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Homöopathie im Brennpunkt

veröffentlicht um 29.12.2018, 03:26 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 25. Oktober 2018 konnten wir wieder einmal den Bayreuther Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ansgar Schimmöller zu einem Vortrag begrüßen. Sein Thema: „Homöopathie im Brennpunkt“. Aktuell steht die Homöopathie im Kreuzfeuer  der Kritik. Von bestimmter Seite der konventionellen Medizin als auch der Politik wird ihr jegliche Wirksamkeit abgesprochen, und das, obwohl Tausende von Patienten belegen könnten, dass sie heilend oder lindernd wirkt. Dr. Schimmöller dokumentierte die Tatsache zu Beginn seines Vortrags eindrucksvoll mit einer Reihe von Fallbeispielen. Hier eine Auswahl:

  • Ein 12jähriges Mädchen leidet an Einschlafstörungen, sie braucht viel Ruhe, zieht sich in ihre Bücherwelt zurück, fühlt sich zutiefst allein und hat Ängste. Die Diagnose lautet: Selbstwert- und Bindungsstörung. Sie erhält von Dr. Schimmöller Lithium muriaticum zunächst als C 200, dann als C 1000. Im Verlauf der Therapie wird sie ausgeglichener, verliert ihre abendlichen Ängste, wird selbstbewusst und stabil, die Einschlafdauer normalisiert sich von 2-3h auf 15 Min.
  • Ein 16jähriger Junge leidet an Morbus Basedow, einer Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem gegen die eigene Schilddrüse richtet, was sich in einer Schilddrüsenüberfunktion äußert. Er wird 2 Jahre lang mit dem Schilddrüsen-Blocker Thiamazol behandelt, zuletzt wird von den behandelnden Ärzten empfohlen, die Schilddrüse entfernen zu lassen. Dr. Schimmöller verordnet Secale cornutum C 200 und im Verlauf Secale cornutum täglich in Q-Potenzen, was nach 4 Wochen das Verschwinden der Augenschmerzen, vor allem aber ein Absinken der Schilddrüsen-Antikörper zur Folge hat. Nach einem halben Jahr kann das Allopathikum abgesetzt werden, nach einem Jahr liegt der Antikörperspiegel im Normalbereich, d. h. der Autoimmunprozess gegen die Schilddrüse ist gestoppt.


Gerade das zweite Beispiel zeigt, dass sich durch Homöopathie etwas ereignen kann, was vorher als unvorstellbar gilt, ähnlich dem radikalen Denken Albert Einsteins, dessen zunächst als Spekulation oder gar Spinnerei eingeschätzte Erkenntnisse sich später als wahr erwiesen. 


Nach einem Exkurs in das Wesen von Wissenschaft beschäftigte sich Dr. Schimmöller intensiv mit dem Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments in der konventionellen Medizin. Sogenannter Goldstandard sind Randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien. Dies bedeutet: Probanden werden zufallsverteilt zwei Gruppen zugeteilt: eine Gruppe erhält das zu testende Medikament, die Kontrollgruppe einen Placebo. Doppelblind heißt: weder Versuchspersonen noch Ärzte wissen, welcher Gruppe ein Proband zugeteilt ist. Ohne den Wert solcher Studien in Frage zu stellen, machte Dr. Schimmöller jedoch deutlich, dass die Bewertung eines Medikaments als für die Therapie geeignet allein auf statistischen Wahrscheinlichkeiten beruht. In der Homöopathie erfolgt die Behandlung dagegen nach individuellen Symptomen. Der Therapieplan zur Heilung basiert auf der Anregung von Selbstregulation. Der Vorwurf der Schulmedizin, Homöopathie wirke nicht, reduziert sich mithin auf die Begründung, dass die Homöopathie keine statistische Medizin ist.

Abschließend belegte Dr. Schimmöller anhand von Fallbeispielen, wie die Praxis in der Homöopathie aussehen kann. Auch hierfür wieder zwei ausgewählte Fälle:

Eine 29 Jahre junge Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Sie leidet an Hormonstörungen und einer Endometriose, psychisch ist sie in schlechter Verfassung. Sie erhält Graphites C 200; nach mehrwöchiger Therapie teilt ihr Mann Dr. Schimmöller mit, dass sie in der 10. Woche schwanger sei.




Nicht immer verläuft eine Therapie so geradlinig:

  • Ein 6jähriges Mädchen leidet unter Warzen an beiden Händen, seit 1 Jahr ist sie schulmedizinisch gesehen therapieresistent. Sie erhält Medorrhinum C 200, was insofern eine Verschlimmerung bewirkt, als die Warzen zu jucken anfangen und es zu einer heftigen Verstärkung ihrer ohnehin explosiven Gemütssymptomatik kommt. Dr. Schimmöller wechselt zu Dulcamara C 200. Die Folge: die Warzen beginnen zu schrumpfen und sind bald verschwunden.


Kein Hokuspokus, sondern ärztliches Können nach den Regeln der Homöopathie. Es schloss sich eine lebhafte, offene Diskussion an, die hoffen lässt, dass manche der Zuhörer zur Homöopathie Vertrauen fassen. Zu danken haben wir Dr. Schimmöller für einen fundierten, lebendigen Vortrag, der trotz seines mitunter hohen theoretischen Anspruchs stets verständlich blieb. 

Die homöopathische Hausapotheke

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:32 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Welche homöopathischen Arzneimittel sollten bei häufig auftretenden Beschwerden oder Notfällen zuhause zur Verfügung stehen und wie wendet man sie an? Diese Fragen standen am 19. April 2018 im Mittelpunkt eines Vortrags von Pia Aßmann, Pharmazeutisch-technische Assistentin und Heilpraktikerin aus Himmelkron, unter dem Titel „Die homöopathische Hausapotheke“. 
Einführend gab sie einen Überblick über die Grundlagen und Besonderheiten der Homöopathie (Ähnlichkeitsregel, Potenzierung der Ursubstanzen, Behandlung mit Einzelmitteln), aber auch über deren Grenzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle aus ihrer Berufspraxis verstand sie den Einsatz der Homöopathie ergänzend zu schulmedizinischen Therapieformen, und zwar in der Potenzhöhe D 6 und C 12. Das bedeutet bei Akutfällen, die Gabe der Arznei in relativ kurzen Zeitabständen (15-30 Minuten) zu wiederholen, bis eine Besserung der Krankheitssymptome eintritt. Ist dies der Fall, sollten die Dosierungsintervalle verlängert werden.
Anschließend stellte Pia Aßmann diejenigen Mittel vor, die sich bei der Selbstbehandlung verschiedener, im Alltag häufiger Krankheitssituationen bewährt haben. Am Anfang standen solche Mittel, die zur Grundausstattung der homöopathischen Hausapotheke ( in der Potenz D 12) gehören: 
  • Arnica als das Wundheilmittel schlechthin (bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen sowie nach Operationen),
  • Hypericum, auch „Nerven-Arnica“ genannt, bei Verletzungen, bei denen mit zahlreichen Nerven versorgte Gewebe betroffen sind,
  • Apis bei Insekten-, speziell Bienenstichen,
  • Ledum vor allem bei Stichverletzungen,
  • Cantharis bei Sonnenbrand und Verbrennungen,
  • Rhus toxicodendron bei für Verletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken,
  • Arsenicum album bei Brechdurchfall,
  • Nux vomica, das klassische „Katermittel“, aber auch bei Narkosefolgen (Übelkeit, Kopfschmerzen).

