Auskristallisierter Zuckersaft auf der Blattoberseite
Zerstreute Blattläuse vermutlich der Art Chaitophorus populeti.
ein Einzeltier unter dem Binokular
Im Sommer 2022 sind die Blattbesucher besonders zahlreich und reichen von asiatischen Marienkäfern über Papierwespen zu orientalischen Mauerwespen (2 Bilder), dann auch zu Goldfliegen und natürlich zu Ameisen.
Foto am 14. Oktobe 2025: kräftige unbeflügelte Läusnymphen (vermutlich Chaitophorus populeti) neben beflügelten Tieren.
Dasselbe Blatt einen Tag später am 15. Oktober 2025: Alle Läuse sind verschwunden.
Eine Blattlaus mit Flügeln (links auf dem Rücken liegend, rechts auf den Beinen stehend
Die Ausbildung von Flügeln bei Blattläusen (wie Chaitophorus populeti) – ein Prozess, der zur Entstehung der Gynoparae (weibliche geflügelte Formen) und Männchen im Herbst führt – ist eine Reaktion auf Umweltstressoren und veränderte Bedingungen, die das Ende der Wachstumsperiode signalisieren.
Die kritischsten Bedingungen, die zur Flügelbildung (Entwicklung zu Alatae) führen, sind:
Dies ist der Hauptauslöser für die Flügelbildung in vielen Blattlausarten.
Mit dem Ende des Sommers und zu Beginn des Herbstes beginnt die Wirtspflanze (z.B. die Pappel bei C. populeti) mit der Seneszenz (Alterung). Die Blätter produzieren weniger Zucker, und die Nährstoffe werden in den Stamm zurückgezogen.
Die Läuse registrieren die sinkende Konzentration von Stickstoff (insbesondere Aminosäuren) im Pflanzensaft. Da Stickstoff für die Fortpflanzung essenziell ist, signalisiert der Mangel, dass der aktuelle Standort nicht mehr tragfähig ist.
Eine hohe Populationsdichte auf einem Blatt oder Zweig führt zu häufigem Kontakt zwischen den Läusen.
Dieser mechanische oder chemische Stress (Kontakt mit dem Wachs der anderen Läuse) löst die Ausschüttung von Hormonen in der Mutterlaus aus, welche die Entwicklung der im Inneren heranreifenden Larven so steuern, dass diese geflügelte Nachkommen (Alatae) hervorbringen.
Die folgenden Faktoren wirken als zusätzliche Signale für den Jahreszeitenwechsel:
Kürzere Tageslänge (Photoperiode): Die abnehmende Zahl der Sonnenstunden ist ein verlässlicher Indikator für den bevorstehenden Winter.
Absinkende Temperaturen: Kühleres Wetter in Verbindung mit den oben genannten Stressfaktoren verstärkt das Signal, dass die holozyklische (geschlechtliche) Phase des Lebenszyklus eingeleitet werden muss.
Die Flügelbildung im Herbst ist ein genetisch gesteuerter Anpassungsmechanismus, der die Blattläuse in die Lage versetzt:
Den sterbenden Wirt zu verlassen.
Neue, primäre Wirte zu finden (falls es sich um einen Wirtswechsel handelt) oder geeignete Stellen für die Eiablage zu suchen.
Die sexuelle Generation (Gynoparae und Männchen) zu produzieren, um die Wintereier abzulegen, die den Winter überdauern.
Im Herbst entwickeln beide Geschlechter Flügel, um die Wirtspflanze zu verlassen und sich zur sexuellen Fortpflanzung zu treffen:
Geflügelte Weibchen (Gynoparae): Die meisten Blattlausarten produzieren zuerst geflügelte Weibchen, die als Gynoparae bezeichnet werden. Diese fliegen zum Primärwirt (oft ein Baum oder Strauch, wie die Pappel bei Chaitophorus populeti), um dort die ungeflügelten, geschlechtsreifen Weibchen (Oviparae) zu gebären.
Geflügelte Männchen: Kurz darauf entwickeln sich auch geflügelte Männchen. Diese fliegen ebenfalls zum Primärwirt, suchen dort die neu entstandenen ungeflügelten, geschlechtsreifen Weibchen auf und begatten sie.
Die begatteten Weibchen legen dann die überwinternden Eier (Wintereier) auf dem Primärwirt ab, wodurch der holozyklische Lebenszyklus der Blattläuse abgeschlossen wird.
Zusammenfassend: Beide Geschlechter fliegen, aber mit unterschiedlichen Rollen: Die Weibchen (Gynoparae) fliegen, um die nächste Generation von ungeflügelten Ei-ablegenden Weibchen zu gebären; die Männchen fliegen, um diese Weibchen zu begatten.
Farben:
Reaktion der Blattlaus:
Grund (Signal) Leuchtendes Gelb (wie Gelbfallen) 🟨
Starke Anziehung (wird angeflogen)
Signalisiert junge, nährstoffreiche Triebe und aktive Photosynthese (fehlerhafte Interpretation). Dies wird zur Überwachung genutzt.
Gelbe/Orange Herbstblätter 🍂
Meist Meidung (wird verlassen)
Signalisiert Seneszenz (Alterung) und Nährstoffmangel im Pflanzensaft. Die Blattlaus weiß, dass der aktuelle Standort bald abstirbt.
Rot/Braun 🔴
Meidung
Eindeutiges Signal für Abbau von Chlorophyll und extrem niedrige Saftqualität.
Die geflügelten Blattläuse (Alatae), die im Herbst zur Migration geboren werden, suchen nach zwei Dingen:
Bessere Nahrung: Im Sommer und Herbst fliegen sie weg, weil die Nahrungsqualität auf ihrem aktuellen Wirt sinkt (Stickstoffmangel). Die vergilbten Blätter zeigen diesen Mangel visuell an.
Winterwirt für die Eiablage: Sie fliegen los, um den Primärwirt für die Ablage der Wintereier zu finden.
Die Blattläuse besitzen hochentwickelte Sehsinne, die sie auf das Spektrum von Licht lenken, das gesunde, aktive Pflanzen reflektieren (hauptsächlich Grün und UV-Licht).
Das leuchtende, reine Gelb von Gelbtafeln wird fälschlicherweise als das von jungen, nährstoffreichen Pflanzenteilen interpretiert, weshalb sie darauf hereinfallen.
Die natürliche Gelbfärbung der Blätter im Herbst ist jedoch oft von Rot- und Brauntönen begleitet und signalisiert durch die Kombination der chemischen und visuellen Reize, dass die Pflanze in die Ruhephase übergeht und der Pflanzensaft keine hochwertigen Aminosäuren mehr liefert.
Die Blattläuse verlassen also den Baum wegen der Gelb- und Rotfärbung, da diese das Ende der Wachstumsperiode signalisieren.