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Wie Homöopathie die Seele berührt

veröffentlicht um 27.02.2020, 13:06 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum ersten Vortrag im Jahr 2020 am 31. Januar hatte unser Homöopathieverein den renommierten Münchner Internisten und Homöopathen Dr. med. Ulf Riker eingeladen, der auch den Landesverband Bayern im Deutschen Zentralverein  homöopathischer Ärzte leitet. Zum vierten Mal war er seit Bestehen unseres Vereins nach Bayreuth gekommen, und wie früher zog sein Thema eine überwältigende Hörerzahl an. Diesmal hatte er seinen Vortrag mit dem Titel „Wie Homöopathie die Seele berührt“ überschrieben. Seine Botschaft: Homöopathie wirkt - auf körperlicher und auf seelischer Ebene!
Voraussetzung dafür ist, das machte er einleitend klar, dass das Mosaik der Patientensymptome bestmöglich in Deckung gebracht wird mit dem, was eine homöopathische Arznei besonders gut „kann“, und das bedeutet, mit deren Arzneimittelbild (Ähnlichkeitsregel der Homöopathie: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“). Materie (Körper) und Nichtmaterielles (Geist, Spiritualität etc.) gibt es sowohl auf Seiten unseres Menschseins als auch auf Seiten der homöopathischen Arzneien. In Arzneimittelprüfungen tauchen immer neben körperlichen auch geistige/emotionale Symptome bzw. Veränderungen auf. Lange vor der Geburt des psychosomatischen Denkens hat der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele beobachtet und einen Weg gefunden, beide Bereiche zusammen zu führen. Dies veranschaulichte Dr. Riker an drei Fallbeispielen.
Im ersten leidet die Patientin an Husten, mutmaßlich nach grippalem Infekt. Zwei hierauf bezogene Arzneien (Eupatorium perfoliatum und Carbo vegetabilis) ändern zunächst nichts am Husten. Erst die Information, dass der Husten bereits vor dem Infekt, und zwar seit einer Fehlgeburt, bestand,  lässt das geeignete „Hustenmittel“ erkennen, das gleichzeitig ein bekanntes „Kummermittel“ ist.
Der zweite Fall ist ein junger Mann mit Bluthochdruck. Seit der Schulzeit wird er allopathisch behandelt. Tief im Innern fühlt er sich als „Versager“. Die Kenntnis dieses „Lebensgefühls“, zusammen mit ein paar körperlichen Phänomenen (kann nicht auf der linken Seite liegen, „Absterben“ der Finger in der Öffentlichkeit)  weisen eindeutig auf Naja tripudians als Bluthochdruckmittel hin. Unter dieser Arznei können die allopathischen Arzneien bei Bltudruckkontrolle langsam ausgeschlichen werden. Der Bluthochdruck ist letztlich allein mit Homöopathie zu behandeln.
Beim dritten Fall handelt es sich um einen Patienten mit nächtlichen Knochenschmerzen, letztere als „Osteoporose“ diagnostiziert. Er leidet zusätzlich an schweren Schlafstörungen und einer tiefen Depression seit dem Tod seiner Ehefrau (die er mehrere Jahre gepflegt hatte).
Die gewählte Arznei ist Aurum metallicum, in aufsteigenden LM-Potenzen verordnet. Nacheinander verschwinden Schlafstörungen,  Depression und Knochenschmerzen.

Alle drei Beispiele zeigten den Zuhörern eindrucksvoll, dass Homöopathie körperliche Beschwerden oft erst dann heilen kann, wenn sie die Seele berührt. Diese entscheidende homöopathische Arznei zu finden, ist die Kunst der Repertorisation, die Dr. Riker auf verständliche Weise nachvollziehbar machte. Bleibt der Genuss zu erwähnen, den seine Vortragsweise, gelegentlich gewürzt mit schwäbischem Dialekt, bereitete. 

Wir danken ihm für diesen großartigen Abend! 

Homöopathie für Kinder

veröffentlicht um 01.01.2020, 12:53 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Schon lange ist es uns ein Anliegen, die Gesunderhaltung von Kindern durch Homöopathie zu einem Thema unserer Veranstaltungen zu machen. Wir hatten das Glück, zwei Ärztinnen zu gewinnen, denen die Heilung kranker Kinder zur Lebensaufgabe geworden ist und die auf dem Gebiet der ärztlich-homöopathischen Kinderheilkunde über einen Fundus langjähriger Erfahrung verfügen: Frau Dr. med. Stefanie Sartorius aus Nürnberg und Frau Dr. Petra Paling aus Würzburg. Am 16. November 2019 hielten sie im Gemeindehaus St. Georgen in Bayreuth jeweils einen Vortrag unter dem Leitthema „Homöopathie für Kinder“.
Frau Dr. Sartorius ging unter dem Thema „Kinder und Jugendliche in der homöopathischen Praxis mit Fallbeispielen“ zunächst auf die Besonderheiten / Probleme bei der Fallaufnahme (Anamnese) und die Folgen für die Arzneiwahl ein. Grundsätzlich gilt: Je jünger die Kinder sind, desto stärker ist der (die) homöopathische Therapeut(in) auf die Beobachtung des Kindes durch die Eltern bzw. Bezugspersonen angewiesen. Schulkinder und Jugendliche können auch selbst ihre Beschwerden bzw. die Modalitäten schildern, etwa bei Schmerzen.
Grundlegend wichtig ist die körperliche Untersuchung unter Einschluss der sinnlichen Wahrnehmung, z. B. von Fuß- oder Kopfgeruch (Schweiße). Ebenso bedeutsam sind die Psychosymptome, die über Fragen wie „Schläfst du im Dunklen?“ oder „Kannst du allein sein?“ erschlossen werden können. Aussagen zur Schlafqualität und natürlich Fragen zur Ätiologie des Krankheitsbildes (Seit wann bestehen die Beschwerden? Gibt es Auslöser? Wurde das Kind geimpft, und wenn ja, wogegen? Hat es schwere Erkrankungen, z. B. Pfeiffer’sches Drüsenfieber oder eine Lungenentzündung, durchgemacht?) tragen ebenso zu einer gründlichen Anamnese bei. 
Einer der beiden Fälle, die Frau Dr. Sartorius vorstellte, veranschaulicht gut die Herausforderungen, vor die sie sich bei der Anamnese gestellt sah. Es handelt sich um einen 11-jährigen Jungen, der an einer Depression litt, begleitet von „seelischen“ Bauchschmerzen. Er hatte eine lebensbedrohliche Erkrankung seiner Mutter erlebt, seine Eltern sind getrennt. Auf seinen Vater empfand er große Wut. Er hatte keinen Kontakt zu anderen Kindern, war untröstlich, weinte, wollte sich sogar aus dem Fenster stürzen. Behandelt wurde er u. a. in einer psychiatrischen Tagesklinik. Frau Dr. Sartorius verordnet ihm Ignatia C 200, ein klassisches Kummermittel. Trotz anfänglicher Verschlimmerung bessern sich die Bauchschmerzen, nach 1 Woche macht er wieder Sport (10 km Inline-Skating), kann seine Wut herauslassen. Nach 5 Wochen hat er wieder Kontakt zu seinem Vater. Die Wiederholung von Ignatia stabilisiert seinen Zustand, vor allem ist er nicht mehr depressiv.