Es schloss sich dann die differenzierte Beschreibung von (Symptomen und die darauf bezogene Anwendung von Einzelmitteln bei folgenden Einsatzbereichen an:
  • Erkältung,
  • Allgemeine Wundbehandlung,
  • Wunden nach medizinischen Eingriffen,
  • Beschwerden an Gelenken,
  • Allergie – Stiche – Bisse.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Mittel, die der Gesundheit von Kindern dienen, z. B. bei seelischen Problemen oder Schulschwierigkeiten. Da es sich hier um geistig- seelische Symptome und Modalitäten handelt, ist die sorgfältige Wahl der passenden Arznei besonders wichtig.
Die konkreten Ausführungen von Pia Aßmann motivierten dazu, eine homöopathische Hausapotheke anzulegen  und damit erste Schritte der Selbstbehandlung zu gehen. Besonders dankenswert war es, dass sie Zuhörer mit den Voraussetzungen dafür, nämlich den Grundlagen der Homöopathie, vertraut machte.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:30 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Die mehr als 2500 Jahre alte Heilkunst der Chinesischen Medizin und die aus einem ganz anderen Kulturkreis stammende klassische Homöopathie: Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie und wie können beide Heilsysteme zum Wohle des Patienten genutzt werden?
Das waren die wesentlichen Fragen, mit denen sich Dr. med. Wolfgang Dittmar, Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut und klassischer Homöopath aus Bayreuth, in seinem Vortrag „Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie – Berührungspunkte“ am 22. März 2018 im Gemeindehaus St. Georgen beschäftigte. Um es grundsätzlich zu sagen: die Berührungspunkte sind vielfältig. Beide Heilmethoden betrachten den Menschen als Ganzheit, also als Einheit von Körper, Seele und Geist. Beide behandeln nicht eine Krankheit, sondern das Individuum. Dies verdeutlichte Dr. Dittmar eingangs an einem Beispiel. Bei verschiedenen Personen wird die einheitliche schulmedizinische Diagnose „Magengeschwür“ gestellt. Doch der TCM-Arzt erkennt bei ihnen völlig unterschiedliche „Disharmoniemuster“ und leitet daraus unterschiedliche Verordnungen ab. Auch der Homöopath gelangt auf der Basis individueller Anamnese zu verschiedenen Mitteln.
Beiden Methoden geht es weiter darum, die Selbstheilungskräfte des Organismus im Krankheitsfall zu mobilisieren. In der Homöopathie bedeutet dies, die immaterielle Lebenskraft, die durch den Krankheitsprozess verstimmt ist, zurückzugewinnen. Auch die TCM verfolgt das Ziel, Lebensenergie bzw. ein harmonisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Doch um zu verstehen, wie letzteres geschieht, muss man die Grundlagen der TCM kennen. So war es unumgänglich, dass Dr. Dittmar ausführlich darauf einging.

Zentrale Begriffe der TCM sind das Yin-Yang-System und das Qi (sprich „tschi“). Ersteres beschreibt die Gegensätzlichkeit aller Erscheinungen und Lebensvorgänge. Das Verhältnis dieser Gegensätze ist fließend und nicht starr, was folgende Grafik veranschaulicht:



Gesundheit lässt sich als harmonisches Zusammenspiel beider Aspekte beschreiben, bei Krankheit ist dieses dynamische Gleichgewicht gestört. Ziel jeder Therapie muss es deshalb sein, die Harmonie von Yin und Yang wieder herzustellen.
Qi dagegen ist das, was in der westlichen Medizin als „Lebensenergie“ gelten kann. Es hat vielfältige Funktionen und zirkuliert in Bahnen, den Meridianen. Über Akupunkturpunkte, die auf diesen Energiebahnen liegen, ist es möglich, das Qi zu beeinflussen.
Ein ebenso bedeutsamer Bestandteil der TCM ist die Lehre von den 5 Elementen oder Wandlungsphasen. Darin wird der Zyklus der Naturelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser dargestellt, ein Modell, das auf Abläufe im menschlichen Körper übertragen wird. Jeder Wandlungsphase ist ein bestimmter Funktionskreis zugeordnet, welcher mit einem Organnamen bezeichnet wird. Während in der westlichen Schulmedizin der Organbegriff auf die rein physiologisch-biochemischen Prozesse bezogen wird, charakterisiert er in der TCM die vitalen Funktionen, die dem Organ zugeschrieben werden, sowie die Yin/Yang-Eigenschaften. So besteht die Bedeutung des Funktionskreises Lunge/Yin)-Dickdarm(Yang) darin, dass die Lunge über das Qi und die Atmung herrscht. Die völlig andere Denkweise als in der Schulmedizin zeigt sich auch beim Funktionskreis Herz-Dünndarm. In der TCM regiert das Herz das Blut und hat großen Einfluss auf das Aussehen der Zunge. Diese ist gleichsam ein Sichtfenster auf den Zustand von Herz und Blut.
Einen weiteren Schwerpunkt in Dr. Dittmars Vortrag bildete die Fallaufnahme und die Diagnostik in der TCM. Wie in der Homöopathie charakterisieren die jeweiligen Krankheitssymptome die Einzigartigkeit  des Individuums. Steht bei der homöopathischen Anamnese die Befragung des Patienten im Vordergrund, so  erfasst die TCM auch die Funktionen der Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten). Eine besondere Stellung in der TCM-Diagnostik haben der Zustand der Zunge sowie die Eigenschaften des Pulses, zwei Methoden, die in der Homöopathie eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch können sich beide Heilmethoden bei der Fallaufnahme wechselseitig ergänzen.
Berührungspunkte zwischen beiden Naturheilmethoden gibt es auch bei der Miasmenlehre Hahnemanns, also seiner Theorie der Entstehung chronischer Krankheiten. Dr. Dittmar erläuterte kurz die drei miasmatischen Grundformen, aus denen sich die Vielfalt der Erscheinungsformen chronischer Krankheiten ableitet: Psora, Sykosis und Syphilis. Besonderes Augenmerk widmete er dem Phänomen, dass die (allopathische) Unterdrückung von Symptomen, z. B. bei der Neurodermitis, einen „Etagenwechsel“ der Erkrankung nach sich zieht, etwa als Asthma. 
Wenn man nach diesem Vortrag ein Résumé ziehen soll, dann dieses: Dr. Dittmar hat uns eine Denkwelt von Gesund- und Kranksein, aber auch Heilung von Krankheiten nahe gebracht, die den meisten von uns fremd war,  für die wir ihm aber dankbar sind. Sein von profundem ärztlichen Können geprägter Vortrag hat wieder einmal deutlich gemacht, was komplementäre Heilmethoden neben der westlich- akademischen Medizin zu leisten vermögen.

