An festen Steinen breitet sich in der Birs das Quellmoos (Fontinalis pyretica) deckenartig aus. Bei Hochwasser wird es jeweils abrasiert, um dann wieder neu zu wachsen. (Pioniersituation). Das Pflanzenbeet bietet Lebensraum für viele Kleintiere.
Brunnenmoos am Bachrand
Brunnenmoos flutend
Brunnenmoos an nassem Stein
Felsen am Bachrand mit vertrocknetem Brunnenmoos
Sobald die Birs etwas mäandrieren kann, bilden sich Kiesbänke. Unter grösseren Steinen und zwischen dem Kies leben eine Vielzahl von Kleinlebewesen.
Bäche sind in der Regel an der Quelle sauber und enthalten wenig Mineralstoffe, insbesondere wenn die Quellen im Gebirge liegen. Im Gebirge sind die Temperaturen zudem tief. Mineralstoffarmut und tiefe Temperaturen beschränken die Entfaltung des Lebens. Die Bäche sind klar, unverschmutzt, lebensarm. Im Bereich der Mündung haben die Gewässer aber in der Regel viele Mineralstoffe und auch organische Abfälle aufgenommen. Sie sind dann viel stärker verschmutzt, die Temperaturen sind höher, weil ein Bach ja nach unten in meist wärmere Gebiet fliesst. Die Mündungsbäche - dann meist Mündungsflüsse sind deshalb meist wen iger klar, verschmutzter und auch lebensvoller.
Wie die Verwandlung vom klaren Quellbach bis zum lebensvollen Mündungsfluss vor sich geht, ist aber von Bach zu Bach, von Fluss zu Fluss sehr verschieden. Viuelleicht fliesst ein Bach noch sauber und klar in einen See oder auch ins Meer oder aber er ist verschmutzt und entsprechend lesbensvoll. Übersteigt die Verschmutzung aber ein gewisses Mass, dann nimmt die Lebensfülle wieder ab, er beginnt zu stinken und wird zur Kloake.
Man beschreibt nun den Zustand eines Gewässers mit Hilfe von Wassergüteklassen (auch Saprobiensystem genannt. Es werden in der Regel 4 Hauptwassergüteklassen unterschieden:
Wassergüteklasse I: oligosaprob: klarer Fluss mit wenig Mineralstoffen, sehr gute Wasserqualität
Wassergüteklasse II: β - mesosaprob: gute Wasserqualität
Wassergüteklasse III: α - mesosaprob: schlechte Wasserqualität
Wassergüteklasse IV: polysaprob: trüber Fluss mit übermässig vielen Mineral- und Nährstoffen, sehr schlechte Wasserqualität
Die Wassergüteklassen werden über das Zählen der Kleinlebewesen bestimmt (Das Verfahren beachtet 600 mögliche Kleinlebewesen, Details siehe Wikipediaartikel Saprobiensystem)
Im Bereich des Bahnhof Aesch: Tendenz zu Stufe 3,
Im Birsbogen vor der Gasleitungsbrücke: Stufe 2.
Die Birs müsste man wohl zwischen der Wassergüteklasse II und III einordnen. Das ist gegenüber dem Verschmutzungsgrad vor 30 Jahren ein deutlicher Gewinn. Heute kann man in der Regel bei mittlerem Wasserstand ohne Bedenken in der Birs baden, auch wenn sie noch einen deutlichen Eigengeruch mit sich trägt.
Wassergüteklasse enthalten eine starke Bewertung: "oligosaprob" wird mit sauber und damit "gut" assoziiert,"polysaprob" mit dreckig und somit "schlecht". Das ist aber eine Einschätzung von uns Menschen her. Sie macht deutlich, wir lange Zeit gedankenlos Abwasser in die Flüsse geleitet haben und mit dieser Verschmutzung die Lebensgemeinschaften der Flüsse massiv verändert haben und dadurch auch unsere eigene Gesundheit gefährden. Sauber (oligosaprob) meint deshalb: Wasser, das man gefahrlos trinken kann, dreckig (polysaprob) Wasser, das Krankheiterreger enthalten kann und nicht getrunken werden soll.
Man könnte die Sache aber auch anders bewerten: "Oligosaprob" gleich lebensarm und wertlos und polysaprob "lebensvoll" und wertvoll. Man hätte damit auch recht.
Es gibt allerdings eine Grenze: Bei übermässiger Verschmutzung wird der im Wasser gelöste Sauerstoff verbraucht, die höheren Lebewesen (Fische, Krebse und insekten ersticken. Überleben können dann nur noch speziell angepasste Tiere und Pflanzen, die sich den Sauerstoff von woanders her holen oder Bakterien und Archaen, die nicht auf Sauerstoff angewiesen sind.