Ganzheitliche Augenheilkunde

veröffentlicht um 19.03.2018, 11:50 von Forum Homöopathieverein Bayreuth
Eine selten überwältigende Resonanz erlebte der erste Vortrag unseres Vereins im Jahr 2018: annähernd 100 Zuhörer waren gekommen, um den Kulmbacher Augenarzt Dr. med. René Woytinas zu dem Thema „Was kann ganzheitliche Augenheilkunde?“ zu hören. 

Dr. Woytinas gliederte seinen Vortrag in zwei Teile. Im ersten befasste er sich in grundsätzlicher Weise mit Gesundheit und Krankheit, mit Heilung und mit Naturheilkunde.

Eine Erkrankung kann als Störung des Fließgleichgewichtes aller energetischen Vorgänge im Körper verstanden werden. Körper und Psyche seien nicht voneinander trennbar, Daraus folgt, dass eine Krankheit ganzheitlich betrachtet werden müsse. Notwendig sei die Änderung der Denkweise, Kranksein betreffe immer nur einen körperlichen Sektor unseres Organismus.
Ganz allgemein, aber auch mit Blick auf Erkrankungen des Auges betonte er: Geheilt werden kann, was gestört ist, jedoch nur gelindert, was zerstört ist.  Jede Erkrankung und damit auch jede Augenerkrankung sei komplementär, also die (Hoch-)schulmedizin ergänzend, behandelbar. Dabei spielen Naturheilverfahren, also solche, die die Natur uns liefert, eine gewisse Rolle (Beispiel: Moorpackungen), aber ebenso Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder Traditionelle Europäische Medizin (Beispiel: die Ernährungslehre von Pfarrer Kneipp).

Die Homöopathie dagegen sei ein wissenschaftliches Lehrgebäude. Komplementär einsetzbar sind auch die Phytotherapie oder die Anthroposophie. Als eine der wichtigsten Aufgaben komplementärer Medizin bezeichnete Dr. Woytinas die Darmsanierung, denn der Darm ist die „Wurzel für das Gesundsein“. Große Bedeutung komme auch Störfeldern, z. B. aus dem Darm oder aus den Zähnen, zu. Gemeinsam ist allen komplementären Verfahren die Wiederherstellung der körpereigenen Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte. Man könnte sie deshalb auch unter dem Begriff der „Regulationsmedizin“ zusammenfassen.
Andererseits gibt es bei bestimmten Augenleiden, z. B. bei einer Netzhautablösung, keine Alternative zur Operation. Die Domäne der Regulationsmedizin in der Augenheilkunde sind eher chronische Erkrankungen. So lassen sich homöopathische Organpräparate fast bei jedem Krankheitsbild einsetzen, Anthroposophika sind bei Lid-, Bindehaut- und Linsenerkrankungen hilfreich. Spezielle Therapien sind die Behandlung mit  Arzneimitteln der Fa. SANUM und der Einsatz von Eigenblut. Während erstere, basierend auf der Therapie von Prof. Enderlein, zur Verbesserung des inneren Körpermilieus, z.B. des Säure-Basen-Gleichgewichtes, eingesetzt werden, kann Eigenblut in hochpotenzierter Form bei Autoimmunerkrankungen wirksam sein. Fazit: eine pauschale Therapie bei Augenleiden ist nicht möglich!

Diesen Grundsatz verdeutlichte Dr. Woytinas im zweiten Teil des Vortrags, der bestimmte Augenkrankheiten zum Gegenstand hatte. Lidentzündungen, die zum Gersten- oder Hagelkorn führen, lassen sich durch Bestrahlung mit Rotlicht bessern. Augenlidzucken (Lid Tic) ist einer homöopathischen Behandlung zugänglich. Wesentlich differenzierter  ist die Therapie der Bindehautentzündung zu sehen. Ist sie bakterieller Natur, helfen antibiotische Augentropfen, u. U. in Kombination mit Calendula-Präparaten. Hat sie physikalische Ursachen, z. B. die Klimaanlage im Auto oder die Computerbelüftung, sind Homöopathika erfolgreich. Letztere, in hoher Potenz, haben sich auch bei der Regenbogenhautentzündung bewährt. Für die Behandlung der (infektiösen) Hornhauterkrankung empfiehlt sich die SANUM-Therapie. Um Allergien am Auge zu heilen, ist wiederum die Darmsanierung wesentliche Voraussetzung.

Ausführlich befasste sich Dr. Woytinas abschließend mit dem grauen und grünen Star sowie der Makuladegeneration. Der graue Star (Trübung der Augenlinse) ist eine klassische Degenerationserscheinung im Zuge des Alterungsprozesses. Sie ist heutzutage dank moderner Operationstechniken heilbar. Der grüne Star dagegen ist eine Bezeichnung für eine Reihe von Erkrankungen, die zum Absterben des Sehnervs und damit zur Erblindung führen können. Der bei grünem Star vorliegende erhöhte Augeninnendruck ist nicht immer die Ursache der Erkrankung, sondern aus naturheilkundlicher Sicht spielen die Belastung mit Schwermetallen und Pestiziden, vor allem aber eine gestörte Darmflora, eine Rolle. Folglich kommt auch hier, neben der Senkung des Augeninnendrucks mit konventionellen Augentropfen, eine ganzheitliche Behandlung, insbesondere eine Darmsanierung, in Frage. 

Bei der Altersabhängigen Makulageneration (AMD) handelt es sich um eine Netzhauterkrankung. Betroffen ist die Stelle des schärfsten Sehens, der Makula, eines nur wenige Quadratmillimeter großen Areals auf der Netzhaut. Vermittelt durch eine Matrix (Bindegewebe) steht die Makula in engem Stoffaustausch mit der darunter liegenden Pigmentschicht. An dieser Matrix, die im Falle der AMD geschädigt ist, kann Regulationsmedizin therapeutisch ansetzen, und zwar im Sinne eines extrem komplexen Ansatzes, bei dem Entgiftung und Entschlackung (Darmsanierung) eine zentrale Rolle spielen.
Dank der Fülle der Informationen und Ratschläge, die dieser Vortrag bot, gingen die Zuhörer beeindruckt und mit dem Gefühl, bereichert worden zu sein, auseinander.
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