Homöopathie und Wechseljahre

veröffentlicht um 18.03.2017, 08:45 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Seit langer Zeit hatten wir wieder einmal den bekannten Homöopathen Dr. med. Klaus Roman Hör aus Waldmünchen zu Gast, diesmal in einem neuen Format, einem ganztägigen Seminar am 04. März 2017 im Gemeindehaus St. Georgen zum Thema „Das klimakterische Syndrom“. Angesichts des Einschnitts, den der Eintritt in die Wechseljahre im Leben einer Frau bedeutet, war zu erwarten, dass die Möglichkeiten der Homöopathie bei der Behandlung des komplexen Beschwerdebildes im Klimakterium auf besonderes Interesse stoßen würden.

Vor einem leider nur überschaubaren, aber dennoch hoch motivierten Zuhörerkreis näherte sich Dr. Hör der Thematik von der Physiologie her, indem er den Hormonbegriff erläuterte und darauf aufbauend die hormonelle Regulation des weiblichen Zyklus erklärte („ein Meisterwerk der Natur“). Er hob die zentrale Rolle der Östrogene hervor, weil ja deren Mangel mit Beginn des Klimakteriums der entscheidender Auslöser für die Vielfalt der körperlichen Störungen und Beschwerden ist: Hitzewallungen, flush, (Hautröte), Schwitzattacken, Herzrhythmusstörungen, Blasenschwäche, Hautveränderungen, Haarausfall, Gewichtszunahme, Ausprägung männlicher Merkmale (Virilismus), Osteoporose, Zyklusanomalien, Schlafstörungen, Krebsgefahr. Eine ebenso große Rolle spielen psycho-emotionale Verwerfungen, Reizbarkeit und Stimmungslabilität.

Was die Homöopathie generell auszeichnet, nämlich die Behandlung individueller Beschwerden, stoße, so Dr. Hör,  bei Frauen auf gute Voraussetzungen: Erstens weil sie sich wesentlich genauer beobachten als Männer und zweitens, weil ihre Fähigkeit, authentisch Symptome zu beschreiben, weitaus besser ausgeprägt ist. Bei der Anamnese gehe es ihm vor allem um die hinter den Akutsymptomen stehenden Probleme: Probleme mit den Partner, mit den Kindern, Probleme der Selbsteinschätzung. Zentral wichtige Fragen sind: „Was ist anders geworden seit Eintritt des Klimakteriums?“, „Womit können Sie nicht leben?“, „Was müsste anders sein?“. Die Antworten darauf führen Dr. Hör zu der für ihn wichtigen Vorentscheidung, welcher Gruppe von homöopathischen Mitteln die jeweilige Patientin zuzuordnen ist. Dr. Hör verdeutlichte dieses Vorgehen anhand mehrerer Fallbeispiele. Es würde zu weit führen, jeden Fall detailliert zu beschreiben. So seien diejenigen ausgewählt, welche die Bedeutung der psychischen Verfassung für die Mittelwahl besonders gut belegen und die zugleich auf exemplarische Weise Gruppentypisierungen, aber auch die Notwendigkeit zur Differentialdiagnose, zeigen.

  1. Patientin, 48 Jahre, hoher anfallsartiger Blutdruck (hat Todesangst bei solchen Attacken), Angst vor Krebs; zu lange und unregelmäßige Perioden mit dunklen Klumpen, übergewichtig; ihr Mann hat ständig neue Affären; sie sieht ihre Aufgabe darin, für ein schönes Heim zu sorgen, kocht kultiviert, schluckt das Essen herunter; malt gern, verträgt aber keine Kritik an ihren Bildern; möchte ein Leben in Selbstbestimmung führen, kann es aber nicht. Der starke Herzbezug und bestimmte andere Befunde legen ein Schlangenmittel nahe, doch die Gemütssymptome  sprechen eindeutig gegen die typischen Charaktermerkmale von Menschen, die ein Schlangenmittel, z. B. Lachesis, brauchen. Stattdessen deckt sich das ausgeprägte Bedürfnis nach Ästhetik mit dem Arzneibild von Elaps corollinus, der südamerikanischen Korallenotter.
  2. Patientin, 52 Jahre, geschieden, leidet an Entzündung der Bartholin’schen Drüsen, viel flush, „bearing- down“-Gefühl (als würden die Unterleibsorgane nach unten drängen und herausfallen), Klaustrophobie, sexuelle Phantasien bei Abwesenheit ihres Freundes, dessen Perfektion sie hasst; Die Symptomatik passt grundsätzlich zu Menschen, auf die das Arzneimittelbild von Meerestieren zutrifft. Sie leben oft in Beziehungen und Berufen um des Überlebens willen. Frauen können keine Symbiose mit einem Mann eingehen, die sexuelle Vereinigung ist ein Problem. Die Worte „Liebe“ oder „Hingabe“ hört man in Therapiegesprächen selten. Beides deutet auf eine tief sitzende Distanz zum Partner hin. Ein bedeutendes Frauenmittel aus der Gruppe der Meerestiere, nämlich Sepia, kommt andererseits nicht in Frage, denn  Sepia-Frauen können ihre Weiblichkeit nur schwer akzeptieren und lehnen die traditionelle Rolle der Frau ab. Eine für Sepia typische Abneigung gegen Sex liegt hier nicht vor, eher Zeichen für gesteigertes sexuelles Verlangen. Es wurde deshalb Murex purpurea ( aus einer Meeresschnecke) eingesetzt, mit Erfolg.
  3. Patientin im Klimakterium (Hitzewallungen von der Brust bis in den Kopf; dunkle, zähe Blutungen)  handelt oft unüberlegt, empfindet sich als Zumutung für die Familie („Mein Leben ist ein einziges Chaos“), verträgt schlecht enge und warme Räume, bei Fragen nach der Sexualität bricht sie fast zusammen („Wer will schon mit mir intim sein?“).   Die Patientin erhielt das Mittel Crocus sativus aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Lilien gelten als der Inbegriff des Reinen, Schönen, Unbefleckten. Sie haben aber noch eine andere Seite, die mit ihrem Überdauerungsorgan, der Zwiebel, zusammenhängt. Lilien wachsen vorzugsweise auf schwefelhaltigem Boden, ihre Zwiebeln akkumulieren das Element Schwefel in organischer Form. In der Mythologie wird Schwefel mit dem Teufel, dem Verführer zur Sünde, assoziiert. Es verwundert also nicht, dass die Gemütssymptome von Lilienpatienten zwischen dem Anständigen, Makellosen und dem „Befleckten“ ihrer Sexualität schwanken, dass sie sich zwischen „Himmel“ und „Erde“ erleben.  Sie leiden auch unter dem Verlust eines geliebten Menschen. Bei der Patientin war es der Verlust eines Kindes durch Abtreibung. Unter der Behandlung mit Crocus sativus schwächten sich ihre inneren Konflikte ab, sie wurde wesentlich ausgeglichener.