Frau Dr. Paling stellte ihren Vortrag unter den Titel „Verhaltensauffälligkeiten im Säuglings- und Kindesalter - klassisch homöopathisch behandelt“.  Damit sind besonders ungewöhnliche Aspekte des Verhaltens gemeint, die meist als Folge lang andauernder Belastungen zu deuten sind, oft begleitet von heftigen körperlichen Symptomen. Drei Fälle mögen dies veranschaulichen, wie schwierig es sein kann, die jeweiligen Elemente des Verhaltens in die Sprache des Repertoriums zu übersetzen und daraus das passende Mittel abzuleiten. 
Der erste Fall: Ein Kindergartenjunge hat Angst vor Gewitter und Blitz, kann sich nur schwer von seinen Spielsachen trennen, gibt sein Essen nicht her, obwohl er satt ist. Resumée seines Verhaltens: Das Haus ist für ihn kein sicherer Ort. Im Repertorium finden sich die Rubriken „Furcht vor Gewitter und Blitz, auch „Wünsche nach mehr, als man braucht“, nicht aber zu der Eigenart, alles für sich behalten zu wollen. Stattdessen wird angeboten „Beschwerden durch finanziellen Verlust“, das ein Teil des Arzneimittelbildes von Arsen ist. Frau Dr. Paling verordnet Calcium arsenicum C 200. Das Ergebnis: der Junge verhält sich bezüglich nächster Gewitter und dem Essen unauffällig.
Der zweite Fall ist komplizierter. Ein Mädchen leidet unter Schulangst. Seit der Einschulung ist ihr übel bis zum Erbrechen.  Sie ist sehr empfindlich auf Kritik.  Jede Nacht schläft sie bei der Mutter. Gegenüber anderen Kindern ist sie zurückhaltend, aber selbstbewusst und will nach ihren Regeln mit ihnen spielen. Außerdem hat sie Verlangen nach Eis. Es kommen mehrere Polychreste bei der Repertorisation in Frage. Letztendlich erhält das Mädchen Carcinosin C 200 / M, ein Mittel, zu dessen Arzneibild Versagensängste gehören. Diese erklären den extrem hohen Anspruch des Mädchens an sich selbst. Sechs Wochen später geht es ihm insgesamt viel besser, die Wiederholung des Mittels bringt die vollständige Heilung.
Der dritte Fall behandelt ein Kleinkind mit Verstopfung und Stuhlverhalt. Nach einer Fehlverschreibung mit Lycopodium war hier der Eigensinn des Kindes auffällig und seine Weigerung, Stuhl abzusetzen. Familiendynamisch bestand zusätzlich noch ein langer Kummer der Mutter über die Kaiserschnittentbindung dieses Kindes. 
Ein längeres Probieren der passenden Potenz von Natrium muriaticum brachte nach ein paar Monaten, gepaart mit einer Gabe Opium, den gewünschten Erfolg. 

Wie oft schon in früheren Vorträgen, hat auch dieser Doppelvortrag eindrucksvoll bestätigt, was an der Homöopathie so fasziniert, nämlich das Individuum in seiner Einzigartigkeit erfassen, und eine Störung oder Schwächung der Lebenskraft mit einer dem Beschwerdebild angepassten Arznei zu beantworten. Dazu braucht es das Können und die Erfahrung des (der) Therapeuten (in), wie bei unseren beiden Referentinnen. 

Systemische Erkrankungen in der Familie

veröffentlicht um 22.09.2019, 02:14 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 04. Juli 2019 gab uns Kerstin Pausch, systemische Familienberaterin aus Coburg,  zum vierten Mal einen Einblick in ihre Arbeit als Systemische Familienberaterin, diesmal unter dem Thema „Systemische Erkrankungen in der Familie“. Zu Beginn ihres Vortrags beschrieb sie, wie man sich die Familie aus systemischer Sicht vorstellen kann, nämlich als Mobile, auf das äußere Einflüsse wie ein Krieg oder die soziale Umwelt einwirken, das aber ebenso inneren Herausforderungen ausgesetzt ist, die aus dem Familiensystem selbst stammen. Solche Belastungen können sich in bestimmten Krankheitsbildern der Familienmitglieder niederschlagen. Wie ein roter Faden zog sich durch ihre Ausführungen die Aussage, dass die Entstehung von Krankheiten aus systemischer Sicht  auf das Verdrängen, Verleugnen und Verschweigen von - in der Regel - traumatischen Erlebnissen / Erfahrungen innerhalb einer  Ursprungsfamilie zurückzuführen ist. Einige Beispiele mögen diese Zusammenhänge, die mit dem Mittel der Familienaufstellung aufgedeckt werden, verdeutlichen.


Eine Mutter verschweigt ihrer erwachsenen Tochter, dass sie ein Zwillingspaar abgetrieben hat. Die Tochter trägt dies mit, nicht nur in Form von Neurodermitis und einem Burnt-out - Syndrom mit, sondern auch mit dem Gefühl, auf ihr eigenes Leben kein Recht zu haben.

Eine junge Frau hat ohne äußeren Grund Angst, vergewaltigt zu werden. Ihr Großvater hat verdrängt, dass er am Ende des Zweiten Weltkrieges Zeuge von Vergewaltigungen an (deutschen) Frauen geworden ist.

Menschen, die sich chronisch müde fühlen, assoziieren damit Schwere im Leben. Systemisch gedeutet, ist dieses Gefühl eine Annäherung an die Toten, die in jungen Jahren ihr Leben überschattet haben.

Kriege, heute eher Trennung und Scheidung mit den damit verbundenen Traumata, bedingen einen Verlust an väterlicher Kraft in der Familie. Dies wird, systemisch gesehen, als Ursache der inneren Leere gedeutet, unter der Suchtkranke leiden.


In allen diesen und anderen, hier nicht erwähnten Fällen erfolgt die zwischenmenschliche Übertragung auf nichtverbalem Wege.


Natürlich ist Kerstin Pausch auch auf Lösungsschritte eingegangen, die die Ordnung in der Familie wiederherstellen können und damit Heilung ermöglichen. Der erste Schritt ist immer das Gespräch um W-Fragen: Was ist wie / wann / wo passiert? Dies geschieht mit dem Ziel, Gefühle wahrzunehmen und zu versprachlichen. Besondere Bedeutung hat dies für den Fall, wenn hinter Leid und Schmerz das Resultat einer Opfer-Täter Beziehung  ist, z. B. bei sexuellem Missbrauch. Dann geht es darum, die beteiligten Menschen aus der Opfer-Täter-Rolle zu entlassen, um Heilung und Frieden zu schaffen. 


Die Homöopathie spielt bei der systemischen Familienberatung nur eine indirekte Rolle, insofern, als homöopathische Therapeuten eng mit Kerstin Pausch zusammenarbeiten. Ihre eigene therapeutische Arbeit gründet sich auf tiefe Spiritualität. In manchen Zuhörern, die an diesem warmen Sommerabend gekommen waren, werden ihre von der christlichen Botschaft hergeleiteten Gedanken zur Heilung nachgewirkt haben. 

Homöopathisch körperliche und seelische Traumata behandeln

veröffentlicht um 22.09.2019, 02:14 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zahlreiche Zuhörer hatten sich im Gemeindehaus St. Georgen eingefunden, um am 06. April 2019 zwei der angesehensten und erfahrensten homöopathischen Therapeuten in Deutschland, Herrn Dr. med. Klaus Roman Hör aus Waldmünchen und Frau Dr. v. d. Planitz aus Bayreuth, zu hören. Sie  waren die Referenten eines Doppelvortrags zur Thematik „Homöopathische Behandlung körperlicher und seelischer Traumata“. Herr Dr. Hör übernahm unter dem Titel „Akute und chronische körperliche Traumata – Behandlungsstrategien der Homöopathie“ die körperlichen Aspekte, während sich Frau Dr. v. d. Planitz dem Thema „Homöopathische Begleitbehandlung bei seelischen Traumata“ widmete.

