Kommunikation in der Familie

veröffentlicht um 31.05.2017, 10:24 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal war Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg, der Einladung, einen Vortrag bei uns zu halten, gefolgt. Mit dem Titel „“Das Wort hinter dem Wort verstehen – die fünf Kommunikationsformen nach Virginia Satir“ führte sie am 18. Mai 2017 in die Denkwelt der Pionierin der systemischen Familientherapie, der Amerikanerin Virginia Satir, ein. Diese gilt ihr als Vorbild für ihre eigene therapeutische Arbeit. 

Das von Virginia Satir entwickelte Kommunikationsmodell basiert auf der Erfahrung, dass bei der Kommunikation zwischen Menschen, mithin auch in Familien, doppeldeutige Botschaften ausgesandt werden. Mit anderen Worten: das gesprochene Wort stimmt mit dem wahren Gefühl oft nicht überein.

Hinter doppeldeutigen Botschaften stecken Ängste und ein zu geringer Selbstwert, z. B.:

  • Ich könnte Fehler machen.
  • Die Leute könnten denken, dass ich unvollkommen bin.


Doch Angst ist nicht die Wahrheit. Schritte aus der Angst sind möglich, wenn man zu sich steht:

  • Natürlich mache ich Fehler.
  • Ich werde immer etwas Unvollkommenes an mir entdecken.


Seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und frei zu äußern, ermöglicht kongruente Kommunikation, wie sie Virginia Satir anstrebt. Ihr gegenüber stehen vier andere Kommunikationsformen, mit denen Menschen auf die Minderung ihres Selbstwertes reagieren. Frau Pausch ließ sie in Form einer Skulpturenaufstellung mit vier Personen -  Vater, Mutter, zwei Kinder - aus den Reihen der Zuhörer veranschaulichen.


  • Der „Beschwichtiger“ verdrängt seine eigenen Gefühle, er will vermeiden, dass der andere ärgerlich oder wütend wird und nimmt deshalb eine rücksichtsvolle Haltung ein.
  • Der „Ankläger“ sucht ständig nach Fehlern bei anderen und klagt an, er will „stark“ sein, fühlt sich als „Boss“, ist oft laut und tyrannisch.
  • Der „Rationalisierer“ lässt keine Gefühle zu, er argumentiert sachlich und logisch und erweckt so den Eindruck, alles im Griff zu haben.
  • Der „Ablenker“ vermeidet alles Konkrete, wechselt geschickt das Thema (ständige Bewegung bei hyperaktiven Kindern). So versucht er, sich gegen Bedrohungen oder Forderungen zu schützen. Dabei sehnt er sich verzweifelt nach Kontakt. 


Frau Pausch gab bezogen auf diese Muster auch Einblicke in ihre Therapiearbeit. So müssen „Beschwichtiger“ lernen, eine Ich-Struktur aufzubauen und „Nein“ zu sagen.

Abschließend stellte sie Virginia Satirs „fünf Freiheiten“ vor, die zum Ausdruck bringen, wie wir unsere Ressourcen nutzen können:

  • Sehen und Hören, was in mir ist.
  • Aussprechen, was ich wirklich fühle.
  • Fühlen, was ich fühle, statt zu fühlen, was ich fühlen sollte.
  • Bitten, was ich möchte und brauche.
  • Wagen, was mich reizt, statt Sicherheit zu wählen.


Verschiedentlich machte Frau Pausch deutlich, dass sich ihre Arbeit mit der Homöopathie berührt, wenn diese zur Mittelfindung verlässliche Aussagen über die seelische Verfassung des Patienten benötigt. So gingen die an diesem Sommerabend im Mai erfreulich zahlreich erschienenen Zuhörer gingen mit dem Gefühl nach Hause,  bereichert worden zu sein. Dank an unsere Referentin, wie eindrucksvoll und lebendig sie ihre Arbeit im Dienste der seelischen Gesundheit der Familie darstellte!


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