Gerade mit dem letzten Beispiel lenkte Dr. Hör den Blick auf eine besondere Sichtweise der Homöopathie, nämlich auf Themen im Leben des Patienten, die eine Mittelgruppe, hier die Familie der Liliaceae, kennzeichnen. Wir waren beeindruckt von Dr. Hör’s tiefem Verständnis des Menschseins und sind ihm dafür dafür, dass er mit seinem umfassenden ärztlich-homöopathischen Wissen und seiner Überzeugungskraft Frauen Klarheit über Heilung und Linderung ihrer Beschwerden im Klimakterium zu geben vermag. 


Was man über Homöopathie wissen sollte …..

veröffentlicht um 04.03.2016, 02:01 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2007 hatten wir den bekannten Münchner Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ulf Riker zu Gast. Der Titel seines Vortrages am 04. Februar 2016 lautete Homöopathie - wann, wie und warum (nicht)?“. Er hatte ihn vor dem Hintergrund der in letzter Zeit zunehmenden Angriffe auf die Homöopathie, insbesondere die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, so gewählt. Gleich zu Beginn seines Vortrages machte er sein Anliegen deutlich: uns, den Vereinsmitgliedern, aber auch allen, die die Wirkung homöopathischer Therapie selbst erfahren haben, Argumentationshilfen für die Auseinandersetzung mit den Kritikern der Homöopathie zu geben. Er stellte aber auch klar, dass Homöopathie nur wirkt, wenn wir die Anweisungen ihres Begründers, Samuel Hahnemann, befolgen: Macht’s nach, macht’s aber genau nach! „Genau“, das bedeutet, homöopathische Arzneimittel am gesunden Menschen akribisch zu prüfen, die Ähnlichkeitsregel (das Fundament) der Homöopathie) zu beachten sowie die Arzneien sorgfältig herzustellen.


Wie wird nun Homöopathie wirksam? 

Nach Hahnemann durch „getreue Befragung der Natur“, ohne „übersinnliche Ergrübelungen“. Was nichts anderes heißt, als nach den Anwendungsregeln des Organon die Zeichen-Sprache des Organismus möglichst genau zu erfassen. Jedes Detail der Symptomatik ist dabei wichtig, wie Dr. Riker an dem Symptom einer Patientin „ Speichelfluss beim Schneiden der Zehennägel“ eindrucksvoll erläuterte.

Wie wirkt Homöopathie (eher) nicht? In Form von Komplexmitteln, weil ihnen keine Arzneimittelprüfung zugrunde liegt, oder ausschließlich nach klinischen Indikationen.



Wann
ist Homöopathie angezeigt? 

Immer dann, wenn eine Arznei in Resonanz mit dem individuellen Energiefeld treten kann und die Regulationsmechanismen sowie die Organstrukturen noch intakt sind. Dies ist z. B. der Fall bei psychovegetativen Störungen (z.B. Schlafstörungen, übermäßige Schweißproduktion), funktionellen Erkrankungen, z. B. Migräne, allergischen, z.B. Ekzemen) oder entzündlichen (z.B. Nebenhöhlenentzündungen, Blasenentzündung) Erkrankungen.

Wann kann Homöopathie nicht (mehr) helfen bzw.  ist nicht einsetzbar? Bei degenerativen Erkrankungen (z.B. Arthrose, Parkinsonsche Erkrankung)), bei zerstörten Organstrukturen (z.B. Raucherlunge), bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen,  oder wenn homöopathisch verwertbare Symptome ( z.B.   bei Bluthochdruck) fehlen.


Warum Homöopathie? 

Weil sie eine individuelle, punktgenaue Therapie ermöglicht, mehrere Pathologien des Patienten gleichzeitig behandelbar sind („mehr auf einen Streich“), weil sie die Reduzierung der Dosis allopathischer Medikamente erlaubt und weil sie, auf immaterielle Art und Weise,  die Lebenskraft wiederherstellt. Diesen letzten Aspekt verdeutlichte Dr. Riker wiederum an einem Fall aus seiner Praxis. Es handelte sich um eine Patientin mit mehreren Beschwerden (Magenschmerzen, Rückenschmerzen, prämenstruelles Syndrom). Bei ihr deckte Lycopodium alle Symptome ab, half wiederholt, aber jeweils immer kürzer. Was konnte der Grund sein? Brauchte die Patientin ein anderes Mittel? Oder bestand ein Heilhindernis? Für eine andere Arznei gab es keine guten Hinweise, nachdem sämtliche Symptome wiederholt sehr gut auf die Arznei angesprochen hatten: Bis auf die wiederkehrenden Magenschmerzen blieben alle übrigen Beschwerden verschwunden.  Was aber konnte das Heilhindernis sein? Jetzt war internistische Diagnostik erforderlich, die gestörte Lebenskraft „rief“ geradezu nach einer Magenspiegelung! Die entnommenen Gewebeproben der Magenschleimhaut zeigten ein beginnendes Magen-Carcinom! Der Patientin wurde der Magen entfernt, sie erfreut sich heute, mehr als 15 Jahre nach der Operation bester Gesundheit. Das Beispiel zeigt, dass aufmerksames „Hören auf die Ausdrucksform der gestörten Lebenskraft“ auch dem Schulmediziner wichtige Hinweise auf erforderliche diagnostische Schritte und manchmal sogar chirurgische Interventionen geben kann. Voraussetzung: homöopathische Erfahrung und ärztliches Wissen  stehen jederzeit zur Verfügung und gehören nachgerade zusammen!


Warum keine Homöopathie, wie die Kritiker fordern? 

Weil es angeblich keine wissenschaftlichen Studien gibt, was aber nicht stimmt. Weil außerdem nicht sein kann, was nicht sein darf (wenn gemäß dem materialistischen Weltbild keine Moleküle der Ursubstanz vorhanden sein können, dann kann das Mittel auch nicht wirksam sein). Weil, so die Behauptung mancher Kritiker, die in der Regel zeitaufwändige  Zuwendung der Behandler zum Patienten die Wirksamkeit der Homöopathie erkläre. Wobei die Frage zustellen ist, warum die Schulmedizin nicht ihr sogenanntes „setting“ selbst wesentlich verbessert.