Dr. Hör betonte eingangs, dass eine Verletzung alle Ebenen des Menschen erfassen kann. Dementsprechend erfordere sie auch eine Heilweise, die die Komplexität der Verletzung berücksichtigt. Dies könne die Homöopathie leisten. Dr, Hör belegte diese Aussage an den Arzneibildern wichtiger Verletzungs- und Wundmittel, getreu dem Prinzip der homöopathischen Therapie „Gleiches wird mit Gleichem geheilt“. Er begann mit Arnica, das als bedeutendstes Wundheilmittel gilt. Arnica hilft aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich bei Patienten, die sich „gut drauf“ fühlen, ja sogar die Arznei nur widerspenstig einnehmen (ganz im Gegensatz zu solchen, die ihr Leiden betonen und deshalb Coffea benötigen). In körperlicher Hinsicht ist der Bluterguss  (Hämatom) ein wichtiges Symptom für Arnica. Sein Einsatzbereich ist vielfältig: er reicht von stumpfen Gewebeverletzungen über Zerrungen und  Verstauchungen bis hin postoperativen Zuständen, auch nach zahnärztlichen Eingriffen. 

Bellis perennis, das Gänsblümchen, hat die gleiche Wirkung wie Arnica, hat sich aber eher bei Verletzungen bewährt, die in der Tiefe des Gewebes empfunden werden, z. B. nach Verletzung der Gebärmutter. Auch die Gemütssymptome sind ähnlich wie bei Arnica. Es handelt sich um reizbare Patienten, die spät zum Arzt kommen.

Calendula, die Ringel- oder Studentenblume, gilt als Heilmittel für offene Wunden, also Schürf-, Riss – oder Quetschwunden, bei denen die Wundränder auseinander klaffen. So wird ein Dammriss mit warmer Calendula-Lösung behandelt. In mentaler Hinsicht handelt es sich um selbstbewusste, oft diktatorisch auftretende Menschen.

Millefolium (von Achillea millefolium, die Schafgarbe)-Patienten ähneln denen, die Arnica benötigen, was die Haltung gegenüber der Verletzung betrifft. Sie empfinden sich als „Helden“ (man zeigt keine Schwäche) oder fordern Respekt ein. Als wichtiges körperliches Symptom gilt eine hellrote Blutung, z. B. bei der Mensis oder nach einer Zahnextraktion.

Interessant ist, dass sich alle bisher erwähnten Mittel von den Korbblütlern ableiten. In ihren Arzneibildern spielt „Kampf“ eine besondere Rolle.

Ledum (der Sumpfporst) ist ein wichtiges Mittel bei Stichwunden, wie sie durch Nadeln (auch Injektionsnadeln) Nägel oder Splitter verursacht werden. Die Wunde fühlt sich kalt an, und der Patient verlangt auch nach Kälte.

Hypericum (das Johanniskraut) ist das Mittel der Wahl bei Nervenverletzungen, z. B. an Zahnnerven oder an den Nerven der Fingerspitzen.

Bei Verrenkungen und Verstauchungen, Zerrungen der Sehnen und Bänder hat sich Ruta (die Gartenrauke) bewährt. Was die Psychostruktur von Ruta-Patienten betrifft, so handelt es sich um ehrgeizige Menschen, die auch dazu neigen, sich übernehmen. 

Rhus toxicodendrum (der „Giftsumach“ aus Nordamerika) wirkt ähnlich wie Ruta, sein Arzneibild unterscheidet sich aber davon, dass die Patienten ein ausgesprochenes Bedürfnis nach Bewegung haben.

Als wichtiges „Knochenmittel“ gilt Symphytum (der Beinwell). Es wird bevorzugt eingesetzt, wenn sich nach Knochenbrüchen die Wundheilung verzögert.

Von den Verbrennungsmitteln sei Cantharis (aus dem Sekret des Käfers  Cantharis vesicatoria /„Spanische Fliege“) hervorgehoben. Das wichtigste Merkmal seines Arzneibildes ist die Blasenbildung der Brandwunde.


Die für viele überraschende Erkenntnis, dass für die erfolgreiche Behandlung körperlicher Traumata auch die Psychostruktur eine wichtige Rolle spielt, dass also Homöopathie immer die Einheit von Körper, Seele und Geist sieht, zog sich auch wie ein roter Faden durch die Ausführungen von Frau Dr. v. d. Planitz.

Ein seelisches Trauma ist eine tiefe seelische Verletzung, mit schwer wiegenden Folgen für das Leben. Es gibt kaum ein seelisches Trauma, das sich nicht auch körperlich auswirkt. Angesichts der Ohnmacht und Hilflosigkeit, die das traumatisierende Ereignis auslöst, suchen die Betroffenen nach einem Ausweg, damit umzugehen: sie verdrängen das belastende Erlebnis, so z. B. die Menschen der Kriegsgenerationen, bei denen es nur ums nackte Überleben ging.

In der psychotherapeutischen Behandlung Traumatisierter wird versucht, das „abgespaltene“ Traumagedächtnis in das Leben zu integrieren, so dass das traumatische Ereignis als Teil der Biographie verstanden werden kann. Die Homöopathie kann auf die seelische Struktur bei der Traumabewältigung reagieren und diesen Prozess beschleunigen.

Traumaerfahrungen sind sehr vielfältig: Naturkatastrophen, Kriege und Folter, der Verlust geliebter Personen, sexuelle Gewalt. Chronische Traumatisierung äußert sich in dem Gefühl von Kränkung, Vernachlässigung,  existentiellem Verlassensein.

Anhand bestimmter homöopathischen Arzneimittelbilder differenzierte dann Frau Dr. v. d. Planitz seelische und körperliche Auswirkungen traumatischer Ereignisse.

Sie begann mit Aconitum napellus (dem „Sturmhut“), der bei körperlichem und seelischem Schock angezeigt ist. Betroffene sind zu keiner Abwehr des traumatischen Erlebnisses fähig, und die Erinnerung  meldet sich aus nichtigen Ursachen immer wieder, z. B. in Form von Todesangst.

Ganz anders reagieren Menschen, die bei einem schweren Unfall in Schockstarre verfallen und dann wie betäubt wirken. Man muss sie schützen, da sie in diesem Zustand - wie in einem Traum -  nicht mehr auf weitere Gefahren reagieren können. Homöopathisch kann man sie mit einigen Gaben Opium relativ rasch wieder in die Realität holen. 

Auch Arnica wirkt gegen seelischen Schock, jedoch vorwiegend bei solchen Menschen, die die Schwere ihrer Verletzung bagatellisieren oder verleugnen, dazu Angst haben, behandelt oder nur berührt zu werden. Auf Ärzte und Helfer reagieren sie grantig und mit Abwehr,

Das Gefühl von tiefer seelischer Zerstörung (etwa nach sexueller Gewalt), Ohnmacht und Hilflosigkeit, innerer Wut trotz äußerer Liebenswürdigkeit, oder auch das Gefühl „geschnitten“  worden zu sein, sind Symptome für den Einsatz von Staphisagria, eines südeuropäischen Hahnenfußgewächses, das ebenso bei Schnittverletzungen am Körper, z.B. infolge einer Operation, ein wichtiges Mittel darstellt.

Ignatia (aus den Samen der Ignazbohne) ist ein großes Mittel  bei Kummer als Folge einer seelischen Verletzung. Die Patienten sind erstarrt im Leid (z. B. bei Verlust eines Kindes). Der seelische Zustand ist  in manchen Bereichen mit den Symptomen von Nux vomica (aus der gleichen Pflanzenfamilie) verwandt: Gedankenkreisen, Unfähigkeit zum Loslassen. Auf körperlicher Ebene sind beide extrem sensibel gegenüber Genussmitteln (Kaffee, Alkohol, oft sogar gegen Kamillentee und andere pflanzliche Drogen).

