Bericht: Tag der Homöopathie und Gesundheit 2016

veröffentlicht um 03.05.2016, 12:46 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 03.05.2016, 12:49 ]

Großen Zuspruch erfuhr der „Tag der Homöopathie und Gesundheit 2016“, den unser Verein im Ev. Gemeindehaus St. Georgen in Bayreuth am 16.04.2016 veranstaltete, und zwar unter dem Rahmenthema „Darmgesundheit“. Drei Vorträge mit Diskussion wurden zwischen 10 Uhr und 15 Uhr angeboten. 

Im ersten, grundlegenden Vortrag „Der Darm – die Wurzel der Lebenskraft“ erklärte Frau Dr. Blümel von der Fa. SymbioPharm, Herborn, welch überragende Rolle die Bakterienflora der Darmschleimhaut für die Gesundheit spielt. Frau Dr. Blümel erläuterte die vielfältigen Aufgaben der Darmflora: Trainingspartner für die Immunzellen des Darms (Immunmodulation), Aufbau einer Barriere gegen pathogene Erreger („Kolonisationsresistenz“), Synthese kurzkettiger, für die Ernährung der Darmschleimhaut wichtiger Fettsäuren, Synthese von B-Vitaminen, Produktion antibiotischer Substanzen. Ändert sich die Zusammensetzung der Darmflora, so kann dies zu verschiedenen Beschwerden führen, z. B. zum Reizdarm-Syndrom, Entzündungen der Darmschleimhaut oder zu einer Leberbelastung. „Was können wir also für unseren Darm tun?“, fragte Frau Dr. Blümel. Ihre Antwort: Neben dem Grundsatz „Nahrung gut kauen“, der Zufuhr von Bitterstoffen, z. B. in Form der Schwedenkräuter, Heilessig und  Meersalz sollte an das Heilen mit Bakterien, mit sogenannten Probiotika, gedacht werden. Deren Präparate wirken wie die natürlichen Darmbakterien. Mikrobiologische Therapie unterstützt die körpereigene Abwehr an der Darmschleimhaut (und anderen Schleimhäuten wie der Atemwege), vor allem hebt sie die Zerstörung der mikrobiellen Schutzflora durch Antibiotika wieder auf. 

Neben Verdauungs- und Immunzellen besitzt der Darm Millionen von Nervenzellen das „Bauchhirn“. Dessen Bedeutung erschloss sich aus dem zweiten Vortrag des Tages, den der Bayreuther Internist und klassische Homöopath Dr. Ansgar Schimmöller unter dem Titel „Homöopathische Behandlung von Darmerkrankungen“ hielt. Durch alle Fallbeispiele, von denen er aus seiner Praxis berichtete, zog sich als roter Faden die Botschaft: Homöopathische Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe, die Ressourcen zum Gesundwerden liegen in uns selbst. 

Die Behandlung von Darmbeschwerden beginnt schon im frühen Kindesalter. Blähungskoliken bei Säuglingen können durch eine Fehlbesiedlung der Darmflora sowie Störungen der Mutter-Kind-Beziehung ausgelöst werden. Homöopathika, zum Teil auch in Kombination mit Probiotika, wirken in einem großen Teil der Fälle heilend. Es wurde der Fall eines 3-jährigen Kindes mit Verhaltensauffälligkeit, das den Stuhl nicht halten kann, berichtet. Unter der Gabe von Hyoscyamus wurde das Kind ruhiger und es gab keine Stuhlgangsprobleme mehr. Ein 9-jähriges Kind hatte eine erhebliche Verstopfung, ohne die ständige Gabe von Abführmitteln gelang kein Stuhl. Die Eltern des Kindes hatten sich getrennt, das Kind reagierte mit tiefem Kummer und dem ständigen Bemühen, es den Eltern recht zu machen, seine Emotionen hielt es dafür zurück – und auch seinen Stuhlgang. Nach der Gabe von Ignatia löst sich die Angst, und der Stuhlgang macht keine Probleme mehr. 