„Alles also nur Placebo“? , fragte Dr. Riker.  Damit leitete er den letzten Teil seines Vortrags ein. Er betonte, dass bis zu 70% aller schulmedizinischen Therapieneffekte  auf Placebo-Effekten beruhen können, die sehr verschiedene Ursachen haben können ( z. B. das Ansehen des  Therapeuten, die Erwartung des Patienten und zahlreiche weitere Phänomene im Kontext von Diagnose und Therapie). Im Folgenden stellte er  mehrere Szenarien aus der Praxis dar, wie (zunächst „gläubige“ und erwartungsfrohe) Patienten auf homöopathische Arzneigaben reagieren: da gibt es die Fälle, in denen sich trotz hoher Erwartung keinerlei Arzneiwirkung zeigt; oder das am meisten belastende Symptom reagiert überhaupt nicht oder wird sogar schlimmer, während eher nebensächliche und weniger lästige Symptome sofort verschwinden; oder Teile der Patientensymptome werden besser, andere bleiben unverändert bestehen und es treten unter dem Einfluss der homöopathischen Arznei sogar ganz neue Symptome zusätzlich auf; und letztendlich kommt es vor, dass die Hauptbeschwerde erst nach dem vierten oder fünften Mittel reagiert, also dann, wenn die Erwartung des Patienten durch vergebliche Versuche bereits erheblich gelitten haben dürfte....

Nicht zuletzt ist auch die Arzneimittelprüfung am Gesunden ein Argument gegen die Placebowirkung der Globuli: die gesunden „Prüfer“ mögen zwar „gläubige“ Homöopathie-Anhänger sein, aber ohne dass sie im Einzelfall wissen, welche homöopathische Arznei gerade „geprüft“ wird, ist zu erwarten, dass sie Symptome und Modalitäten auf körperlicher, emotionaler und teilweise auf geistiger Ebene als Prüfsymptome hervorbringen, die ganz ähnlich auch andere Prüfer dieser Arznei bei sich beobachten, und das Ganze, ohne dass sich die Prüfer während der Prüfung über ihre Beobachtungen austauschen dürfen!

Das überzeugendste Argument gegen den Placebo-Effekt homöopathischer Arzneimittel stellte der Fallverlauf eines 19jährigen Studenten dar. Sein Symptombild enthielt verschiedene körperliche Beschwerden, am schwersten wog jedoch neben anderen psychischen Symptomen seine Suizidalität und sein Selbsthass. Die Repertorisation führte zu Ambra (Ausscheidungsprodukt des Pottwals!).  Nicht nur die körperlichen Symptome verschwanden unter diesem Mittel, sondern auch die Suizidgedanken. Während des gesamten Behandlungsverlaufes kam es nur zu einer einzigen persönlichen Begegnung zwischen dem Patienten und Dr. Riker, die übrige Kommunikation beschränkte sich auf sporadische, kurze Telefonate! Heute ist der junge Mann psychisch stabil und ein lebensfroher Mensch.

Den Schlüssel zum Verständnis der Homöopathie könnte man, so Dr. Riker, in den Gedanken des renommierten und leider verstorbenen Quantenphysikers Hans-Peter Dürr zu den Eigenschaften von Materie finden. Diese enthalte „Potentialität“, Dürr nennt sie nicht mehr „Teilchen“, sondern „Passierchen“ oder „Wirkse“ und beschreibt damit einen Paradigmenwechsel, der in der Physik selbstverständlich, aber in der Medizin noch nicht angekommen sei. Damit endete ein tiefgründiger, rhetorisch erfrischender Vortrag, der mit großem Beifall honoriert wurde und bei manchen Zuhörern sicher noch nachwirkte.

Gelenkserkrankungen und Homöopathie

veröffentlicht um 14.12.2015, 04:30 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Überwältigend gut besucht war der letzte Vortrag im Jahr 2015, zu dem wir die Bayreuther Ärztin und klassische Homöopathin Monika Bonensteffen eingeladen hatten. Die Erklärung für dieses große Interesse ist sicherlich in ihrem Thema zu suchen: „Homöopathische Behandlung bei Gelenkserkrankungen“. Sie behandelte zwei Krankheitsbilder, die Arthrose, die durch Gelenkverschleiß gekennzeichnet ist, und die rheumatoide Arthritis, bei der das betroffene Gelenk entzündet ist. Welche pathologischen Prozesse bei beiden Erkrankungen beteiligt sind, erläuterte Frau Bonensteffen einleitend am Aufbau eines Gelenks. Im Falle der Arthrose wird das Knorpelgewebe, das die reibungslose Funktion des Gelenks ermöglicht, sukzessive abgenutzt. Bei der rheumatoiden Arthritis entzündet sich die Synovia, also die Gelenkinnenhaut, welche die Gelenk“schmiere“ bildet. Breiten Raum im ersten Teil ihres Vortrages nahm ein fundierter Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnostik sowie schulmedizinische Behandlungsmöglichkeiten bei beiden Erkrankungen ein. Letztere sind trotz aller Fortschritte in der Entwicklung moderner Medikamente, z. B. der Schmerzmittel bei Arthrose oder gentechnisch hergestellter Antikörper in der Therapie der Arthritis, immer noch begrenzt. Homöopathie dagegen ermöglicht dank der ganzheitlichen Sicht auf das Krankheitsgeschehen eine individuelle Behandlung, die die  Chancen auf Linderung der Beschwerden oder gar Heilung verbessert. Dies verdeutlichte Frau Bonensteffen an vier Fallbeispielen aus ihrer Praxis.

Beim ersten handelte es sich um Knieschmerzen nach einer Fahrradtour, zum Teil bei nasskaltem Wetter. Das Hauptsymptom, stechende Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, besonders beim Treppabgehen, war im Arzneimittelbild von Acidum nitricum mit hoher Wertigkeit vertreten, so dass sich dieses Mittel  in der Potenz C 30 auch erfolgreich erwies.

Wesentlich komplizierter war ein Fall mit einer Entzündung in beiden Kniegelenken, später auch in anderen Gelenken. Frau Bonensteffen hatte ihn mit „Folgen bei Kummer“ überschrieben. Nachdem anfänglich verordnete Mittel nur eine vorübergehende Besserung der Beschwerden bewirkt hatten, brachte Natrium muriaticum den Durchbruch, ein Mittel, das der seelischen Verfassung der Patientin - (Liebes-)kummer - Rechnung trug. Das  seitens der Schulmedizin verordnete Cortison konnte darauf hin reduziert werden.

