Mehr oder weniger versiegelte Böden machen einen grossen Teil der Flächen in stark besiedelten Gebieten aus. Meist ist Asphalt das Material der Wahl. Asphalt ist billig, leicht aufzutragen, gut belastbar und ausdauernd, wenig arbeitsintensiv in der Pflege, aber eben auch ökologisch fragwürdig. Asphalt wärmt sich rasch auf, lässt kaum Regenwasser versickern, das dann auch für die kühlende Verdunstung verloren ist, erbringt keine Filterleistung, sieht eintönig aus, kurz er ist lebensfeindlich. Die Natur braucht recht lange, um Asphalt zu überwachen und in ihre Prozesse einzubinden. Böden mit kleinen oder grösseren Platten abzudecken, ist nicht nur ästhetisch ansprechender sondern auch ökologisch wertvoller.
Die ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Bodenbeläge werden u.a. in den folgenden Arbeiten besprochen:
Eine Arbeit in Berlin beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Bodenbelägen, Verdunstung, Abfluss und Versickerung: Standorteigenschaften und Wasserhaushalt von versiegelten Flächen von G. Wesslok und M. Facklam.
Sehr ausführlich geht Thomas Nehls in seiner Dissertation auf die Besonderheiten des Fugenmaterials und auf die Versickerungswege unter Pflastersteinen ein: "Water and Heavy Metal Fluxes in Paved Urban Soils" 2007.
Das untenstehende Zitat zeigt, dass es die Beurteilung von Bodenbelägen nach ökologischen Kriterien komplex ist. Es macht aber auch deutlich, dass der Gewinn gegenüber Asphaltbelägen deutlich ist.
Fachliche Einschätzung der Auswirkungen der Bodenbeläge aus eine Arbeit von Gerd Wessolek und Michael Facklam
Folgende planerischen Schlussfolgerungen können aus den Untersuchungen gezogen werden:
"Eine Bilanzierung des Wasserhaushalts auf monatlicher Basis für unterschiedliche Versiegelungsmaterialien zeigt, daB die Komponenten Abfluss, Verdunstung und Versickerung sehr unterschiedlich ausfallen. Am höchsten sind die Abflüsse bei Asphaltflachen, gefolgt von den gebräuchlichen Versiegelungsmaterialien Betonverbund, Bernburger Mosaik und Kunststeinplatten mit Mosaikpflaster. Wie erwartet, fallt bei Rasengittersteinen der Abfluss rnit <30 mm/a am geringsten aus. Anders verhalt es sich bei der Versickerung: hier kann von einer äusserst geringen Versickerung unter Asphalt ausgegangen werden, wahrend im Gehwegbereich oder unter Parkplatzen mit Betonverbundsteinen eine sehr hohe Versickerung (>300 mm/a) zu enwarten ist. Im Gegensatz zu Standorten mit Vegetationsbedeckung tritt auf diesen FIachen auch im Sommerhalbjahr eine Versickerung auf.
Aus diesen Ergebnissen wird bereits deutlich, dass je nach städtebaulichen Konzepten allein schon durch die geeignete Auswahl von Versiegelungsmaterialien ein wichtiger Beitrag geleistet werden kann, um den natürlichen Wasserkreislauf möglichst wenig zu beeintrachtigen (Vermeidung von hohen Oberflächenabflüssen).
Die Durchlassigkeit von neu verlegten Mosaik- oder Pflastersteinflächen nimmt langfristig durch Staubeinträge und Verdichtung (durch Befahren) um ca. eine Zehnerpotenz
ab; als Folge muss im Strassenraum mit einer deutlich erhöhten Abflussbildung gerechnet werden. Zur Aufrechterhaltung der langfristigen Fugendurchlässigkeiten sollten diese Standorte regelmassig durch eine mechanische Strassenreinigung (Bursten) ,,offengehalten"
werden.
Der langjährige Eintrag von basisch wirkenden Stäuben fuhrt zu einer starken Anreicherung von Schluff und Tonpartikeln sowie von Humus. Durch diesen Alterungsprozess
verbesserten sich die chemischen Filtereigenschaften. So konnte bislang keine Verlagerung von Schwermetallen (Zn und Pb) aus dem obersten Fugenbereich (0-4 cm) in tiefere Schichten festgestellt werden. Um auch langfristig eine Verlagerung zu vermeiden, sollten die Pflegemassnahmen im Strassenrandbereich (z. B. durch Winterstreudienst) auf den Erhalt eines neutralen bis schwach basischen Milieus ausgerichtet sein.
Im Bereich der Fusswege spielt das Zusetzen der Fugenräume immer dann eine untergeordnete Rolle, wenn durch Verwendung gemischter Versiegelungsmaterialien und Bepflanzungen das Entstehen von Oberflachenabfluss vermieden werden kann. Städtebaulich empfiehlt sich demzufolge die Verwendung gemischter Versiegelungsmaterialien mit Aussparungen für Versickerungsmöglichkeiten. Auch durch Verwendung von Versiegelungsmaterialien mit grossen Fugenabständen kann der Interzeptionsspeicher positiv beeinflusst werden mit der Folge verbesserter Verdunstungsbedingungen.
Ebenfalls lässt sich ein starkes Aufheizen von versiegelten Oberflachen an Sommertagen vermeiden, wenn bei der Bauleitplanung auf die thermischen Eigenschaften der Materialien geachtet wird. Dieser Effekt ist besonders in stark verdichteten, innerstädtischen Bereichen wichtig und kann einen bedeutenden klimatischen Ausgleich leisten."
Zitiert aus: Standorteigenschaften und Wasserhaushalt von versiegelten Flachen
Gerd Wessolek und Michael Facklam
Institut fur Okologie, FG Bodenkunde, Technische Universitat Berlin, Salzufer 11-12, D-10587 Berlin
Angenommen: 24. Juli 1996; S 45/46
Bilderserie von Bodenbelägen auf Eingangswegen zu Häusgärten im Alleeweg in Rheinfelden (Mai 2023).
Kopfsteinpflaster frisch
Plattenweg wenig gewachsen
Kopfsteinpflaster gleichmässig bewachsen
Parkplatz an der Industriestrasse (neben Unterführung) in Aesch im Juli 2023
Je stärker die Fläche begangen wird (Teil unten) umso kleiner die Pflanzen, an den Rändern breiten sich die Kräuter aber aus und können beachtliche Grössen erreichen.