Abb. 1: Die sanfte lehmige Mulde der unteren Tüflete
Bei Haltepunkt 14 liegt eine sanfte, langgezogene, idyllische Landschaftsmulde (Abb. 1), die ihren Abschluss im Bauernhof «Untere Tüflete» findet. An den etwas steileren Talrändern schliesst beidseitig Buchenwald an. Wer Zeit hat, kann diese Wälder erkunden. Sie sind vielfältig und in ihre Unterschiedlichkeit aussergewöhnlich.
Max Moor beschrieb in den 60`ziger Jahren des letzten Jahrhunderts Wälder des Nord- und des Südhangs wie folgt: „Wir stellen dem gelbgrünen, warmen, artenreichen Seggen-Buchenwald des Sonnenhangs den blaugrünen, kühlen, artenarmen reinen Buchenwald des Schattenhanges gegenüber; und unter den urchig-eigenwilligen Spezialisten ebenso den bunten, glutvoll farbigen Flaumeichenbuschwald der heissen Felshänge dem saftiggrünen, epiphytenreichen Hirschzungen-Ahornwald der schattig kühlen Rieselschutthänge“ (Moor 1962, 210).
Zwischen den Wäldern liegt also die sanfte Landschaftsmulde, der Lolibach fliesst in ihrer Mitte, er wird von Heckensträuchern und Feuchtwiesenstreifen gesäumt. Im lehmigen Talgrund liegt ein Ackergebiet, und an den Rändern ziehen beidseitig Viehweiden bis an den Waldrand: hier gibt es eine Vielzahl verschiedener Lebensräume auf kleiner Fläche.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Weiden: Massvoll bewirtschaftete Viehweiden gelten als besonders vielfältig und ökologisch wertvoll, auch wenn sie in ihrem ästhetischen Ausdruck an eine blühende Mähwiese nicht heranreichen. Die Vielfalt ist verborgener und nicht so auffällig. Die Weidetiere - insbesondere die Kühe - schaffen aber auf engem raum die unterschiedlichsten Kleinstlebensräume. Wiesen sind insgesamt einförmiger. Hierzu drei Beispiele von besonderen "Weidelebensräumen":
Rinder bevorzugen beim Grasen immer etwa die gleichen Wege, so dass sich mit der Zeit kleine Terrassen herausbilden. Die flachen Stellen, auf denen die Tiere gehen, sind vegetationsarm, nackter Boden ist sichtbar. An den Kanten wiederum können dann tritt-empfindliche Pflanzen gedeihen.
Bei feuchtem Wetter hinterlassen Kühe mit ihren Hufen in weichem Boden oft kleine Vertiefungen, in denen sich Wasser sammeln kann: winzige Tümpelchen entstehen, die dann von verschiedenen Kleinlebewesen genutzt werden.
An den Lägerstellen etwas konzentriert, aber sonst über die ganze Weide verteilt, sammeln sich die Kuhfladen: nährstoffreiche Gebilde, in denen viele Kleintiere und Pflanzen ihr Auskommen finden können.
Abb. 2: weidende Kuhherde
Zum «Lebensraum Kuhfladen»: Kuhfladen sind für viele Insekten, Pilze und Bakterien besonders attraktiv. Gut beobachten lassen sich besonders Insekten auf Kuhfladen: Kurz nachdem ein Kuhfladen auf die Weide gefallen ist, tauchen schon die ersten Fliegen und Käfer und Schmetterlinge auf und lecken am Fladen, bohren Gänge, legen Eier, etc. – schnell entwickelt sich eine differenzierte Lebensgemeinschaft, eine Vielzahl von Insekten kann gedeihen. Bei guten Bedingungen ist der Kuhfladen nach etwa 40 Tagen verschwunden, d.h. er ist zu Humus geworden.
Isabelle Tree beschreibt in ihrem Buch «Wilding» einen «Biodiversitätstest» mit Kuhfladen, den ihr Ehemann erfunden hat: Wie lange dauert es, bis der erste Mistkäfer bei einem frischen Kuhfladen auftaucht? Sind es 10 Minuten, eine halbe Stunde oder mehr? Tauchen überhaupt welche auf, sind sie in der weiteren Landschaft überhaupt vorhanden, sind die Kuhfladen überhaupt attraktiv? Isabell Tree beschreibt die Leidenschaft ihres Mannes wie folgt: «He would lie next to a pile of fresh Exmoor dung and count the minutes (the record was three) that it would take for the dung beetle to arrive. Summoned by the smell and zeroing in like helicopters, the beetle fold their wings and plop straight into the dung. If a crust has already formed, they bounce off and then have to scamper back into it, burying themselves headfirst in nourishing excrement (Tree 2018, 114)
Eine Einführung in die Beobachtung der Kuhfladen bietet der nebenstehende Link
Kurz nach dem Absetzen erhält ein Kuhfladen schnell Besuch von Fliegen, die ihre Eier in den Dung absetzen und so dem Nachwuchs optimale Entwicklungsbedingung verschaffen. Die drei Bilder stammen vom Oberaescher Hof ganz in der Nähe des Tiefentals.
Abb. 3:Der Kuhfladen als Ganzes
Abb. 4: Die Rinderfliege mit den orangenen Flügelflecken
Abb. 5: Die glänzende Goldfliege
Frischer Pferdeäpfel werden unter eine Glasglocke gestellt. Nach kurzer Zeit - meist weniger als 1 Tag - treten als erstes Psilobus Pilze auf. Wer gut hinhört, kann im richtigen Moment das explosionsartige Abspicken der schwarzen Käppchen hören.
Aber Achtung: Tierkot kann Krankheitserreger enthalten. Er muss also immer mit der nötigen Vorsicht (hygienisches Arbeiten, mit Handschuhen etc.) behandelt werden (Siehe auch: Artikel: Fliegen können gefährlich sein)
Abb. 6: Ausgangssituation: frische Pferdeäpfel
Abb. 7: Nach kurzer Zeit (+/- 1 Tag) erscheinen die durchsichtig klaren Pilze mit ihren schwarzen Käppchen.
Abb. 8: Detail 1 Pilzstiele mit Sporenkäppchen
Abb. 9: Detail Vergrösserung
Nach einiger Zeit unter einer Glasglocke erscheinen die ersten Hutpilze.
Abb. 9: Ein frischer Pferdeapfel
Abb. 10: Erste Hutpilzkugeln
Abb. 11: Beginnende Hutpize; Detailbild
Abb. 12: Kleine Pilzhüte auf langen Stielen
Abb. 13: Absterbende Hutstiele