Natrium muriaticum (Kochsalz) kommt bei Folgen von tiefem Kummer (enttäuschter Liebe) in Frage. Die Menschen verbergen ihren Kummer und wirken unnahbar (aus Furcht vor erneuter Verletzung). Oft sind sie Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt oder chronischer emotionaler Vernachlässigung.

Eine besondere Rolle in der homöopathischen Traumabehandlung spielen die Nachtschattengewächse Belladonna (Tollkirsche), Hyoscyamus (Bilsenkraut) und Stramonium (Stechapfel). Sie sind dann angezeigt, wenn die traumatischen Erlebisse besonders heftig gewesen sind und der ehemalige Schrecken aus geringsten Anlässen (z.B. ein bestimmter Geruch, eine bestimmte Geste, ein bestimmtes Bild etc.) wieder wie ein flash back erlebt wird. 

Im Falle von Belladonna sind es oft beängstigende Bilder, die sie verfolgen (z. B. verstümmelte Lebewesen etc.) Hyoscyamus passt u.a. zu kriegstraumatisierten Menschen, die sich ihr Leben  lang weiterhin wie im Krieg fühlen,   Stramonium zu solchen, deren Grundgefühl ähnlich wie das „Alleinsein in der Wildnis“ erlebt wird, die sich den Schrecken vollkommen hilflos ausgeliefert fühlen, sich vor dem Bösen fürchten oder auch nur davor, durch einen dunklen Tunnel fahren zu müssen. 

Alle diese Mittel, aber noch viele andere, können dazu verhelfen, die Ängste mit ihren körperlichen Begleiterscheinungen zu verlieren oder sie in schweren Fällen in einer Traumatherapie viel schneller zu bearbeiten und zu integrieren.


Wir sind mit dem Gefühl auseinander gegangen, eine Sternstunde der Homöopathie erlebt zu haben, dank unserer Referenten! 




Homöopathie im Brennpunkt

veröffentlicht um 29.12.2018, 03:26 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Am 25. Oktober 2018 konnten wir wieder einmal den Bayreuther Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ansgar Schimmöller zu einem Vortrag begrüßen. Sein Thema: „Homöopathie im Brennpunkt“. Aktuell steht die Homöopathie im Kreuzfeuer  der Kritik. Von bestimmter Seite der konventionellen Medizin als auch der Politik wird ihr jegliche Wirksamkeit abgesprochen, und das, obwohl Tausende von Patienten belegen könnten, dass sie heilend oder lindernd wirkt. Dr. Schimmöller dokumentierte die Tatsache zu Beginn seines Vortrags eindrucksvoll mit einer Reihe von Fallbeispielen. Hier eine Auswahl:

  • Ein 12jähriges Mädchen leidet an Einschlafstörungen, sie braucht viel Ruhe, zieht sich in ihre Bücherwelt zurück, fühlt sich zutiefst allein und hat Ängste. Die Diagnose lautet: Selbstwert- und Bindungsstörung. Sie erhält von Dr. Schimmöller Lithium muriaticum zunächst als C 200, dann als C 1000. Im Verlauf der Therapie wird sie ausgeglichener, verliert ihre abendlichen Ängste, wird selbstbewusst und stabil, die Einschlafdauer normalisiert sich von 2-3h auf 15 Min.
  • Ein 16jähriger Junge leidet an Morbus Basedow, einer Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem gegen die eigene Schilddrüse richtet, was sich in einer Schilddrüsenüberfunktion äußert. Er wird 2 Jahre lang mit dem Schilddrüsen-Blocker Thiamazol behandelt, zuletzt wird von den behandelnden Ärzten empfohlen, die Schilddrüse entfernen zu lassen. Dr. Schimmöller verordnet Secale cornutum C 200 und im Verlauf Secale cornutum täglich in Q-Potenzen, was nach 4 Wochen das Verschwinden der Augenschmerzen, vor allem aber ein Absinken der Schilddrüsen-Antikörper zur Folge hat. Nach einem halben Jahr kann das Allopathikum abgesetzt werden, nach einem Jahr liegt der Antikörperspiegel im Normalbereich, d. h. der Autoimmunprozess gegen die Schilddrüse ist gestoppt.


Gerade das zweite Beispiel zeigt, dass sich durch Homöopathie etwas ereignen kann, was vorher als unvorstellbar gilt, ähnlich dem radikalen Denken Albert Einsteins, dessen zunächst als Spekulation oder gar Spinnerei eingeschätzte Erkenntnisse sich später als wahr erwiesen. 


Nach einem Exkurs in das Wesen von Wissenschaft beschäftigte sich Dr. Schimmöller intensiv mit dem Wirksamkeitsnachweis eines Medikaments in der konventionellen Medizin. Sogenannter Goldstandard sind Randomisierte kontrollierte Doppelblindstudien. Dies bedeutet: Probanden werden zufallsverteilt zwei Gruppen zugeteilt: eine Gruppe erhält das zu testende Medikament, die Kontrollgruppe einen Placebo. Doppelblind heißt: weder Versuchspersonen noch Ärzte wissen, welcher Gruppe ein Proband zugeteilt ist. Ohne den Wert solcher Studien in Frage zu stellen, machte Dr. Schimmöller jedoch deutlich, dass die Bewertung eines Medikaments als für die Therapie geeignet allein auf statistischen Wahrscheinlichkeiten beruht. In der Homöopathie erfolgt die Behandlung dagegen nach individuellen Symptomen. Der Therapieplan zur Heilung basiert auf der Anregung von Selbstregulation. Der Vorwurf der Schulmedizin, Homöopathie wirke nicht, reduziert sich mithin auf die Begründung, dass die Homöopathie keine statistische Medizin ist.

Abschließend belegte Dr. Schimmöller anhand von Fallbeispielen, wie die Praxis in der Homöopathie aussehen kann. Auch hierfür wieder zwei ausgewählte Fälle:

Eine 29 Jahre junge Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünscht. Sie leidet an Hormonstörungen und einer Endometriose, psychisch ist sie in schlechter Verfassung. Sie erhält Graphites C 200; nach mehrwöchiger Therapie teilt ihr Mann Dr. Schimmöller mit, dass sie in der 10. Woche schwanger sei.




Nicht immer verläuft eine Therapie so geradlinig:

  • Ein 6jähriges Mädchen leidet unter Warzen an beiden Händen, seit 1 Jahr ist sie schulmedizinisch gesehen therapieresistent. Sie erhält Medorrhinum C 200, was insofern eine Verschlimmerung bewirkt, als die Warzen zu jucken anfangen und es zu einer heftigen Verstärkung ihrer ohnehin explosiven Gemütssymptomatik kommt. Dr. Schimmöller wechselt zu Dulcamara C 200. Die Folge: die Warzen beginnen zu schrumpfen und sind bald verschwunden.


Kein Hokuspokus, sondern ärztliches Können nach den Regeln der Homöopathie. Es schloss sich eine lebhafte, offene Diskussion an, die hoffen lässt, dass manche der Zuhörer zur Homöopathie Vertrauen fassen. Zu danken haben wir Dr. Schimmöller für einen fundierten, lebendigen Vortrag, der trotz seines mitunter hohen theoretischen Anspruchs stets verständlich blieb. 

