Wenn der Schlaf zum Albtraum wird

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:52 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Immer größer wird die Zahl der Patienten, die über Schlafstörungen klagen und zu Schlaftabletten greifen. Dabei ist dies langfristig keine Lösung, denn Schlaftabletten können abhängig machen und viele Nebenwirkungen besitzen. Um so dankbarer waren wir, dass die Ärztin und klassische Homöopathin  Dr. med. Inge Heinz aus Hof am 14. Juni 2018 zu uns kam, um einen Vortrag über das natürliche Heilen von Schlafstörungen zu halten.

Zu Beginn erläuterte sie, wie wichtig ein erholsamer Schlaf für die körperliche, seelische und geistige Gesundheit des Menschen ist. Schlafen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, so wie Essen und Trinken. Besondere Bedeutung kommt den Träumen als „Hüter des Schlafes“ zu. Sie sind die Ventile einer unterdrückten Welt in uns, die genauso zu uns gehört „wie ein Eisberg nicht nur aus seiner sichtbaren Spitze, sondern aus einer viel größeren wasserbedeckten Basis besteht“ (Sigmund Freud). Träumen wird durch zu wenig Schlaf und eben auch durch allopathische Schlafmittel verhindert.

Woher kommen nun Schlafprobleme? Warum kann man nicht einschlafen, wacht mehrmals in der Nacht oder zu früh am Morgen unausgeschlafen auf? Es gibt zahllose Ursachen dafür, die Frau Dr. Heinz darstellte:

  • „schlechte“ Gewohnheiten, wie zu spätes Schlafengehen, spätes schweres Essen oder zu viel Alkohol,

  • äußere Ursachen, z. B. Nachtdienst, Schichtarbeit, das Schnarchen des Partners, zu warmes/zu kaltes Zimmer, zu hartes/zu weiches Bett, Fehlen frischer Luft,

  • organische Ursachen: Schmerzen, häufiges Wasserlassen, kalte Füße, Juckreiz,

  • gesellschaftliche Ursachen: Aufregung vor Prüfungen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme,

  • seelische Ursachen: Probleme in Familie/Partnerschaft, einschneidende Familienereignisse (Geburt, Heirat, Tod),

  • psychische Ursachen: Ängste, Schuldgefühle, Albträume, Depressionen.


Was bedeutet nun natürliches Heilen von Schlafstörungen? Dieser Frage widmete Frau Dr. Heinz den größten Teil ihres Vortrags. Die generelle Antwort darauf lautet: Mit natürlichen Verfahren einen Heilungsprozess in die Wege zu leiten. Das kann eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und gesunder Ernährung ermöglichen, das können aber auch Naturheilverfahren bewirken, die eine ganzheitliche Behandlung anstreben, wie die Homöopathie. Entscheidend in der Homöopathie ist die Ermittlung der individuellen Ursachen des Schlafproblems. Dafür braucht es ein ausführliches Gespräch, in dem Antworten auf folgende zentralen Fragen notwendig sind: Handelt es sich um eine Einschlaf- oder Durchschlafstörung? In jeder Nacht oder ab und zu? Ist der Schlaf oberflächlich oder zu kurz? Vor allem aber: Seit wann besteht die Schlafstörung?

Heilkunst im Sinne Hahnemanns bedeutet nicht nur homöopathische Medikamente zu verordnen, sondern auch nichtarzneiliche Maßnahmen anzuregen, die folgende Aspekte umfassen:  

a) die Lebensordnung:

  • ausreichende Bewegung am Tag,

  • Reduzierung von Koffein-, Alkohol- und Nikotinkonsum am Abend,

  • maßvolles, nicht zu spätes Abendessen,

    

     b) die „Schlafhygiene“:

  • regelmäßige Schlafenszeiten,

  • Entspannungstechniken,

  • Bewusstes Abschließen des Tages,


      c) eigene Überlegungen:

  • Habe ich vor etwas Angst, z. B. vor der Nacht oder dem Tod?

       

d) Probleme tagsüber lösen und nicht mit ins Bett nehmen.


Wenn die nichtarzneilichen Maßnahmen nicht ausreichen und eine   homöopathische Behandlung erfolgen soll, muss das sonstige Befinden des Patienten ermittelt werden: körperliche Beschwerden, psychisch-emotionales Befinden, Allgemeinbefinden (wichtige Körperfunktionen), biographische Daten (Kindheit, Ehe, Beruf), frühere Erkrankungen. Für den homöopathischen Therapeuten wesentlich sind die Fragen: Wann ist die Schlafstörung zum ersten Mal aufgetreten? Welche Maßnahmen und/oder Heilmittel sind erforderlich, um diesen Patienten wieder in sein Gleichgewicht zu bringen?

An Beispielen erläuterte Frau Dr. Heinz das Vorgehen in der Homöopathie. Einer Patientin, die eigenartigerweise am schlechtesten schläft, wenn ihr eine große Freude begegnet ist, verordnet sie nach der Ähnlichkeitsregel Coffea in der D 30 oder C 30 (auch Kindern, die nach einem aufregenden Fest nicht einschlafen können). Berichtet ein Patient jedoch, dass er besonders dann nicht schlafen kann, wenn er am Abend ein reichliches Essen mit einigen Gläsern Wein zu sich genommen hat, dann ist Nux vomica in der C 6 oder C 12 vor dem Schlafen angezeigt. Wenn der Patient an chronischen Kopfschmerzen und Verstopfung leidet, so müsste die Arznei auch diese beiden Beschwerden heilen oder zumindest bessern.

Als Grundsatz bei der homöopathischen Behandlung von Schlafstörungen, gilt: Je mehr diese auf seelischen Ursachen beruhen, desto höher muss die Potenz des Mittels gewählt werden, denn höhere Potenzen wirken auf den Geist und die Seele.

Im letzten Teil ihres Vortrags gab Frau Dr. Heinz einen Überblick über bewährte homöopathische Mittel bei Schlafstörungen, bezogen auf ihre Ursachen:

  • Arnica: Verletzungen, Muskelkater

  • Chamomilla: Unruhe, Zahnungsbeschwerden

  • Cocculus:  Schichtarbeit, geistige und körperliche Erschöpfung

  • Coffea: Herzklopfen, Aufregung, Wechseljahre

  • Gelsemium: Aufregung vor Prüfungen

  • Ignatia, Natrium muriaticum: (Liebes-) kummer, unterdrückter Zorn

  • Nux vomica: Jetlag, zu viel Essen, Alkohol. Tabak

  • Rhus toxicodendron: Gliederschmerzen (bei Grippe)

  • Sulfur: Oberflächlicher Schlaf, Wechseljahre, Unruhe der Beine.


Empfohlene Potenzen:

Körperliche Ursachen: D 12, 1-3 x tgl. 1-5 Globuli

Seelische Ursachen:     C oder D 30, 1 x tgl. 1-5 Globuli


Hinsichtlich der Behandlungsdauer betonte Frau Dr. Heinz, dass bei einer seit 10 Jahren dauernden Schlafstörung nicht erwartet werden könne, dass die Behandlung sofort eine 100%ige Besserung erbringt. Doch mit einer Konstitutionsbehandlung über mehrere Monate ist auf jeden Fall damit zu rechnen, dass sich das Allgemein- und das seelische Befinden bessert.

Wir hörten einen beeindruckenden Vortrag, in dem es Frau Dr. Heinz verstand, die Besonderheiten der homöopathischen Heilmethode zu verdeutlichen und sie mit der gewählten Thematik zu verbinden.


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