Bild von Süden auf das Gebiet mit der Florettspinnerei Angenstein erstellt zwischen 1918 und 1937 (Das Bild ist gemeinfrei; siehe Wikipediaartikel zum Bahnhof Aesch)
Bild des Fabrikgebäudes von Westen wohl zum gleichen Zeitpunkt aufgenommen,
Haltepunkt 1 liegt dort, wo der Lolibach die Apfelseestrasse unterquert (im obigen Foto am oberen Rand in der Mitte, wo die Baumallee entlang der Apfelseestrasse endet, auf der Karte etwas unterhalb der Mitte des Bildes):
Die Birs ist vom Haltepunkt 1 aus nicht zu sehen. Sie liegt westlich hinter dem Bahndamm und den Industriegebäuden verborgen, südlich stehen die Häuser der Siedlung Lolibach - auf der Fotografie fehlen sie natürlich noch. Die Siedlung wurde erst in den 90 ziger Jahren des letzten Jahrhunders erbaut. Nördlich zwischen Bahndamm und Apfelseestrasse liegt ein Rest der alten Birsschotterebene, die heute als Acker verwendet wird.
Der Lolibach fliesst ab Haltepunkt 1 nur noch eine kurze letzte Strecke den Gärten der Siedlung Lolibach entlang und verschwindet dann unmittelbar vor dem Bahndamm in einer Röhre, die ihn unterirdisch bis zur Birs leitet. Der Lolibach teilt dieses unterirdische Schicksal mit den meisten kleinen Bächen im Birsraum. Der Eingriff des Menschen in die Natur ist ganz allgemein in Flussnähe besonders weitreichend, die Landschaft - samt Birslauf - wurde grundlegend nach den Bedürfnissen von Industrie und Wohnsiedlungen umgebaut. Der Eisenbahnwall bildet heute eine markante Trennlinie zwischen Birs und Tiefental samt der ganzen Ostseite mit dem Gempenplateau. Und dass der Lolibach jenseits des Bahndammes auch noch verdohlt wurde, verstärkt diese Trennlinie zusätzlich. Viele Tiere aus den angrenzenden Gebieten haben dadurch den direkten Zugang zur Birs verloren. Dem Mündungsbereich des Lolibachs wurde also naturschützerisch wenig Sorge getragen. Aber: Es gibt auch Lichtblicke.:
Abb. 1: Bahnböschung SBB im Juli 2022: Dank der Pflege durch Pro Natura und die Gemeinde Dornach konnte sich u.a. die wilde Möhre (Dauca carotis) stark ausgebreiten.
Abb. 2: Böschung zur Strasse hin im Winter: Die hier im Schatten liegende Böschung wird nachmittags von der Sonne stark beschienen. Dank der Pflege durch den Bauern konnte sich eine Magerweise entwickeln. Im Mai zirpen hier viele Grillen.
So wird die Bahnböschung seit 2019 naturnah gepflegt (durch Pro Natura und die Gemeinde Dornach). Dies bedeutet, dass die Böschung mit einem Balkenmäher geschnitten und das Schnittgut anschliessend weggeführt wird - nicht gehäckselt und liegen gelassen wie anderswo. Diese schonende Mähmethode fördert Tier- und Pflanzenleben. Abb. 1 zeigt das sommerliche Blühen der wilden Möhre, die sich durch die naturnahe Pflege stark ausbreiten konnte.
Die Böschung bei der Apfelseestrasse ist ebenfalls bemerkenswert (Abb. 2): Hier gedeiht - inmitten produktiver Landwirtschaft - ein Streifen Magerwiese, der bei guter Pflege eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen beherbergen kann. Auffällig sind zum Beispiel im frühen Frühjahr ausschwärmende Seidenbienen (Colletes spec.), im Mai die zirpenden Feldgrillen (Gryllus campestris) und im Sommer die zarte kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)
Auch die ebene Ackerfläche zwischen Bahndamm und Strasse hat eine interessante Vergangenheit:
Früher gehörte diese Fläche zum Schwemmgebiet der Birs (zu Birsmatt und Apfelseeweid (2)) und wurde als Allmend genutzt, was bedeutet, dass jeder Gemeindebewohner hier seine Kühe und Ziegen weiden lassen durfte. Es bedeutet auch, dass es sich um einen ertragsarmen, wenig begehrten Boden handeln muss, denn Allmenden waren nie Ackerflächen erster Wahl. Und wirklich: Hier ist der Boden nährstoffarm, kiesig, er kann das Wasser kaum speichern und trocknet entsprechend schnell aus.
Warum wird dieser Standort heute trotzdem als Ackerland genutzt? Offenbar lohnt sich der Ackerbau. Dies wurde aber nur mit starker Düngung möglich. Doch wenn der Regen in der Wachstumsphase ausfällt, dann sind die Erträge auch heute noch sehr bescheiden.
Die Abbildungen 4a, 4b und 4c zeigen den Acker im trockene Sommern 2020: Im Frühling hatte der Landwirt Luzerne angesät, gleichmässiges Grün sprosste, das auch mehrfach geschnitten werden konnte. Im Sommer war es dann einige Wochen sehr trocken . Fast die ganze Ackerfläche verfärbte sich gelblich! An einigen Stellen blieb die Vegetation aber grün. Wohl ein Hinweis auf Wasser im Untergrund: ein Rest der Struktur der ehemaligen Flusslandschaft ist also immer noch erhalten.
