Im Lolibachtälchen liegt viel verrottendes Holz, weil der südliche Waldhang unter Naturschutz steht und von der Holz-Nutzung ausgenommen wurde. Dies kommt den Holzpilzen natürlich sehr entgegen. Sie gedeihen in grosser Zahl und Vielfalt.
Fällt ein Baum über den Wanderweg, so kommt die Motorsäge trotz Verbot der Waldnutzung zum Zug. Der Baum wird abgeschnitten. Es entsteht ein Stammquerschnitt - wie geschaffen zur Beobachtung des Pilzlebens. Über die Monate und Jahre hinweg kann gut verfolgt werden wie sich das Pilzleben entfaltet. Sobald das Wetter genügend feucht und nicht zu kalt ist, wachsen die Fruchtkörper der Pilze kräftig und schnell. Ist es heiss und trocken stockt das Wachstum wieder, die Fruchtkörper der Pilze verfallen.
Das sonst verborgene Leben des Waldes wird an eine solchen Stelle für einige Zeit sichtbar und verschwindet dann wieder im modrigen Innern der Stämme oder im Boden.
Abb. 1: 14. Februar 2019
Abb 2: Detail: gezonter Ohrlappenpilz aus Abb. 1
Verschiedene Pilze in unterschiedlichem Zustand am Querschnitt gegen Ende des Winters (Abb. 1). Ein gezonter Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica) wächst prominent etwas unterhalb der Stammmitte. Er erzeugt auf schwachen oder gefallenen Bäumen Weissfäule (d.h. er ist in der Lage das Lignin des Baumes abzubauen).
Abb 3: 24. Februar 2019
Abb.4: 2. März 2019
Abb. 5: 18. April 2019
Trockense Wetter wechselt mit feuchtem an . DieFruchtkörper der Pilze vertrocknen, fallen zum Teil ab (Abb.3) und beleben sich wieder (Abb. 4) um dann gleich wieder trocken zu fallen (Abb.5)
Abb. 6: 28. Juni 2019
Abb. 7: 18. Juli 2019
Abb. 8: 18. August 2019
Der Ohrlappenpilz vertrocknet zusehends und löst sich vom Stamm. Der unbestimmt weissliche Pilz-Überzug hält sich über die Sommermonate besser.
Abb. 9: 31. August 2019
Abb. 10: 26. November 2019
Abb. 11: 25. Dezember 2019
In den Herbstmonaten gedeihen die Pilze prächtig. Der gezonte Ohrlappenpilz wuchert zu stattlicher Grösse heran. Neben dem flachen Pilzüberzug gedeiht unten links noch eine weitere mir unbekannte Pilzart in leicht ockerer Farbe.
Abb. 12: 13. Januar 2020
Abb 13: 27. Januar 2020
Abb. 14: 17. Februar 2020
Im Winter kommt der herbstlichen Wachstumsschub zu einem Ende. Die Fruchtkörper der Pilze zerfallen langsam wieder. Der Baumstamm selbst sieht noch wenig verändert aus. Der Holzkörper ist immer noch einigermassen stabil.
Abb.15: 14. Mai 2020
Abb.16: 31. März 2021
Abb.17: 29. Dezember 2022
Im Mai 2020 sieht man immer noch die Reste des grossen Pilzwachstums im vorangegangenen Herbst. Das Maximum scheint aber damals erreicht worden sein. Ein jahrt später März ist nur noch wenig übriggeblieben. Eineinhalb Jahre später gedeiht unten rechts eine grössere Kolonie der Schmetterlingstramete, der übrige Stammquerschnitt ist aber nicht mehr besiedelt und zum Teil herausgebrochen. Die übrig gebliebenen Zellulosefasern sind jetzt gut sichtbar. Das Lignin wurde abgebaut und damit ging auch die Stabilität des Stammes verloren.
Abb. 18: Obiger Baumstamm längs nach oben fotografiert
Abb. 19: Zunderpilz von oben
Abb. 20. Zunderpilz von unten
Der im Querschnitt fotografierte Baum (wohl eine Buche) liegt im Dezember 2022 halb vermodeert von Moosen überzogen am Boden. Vögel bearbeiten das morsche Holz und suchen wohl verschiedenes Kleingetier. Im unteren Drittel zeigen sich drei Fruchtkörper des Zunderschwamms (Fomes fomentarius). Sie sind steinhart und gegen Austrocknung bestens gewappnet. Der Zunderschwamm verursacht wie der Ohrlappenpilz ebenfalls eine Weissfäule. Er kann auch lebende Bäume befallen und zum Einsturz bringen.
Holzpilze können das ganze Jahr über beobachtet werden. Sie sind in der Regel ausdauernd und haben eine grosse Stabilität. Allen voran der holzartig harte Zunderpilz. Es gibt aber auch ganz andere Formen auf Holz, schnell erscheinend und ebenso schnell wieder verschwindend. Oft geht man achtlos an ihnen vorbei. Ein wacher Blick wird aber allemal mit einem Reichtum an Formen belohnt.
Kennenlernen:
Suchen Sie in einem Waldabschnitt möglichst viele verschiedenen Pilze auf Holz.
Beschreiben Sie die jeweiligen Wuchsformen. Was fällt ihnen besonders auf?
Können sie unterschiedliche Pilzgerüche riechen? (Schmecken unterlassen wir, da Pilze ja bekanntermassen auch giftig ein können).
Sammeln Sie auch alte vertottete Holzäste und drehen Sie diese um. Was eindecken Sie?
Welche Pilze wachsen an Totholz, welche an lebenden Bäumen?
Bau der Fruchtkörper:
Studieren Sie den inneren Bau der verschiedenen Fruchtkörper (Querschnitte erstellen und ev. mit einer Lupe untersuchen.
Können Sie die Sporenfarben bestimmen?
Wie sehen die Sporen wohl unter dem Mikroskop aus?
Wirksamkeit der Pilze:
Betrachten Sie das Holz auf dem die Pilze wachsen aufmerksam. Was beobachten Sie?
Können Sie die sogenannte Weissfäule und die Braumfäule voneindner unterscheiden. Machen Sie sich kundig und suchen Sie Beispiele.
Nehmen Sie ein Stück angefaultes Holz mit nach Hause, halten Sie es in einer feuchten Umgebung (dunkel und in einem geschlossenen Gefässund beobachten Sie ein eventuelles Pilzwachstum.