Ende der Siebziger Jahre des letzten jahrhundert war es um die Luftqualität in den Städten schlecht bestellt. Die Gesundheit der Menschen litt unter den Abgasen des Verkehrs. Es bildeten sich Gruppierungen wie die Ärzte für den Umweltschutz, die Wege suchten, die Luftqualität zu verbessern. Ökologisch wachen Menschen fiel auf, dass sich die Flechten aus den am stärksten verschmutzten Gebieten zurückzogen und die Baumstämme in den Städten immer kahler wurden. Der Flechtenbewuchs konnte sogar als ein Mass für die Stärke der Luftverschmutzung herangezogen werden. Für Schulen wurde ein einfaches Setting entwickelt, mit dessen Hilfe Schulklassen diesem Zusammenhang nachgehen konnten. Folgende Baumflechten mussten für die Bewertung der Luftqualität gefunden werden. Die Bilder stammen von einem etwa 40 jahre alten Musterkasten, der zur Bestimmung der gefundenen Arten diente. Allerdings sind die Flechten in der Zwischenzeit beinahe unkenntlich geworden.
Heute hat man viel bessere Fotografien und kann auf einen Musterkasten weitgehend verzichten. Die Bestimmung der Flechten bleibt aber anspruchsvoll und ist für den Laien nicht immer möglich. Eine Zuordnung zu den jeweiligen Flechtengruppen (Bartflechte, Strauchflechte, Laubflechte, Krustenflechte) ist aber doch meist möglich. die Luftverschmutzung ist dann vorallem gross, wenn nur noch Krustenflechten auftreten oder Flechten gar ganz fehlen.
Stadttoleranzwert 8.6
Stadttoleranzwert 9.4
Stadttoleranzwert 9.6
Stadttoleranzwert 9.8
Stadttoleranzwert 9.9
Stadttoleranzwert 13.5
Die folgende Karte zeigt die Luftstickstoffbelastung in Eurtopa aus dem Jahr 2005 (Quelle Wikipedia)
Die Stickstoffbelastung ist an vielen Orten noch viel zu hoch. Verkehr und Landwirtschaft sind die Hauprtverantwortlichen.
Trotzdem muss gesagt sein, dass sich seit den 60 ziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Luftqualität in den Städten der Schweiz so weit verbessert, dass heute auch auf Bäumen an stark befahrenen Strassen Flechten vorkommen.
Um die vielfältigen Einflüsse der Umwelt von Städten auf das Wachstum von Flechten abschätzen zu können, entwickelte Kricke den sogenannten Stadttoleranzwert (nach Kricke 2002, zitiert nach dem unten erwähnten Artikel) und ordnete jeder Flechte einen Stadttoleranzwert zu (am stadttolerantesten ist die Flechte mit dem Namen "Lecanora sambuci" (Holunder-Kuchenflechte) mit einem Wert von 7, die stadtuntoleranteste Flechte "Bryoria fuscescens" (braune Moosbart) mit einem Wert von 19).
Die Skala bezieht sich auf den Raum Hannover. Sie kann aber wohl ungefähr auch auf unser Gebiet (Region Basel) übertragen werden.
Die folgende Zusammenstellung führt Flechten in abnehmender Stadttoleranz- Reihenfolge auf, die ich in der Basler Umgebung an Bäumen gefunden habe.
Candelaria concolor gewöhnliche Leuchterflechte aus Hirzbrunnenallee 2024 (Stadttoleranzwert 11.5)
Lager einer Lindenflechte auf einen Lindenstamm in Horn 2023
Stadttoleranzwert 13.5
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Flechten und ihrer Eignung als Luftqualitätsindikatoren findet man unter der www,schulbiologiezentrum.info unter dem Titel Flechten als Lebewesen und Bioindikatoren in der Schule. In diesem Text werden die jeweiligen Flechten auf ihre Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Umgebungsqualitäten charakterisiert und daraus der Stadt-Toleranzwert gebildet.
Der Artikel "Kantonsschülerinnen und Kantonsschüler untersuchen die Luftqualität von Aarau und Umgebung" von Peter C. Ehrensberger und Benno Wullschleger schildert ausführlich wie im Schulzusammenhang (Sek II Stufe) Flechten kartiert und und mit der Luftqualität verknüpft werden können.
An der Hirzbrunnenallee in Basel steht eine Reihen von Strassenbäumen mit dem hohen astlosen Stämmen, einer nicht übermässig grossen Krone und einem doch schon fortgeschrittenen Alter. Es handelt sich um Rosskastanien mit der rissigen Rinden und um Ahornbäume. An allen Stämmen gedeihen Flechten und Moose in grosser Vielfalt. Die folgenden Bilder entstanden im Januar 2024 und zweigen die Vielfalt der Formen. Es fehlen aber sicher einige zusätzliche Arten. Um die Flechten wachsen auch noc h einer Reihe von Moosen.
gewöhnliche Leuchterflechte (Candelaria c oncolor) Jan 2024
gewöhnliche Leuchterflechte (Candelaria c oncolor) Jan 2024
gewöhnliche Leuchterflechte (Candelaria c oncolor) Jan 2024
Pflaumenflechte (Evernia prunastri) Januar 2024
Pflaumenflechte in Runzelflechte Januar 2024
Die strauchartig wachsende Pflaumenflechte wird auch als Parfümrohstoff verwendet.
Runzelflechte (Parmelia sulcata) Januar 2024: Die Lappen wirken etwas eckig, die Oberfläche ist runzlig, die Farbe ein helleres Grau
Runzelflechte (Parmelia sulcata) Januar 2024
Runzelflechte (Parmelia sulcata) Januar 2024
Linden-Schüsselflechte (Parmelina tiliacea):
Die Lappen der Lindenflechte sind breit und am Ende gerundet, die OPberfläche eher glatt, die Farbe ein helles grau. Bei alten Flechten können treten in der Mitte dunklere Isidien auftreten..
weisse Blatternflechte (Phlyctis argena) Hirzb. 2024