Wie differenziert eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln möglich ist, zeigte der dritte Fall. Die betreffende Patientin litt unter stechenden Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Modalität „Verschlechterung beim Einatmen“ bzw. der damit verbundene Kräfteverlust begründete unter anderem Kalium carbonicum, das sich als Konstitutionsmittel bewährte. Akute Entzündungen arthrotischer Daumengelenke konnten darüber hinaus mit dem Ergänzungsmittel Bryonia erfolgreich behandelt werden.

Ein komplexes Beschwerdebild zeigte der vierte Fall einer Patientin mit einer seit 15 Jahren bestehenden Psoriasisarthritis. Stechende, reißende Schmerzen in wechselnden Gelenken, nachts und im Sommer sich verschlimmernd,  wurden von rezidivierenden Nervenschmerzen im Oberkieferbereich, Blasenschmerzen außerhalb der Miktion, Herzstolpern und oft einer im Magen empfundenen Übelkeit überlagert. Hier kam ein „kleines“ Mittel, nämlich Kalmia, zum Einsatz, denn sein Arzneimittelbild entsprach im Wesentlichen diesen auffallenden und eigenheitlichen Symptomen. Über 2 Jahre verordnet, trat eine nachhaltige Besserung ein, vor allem verschwanden die neuralgischen Schmerzen.

Wir sind Frau Bonensteffen dafür dankbar, dass sie den Zuhörern auf konkrete Weise erneut die Augen für die Denkweise der Homöopathie öffnete, nämlich den ganzen Menschen in seiner Individualität zu erfassen und, bezogen darauf, die nahezu unerschöpfliche Fülle der Arzneibilder, die Samuel Hahnemann uns hinterlassen hat, auszuschöpfen.

Homöopathie bei Tieren

veröffentlicht um 28.04.2015, 06:42 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 30.04.2015, 06:39 ]

„Homöopathie bei Tieren - geht das denn? Spannende und lustige Fälle aus der Tierarztpraxis“. Diesen Titel gab der Hofer Tierarzt Dr. med. vet. Bernhard Hornig  seinem Vortrag, den er am 23. April 2015 vor einem Kreis interessierter Zuhörer im Gemeindehaus St. Georgen hielt. Wenn man sich vor Augen führt, dass Tiere die Symptome einer Erkrankung nicht schildern können - die Voraussetzung für eine erfolgreiche homöopathische Behandlung  beim Menschen - kann man zunächst skeptisch sein, ob Homöopathie bei Tieren funktioniert.  Immerhin kennt man beim Tier nicht die immense Vielfalt an Symptomen, wie sie z. B. im Falle von Schmerzen, Träumen, bei Angst und Furcht oder bei der Menses für die Mittelwahl zugrunde gelegt werden können. Dennoch gelingen erstaunliche Heilungserfolge, wenn  die Eigentümlichkeiten des Krankheitsverlaufs und die Geistes- und Gemütssymptome des erkrankten Tieres besonders gewichtet werden. Dies verdeutlichte Dr. Hornig eindrucksvoll am Fall eines Berner Sennenhundes. Das Tier litt an einer sog. Durchtrittigkeit. Dies ist eine Schwäche des bindegewebigen Halteapparats, die dazu führt, dass der Hund mit der kompletten Hand bzw. dem kompletten Fuß auftritt. Bei der Bewertung der Symptome spielte neben einer in der Familie des Hundes nachgewiesenen Bindegewebsschwäche die Tatsache eine Rolle, dass das Tier nicht allein sein wollte. Durch die Verordnung von Calcium LM 18 und anschließend LM 24 sowie nachfolgend Thuja D 30 (als Mittel zur Behandlung eines manifest werdenden Impfschadens) bildete sich die Durchtrittigkeit vollständig zurück.

Wiederum an einem Berner Sennenhund verdeutlichte Dr. Hornig, wie Homöopathie die Leiden eines schwerkranken Tieres lindern und sein Leben verlängern konnte. Das Tier hatte sich als Folge eines Zeckenbisses mit Borrelien infiziert und litt an Lahmheit, einer bei dieser Rasse im Gefolge auftretenden Nierenentzündung („Berner Niere“), und häufig wiederkehrenden Gebärmutterentzündungen. Eine operative Entfernung der Gebärmutter löste schließlich auch noch eine Autoimmunkrankheit, eine Muskelatrophie im Gesicht- und Halsbereich aus. Der Hund mochte ausschließlich Zwieback fressen, eine Modalität, die Dr. Hornig zu Aurum und nachfolgend zu Aurum arsenicosum führte. Unter beiden Mitteln ging es dem Hund wieder besser.

Besonders eindrucksvoll erwies sich der Heilungsprozess im Falle einer afrikanischen Papageienart, "Unzertrennliche" oder auch "Liebesvögel" genannt.  Diese kleinen Vögel leben in strenger Einehe, ihre Partnerschaft währt ihr ganzes Leben.  Ein in Gefangenschaft erkranktes Weibchens zeigte komplexe Pathologien, von denen sich vor allem schlecht heilende Wunden im Bereich der Ständer, Nekrosen, klimakterische Störungen, besonders aber die Abneigung gegen den „Ehemann“ homöopathisch verwertbar waren. Die Gewichtung des letzteren Symptoms führte Dr. Hornig zur Verordnung von Sepia (LM 18), mit dem Erfolg, dass die nekrotischen Verfärbungen zurückgingen. Was diesen Fall so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass Dr. Hornig miasmatische Symptome berücksichtigen konnte, also solche, die aus der Vergangenheit des Tieres stammten, z. B. der Mangel an Selbstvertrauen im Sozialverhalten. Durch den Einsatz von Silicea stellte sich auch diesbezüglich ein Heilungsfortschritt ein.

An weiteren Fallbeispielen stellte Dr. Hornig Blockaden durch Impfschäden beim Pferd sowie beim Hund eine Kinetose (Reisekrankheit) vor. Wiederum zeigte sich, dass eine sorgfältige Repertorisierung, die auch die sog. kleinen Mittel der Homöopathie einschließt, erstaunliche Heilerfolge bewirken kann.

Fassen wir zusammen, so war dieser Vortrag ein überzeugendes Plädoyer für die Homöopathie, ganz davon abgesehen, dass es Dr. Hornig verstand, fachlich-medizinisch fundiert und dennoch unterhaltsam vorzutragen. 