Die homöopathische Hausapotheke

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:32 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Welche homöopathischen Arzneimittel sollten bei häufig auftretenden Beschwerden oder Notfällen zuhause zur Verfügung stehen und wie wendet man sie an? Diese Fragen standen am 19. April 2018 im Mittelpunkt eines Vortrags von Pia Aßmann, Pharmazeutisch-technische Assistentin und Heilpraktikerin aus Himmelkron, unter dem Titel „Die homöopathische Hausapotheke“. 
Einführend gab sie einen Überblick über die Grundlagen und Besonderheiten der Homöopathie (Ähnlichkeitsregel, Potenzierung der Ursubstanzen, Behandlung mit Einzelmitteln), aber auch über deren Grenzen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle aus ihrer Berufspraxis verstand sie den Einsatz der Homöopathie ergänzend zu schulmedizinischen Therapieformen, und zwar in der Potenzhöhe D 6 und C 12. Das bedeutet bei Akutfällen, die Gabe der Arznei in relativ kurzen Zeitabständen (15-30 Minuten) zu wiederholen, bis eine Besserung der Krankheitssymptome eintritt. Ist dies der Fall, sollten die Dosierungsintervalle verlängert werden.
Anschließend stellte Pia Aßmann diejenigen Mittel vor, die sich bei der Selbstbehandlung verschiedener, im Alltag häufiger Krankheitssituationen bewährt haben. Am Anfang standen solche Mittel, die zur Grundausstattung der homöopathischen Hausapotheke ( in der Potenz D 12) gehören: 
  • Arnica als das Wundheilmittel schlechthin (bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen sowie nach Operationen),
  • Hypericum, auch „Nerven-Arnica“ genannt, bei Verletzungen, bei denen mit zahlreichen Nerven versorgte Gewebe betroffen sind,
  • Apis bei Insekten-, speziell Bienenstichen,
  • Ledum vor allem bei Stichverletzungen,
  • Cantharis bei Sonnenbrand und Verbrennungen,
  • Rhus toxicodendron bei für Verletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken,
  • Arsenicum album bei Brechdurchfall,
  • Nux vomica, das klassische „Katermittel“, aber auch bei Narkosefolgen (Übelkeit, Kopfschmerzen).

Es schloss sich dann die differenzierte Beschreibung von (Symptomen und die darauf bezogene Anwendung von Einzelmitteln bei folgenden Einsatzbereichen an:
  • Erkältung,
  • Allgemeine Wundbehandlung,
  • Wunden nach medizinischen Eingriffen,
  • Beschwerden an Gelenken,
  • Allergie – Stiche – Bisse.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Mittel, die der Gesundheit von Kindern dienen, z. B. bei seelischen Problemen oder Schulschwierigkeiten. Da es sich hier um geistig- seelische Symptome und Modalitäten handelt, ist die sorgfältige Wahl der passenden Arznei besonders wichtig.
Die konkreten Ausführungen von Pia Aßmann motivierten dazu, eine homöopathische Hausapotheke anzulegen  und damit erste Schritte der Selbstbehandlung zu gehen. Besonders dankenswert war es, dass sie Zuhörer mit den Voraussetzungen dafür, nämlich den Grundlagen der Homöopathie, vertraut machte.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie

veröffentlicht um 12.07.2018, 12:30 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Die mehr als 2500 Jahre alte Heilkunst der Chinesischen Medizin und die aus einem ganz anderen Kulturkreis stammende klassische Homöopathie: Was haben sie gemeinsam, was unterscheidet sie und wie können beide Heilsysteme zum Wohle des Patienten genutzt werden?
Das waren die wesentlichen Fragen, mit denen sich Dr. med. Wolfgang Dittmar, Facharzt für Allgemeinmedizin, TCM-Therapeut und klassischer Homöopath aus Bayreuth, in seinem Vortrag „Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie – Berührungspunkte“ am 22. März 2018 im Gemeindehaus St. Georgen beschäftigte. Um es grundsätzlich zu sagen: die Berührungspunkte sind vielfältig. Beide Heilmethoden betrachten den Menschen als Ganzheit, also als Einheit von Körper, Seele und Geist. Beide behandeln nicht eine Krankheit, sondern das Individuum. Dies verdeutlichte Dr. Dittmar eingangs an einem Beispiel. Bei verschiedenen Personen wird die einheitliche schulmedizinische Diagnose „Magengeschwür“ gestellt. Doch der TCM-Arzt erkennt bei ihnen völlig unterschiedliche „Disharmoniemuster“ und leitet daraus unterschiedliche Verordnungen ab. Auch der Homöopath gelangt auf der Basis individueller Anamnese zu verschiedenen Mitteln.
Beiden Methoden geht es weiter darum, die Selbstheilungskräfte des Organismus im Krankheitsfall zu mobilisieren. In der Homöopathie bedeutet dies, die immaterielle Lebenskraft, die durch den Krankheitsprozess verstimmt ist, zurückzugewinnen. Auch die TCM verfolgt das Ziel, Lebensenergie bzw. ein harmonisches Gleichgewicht wieder herzustellen. Doch um zu verstehen, wie letzteres geschieht, muss man die Grundlagen der TCM kennen. So war es unumgänglich, dass Dr. Dittmar ausführlich darauf einging.

Zentrale Begriffe der TCM sind das Yin-Yang-System und das Qi (sprich „tschi“). Ersteres beschreibt die Gegensätzlichkeit aller Erscheinungen und Lebensvorgänge. Das Verhältnis dieser Gegensätze ist fließend und nicht starr, was folgende Grafik veranschaulicht:



Gesundheit lässt sich als harmonisches Zusammenspiel beider Aspekte beschreiben, bei Krankheit ist dieses dynamische Gleichgewicht gestört. Ziel jeder Therapie muss es deshalb sein, die Harmonie von Yin und Yang wieder herzustellen.
Qi dagegen ist das, was in der westlichen Medizin als „Lebensenergie“ gelten kann. Es hat vielfältige Funktionen und zirkuliert in Bahnen, den Meridianen. Über Akupunkturpunkte, die auf diesen Energiebahnen liegen, ist es möglich, das Qi zu beeinflussen.
Ein ebenso bedeutsamer Bestandteil der TCM ist die Lehre von den 5 Elementen oder Wandlungsphasen. Darin wird der Zyklus der Naturelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser dargestellt, ein Modell, das auf Abläufe im menschlichen Körper übertragen wird. Jeder Wandlungsphase ist ein bestimmter Funktionskreis zugeordnet, welcher mit einem Organnamen bezeichnet wird. Während in der westlichen Schulmedizin der Organbegriff auf die rein physiologisch-biochemischen Prozesse bezogen wird, charakterisiert er in der TCM die vitalen Funktionen, die dem Organ zugeschrieben werden, sowie die Yin/Yang-Eigenschaften. So besteht die Bedeutung des Funktionskreises Lunge/Yin)-Dickdarm(Yang) darin, dass die Lunge über das Qi und die Atmung herrscht. Die völlig andere Denkweise als in der Schulmedizin zeigt sich auch beim Funktionskreis Herz-Dünndarm. In der TCM regiert das Herz das Blut und hat großen Einfluss auf das Aussehen der Zunge. Diese ist gleichsam ein Sichtfenster auf den Zustand von Herz und Blut.
Einen weiteren Schwerpunkt in Dr. Dittmars Vortrag bildete die Fallaufnahme und die Diagnostik in der TCM. Wie in der Homöopathie charakterisieren die jeweiligen Krankheitssymptome die Einzigartigkeit  des Individuums. Steht bei der homöopathischen Anamnese die Befragung des Patienten im Vordergrund, so  erfasst die TCM auch die Funktionen der Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Tasten). Eine besondere Stellung in der TCM-Diagnostik haben der Zustand der Zunge sowie die Eigenschaften des Pulses, zwei Methoden, die in der Homöopathie eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch können sich beide Heilmethoden bei der Fallaufnahme wechselseitig ergänzen.
Berührungspunkte zwischen beiden Naturheilmethoden gibt es auch bei der Miasmenlehre Hahnemanns, also seiner Theorie der Entstehung chronischer Krankheiten. Dr. Dittmar erläuterte kurz die drei miasmatischen Grundformen, aus denen sich die Vielfalt der Erscheinungsformen chronischer Krankheiten ableitet: Psora, Sykosis und Syphilis. Besonderes Augenmerk widmete er dem Phänomen, dass die (allopathische) Unterdrückung von Symptomen, z. B. bei der Neurodermitis, einen „Etagenwechsel“ der Erkrankung nach sich zieht, etwa als Asthma. 
Wenn man nach diesem Vortrag ein Résumé ziehen soll, dann dieses: Dr. Dittmar hat uns eine Denkwelt von Gesund- und Kranksein, aber auch Heilung von Krankheiten nahe gebracht, die den meisten von uns fremd war,  für die wir ihm aber dankbar sind. Sein von profundem ärztlichen Können geprägter Vortrag hat wieder einmal deutlich gemacht, was komplementäre Heilmethoden neben der westlich- akademischen Medizin zu leisten vermögen.

