Als erster überlieferter Spatzenkrieg gilt die Aussetzung eines Kopfgeldes gegen Spatzen durch König Friedrich den Großen im Jahr 1744 um die herrschaftlichen Felder vor den Spatzen zu schützen.[1] Wegen der durch die Dezimierung der Sperlinge verursachten starken Ausbreitung der Insekten wurde dieses Kopfgeld jedoch bald wieder abgeschafft.[2]
(aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Spatzenkrieg
Bild aus dem nebenstehenden Artikel
Bei der Ausrottung der vier Plagen wurden auf Veranlassung Mao Zedongs in China rund zwei Milliarden Spatzen getötet. Als andere „Schädlinge“ überhandnahmen, importierte man Vögel aus der Sowjetunion.
Weitere dazu: Bericht aus dem Spiegel über den "Spatzenkrieg von China (2020)
Ich setze mich hin vor Schreck und beruhige mich. Dann konsultiere ich mein Handy:
«Ganz ruhig bleiben!» «Keine schnellen Bewegungen!» «Möglichst kein CO2 ausatmen!» «Die Haare ausspülen, falls sie nach Shampoo riechen!» «Eine Wassersprühflasche zur sanften Abwehr mittragen!»
«Wespen sind friedliebende Tiere. Wer dennoch gestochen wird, hat was falsch gemacht!»
Es dröhnt und summt: Wespen, Wespen, Wespen überall! Dicht krabbeln sie am Fenster, in schwankendem Zickzack hetzen sie quer durchs Zimmer und müde krabbeln sie übers Sofa. Der Boden ist schwarz von Wespenleichen, und ein unangenehm süsslicher Bouillongeruch steigt auf - ein Warngeruch für die Wespenkolleginnen odere eben Nestgeruch, so lese ich später. wir gehören von n un an eben dazu
Um die Wespen zu befreien, öffne ich ganz vorsichtig das Fenster. Tatsächlich fliegen vierzig oder fünfzig hinaus!Aber Hunderte, die vor dem Fenster gewartet haben,sofort wieder hinein!
Ein Kammerjäger, auch Schädlingsbekämpfer, Entweser oder Exterminator genannt, bekämpft Schädlinge in Innenräumen. Ausser Wespen auch:
In Arbeitskleidung sieht er fast so gefährlich aus wie meine Wespen!
Mit einer Kehrichtschaufel räumt er die toten Wespen weg. Die todesmatten saugt er mit unserem Staubsauger weg - der stinkt bis heute nach süsslicher Bouillon! Dann untersucht er den Tatort, fährt mit dem Finger über Wände, Fensterrahmen und Bodenleisten – nichts Verdächtiges: Wo zum Donner sind die Viecher bloss reingekommen?!?
Eine Stunde später, immer noch ratlos, beschliesst er den Vernichtungskrieg: Er legt Giftköder vors Fenster! «Die ahnungslosen Arbeiterinnewespen werden die Köder ins Nest tragen», verspricht er mir, «in einer Woche spätestens ist das ganze Volk samt Königin tot!»
Mich schaudert ein wenig.
Ich sehe Wespen, die sich mit den Fühlern streicheln, als würden sie miteinander sprechen. Ich sehe Wespen, die ihre toten Kameradinnen wegtragen oder unablässig in Reihen hintereinander hertrippeln.
Jeden Abend arbeite ich das Wohnzimmer wespenleer – nur ja kein Beinlein einklemmen !– Manchmal erwische ich gleich zwei Wespen aufs Mal, mein Rekord ist drei. Ich werde immer schneller – und werde kein einziges Mal gestochen!
Heute besucht mich mein Sohn, der Biologe, und er lässt nicht locker. Er sitzt und sitzt vor dem Fenster und schaut und schaut. «Die Wespen fallen von der Decke runter», meint er schliesslich, «pfeilschnell, ich sehe nur Schatten!» Und er baut mit einer Bockleiter und seinem Handy eine Fotofalle. Und das Handy filmt eine halbe Stunde lang.
Später sichtet er das Filmli, und tatsächlich: Minute 9, eine Wespe zwängt sich durch die Ritze neben dem rustikalen Deckenbalken. Und fällt mit hoher Geschwindigkeit auf den Teppich herunter. Eine andere drückt sich durch die Kabelöffnung der Deckenlampe und schiesst ebenfalls zu Boden.
UNGLAUBLICH! DAS RÄTSEL IST GELÖST! Das Wespennest muss dicht über uns sein: zwischen Wohnzimmerdecke und Dach! Wir freuen uns!
Ausgerechnet die kleine Enkelin! Das gibt ein Geschrei! Da hilft Kühlung mit Eis! Und eine aufgelegte angeschnittene Zwiebel. Und am meisten das Kinderpflästerli!
Und dann informiere ich den Kammerjäger über das Ende unsrer Wespenstory. Ich frage nach seinen Giftködern – aber er will mir nicht verraten, was da drin ist. «Nichts für Laien», meint er ausweichend, «und wir sind hier zum Glück nicht in Deutschland!» Im Gegenzug verrate ich ihm auch nicht alles: Immer noch sehe ich muntere Wespen vor unserem Fenster fliegen, auch wenn schon zehn Tage vergangen sind! Unser Wespenvolk lebt! Und ab und zu besucht uns auch die eine oder andere Arbeiterin im Wohnzimmer! Und was ist mit Deutschland? - In Deutschland stehen Wespen unter strengem Schutz, sie gelten als Nützlinge, nicht als Schädlinge. Ein störendes Wespenvolk soll wenn immer möglich umgesiedelt statt einfach vernichtet werden. Auf mutwillig getötete Wespen stehen Bussgelder bis zu 50`000 Euro! Wespen sind also plötzlich Nützlinge, keine Schädlinge?
Ja, denn sie helfen wie Bienen bei der Bestäubung mit. Und sie vertilgen eine Unmenge von Schädlingen: Fliegen, Raupen, Blattläuse und Spinnen, die unsere Gemüseernten bedrohen!
Die kurze Geschichte als Ganze zum Herunterladen (Autorin Theres Schneider, Herbst 2019)