Diese Grundstruktur zeigte sich interessanterweise auch im feuchteren Jahr 2023, als der Bauer auf der Fläche Weizen anbaute. Ende Mai blühte zwischen grün aufwachsenden Weizenhalmen rot leuchtender Klatschmohn (Abb. 4d), an den ehemals feuchten Stellen aber auffallend stark. Der Mohn stand hier dichter und kräftiger. Einen Monat später - Ende Juni - ist das Rot des Mohns verschwunden und der Weizen ist ausgereift. Es zeigt sich wieder die gleiche Struktur (Abb. 4e). Wo der Mohn dicht gestanden war, lag der Weizen nun flach auf dem Boden. An den wüchsigeren Stellen war der Weizen offenbar weniger standfest und konnte von einem Gewittersturm am 22. Juni wiedergedrückt werden.
Strukturen im Untergrund können sich auf ganz verschiedene und oft unerwartete Weise offenbaren. Das macht ja auch etwas vom Reiz von Naturlandschaften aus.
Abb. 4a: Loliacker bei Trockenheit im August 2020: blick nach Norden von der Strassenböschung aus: Feld im August 2020 nach langer Trockenzeit: Einige Stellen sind völlig ausgetrocknet, andere sind noch grün und weisen auf Feuchtigkeit im Untergrund hin.
Abb. 4b Blick nach Süden: Loliacker bei Trockenheit im August 2020
Abb. 4c: Nördlich anschliessender Bereich
Abb 4d: Ende Mai 2023 blüht zwischen dem angesäten Weizen feurig rot der Mohn. Der Mohn hält sich interessanterweise an das Muster deer feuchteren Stellen. Immer dort wo es im Sommer lange feucht und wüchsig blieb, ist er besonders kräftig entwickelt.
Abb. 4e: Ende Juni ist der Weizen reif. An den Stellen, wo der Mohn dicht geblüht hatte und wo es in trockenen Jahren länger grün blieb, sind die Weizenhalme niedergedrückt. und lliegen flack auf dem Boden.
Das Erstellen von Bodenprofilen ist aufwendig. 2022 ergab sich aber eine günstige Gelegenheit: Aus Sicherheitsgründen musste eine Gasleitung aus den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts verschoben werden. Dazu musste ein 280 m langer Graben quer durch unser Gebiet gelegt werden (siehe Karte unten), was uns quasi "gratis" einen Blick unter die Oberfläche erlaubte. Dabei zeigten sich neben Erwartetem auch einige Überraschungen:
Wenig überraschend: Die Schotter der Birs bilden die Grundlage für die Böden im Apfelseegebiet und zwar zweimal: Beim Acker zwischen Bahn und Apfelseestrasse (Bodenprofile 1 bis 3) und dannm auch zwischen Apfelseestrasse und Lolibach (Bodenprofile 7 und 8).
Überraschend dagegen: Die Struktur der Böschung zur Strasse hin: Unter der Strasse verbirgt sich ein Felsband aus massivem Hauptrogenstein, der sonst südlich von Dornach sonst nicht zu sehen ist. (Bodenprofile 4 bis 6). Wie weit sich dieses Felsband erstreckt ist nicht bekannt und in den geologischen Karten auch nicht vermerkt. Es ist aber offensichtlich verantwortlich für die erste Geländestufe nach der Schotterebene der Birs.
Überraschend auch: Die dichte Lehmschicht, die die sanfte Mulde vor dem Bächlein abdichtet (Bodenprofile 9 und 10) und den Schotter begrenzt. Nach dem Bächlein am ansteigenden Hang ist der Boden tiefgründig, braun und fruchtbar (Bodenprofil 11). Heute wächst da eine Wiese, früher wurde auch geackert.
Interessant ist auch das Bahntrassee. Es besteht aus aufgeschüttetem Material. Neben rundem Flussschotter vor allem aus eckig, kantig gebrochenem Bahnschotter, der erst die Stabilität der Schienen gewährleistet. Die Steine stammen nicht aus unserer Gegend. Die Bodenbildung geht hier also andere Wege.
Karte mit Profilstandorten
Höhenprofil leicht überhöht
Bodenprofil 1: humoser Oberboden um 40 cm
Bodenprofil 2: humoser Oberboden über Schotter
Bodenprofil 3: humoser Boden über Schotter am Hangfuss
Bodenprofil 4: dünne humose Schicht an Hangkante über Schotter
Bodenprofil 5: dickere humose Oberschicht über Lehm- Schotter und Fels direkt vor der Strasse
Bodenprofil 6: humoser Oberboden (um 40 cm) direkt über Hauptrogenstein direkt nach der Strasse
Bodenprofil 7: humoser Oberboden (< 40 cm) über Schotter
Bodenprofil 8: Tasche mit humosem Boden über Schotter
Bodenprofil 9: lehmiger Untergrund in der kleinen Senke vor dem Bach
Bodenprofil 10: humoser Boden über dichtem Lehm unmittelbar vor dem Bach
Bodenprofil 11: tiefgründige Braunerde am Hang nach dem Bach
Wer genaueres über die Vegetation des Gebietes erfahren möchte, kann die Website über die Apfelseewiesen anwählen. Die Website zeigt zwei Karten des Apfelseegebietes mit Nummern und Symbolen. Über diese Nummern und Symbole erreicht man Fotos (Symbol) und Pflanzenlisten (Nummern) der jeweiligen Ort. Es sind allerdings noch nicht ganz alle Standorte dokumentiert.