktur aufzubauen und „Nein“ zu sagen.

Abschließend stellte sie Virginia Satirs „fünf Freiheiten“ vor, die zum Ausdruck bringen, wie wir unsere Ressourcen nutzen können:

  • Sehen und Hören, was in mir ist.
  • Aussprechen, was ich wirklich fühle.
  • Fühlen, was ich fühle, statt zu fühlen, was ich fühlen sollte.
  • Bitten, was ich möchte und brauche.
  • Wagen, was mich reizt, statt Sicherheit zu wählen.


Verschiedentlich machte Frau Pausch deutlich, dass sich ihre Arbeit mit der Homöopathie berührt, wenn diese zur Mittelfindung verlässliche Aussagen über die seelische Verfassung des Patienten benötigt. So gingen die an diesem Sommerabend im Mai erfreulich zahlreich erschienenen Zuhörer gingen mit dem Gefühl nach Hause,  bereichert worden zu sein. Dank an unsere Referentin, wie eindrucksvoll und lebendig sie ihre Arbeit im Dienste der seelischen Gesundheit der Familie darstellte!


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