Klinische Forschung in der Homöopathie
In der Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie wird ihr von Seiten der Gegner immer wieder vorgeworfen, dass sie den wissenschaftlichen Standards der konventionellen Medizin nicht genüge. Mit anderen Worten: Solange die Heilerfolge der Homöopathie nicht durch randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien abgesichert seien, müsse man sie als nicht zuverlässig (reliabel) und damit irrelevant einstufen. Wenn aber Studien in der Homöopathie, die solchen Ansprüchen genügen, zu positiven Ergebnissen führten, dann seien sie - ohne unabhängige Bestätigung durch andere - dem blinden Zufall zuzurechnen und damit bedeutungslos. Nun veröffentlicht die Carstens-Stiftung auf ihrer Internetseite (http://carstens-stiftung.de) eine Literaturdatenbank, mit deren Hilfe sich jeder, der an Komplementärmedizin interessiert ist, über die Existenz und Anzahl klinischer Forschungsarbeiten in der Komplementärmedizin informieren kann.
Per Mausklick wählt man zunächst eine Therapie, z. B. die Homöopathie, aus und erhält dann eine Übersicht über Krankheitsgebiete, die wiederum in einzelne Krankheiten untergliedert sind. Für diese kann man sich die jeweilige Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten anzeigen lassen. Zum gleichen Ergebnis gelangt man, wenn man im ersten Schritt Krankheitsgebiete auswählt, dann die Krankheiten eingrenzt und für eine bestimmte Krankheit die auf die einzelnen Therapieformen verteilten Arbeiten angezeigt bekommt.
Hinsichtlich des wissenschaftlichen Nachweises der Homöopathie bedeutsam ist die Tatsache, dass man nach der Art des Studiendesigns unterscheiden kann, also z. B. randomisierte Studien von reinen Beobachtungsstudien.
Auch wenn man als wissenschaftlicher Laie die methodische Qualität der aufgeführten Studien nicht beurteilen kann, so gewinnt man doch einen Einblick in die Fülle der empirisch- wissenschaftlichen Literatur auf dem Gebiet der Homöopathie.
Literatur
Gudjons aktuell, Vol. 15 / Nr. 3-12 / 2013, darin:
Dr. J. Clausen, Dr. R. T. Mathie und Dr. H. Albrecht:
Homöopathie: Stand der klinischen Forschung, S. 4 -19.
Prof. Dr. med. Dr. phil. J. M. Schmidt:
Zur Frage der Wissenschaftlichkeit der Homöopathie – im Lichte von Evidenz und Exzellenz,
S. 20 – 29.
Begriffserklärungen
Kontrolliert: Zwei Vergleichsgruppen, von denen eine die Arznei, die andere eine Scheinarznei (Placebo) erhält.
Randomisiert: Beide Vergleichsgruppen setzen sich nach Zufallskriterien zusammen; hinsichtlich Krankheitszustand, Alter, Geschlecht gibt es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.
Doppelblindstudie: Weder Patient noch Behandler wissen, welcher Patient eine Arznei oder einen Placebo erhält.
Placebokontrolliert: Wirkung der Echtarznei abzüglich des Placeboeffekts ergibt die bestätigte Arzneiwirkung.
Dr. Reinhard Tutschek