Aufbau der Burg

Zu Beginn des Burgenbaus als adlige Wohnstatt entstand auf so genannten „Motten" (künstlichen Hügeln) ein hoher Wohn- und Wehrturm, zunächst aus Holz, später aus Stein. Später erweiterte sich dieser Turmbau zu einem Gebäudekomplex mit Wohn-, Wirtschafts- und Gesinderäumen. Als Baumaterial bevorzugte man je nach Gegend Kiesel, Findlinge, Hau- oder Bruchsteine. Mauerwerk aus sorgfältig zurecht geschlagenen Quadern findet sich im Bereich der leicht zu bearbeiteten Sandsteinmolasse. Besondere Aufmerksamkeit verwendete man auf den Eckverband und das Gewände von Türen und Fenstern, die nicht selten aus ortsfremden Steinmaterial gehauen wurden. Als Bindemittel diente ein aus Kalk, Sand und Wasser gemischter Mörtel. Das fertige Mauerwerk wurde in allgemeinen außen und innen mit einer Verputzschicht überzogen, wobei man bei unebenen Flächen die vorstehenden Steinköpfe oft frei ließ.

Die Innenausbauten wie Treppen, Böden und Zwischenwände, auch die Obergeschosse der Türme und Wohnbauten sowie die Dachkonstruktionen bestanden meistens aus Holz. Als Bedachungsmaterial verwendete man anfänglich Stroh, Schilf und Brettschindeln. Ziegel- und Steindächer kamen im 14. Jh. auf.

Die einzelnen Bauelemente einer Burg gliederten sich in verschiedene Funktionen, wobei ein und dasselbe Gebäude mehrere Zwecke erfüllen konnte. So diente etwa ein Turm zugleich als Wohn- und Wehrbau; oder in einem Nebengebäude waren neben- oder übereinander Stauungen und Behausungen für das Gesinde untergebracht. Das beherrschende Bauwerk der Burgen des 12. und 13. Jh. war natürlich der Hauptturm, der in vielen Varianten auftritt. Seine Masse und Gestalt waren zugleich Zeichen des Status und der Macht. Der Bergfried, ein hoher Bau mit dicken Mauern, war vor allem ein Wehrturm, während der Wohnturm, wie der Name sagt, auch Wohnräume barg. Enthielt der Bergfried keine Wohngemächer musste ein besonderer Wohnbau errichtet werden, ein so genannter Palas. Wohnturm und Palas enthielten verschiedene Räume: Stuben oder Kemenaten, Schlafräume, Küche, Vorratskammern und repräsentative Säle. Die Ausstattung der Burgen war, gemessen an heutigen Vorstellungen, äußerst spartanisch und wenig komfortabel. Der einzige Wohnraum, der durch einen Kamin beheizt werden konnte, war die Kemenate. Die ersten Öfen gab es erst ab Mitte des 13- Jahrhunderts. Die aus Sicherheitsgründen kleinen Fenster ließen nur wenig Licht in die ansonsten kühlen Räume eindringen.

Schwachpunkt der Burg war das Tor. Durch ausgeklügelte Fallgitter, Zugmechanismen und Mehrfachtore versuchte man, den Eingang zur Burg sicherer zu gestalten. In Deutschland wurden ab dem 12. Jahrhundert die Burgen zusätzlich von einer Ringmauer umgeben. Reichte die Fläche nicht aus, um alle Gebäude so zu sichern, verlegte man die Wirtschafts­- und Gesindehäuser in eine Vorburg oder errichtete in der Nähe ein Burggut oder einen Burghof, die jeweils von einem treuen Vasallen des Burgherrn bewirtschaftet wurden. Jede Burg war einmalig und den geographischen Bedingungen angepasst.

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