Die Beschreibnung der Ruine Isenbrg 1754

Niemand weiß diesem Neste seinen eigentlichen Namen zu geben, sondern man nennet es nur das wüste Schloß oder das Raubschloß. Allem Ansehen nach ist es, wo nicht ein wirkliches Raubschloß, wenigstens doch eine solche Retirade gewesen, wohin man sich im Falle der Not mit Sack und Pack oder mit den besten Habschaften flüchten, einander von da aus auf den Dienst lauern und sich ziemlich unnütz machen können. Denn einen dergleichen Schlupfwinkel sieht es vollkommen ähnlich.

Dass es aber hier blutigen Federlesens gegeben, oder man hierselbst einander wirklich nach den Köpfen müsse gesehen und es also blutige Stöße gesetzt haben, erhellt daher: Weil, wovon der Herr Pastor GROß zu Wildbach annoch ein paar Stücke besitzt, man, bei letztheriger Abtragung des Turms und Mauerwerks, in demselben verschiedenen Art alte Pfeile gefunden hat, die von ganz besonderer Härtung, auch noch gar wohl erhalten sind.

Sie sind beide verschiedener Art und haben Hülsen oder Schäfte drei Finger lang, daraus zu ersehen ist, daß sie an Pfeilen, zum Werfen oder Abschießen mit Bögen oder von Rüstungen müssen gestecket haben. Denn da solche nicht eines kleinen Fingers, sonderlich nach der inneren Höhlung, weit oder in der undung herum stark oder dicke sind, so können sie an Lanzen und Speeren nicht gebrauchet worden. Der eine ist wie ein vierseitiger oder viereckigteer spitzig zulaufender, doch nicht nach Schilfart ausgezogener, sondern gleicher klobigter Pfitzpfeil, außer dem besagten Schaft nur drei Finger breit in der Länge. Der andere ist bloß wie ein spitziger Stachel, und etwas länger, doch nur eines guten Federkiels stark.


geschrieben von Christoph Gottlob GRUNDIG, Schneeberg 1754

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