Der Galgenberg bei Langenbach

Über den Hinweis auf die alte Richtstätte, nämlich den Galgenberg, oder auch Schafott genannt, der ehemaligen schönburgischen Herrschaft Stein, weißt ein alter unweit von Wildbach vorkommender Flurname hin.

Bei Wikipedia finden wir eine Beschreibung zu dieser Flurbezeichnung: Auf einem Galgenberg, fanden früher öffentliche Hinrichtungen von Verurteilten durch den Galgen statt. Hunderte von Hügeln oder Bergen tragen im deutschen Sprachraum diese Bezeichnungen. Die Stätten lagen in der Umgebung von Orten mit eigener Gerichtsbarkeit und befanden sich oft an markanten Plätzen, wie zum Beispiel Wegkreuzungen.

Richtstätten wurden mit dem Bau steinerner Galgen ab dem 13. oder 14. Jahrhundert zu festen Örtlichkeiten. Sie lagen weithin sichtbar und meistens unmittelbar an der Gerichtsgrenze, so dass bei Eintritt in das Hoheitsgebiet der betreffenden Stadt oder Herrschaft jeder die abschreckenden Strafen dieser Region feststellen konnte. Der oftmals von einer Mauer umfasste Bereich war meistens für die unterschiedlichen Todesstrafen mit Galgen, Rad und Pfahl ausgestattet. Je nach der Tradition des Gerichtsortes übte der gleiche Scharfrichter alle Exekutionen auf derselben oder auf unterschiedlichen Richtstätten aus.

Die Hingerichteten blieben oft lange Zeit am öffentlich zugänglichen Galgenberg sichtbar baumeln und wurden der Verwesung sowie den Hunden, Raben sowie der Witterung überlassen – mit der Errichtung der Schafotte findet sich dann analog die Bezeichnung Rabenstein für deren Fundamente. Abgefallene Leichen wurden oft unter oder um den Galgen auf dem Galgenberg verscharrt, dann findet sich auch Galgenacker als Bezeichnung, bei dem die Hinrichtungsstätte von – ungeweihtem – Gräberfeld umgeben ist. Ausgrabungen an Orten mit diesem Flurnamen bestätigten auch, dass manchmal die Richtstätten als Abdeckplätze für die Tierkadaver dienten – ein wie die Scharfrichterei „unheiliger“, verfemter Beruf, dem verbreitet nur außerhalb der Siedlungen nachgekommen werden durfte (der Hintergrund des Tabus ist hygienischer Herkunft).

unten rechts: Ortsende Wildbach Richtung Schneeberg

oben links: Der Galgenberg Richtung Langenbach

Die Bezeichnung für solch einen Flurnamen in der Wildbacher Umgebung ist eben genau dieser Galgenberg, welcher noch 1791 auf Karten eingezeichnet wurde. (oben links der Galgenberg oberhalb des Dorfes Langenbach - unten rechts die obersten Güter Wildbach`s) Ob jemals für einen Wildbacher oder Langenbacher Einwohner der Strick geknüpft wurde, kann ich nicht nachweisen. In meiner ganzen Forschungszeit habe ich noch kein Dokument gefunden, welches nach 1514 auf irgendeine Hinrichtung hinweist. Vor dieser Zeit kann es es natürlich möglich sein, dass Diebe oder Mörder auch aus unseren Orten hier ihr Ende fanden. Jedoch war es auch ein Brauch, in den Zeiten des Bergbaus in Schneeberg solche abschreckende Orte zu errichten um Kobalt-Diebe fernzuhalten bzw. diese einzuschüchtern.

Stefan S. Espig, Wildbach (geschrieben am 04.11.2013)

So könnte man den Galgenberg gesehen haben (Fotomontage am Galgenberg, S. Espig)

"Ein hölzerner Sarg ist besser als ein goldener Galgen."

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