Die Heilkraft der Christrose

veröffentlicht um 17.02.2015, 06:02 von Forum Homöopathieverein Bayreuth   [ aktualisiert: 04.03.2015, 07:57 ]

Am 06. Februar konnten wir Herrn Dr. med. Johannes Wilkens von der Alexander-von-Humboldt-Klinik in Bad Steben zum ersten Vortrag im Jahr 2015 begrüßen. Vor einer erfreulich großen Zahl von Zuhörern sprach er zum Thema „Die Heilkraft der Christrose - anthroposophische und homöopathische Medizin im Vergleich“. Gleich zu Beginn seines Vortrages beschäftigte sich Dr. Wilkens mit dem Wesen von Schulmedizin und anthroposophischer Medizin. Auch für jemanden, der nicht mit der Lehre des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, vertraut ist - und das waren wohl die meisten im Saal - waren die wesentlichen Unterschiede im schulmedizinischen und anthroposophisch-medizinischen Denken nachvollziehbar: Bei ersterer ist die Ursache der Erkrankung stofflicher Natur, ihre Wahrnehmung erfolgt mit dem Auge (was nicht wörtlich zu nehmen ist, denn darunter sind natürlich ebenso moderne Labordiagnostik und apparative Untersuchungstechniken zu verstehen). Anthroposophische Medizin dagegen basiert auf einem umfassenderen Menschenbild: Sie bezieht neben der stofflichen Natur die Gesamtheit des aktuellen und vergangenen Innenlebens des Patienten und seine Bedeutung für die Entstehung von Krankheit ein. Insofern bestehen Parallelen zur Homöopathie. Anthroposophische Medizin nimmt auch den „Nerven-Sinnes“- Menschen in den Blick, nach Dr. Wilkens den „oberen“ Menschen, der im Gegensatz zum „Stoffwechsel“menschen von Information lebt. 

In Hinblick auf die Christrose (Helleborus niger) interessiert selbstverständlich die Frage: Was kann sie als Stoff? Hierzu erwähnte Dr. Wilkens eine Studie an leukämischen Zellkulturen, die den Nachweis erbrachte, dass die Christrosen-Stoffe den stärksten Chemotherapeutika in Hinblick auf zellabtötende Wirkung ebenbürtig waren. Um das Besondere der anthroposophischen Therapie mit der Christrose deutlich zu machen, erinnerte Dr. Wilkens an Rudolf Steiner, der an die intensive Betrachtung der Lebensäußerungen einer Pflanze durch Goethe anknüpfte. Die goetheanistische Betrachtungsweise lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Christrose nicht dem Vegetationszyklus anderer Pflanzen folgt, sondern im Winter blüht und fruchtet. Aus den Gesetzmäßigkeiten des Jahreslaufes herauszufallen, entspricht dem Krebsgeschehen, bei dem Zellen sich nicht mehr geordnet teilen, sondern unkontrolliert zu wuchern beginnen. So werden aus anthroposophischer Sicht Christrosen-Präparate in der Onkologie erfolgreich eingesetzt, z. B. bei bestimmten Hirntumoren. Eine weitere Besonderheit im Lebensrhythmus der Christrose besteht darin, dass die Blüte nach dem Verblühen erneut ergrünt. Dieser Sparsamkeit im Substanzverbrauch korrespondiert die therapeutische Verwendung der Pflanze in der Geriatrie, insofern, als alte Menschen ebenfalls mit wenig maximal auskommen müssen. Hier offenbart sich, was ganzheitliches Denken in der anthroposophischen Medizin bedeutet, nämlich den Menschen in das Naturganze einzubeziehen. Wie Dr. Wilkens betonte, scheint sich die Christrose noch bei anderen schweren Erkrankungen unserer Zeit zu bewähren, so bei Epilepsie, Schlaganfall oder ADS - und Depressionen. Was letztere betrifft, erwähnte er die Besserung der Erkrankung an einem konkreten Fall. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Bezug zur Homöopathie. Es war nämlich Samuel Hahnemann, der in einem Selbstversuch die Christrose als Arzneimittel prüfte und dabei Symptome von Depressionen an sich feststellte. Zentrales Thema der Christrose, so Dr. Wilkens, sei die Heilung von Krankheitsprozessen, die mit Müdigkeit, Rückzug, mangelnder Wachheit, einhergehen. Sie sei eine Hilfe zur Mensch-Werdung oder zur Beibehaltung der Menschen-Würde in schwierigen Zeiten.

Mit seinem hochinteressanten Vortrag gab uns Dr. Wilkens einen Einblick in das Menschenbild der anthroposophischen Medizin, das gerade wegen seines besonderen Ganzheitsverständnisses eine Bereicherung für die Zuhörer bedeutete.

Bachblüten-Therapie

veröffentlicht um 26.11.2014, 04:07 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Im letzten Vortrag des Jahres hatte unser Verein eine renommierte Heilpraktikerin zu Gast, und zwar Frau Heidi Rhöse aus Plankenfels. Sie referierte über eine Naturheilmethode, die sie neben der Homöopathie und Kinesiologie seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert, die Bachblüten-Therapie. Unter dem Titel „Blüten und Blumen, die durch die Seele heilen - die Blütentherapie nach Dr. Bach“ führte sie die Zuhörer zunächst in das Leben und Werk des Begründers dieser Therapie, des englischen Arztes Dr. Edward Bach (1886 – 1936), ein. Der Begriff „Bachblüten“ bezieht sich auf die Blüten von 38 wild wachsenden Pflanzen, aus denen Dr. Bach mit Quellwasser nach einem bestimmten, bis heute unveränderten Verfahren verdünnte Essenzen herstellte. Krankheit beginnt, so sein Grundpostulat, in der Seele. Er unterschied 38 disharmonische Seelenzustände bzw. Verhaltensmuster, denen er jeweils eine Pflanze zuordnete. Dank ihrer spezifischen energetischen Kraft trete sie, in Form der Essenz, in Resonanz mit den negativen Seelenzuständen und könne so das seelische Gleichgewicht wiederherstellen bzw. seelische  Blockaden beseitigen. Stellvertretend für die Potentiale der Bachblüten verdeutlichte Frau Rhöse die Wirksamkeit von 5  Essenzen, die bei dem Gefühl „Angst“ eingesetzt werden:

Red Chestnut (Rote Rosskastanie) wirkt positiv auf Menschen, die Ängste um Andere haben,

Mimulus (Gefleckte Gauklerblume) kann Menschen helfen, deren Angst einen bestimmten Grund hat, z. B. die Angst vor einem Gewitter,

Rock Rose (Gewöhnliches Sonnenröschen) behandelt schlimme Angstzustände, z. B. aufgrund einer lebensbedrohlichen Diagnose,

Cherry Plum (Kirschpflaume) wirkt hilfreich bei Panikattacken,

Aspen (Zitterpappel) beruhigt bezeichnenderweise Menschen, die vor Angst „flattern“.