Homöopathie und Wechseljahre

veröffentlicht um 18.03.2017, 08:45 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Seit langer Zeit hatten wir wieder einmal den bekannten Homöopathen Dr. med. Klaus Roman Hör aus Waldmünchen zu Gast, diesmal in einem neuen Format, einem ganztägigen Seminar am 04. März 2017 im Gemeindehaus St. Georgen zum Thema „Das klimakterische Syndrom“. Angesichts des Einschnitts, den der Eintritt in die Wechseljahre im Leben einer Frau bedeutet, war zu erwarten, dass die Möglichkeiten der Homöopathie bei der Behandlung des komplexen Beschwerdebildes im Klimakterium auf besonderes Interesse stoßen würden.

Vor einem leider nur überschaubaren, aber dennoch hoch motivierten Zuhörerkreis näherte sich Dr. Hör der Thematik von der Physiologie her, indem er den Hormonbegriff erläuterte und darauf aufbauend die hormonelle Regulation des weiblichen Zyklus erklärte („ein Meisterwerk der Natur“). Er hob die zentrale Rolle der Östrogene hervor, weil ja deren Mangel mit Beginn des Klimakteriums der entscheidender Auslöser für die Vielfalt der körperlichen Störungen und Beschwerden ist: Hitzewallungen, flush, (Hautröte), Schwitzattacken, Herzrhythmusstörungen, Blasenschwäche, Hautveränderungen, Haarausfall, Gewichtszunahme, Ausprägung männlicher Merkmale (Virilismus), Osteoporose, Zyklusanomalien, Schlafstörungen, Krebsgefahr. Eine ebenso große Rolle spielen psycho-emotionale Verwerfungen, Reizbarkeit und Stimmungslabilität.

Was die Homöopathie generell auszeichnet, nämlich die Behandlung individueller Beschwerden, stoße, so Dr. Hör,  bei Frauen auf gute Voraussetzungen: Erstens weil sie sich wesentlich genauer beobachten als Männer und zweitens, weil ihre Fähigkeit, authentisch Symptome zu beschreiben, weitaus besser ausgeprägt ist. Bei der Anamnese gehe es ihm vor allem um die hinter den Akutsymptomen stehenden Probleme: Probleme mit den Partner, mit den Kindern, Probleme der Selbsteinschätzung. Zentral wichtige Fragen sind: „Was ist anders geworden seit Eintritt des Klimakteriums?“, „Womit können Sie nicht leben?“, „Was müsste anders sein?“. Die Antworten darauf führen Dr. Hör zu der für ihn wichtigen Vorentscheidung, welcher Gruppe von homöopathischen Mitteln die jeweilige Patientin zuzuordnen ist. Dr. Hör verdeutlichte dieses Vorgehen anhand mehrerer Fallbeispiele. Es würde zu weit führen, jeden Fall detailliert zu beschreiben. So seien diejenigen ausgewählt, welche die Bedeutung der psychischen Verfassung für die Mittelwahl besonders gut belegen und die zugleich auf exemplarische Weise Gruppentypisierungen, aber auch die Notwendigkeit zur Differentialdiagnose, zeigen.

  1. Patientin, 48 Jahre, hoher anfallsartiger Blutdruck (hat Todesangst bei solchen Attacken), Angst vor Krebs; zu lange und unregelmäßige Perioden mit dunklen Klumpen, übergewichtig; ihr Mann hat ständig neue Affären; sie sieht ihre Aufgabe darin, für ein schönes Heim zu sorgen, kocht kultiviert, schluckt das Essen herunter; malt gern, verträgt aber keine Kritik an ihren Bildern; möchte ein Leben in Selbstbestimmung führen, kann es aber nicht. Der starke Herzbezug und bestimmte andere Befunde legen ein Schlangenmittel nahe, doch die Gemütssymptome  sprechen eindeutig gegen die typischen Charaktermerkmale von Menschen, die ein Schlangenmittel, z. B. Lachesis, brauchen. Stattdessen deckt sich das ausgeprägte Bedürfnis nach Ästhetik mit dem Arzneibild von Elaps corollinus, der südamerikanischen Korallenotter.
  2. Patientin, 52 Jahre, geschieden, leidet an Entzündung der Bartholin’schen Drüsen, viel flush, „bearing- down“-Gefühl (als würden die Unterleibsorgane nach unten drängen und herausfallen), Klaustrophobie, sexuelle Phantasien bei Abwesenheit ihres Freundes, dessen Perfektion sie hasst; Die Symptomatik passt grundsätzlich zu Menschen, auf die das Arzneimittelbild von Meerestieren zutrifft. Sie leben oft in Beziehungen und Berufen um des Überlebens willen. Frauen können keine Symbiose mit einem Mann eingehen, die sexuelle Vereinigung ist ein Problem. Die Worte „Liebe“ oder „Hingabe“ hört man in Therapiegesprächen selten. Beides deutet auf eine tief sitzende Distanz zum Partner hin. Ein bedeutendes Frauenmittel aus der Gruppe der Meerestiere, nämlich Sepia, kommt andererseits nicht in Frage, denn  Sepia-Frauen können ihre Weiblichkeit nur schwer akzeptieren und lehnen die traditionelle Rolle der Frau ab. Eine für Sepia typische Abneigung gegen Sex liegt hier nicht vor, eher Zeichen für gesteigertes sexuelles Verlangen. Es wurde deshalb Murex purpurea ( aus einer Meeresschnecke) eingesetzt, mit Erfolg.
  3. Patientin im Klimakterium (Hitzewallungen von der Brust bis in den Kopf; dunkle, zähe Blutungen)  handelt oft unüberlegt, empfindet sich als Zumutung für die Familie („Mein Leben ist ein einziges Chaos“), verträgt schlecht enge und warme Räume, bei Fragen nach der Sexualität bricht sie fast zusammen („Wer will schon mit mir intim sein?“).   Die Patientin erhielt das Mittel Crocus sativus aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Lilien gelten als der Inbegriff des Reinen, Schönen, Unbefleckten. Sie haben aber noch eine andere Seite, die mit ihrem Überdauerungsorgan, der Zwiebel, zusammenhängt. Lilien wachsen vorzugsweise auf schwefelhaltigem Boden, ihre Zwiebeln akkumulieren das Element Schwefel in organischer Form. In der Mythologie wird Schwefel mit dem Teufel, dem Verführer zur Sünde, assoziiert. Es verwundert also nicht, dass die Gemütssymptome von Lilienpatienten zwischen dem Anständigen, Makellosen und dem „Befleckten“ ihrer Sexualität schwanken, dass sie sich zwischen „Himmel“ und „Erde“ erleben.  Sie leiden auch unter dem Verlust eines geliebten Menschen. Bei der Patientin war es der Verlust eines Kindes durch Abtreibung. Unter der Behandlung mit Crocus sativus schwächten sich ihre inneren Konflikte ab, sie wurde wesentlich ausgeglichener.


