Um 1900 wurde beim Wechsel zum Waldbereich eine Drechslerei gebaut. Heute ist sie als Wohnhaus mit einem weitläufigen naturnahen Garten genutzt (Abb. 1). In der Talmitte (Gartenmitte) wäre der Lolibach zu erwarten, der aber weit oben am Waldrand fliesst (Abb. 2). Wie ist diese merkwürdige Bachführung zustande gekommen? Und besteht nicht die Gefahr, dass der Bach ausbrechen und sich den direkten natürlichen Weg durch die Wiesen suchen könnte?
Der rätselvolle Bachlauf wird erst aus alten Wirtschaftsformen verständlich: Das Futter für die Landwirtschaftstiere konnte bei anhaltender Trockenheit knapp werden, schattige Hänge bleiben länger feucht und wüchsig. Wenn dann zudem Wasser aus dem Waldrandbach gezielt über die Wiesen abgeleitet wurde, war das Graswachstum sichergestellt und Futter verfügbar. Der Lolibach wurde also umgeleitet und konnte so die «Wässerwiesen» bedienen und auch in kargen Jahreszeiten Ertrag sicherstellen (Knecht 1994, 5-7). Die Gefahr, dass der Bach ausbricht und sich ungeordnet über die Felder ergiesst, besteht aber tatsächlich: Bei kräftigen Gewitterregen kommt es immer wieder zu solchen Überschwemmungen.
Kurz nach Eintritt in den bewaldeten Teil des Tälchens trifft man auf einen «Gartentraum»: auf einen Seerosenweiher (siehe Karte 1)! Durch eine Hecke und einen Bretterzaun vor den neugierigen Blicken von Spaziergängern geschützt, liegt da ein künstlich aufgestauter Weiher: eine gärtnerisch gestaltete Wald-Wasserwelt. Dieser Weiher kann Gesprächsanlass sein für aktuelle kontroverse Diskussionen zum Spannungsfeld «Gartengestaltung versus Naturschutz» oder «Dekorationskunst versus Schönheit der sich selbst entfaltenden Natur». Der Weiher wurde zwischen 1980 und 1990 wohl als Fischweiher angelegt und ist in Privatbesitz.
Abb. 1: Alte Drechslerei mit Wohnhaus und naturnahem Garten
Abb. 2: An den Waldrand verlegter Lolibach