Oberhalb des oberen Bauernhofes stehen zwei der drei Baumriesen in einer grösseren Weidefläche: Eine Stieleiche und eine Sommerlinde.
Die alte Birke von zwei Seiten (August 2022)
Blick vom Waldrand aus
Blick vom offenen Talgrund aus.
Die Birke wurde früher vermutlich zur Besenproduktion verwendet.
Die Sommerlinde in verschiedener Beleuchtung (August 2022)
Blick von unten
Blick von der Seite
Blick von oben
Innenraum
Blick von oben
Blick von unten
Innenraum 1
Innenraum 2
Den Abschluss der Exkursion krönen drei alte markante Einzelbäume im oberen Tiefental: Sie haben alle drei keinen direkten Nutzen (mehr) und behaupten doch immer noch ihren wichtigen Platz im Tal (siehe auch Artikel in der Coop-Zeitung von Kohler M. (9)).
Die Birke auf der Nordseite am Wegrand ist der jüngste der drei Bäume: Birken leben nicht sehr lange, die «Tüfletebirke» ist wohl kaum 100 Jahre alt, aber sie ist schon in ihren Alterstagen und dem Zusammenzubrechen nahe. Ein skelettartig starres Baumgerippe mit wenig Blättern ist übrig, nichts erinnert mehr an die zarte Luftigkeit und Eleganz ihrer Jugend. Wieso wurde sie hier wohl mitten im Landwirtschaftsland geduldet? Vermutlich wurde sie sogar extra angepflanzt, um Reisig für Besen zu gewinnen (Mitteilung von Kohler M. über Gebhardt F.).
Die Birke steht inmitten einer schattigen Magerweise. Die meisten bekannten Magerwiesen (Mesobrometen) liegen an sonnigen Hängen, nur selten auch in schattig feuchter Umgebung wie hier. Im Frühling fallen hier die vielen tiefblauen Akeleipflanzen (Aquilegia vulgaris) auf und im Herbst die lila Blüten der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale). Das Pflanzenleben ist hier ausgesprochen vielfältig. Es kann aber nur gedeihen, wenn der Bauer trotz geringem Ertrag, giftigen Herbstzeitlosen und ebenfalls giftigen Akeleien bereit ist, die Wiese regelmässig zu mähen.
Kurz danach – beim Bauernhof «Obere Tüflete» – geht es in direkter Linie steil nach oben (bitte dafür vorher bei der Bauernfamilie Saladin die Erlaubnis einholen) zu zwei sehr auffälligen Baumgestalten: einer Stieleiche (Quercus robur) und einer Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Beide Bäume sind sehr alt: die Eiche wohl um die 500 Jahre, die Linde etwas weniger: zwei urchige Baumriesen mit mächtigen Stämmen und weitausgreifendem Wurzelwerk. Auch im sehr trockenen Jahr 2022, als die umgebenden Weiden schon lange verdorrt waren, standen sie in sattem Grün mitten in der ockerfarbenen Weide, von Wasserknappheit schienen sie nichts bemerkt zu haben (siehe obige Bilder).
Es lohnt sich, die Wuchsform der beiden Baumriesen genauer zu betrachten: Die Äste der Eiche sind knorrig, immer wieder verzweigen sie sich eckig und wachsen in unerwartet neue Richtungen. Dabei entstehen Lücken im Blattwerk, die Ausblicke öffnen. Die Äste der Linde verzweigen sich hingegen in fliessend weichen Bewegungen, sie schaffen eine dichtere Hülle.
Für die Insektenwelt sind beide Bäume ausgesprochen bedeutsam, beide geben vielen Tieren Heimat. Welche Baumart wohl die kräftigen markanten Hirschkäfer (Lucanus cervus) bevorzugen und welche die Bienen (Apis mellifera)- das kann sich jeder selbst überlegen.
Übrigens würde keiner der beiden Bäume als Waldbaum eine derart eindrückliche Gestalt entwickeln. D.h.: Eindrückliche Einzelbäume sind letztlich nicht «natürlich entstanden», sondern im Zusammenhang mit menschlichen Eingriffen in die Natur (Rodungen, Beweidung).
Auch bei der Eiche und der Linde stellt sich die Frage: Wieso haben die Bauern die beiden Bäume wohl stehen lassen?
Bei der Eiche interessierten sie sich möglicherweise für die Eicheln als Schweinefutter, oder sie freuten sich auf den Holzertrag. Bei der Linde profitierten sie von den Blüten als Bienenweide und vom Blätterdach als Schattenspender für weidende Kühe. Beide Bäume haben natürlich auch eine Bedeutung für den Wasserhaushalt der Weideflächen.
Sicher ist:
Die drei Baumriesen haben erstaunlich lange Zeiten überdauert, viele Generationen von Bauernfamilien, die die beiden Höfe bewirtschaftet haben und immer noch bewirtschaften, haben sie überraschenderweise hier stehen lassen, aus welchen Gründen auch immer.
Und:
Die drei Bäume waren Zeugen grosser Veränderungen: Vor 180 Jahren war der heutige Bauernhof «Untere Tüfleten» noch eine Hammerschmiede (siehe Dufourkarte von 1846), die das Wasser des Lolibachs und die Holzkohle der nahen Köhlerplätze nutzte. Und so begann die Industrialisierung eigentlich nicht im heutigen Industriegelände unten an der Birs, sondern hier oben bei den drei Baumriesen.