Einen breiten Raum in den Ausführungen von Frau Rhöse nahmen die Bachblüten-Notfalltropfen (Rescue-Tropfen) ein, eine Mischung aus folgenden Bachblüten-Essenzen: Cherry Plum, Clematis (Gewöhnliche Waldrebe), Impatiens (Drüsiges Springkraut), Rock Rose und Star of Bethlehem (Doldiger Milchstern). Notfalltropfen dienen als erste Hilfe in emotional besonders belastenden Situationen. Dies kann der Zustand nach einer Todesnachricht sein, die Angst vor einer Operation, die Spannung vor einer Prüfung, einem Scheidungstermin oder einem Bewerbungsgespräch. Beruhigend wirken die Notfalltropfen aber auch bei Angstzuständen, die durch körperliche Dysfunktionen, z. B. Herzrhythmusstörungen, ausgelöst werden. Abgerundet wurde der Vortrag durch vielfältige Hinweise zur Anwendung der Essenzen.

Auch wenn wissenschaftliche Beweise für die Wirkung der Bachblüten-Essenzen bisher fehlen, so zeigten doch die Ausführungen von Frau Rhöse eindrucksvoll,  dass es nicht immer der „harten“ Schulmedizin bedarf, um Heilung zu erfahren. Es gibt eben Heilverfahren, deren Erfolge mit dem naturwissenschaftlich-materialistischen Weltbild nicht zugänglich sind. Vielleicht ist es das besondere Geheimnis der Bachblüten, dass sie allein durch die Seele helfen. 

Homöopathie bei Angststörungen Bericht zum Vortrag von Dr. med. Ansgar Schimmöller am 09. Oktober 2014

veröffentlicht um 31.10.2014, 03:51 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Ein weiteres Mal hatte sich der Bayreuther Internist und klassische Homöopath Dr. med. Ansgar Schimmöller bereit erklärt, die Öffentlichkeitsarbeit unseres Vereins mit einem Vortrag zu unterstützen. Am 09. Oktober 2014 sprach er zum Thema „Angststörungen und ihre homöopathische Behandlung“ vor zahlreich erschienenen Zuhörern im Gemeindehaus St. Georgen in Bayreuth. 

Am Anfang seines Vortrages vermittelte er auf profunde und verständliche Art und Weise die neurobiologischen Grundlagen der Angst. Angst ist eine Basisemotion, die, wie jedes Gefühl, im Gehirn entsteht. Das Zentrum der Gefühlsbildung ist eine Gehirnregion, die als limbisches System bezeichnet wird und die wiederum aus verschiedenen Strukturen besteht. Eine davon, der Mandelkern (Amygdala), spielt für die Entstehung von Angst eine wichtige Rolle. Er reagiert blitzschnell auf gefahrvolle Reize, die z. B. von Auge oder Ohr übermittelt werden, Dadurch, dass er die Emotion von Angst, Furcht oder Panik auslöst, ermöglicht er dem Organismus, angemessen auf Bedrohung zu reagieren. Eine anatomisch mit dem Mandelkern eng verbundene Struktur des limbischen Systems, der Hippocampus, dient der Abspeicherung der Emotion, damit sie jederzeit aktivierbar ist. Angst hat also eine Überlebensfunktion, und dies erklärt, dass sie rational nicht abschaltbar bzw. kontrollierbar ist.

Anschließend machte Dr. Schimmöller auf die körperlichen Reaktionen bei Angstzuständen aufmerksam. Sie werden maßgeblich durch die beiden Anteile des vegetativen Nervensystems, das sympathische und parasympathische System, gesteuert. 


In schulmedizinischer Hinsicht lassen sich Angststörungen wie folgt gliedern:

Phobische Störungen: Furcht vor etwas Bestimmtem

Agoraphobie: Furcht das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, vor Menschenmengen usw.

Spezifische Phobien: auf eng umschriebene Situationen beschränkt, z. B. vor Tieren (Spinne, Schlange), Zahnarzt, Dunkelheit

soziale Phobien: zentrales Merkmal sind übermäßige Ängste im Umgang mit anderen Menschen, z. B. die Angst, im Zentrum der Aufmerksamkeit anderer Menschen zu stehen,

Panikstörungen: die Betroffenen leiden unter wiederkehrenden, schweren schweren Angstattacken

generalisierte Angststörung: charakterisiert durch ein anhaltendes Angstlevel, eine „frei flottierende“ Angst, deren Entstehung nicht mehr an spezielle Auslöser gebunden ist. 


Die Therapie von Angststörungen aus schulmedizinischer Sicht beruht auf zwei Säulen: der medikamentösen Therapie und der Psychotherapie. Erstere zielt darauf ab, im Gehirn wirksame Botenstoffe, z. B. Serotonin, zu beeinflussen, um die Intensität von Angstreaktionen zu dämpfen. Bei letzterer handelt es sich entweder um Verhaltenstherapie, bei der es darum geht, angstbezogene Situationen aushalten zu lernen, oder psychodynamische Therapien, in denen u.a. auf die Entstehung und Entwicklung der Angststörung Bezug genommen wird.


Bei der homöopathischen Behandlung von Angststörungen ist - über die Berücksichtigung genereller ursächlicher Faktoren wie genetischer Veranlagung, familiärer Struktur oder Umwelteinflüssen hinaus – die individuelle „Geschichte“ des Patienten ernst zu nehmen. Dies zeigte eindrücklich der exemplarische Fall eines 6-jährigen Jungen, den Dr. Schimmöller vorstellte. Er litt unter häufigen Infekten (diese verbunden mit Angstzuständen), empfand im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung Todesnähe, neigte zum Perfektionismus (verlangte bestimmte Einschlafrituale) und war äußerst kritikempfindlich. Er erhielt Aurum  C 200, ein Mittel, in dessen Arzneimittelbild sich wichtige Symptome des betroffenen Kindes  finden. Bereits nach einer Woche wurde es fröhlicher, hielt auch besser Kritik aus. Auf körperlicher Ebene nahm die Infektanfälligkeit ab. Allerdings reagierte der Junge nach Schuleintritt, ausgelöst durch die Kritik seiner Lehrerin, erneut mit Angstzuständen. Hieran wurde deutlich, dass die Emotion  im Hippocampus bereits fest abgespeichert worden war. Es gelang jedoch, diesen Zustand mit dem gleichen homöopathischen Mittel zu überwinden.

Dr. Schimmöller betonte, dass generell bei Angststörungen  bestimmte körperliche Vorerkrankungen wie Migräne, Rückenverspannungen bzw.  –schmerzen oder menstruelle Schmerzen für die Mittelwahl eine Rolle spielten. Nach seiner Erfahrung habe sich die homöopathische Therapie vor allem bei solchen Angststörungen bewährt, die mit dem Reizdarmsyndrom oder funktionellen Herzbeschwerden verbunden seien. Bei sozialen Phobien empfehle er grundsätzlich zusätzlich eine psychotherapeutische Behandlung.

Immer müsse man sich klar machen, dass die Homöopathie eine Regulationstherapie sei, die auch im Falle von Angststörungen Entwicklungshilfe bedeute.


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