Anspannungen und Emotionen werden im Bauchhirn verarbeitet und gespeichert und drücken sich dann als körperliche (Darm-) Symptome aus. Diese Kombination findet sich auch nicht selten beim Reizdarmsyndrom, wo sich in vielen Fällen eine emotionale Ursache der Beschwerden findet. In all diesen Fällen bewährt sich die Homöopathie als individuelle Medizin, die nach dem echten, oft tiefer liegenden Problem sucht.

Besondere Beachtung verdienen auch die Magen-Darm-Infekte im 1. Lebensjahr, oft von Fieber begleitet. Da in dieser Lebensphase und später die Immunabwehr reift, ist es ein Grundfehler, das Fieber mit Allopathika zu unterdrücken. Stattdessen muss die Lernfähigkeit des Immunsystems erhalten werden, mithilfe von Homöopathie, die den Lernprozess reguliert. 

Auch auf die entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn ging Dr. Schimmöller ein. Es handelt sich um Autoimmunerkrankungen, deren Behandlung gerade in schweren Fällen nicht immer leicht, aber dennoch lohnend ist. Ein Teil dieser Erkrankungen kann geheilt werden, bei dem Rest der Erkrankungen ist eine Reduktion der immunsuppressiven Medikamente häufig möglich. 

Im letzten Vortrag „Suppe statt Salat? – Ernährung bei Darmerkrankungen, speziell beim Reizdarmsyndrom“ erläuterte Frau Neumann, Dipl.-Oecotrophologin aus Uttenreuth , worauf es ankommt, damit sich Menschen mit empfindsamem Magen-Darm-System gesund und genussvoll ernähren können. Sie betonte die Ernährungskompetenz jedes(r) Einzelnen. Dies sei umso wichtiger, als einem diese Kompetenz von verschiedenen Seiten mehr und mehr genommen wird. Sich genussvoll zu ernähren, bedeute zunächst, sich für die sinnliche Wahrnehmung der Speisen Zeit zu nehmen, primär für das Riechen und Schmecken. Wertschätzung für die Bauchgesundheit setzt diese Sinneswahrnehmung voraus. Was gut schmeckt, kann nicht schlecht sein. Beispiel Brot: Gutes Brot ist eines, das am 1.Tag schmeckt und am 5. immer noch, mehr noch: man mag es gern immer wieder essen. Natürlich gab Frau Neumann auch konkrete Ratschläge. Bleiben wir bei Getreide: Ruhe im Bauch (und Klarheit im Kopf) schenkt Hafer mit seiner reichhaltigen Nährstoffkombination; Dinkel gilt als besonders verträglich. Grundsätzlich sollte jemand mit Darmbeschwerden bei Vollkornprodukten vorsichtig sein, denn sie sind wegen ihres hohen Gehaltes an Ballaststoffen schwer aufschließbar. Rohkost ist reich an sekundären Pflanzenstoffen und deshalb zwar gesund, bei empfindlichem Magen-Darm-System kann Dünsten und Kochen die Bekömmlichkeit aber unterstützen. Deshalb: Suppe statt Salat. Und wenn Salat, v.a. Blattsalat, gegessen wird, dann immer mit Marinade. Erst die macht ihn leichter verdaulich. Beruhigend und ausgleichend für den Magen-Darmtrakt ist unter den Gemüsen allen voran die Fenchelknolle, entspannend und belebend wirken u. a. die sogenannten K-Gewürze: Kreuzkümmel, Kardamom, Koriander. Minze dagegen ist für den Bauch problematisch, da sie Kältegefühl hervorruft, nicht nur als Minzöl.

Fassen wir die Beiträge dieses Tages zusammen, so können wir sagen, dass der Schlüssel zur Erhaltung der (Darm-)gesundheit darin liegt, unsere Selbstheilungskräfte auf natürliche Weise zu aktivieren. Moderne Naturheilkunde schöpft dafür aus jahrhundertealtem Heilwissen - klassische Homöopathie, Hildegard von Bingen -  wie ebenso neuesten Erkenntnissen der interdisziplinären Grundlagenforschung. 

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