Post date: 01.04.2012 21:20:39
Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma – die sog. atopischen Erkrankungen - dies sind Krankheitsbilder, die für die betroffenen Kinder Ängste und Qualen und für ihre Eltern eine große Belastung bedeuten, nicht zuletzt deshalb, weil sie häufig chronisch verlaufen und ineinander übergehen. Dennoch: eine lebenslange Therapie muss nicht das letzte Wort sein.
In seinem gut besuchten Vortrag machte der Bayreuther Internist und Homöopath Dr. med. Ansgar Schimmöller deutlich, dass mit der Klassischen Homöopathie eine Therapiemethode zur Verfügung steht, die in der Mehrzahl der Fälle zu einer deutlichen Besserung oder zur Ausheilung eines zuvor chronischen Verlaufs führt.
Zu Beginn erklärte Dr. Schimmöller, was den unter dem Begriff „Atopie“ zusammengefassten Erkrankungen gemeinsam ist, nämlich die erblich bedingte Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten auf natürlich vorkommende Umweltstoffe (Allergene). Klinische Ausformungen sind
· die Neurodermitis, auch allergisches Ekzem genannt,
· der „Heuschnupfen“ in Nase und Augen,
· das allergische Asthma
sowie die Nahrungsmittel- bzw. Insektenstich-Allergie.
Kennzeichen dieser Erkrankungen auf immunologischer Ebene ist die starke Zunahme spezifischer Antikörper vom Typ IgE. Man kann allgemein sagen, dass es zu einer überschießenden Immunantwort kommt, die sich im klinischen Bild auf unterschiedliche Art und Weise niederschlägt. Unter den Risikofaktoren für atopische Erkrankungen spielt die familiäre Disposition eine entscheidende Rolle.
Nach diesen grundlegenden Informationen wandte sich Dr. Schimmöller den einzelnen Krankheitsbildern zu.
Die Neurodermitis, die in 60% der Fälle im 1. Lebensjahr beginnt, zeigt sich an Trockenheit, Schuppenbildung und Entzündung der Haut in bestimmten Körperpartien und ist vor allem durch quälenden Juckreiz gekennzeichnet. Die Ausformung des Krankheitsbildes wird auf das Zusammenspiel von genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen (z. B. Staub, Pollen, Tierhaare, Nahrungsmittelbestandteile) und psychischen Faktoren zurückgeführt. Bei der konventionellen Therapie der Erkrankung geht es neben der Vermeidung von Allergenen, und einer spezifischen Pflege der Haut vor allem darum, deren Entzündung durch Cortisongabe zu bremsen.
Die homöopathische Therapie dagegen ist eine Regulationstherapie, im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe. Sie basiert auf einer gründlichen familiären Anamnese, wobei bestehende Überempfindlichkeiten, die Dynamik der Erkrankung, insbesondere ihre Modalitäten, sowie der körperliche wie psychische Gesamtzustand bei der Wahl des passenden Mittels im Vordergrund stehen. Bei Säuglingen sind Informationen über körperliche Grundregulationen ausreichend.
Wirkt sich die atopische Belastung auf die Schleimhäute der Nase oder der Augen aus, so spricht man von „Heuschnupfen“. Immerhin leiden mittlerweile 15% der Erstklässler daran, im Jugendalter steigt der Anteil noch an. Die homöopathische Behandlung stützt sich maßgeblich auf Angaben über saisonale Beschwerden. Diese wiederum bilden nur die „Spitze des Eisbergs“. Deshalb ist die Behandlung außerhalb der akuten Belastung durch Allergene, z. B. bestimmter Pollen, unabdingbar.
Beim Asthma bronchiale sind die Schleimhäute der Bronchien, also des Verzweigungssystems der Luftröhre, chronisch entzündet, was eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur und eine vermehrte Produktion zähen Schleims zu Folge hat. Asthma gilt als die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.
Wie schon bei der Neurodermitis ist die erbliche Disposition ein wesentlicher Risikofaktor, daneben spielt der Einfluss von Allergenen im Kindes- und Jugendalter eine bedeutende Rolle. Neben präventiven Maßnahmen zur Verringerung der Allergenbelastung (aber nur bei nachgewiesenen Allergenen!) stützt sich die schulmedizinische Therapie weitgehend auf Inhalationen mit Corticoiden. Letztere stellen für eine gleichzeitige homöopathische Therapie kein Hindernis dar, dürfen aber die Symptomatik nicht vollständig unterdrücken. Da eine fortdauernde Corticoid-Anwendung den krankhaften Zustand fixieren kann, zielt die homöopathische Therapie darauf ab, die allopathischen Mittel zu reduzieren, sobald der Zustand des Patienten es erlaubt.
Mit Blick auf die Komplexität der Asthmaerkrankung betonte Dr. Schimmöller, dass die Krankheitssymptome spezifisch genug sein müssen, um die heilende homöopathische Arznei zu finden. Dies gelte insbesondere für die Therapie von Asthmakrisen, also Zuständen schwerster Atemnot. Im Zweifel müsse hier mit schulmedizinischer Medikation die akute Symptomatik gebessert werden. Grundsätzlich aber könne ein Asthma bronchiale homöopathisch ausgeheilt werden.
Welche Bedeutung der homöopathischen Therapie zukommt, wurde anhand einer Studie deutlich, die Dr. Schimmöller vorstellte. Danach erhöht die Verabreichung des Fiebermittels Paracetamol bei Kindern und Jugendlichen das Asthmarisiko signifikant. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass sich in der nachfolgenden Diskussion viele Zuhörer zum Umgang mit Fieber bei ihren Kindern zu Wort meldeten.