Gerade mit dem letzten Beispiel lenkte Dr. Hör den Blick auf eine besondere Sichtweise der Homöopathie, nämlich auf Themen im Leben des Patienten, die eine Mittelgruppe, hier die Familie der Liliaceae, kennzeichnen. Wir waren beeindruckt von Dr. Hör’s tiefem Verständnis des Menschseins und sind ihm dafür dafür, dass er mit seinem umfassenden ärztlich-homöopathischen Wissen und seiner Überzeugungskraft Frauen Klarheit über Heilung und Linderung ihrer Beschwerden im Klimakterium zu geben vermag. 


Was man über Homöopathie wissen sollte …..

veröffentlicht um 04.03.2016, 02:01 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Zum dritten Mal seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2007 hatten wir den bekannten Münchner Internisten und klassischen Homöopathen Dr. med. Ulf Riker zu Gast. Der Titel seines Vortrages am 04. Februar 2016 lautete Homöopathie - wann, wie und warum (nicht)?“. Er hatte ihn vor dem Hintergrund der in letzter Zeit zunehmenden Angriffe auf die Homöopathie, insbesondere die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, so gewählt. Gleich zu Beginn seines Vortrages machte er sein Anliegen deutlich: uns, den Vereinsmitgliedern, aber auch allen, die die Wirkung homöopathischer Therapie selbst erfahren haben, Argumentationshilfen für die Auseinandersetzung mit den Kritikern der Homöopathie zu geben. Er stellte aber auch klar, dass Homöopathie nur wirkt, wenn wir die Anweisungen ihres Begründers, Samuel Hahnemann, befolgen: Macht’s nach, macht’s aber genau nach! „Genau“, das bedeutet, homöopathische Arzneimittel am gesunden Menschen akribisch zu prüfen, die Ähnlichkeitsregel (das Fundament) der Homöopathie) zu beachten sowie die Arzneien sorgfältig herzustellen.


Wie wird nun Homöopathie wirksam? 

Nach Hahnemann durch „getreue Befragung der Natur“, ohne „übersinnliche Ergrübelungen“. Was nichts anderes heißt, als nach den Anwendungsregeln des Organon die Zeichen-Sprache des Organismus möglichst genau zu erfassen. Jedes Detail der Symptomatik ist dabei wichtig, wie Dr. Riker an dem Symptom einer Patientin „ Speichelfluss beim Schneiden der Zehennägel“ eindrucksvoll erläuterte.

Wie wirkt Homöopathie (eher) nicht? In Form von Komplexmitteln, weil ihnen keine Arzneimittelprüfung zugrunde liegt, oder ausschließlich nach klinischen Indikationen.



Wann
ist Homöopathie angezeigt? 

Immer dann, wenn eine Arznei in Resonanz mit dem individuellen Energiefeld treten kann und die Regulationsmechanismen sowie die Organstrukturen noch intakt sind. Dies ist z. B. der Fall bei psychovegetativen Störungen (z.B. Schlafstörungen, übermäßige Schweißproduktion), funktionellen Erkrankungen, z. B. Migräne, allergischen, z.B. Ekzemen) oder entzündlichen (z.B. Nebenhöhlenentzündungen, Blasenentzündung) Erkrankungen.

Wann kann Homöopathie nicht (mehr) helfen bzw.  ist nicht einsetzbar? Bei degenerativen Erkrankungen (z.B. Arthrose, Parkinsonsche Erkrankung)), bei zerstörten Organstrukturen (z.B. Raucherlunge), bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen,  oder wenn homöopathisch verwertbare Symptome ( z.B.   bei Bluthochdruck) fehlen.


Warum Homöopathie? 

Weil sie eine individuelle, punktgenaue Therapie ermöglicht, mehrere Pathologien des Patienten gleichzeitig behandelbar sind („mehr auf einen Streich“), weil sie die Reduzierung der Dosis allopathischer Medikamente erlaubt und weil sie, auf immaterielle Art und Weise,  die Lebenskraft wiederherstellt. Diesen letzten Aspekt verdeutlichte Dr. Riker wiederum an einem Fall aus seiner Praxis. Es handelte sich um eine Patientin mit mehreren Beschwerden (Magenschmerzen, Rückenschmerzen, prämenstruelles Syndrom). Bei ihr deckte Lycopodium alle Symptome ab, half wiederholt, aber jeweils immer kürzer. Was konnte der Grund sein? Brauchte die Patientin ein anderes Mittel? Oder bestand ein Heilhindernis? Für eine andere Arznei gab es keine guten Hinweise, nachdem sämtliche Symptome wiederholt sehr gut auf die Arznei angesprochen hatten: Bis auf die wiederkehrenden Magenschmerzen blieben alle übrigen Beschwerden verschwunden.  Was aber konnte das Heilhindernis sein? Jetzt war internistische Diagnostik erforderlich, die gestörte Lebenskraft „rief“ geradezu nach einer Magenspiegelung! Die entnommenen Gewebeproben der Magenschleimhaut zeigten ein beginnendes Magen-Carcinom! Der Patientin wurde der Magen entfernt, sie erfreut sich heute, mehr als 15 Jahre nach der Operation bester Gesundheit. Das Beispiel zeigt, dass aufmerksames „Hören auf die Ausdrucksform der gestörten Lebenskraft“ auch dem Schulmediziner wichtige Hinweise auf erforderliche diagnostische Schritte und manchmal sogar chirurgische Interventionen geben kann. Voraussetzung: homöopathische Erfahrung und ärztliches Wissen  stehen jederzeit zur Verfügung und gehören nachgerade zusammen!


Warum keine Homöopathie, wie die Kritiker fordern? 

Weil es angeblich keine wissenschaftlichen Studien gibt, was aber nicht stimmt. Weil außerdem nicht sein kann, was nicht sein darf (wenn gemäß dem materialistischen Weltbild keine Moleküle der Ursubstanz vorhanden sein können, dann kann das Mittel auch nicht wirksam sein). Weil, so die Behauptung mancher Kritiker, die in der Regel zeitaufwändige  Zuwendung der Behandler zum Patienten die Wirksamkeit der Homöopathie erkläre. Wobei die Frage zustellen ist, warum die Schulmedizin nicht ihr sogenanntes „setting“ selbst wesentlich verbessert.

