Gleich einem überdimensionierten Zaun zieht hier eine Reihe von Panzersteinen durch die Landschaft (Abb. 1), einer der mächtigen eigentümlich geformten Betonblöcke steht mitten im Bächlein (Abb. 2). Die Panzersperre schafft einen Lebensraum, der auseinanderliegende Bereiche heckenartig miteinander verbindet: Es können hier Versteckmöglichkeiten für heimliche Bewohner entstehen, Ausguckstellen, Nistgelegenheiten, Nahrung für viele Kleintiere. Deshalb hat der Natur- und Vogelschutzverein Dornach die Panzersperre im Jahr 2021 von Armasuisse abgekauft und möchte sie im Sinne des Naturschutzes als niedrige Dornenhecke weiterpflegen.
Wird eine Hecke sich selbst überlassen, übernehmen bald mal Waldbäume das Zepter und beschatten und beeinträchtigen die benachbarten Wiesen. Landwirte pflegen deshalb Waldhecken immer mal wieder auf Stock zu setzen. Aus den Wurzelstöcken treiben dann wieder neu Waldbäume und wüchsige Sträucher aus (Haseln, Hartriegel), bis sie erneut auf Stock gesetzt werden. Auf diese Weise gepflegte Waldhecken bleiben artenarm und eintönig. Eine artenreiche Hecke ist arbeitsintensiv: Werden Waldbäume durch gezielten Rückschnitt im Zaum gehalten und dornige Sträucher gefördert, kann grosse Vielfalt entstehen. Vielleicht gelingt es dann sogar, Neuntöter und Mauswiesel anzulocken.
Die Panzersteine erzählen eine Geschichte von Krieg, Strategie und Neutralität, die auch heute noch von Interesse ist. Gebaut wurden sie zu Beginn des zweiten Weltkrieges (um 1940/41), und zwar gerade eine ganze Reihe von Panzersperren, zum Schutz des Gempenplateaus (Senn 2001).
Aber was gab es denn da zu schützen? Die meisten Dörfer der Region lagen ja gar nicht auf dem Gempenplateau sondern in den Ebenen davor! Verständlich wird die Lage der Panzersteine erst aus den strategischen Überlegungen der Weltkriegszeit: Es gab die Befürchtung, Deutschland könnte Frankreich über die Basler Region angreifen. Vom Gempenplateau aus liesse sich ein solcher Angriff gut mit Artillerie bekämpfen, die Panzersperren sollten dem Schutz dieser Artilleriestellungen dienen.
Die Schweiz hatte natürlich - ebenso wie auch Frankreich - ein elementares Interesse an ihrer Verteidigung, sodass die beiden Länder geheime Absprachen miteinander trafen, obwohl das für die Schweiz als neutralem Land problematisch war. Die strategischen Pläne der beiden Länder stellten sich dann als Fehlkalkulationen heraus, Hitler wählte dann eine andere Route: der Angriff auf Frankreich erfolgte über die Beneluxstaaten und nicht über die Basler Region.
Die Panzersperren wurden also nie genutzt - bis sie jetzt durch den Naturschutz doch noch eine wichtige Funktion erhalten haben.
Abb. 1: Hecke um Panzersteine mit blühendem Kirschbaum
Abb 2: Panzersteine im Bachbett des Lolibachs
Im zeitigen Frühjahr (17. März 2019) tauchen mitten auf dem Fussweg zur Panzersperre plötzlich kleine Erdhäufchen auf. Sie stammen von ausschlüpfenden Seidenbienen (Colletes cunicularius), die dann in grossen Mengen zwischen dem Gras herum schwärmen. Die männlichen Tiere suchen Weibchen, die sie begatten können. Im Video kann man einen derartigen Begattungsvorgang im Fliegen beobachten.