„Alles also nur Placebo“? , fragte Dr. Riker.  Damit leitete er den letzten Teil seines Vortrags ein. Er betonte, dass bis zu 70% aller schulmedizinischen Therapieneffekte  auf Placebo-Effekten beruhen können, die sehr verschiedene Ursachen haben können ( z. B. das Ansehen des  Therapeuten, die Erwartung des Patienten und zahlreiche weitere Phänomene im Kontext von Diagnose und Therapie). Im Folgenden stellte er  mehrere Szenarien aus der Praxis dar, wie (zunächst „gläubige“ und erwartungsfrohe) Patienten auf homöopathische Arzneigaben reagieren: da gibt es die Fälle, in denen sich trotz hoher Erwartung keinerlei Arzneiwirkung zeigt; oder das am meisten belastende Symptom reagiert überhaupt nicht oder wird sogar schlimmer, während eher nebensächliche und weniger lästige Symptome sofort verschwinden; oder Teile der Patientensymptome werden besser, andere bleiben unverändert bestehen und es treten unter dem Einfluss der homöopathischen Arznei sogar ganz neue Symptome zusätzlich auf; und letztendlich kommt es vor, dass die Hauptbeschwerde erst nach dem vierten oder fünften Mittel reagiert, also dann, wenn die Erwartung des Patienten durch vergebliche Versuche bereits erheblich gelitten haben dürfte....

Nicht zuletzt ist auch die Arzneimittelprüfung am Gesunden ein Argument gegen die Placebowirkung der Globuli: die gesunden „Prüfer“ mögen zwar „gläubige“ Homöopathie-Anhänger sein, aber ohne dass sie im Einzelfall wissen, welche homöopathische Arznei gerade „geprüft“ wird, ist zu erwarten, dass sie Symptome und Modalitäten auf körperlicher, emotionaler und teilweise auf geistiger Ebene als Prüfsymptome hervorbringen, die ganz ähnlich auch andere Prüfer dieser Arznei bei sich beobachten, und das Ganze, ohne dass sich die Prüfer während der Prüfung über ihre Beobachtungen austauschen dürfen!

Das überzeugendste Argument gegen den Placebo-Effekt homöopathischer Arzneimittel stellte der Fallverlauf eines 19jährigen Studenten dar. Sein Symptombild enthielt verschiedene körperliche Beschwerden, am schwersten wog jedoch neben anderen psychischen Symptomen seine Suizidalität und sein Selbsthass. Die Repertorisation führte zu Ambra (Ausscheidungsprodukt des Pottwals!).  Nicht nur die körperlichen Symptome verschwanden unter diesem Mittel, sondern auch die Suizidgedanken. Während des gesamten Behandlungsverlaufes kam es nur zu einer einzigen persönlichen Begegnung zwischen dem Patienten und Dr. Riker, die übrige Kommunikation beschränkte sich auf sporadische, kurze Telefonate! Heute ist der junge Mann psychisch stabil und ein lebensfroher Mensch.

Den Schlüssel zum Verständnis der Homöopathie könnte man, so Dr. Riker, in den Gedanken des renommierten und leider verstorbenen Quantenphysikers Hans-Peter Dürr zu den Eigenschaften von Materie finden. Diese enthalte „Potentialität“, Dürr nennt sie nicht mehr „Teilchen“, sondern „Passierchen“ oder „Wirkse“ und beschreibt damit einen Paradigmenwechsel, der in der Physik selbstverständlich, aber in der Medizin noch nicht angekommen sei. Damit endete ein tiefgründiger, rhetorisch erfrischender Vortrag, der mit großem Beifall honoriert wurde und bei manchen Zuhörern sicher noch nachwirkte.

Gelenkserkrankungen und Homöopathie

veröffentlicht um 14.12.2015, 04:30 von Forum Homöopathieverein Bayreuth

Überwältigend gut besucht war der letzte Vortrag im Jahr 2015, zu dem wir die Bayreuther Ärztin und klassische Homöopathin Monika Bonensteffen eingeladen hatten. Die Erklärung für dieses große Interesse ist sicherlich in ihrem Thema zu suchen: „Homöopathische Behandlung bei Gelenkserkrankungen“. Sie behandelte zwei Krankheitsbilder, die Arthrose, die durch Gelenkverschleiß gekennzeichnet ist, und die rheumatoide Arthritis, bei der das betroffene Gelenk entzündet ist. Welche pathologischen Prozesse bei beiden Erkrankungen beteiligt sind, erläuterte Frau Bonensteffen einleitend am Aufbau eines Gelenks. Im Falle der Arthrose wird das Knorpelgewebe, das die reibungslose Funktion des Gelenks ermöglicht, sukzessive abgenutzt. Bei der rheumatoiden Arthritis entzündet sich die Synovia, also die Gelenkinnenhaut, welche die Gelenk“schmiere“ bildet. Breiten Raum im ersten Teil ihres Vortrages nahm ein fundierter Überblick über Ursachen, Symptome, Diagnostik sowie schulmedizinische Behandlungsmöglichkeiten bei beiden Erkrankungen ein. Letztere sind trotz aller Fortschritte in der Entwicklung moderner Medikamente, z. B. der Schmerzmittel bei Arthrose oder gentechnisch hergestellter Antikörper in der Therapie der Arthritis, immer noch begrenzt. Homöopathie dagegen ermöglicht dank der ganzheitlichen Sicht auf das Krankheitsgeschehen eine individuelle Behandlung, die die  Chancen auf Linderung der Beschwerden oder gar Heilung verbessert. Dies verdeutlichte Frau Bonensteffen an vier Fallbeispielen aus ihrer Praxis.

Beim ersten handelte es sich um Knieschmerzen nach einer Fahrradtour, zum Teil bei nasskaltem Wetter. Das Hauptsymptom, stechende Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, besonders beim Treppabgehen, war im Arzneimittelbild von Acidum nitricum mit hoher Wertigkeit vertreten, so dass sich dieses Mittel  in der Potenz C 30 auch erfolgreich erwies.

Wesentlich komplizierter war ein Fall mit einer Entzündung in beiden Kniegelenken, später auch in anderen Gelenken. Frau Bonensteffen hatte ihn mit „Folgen bei Kummer“ überschrieben. Nachdem anfänglich verordnete Mittel nur eine vorübergehende Besserung der Beschwerden bewirkt hatten, brachte Natrium muriaticum den Durchbruch, ein Mittel, das der seelischen Verfassung der Patientin - (Liebes-)kummer - Rechnung trug. Das  seitens der Schulmedizin verordnete Cortison konnte darauf hin reduziert werden.

Wie differenziert eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln möglich ist, zeigte der dritte Fall. Die betreffende Patientin litt unter stechenden Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Modalität „Verschlechterung beim Einatmen“ bzw. der damit verbundene Kräfteverlust begründete unter anderem Kalium carbonicum, das sich als Konstitutionsmittel bewährte. Akute Entzündungen arthrotischer Daumengelenke konnten darüber hinaus mit dem Ergänzungsmittel Bryonia erfolgreich behandelt werden.

Ein komplexes Beschwerdebild zeigte der vierte Fall einer Patientin mit einer seit 15 Jahren bestehenden Psoriasisarthritis. Stechende, reißende Schmerzen in wechselnden Gelenken, nachts und im Sommer sich verschlimmernd,  wurden von rezidivierenden Nervenschmerzen im Oberkieferbereich, Blasenschmerzen außerhalb der Miktion, Herzstolpern und oft einer im Magen empfundenen Übelkeit überlagert. Hier kam ein „kleines“ Mittel, nämlich Kalmia, zum Einsatz, denn sein Arzneimittelbild entsprach im Wesentlichen diesen auffallenden und eigenheitlichen Symptomen. Über 2 Jahre verordnet, trat eine nachhaltige Besserung ein, vor allem verschwanden die neuralgischen Schmerzen.

Wir sind Frau Bonensteffen dafür dankbar, dass sie den Zuhörern auf konkrete Weise erneut die Augen für die Denkweise der Homöopathie öffnete, nämlich den ganzen Menschen in seiner Individualität zu erfassen und, bezogen darauf, die nahezu unerschöpfliche Fülle der Arzneibilder, die Samuel Hahnemann uns hinterlassen hat, auszuschöpfen.

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