Auf nacktem unbelebten Boden siedeln sich neben Mikroorganismen und Kleintieren auch schnell die ersten Pflanzen (Pionierpflanzen) an. Sobald es einigen Pflanzen gelungen ist Fuss zu fassen, folgen in dem nun schon etwas vorbereiteten Feld neue Pflanzen und bereiten das Feld für wiederum neue Lebewesen. Diese Entwicklung kann langsam oder auch schnell vor sich gehen. sie kommt eigentlich nie zur Ruhe. Man nennt diese Entwicklung Sukzession. wird ein mindestens vorläufiges Endstadium erreicht so spricht man von Klimaxvegetation. Dies Klimaxvegetation ist aber in Wirklichkeit doch nicht stabil und durchläuft weitere etwas weniger offensichtliche Veränderungen.
Als am Ende der letzten Eiszeit grosse Flächen Boden frei wurden, begann eine Vegetationsentwicklung, die in der Waldbildung einen ersten vorläufigen Abschluss fand. Je n ach Untergrund verlief die Entwicklung etwas verschieden. Sie zeigte aber überall in dieselbe Richtung, nämlich hin zur Bewaldung (allerdings nur dann, wenn die grossen Gras- und Laubfresser die Waldbildung nicht verhinderten oder zumindest zurückdrängen).
Aber: Auch die aktuelle Vegetation ist nicht stabil. Unsere Wälder z.B. verändern sich stetig weiter. In den letzten Jahrhunderten vor allem durch die Nutzung des Menschen, dann aber in neuester Zeit auch durch steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit.
In den letzten Jahren drangen zudem auch immer mehr neue Pflanzen in unsere Gebiete ein (sogenannte Neophyten), die sich zum Teil stark verbreiten und die bisherige Vegetation verdrängen und so nachhaltig verändern. Was zum Wald gesagt werden kann, gilt ebenso für Wiesen, Weiden, Feuchtgebiete, Wasserläufe, Ödland etc.
Die grossen Suksessionsschritte lassen sich nur indirekt beobachten., indem man alte Quellen studiert, Blütenpollen in Hoichmooren untersucht, Baumringe alter Bäume analysiertz etc.
Im Kleinen zeigen sich das Prinzip der Suksession in den Vorfeldern der zurückweichenden Alpengletscher fast lehrbuchartig ausgebreitet. Die folgenden Bilder aus den Seitental La Neuve des Val Ferret bei Fouly in den südlichen Walliser Alpen zeigen die Entwicklung von grobem Blockschutt hin zu Lärchen und Fichtenwald.
Das Seitental "La Neuve" mit den grossen noch kaum bewachsenen Gletschervorfeldern , den Alpwiesen an steilen Hängen, den Erlenwäldchen in Flussnähe und dem aufkommenden Lärchen und Fichtenwald und den gerodeten Wiesenflächen am Talgrund.
Dort wo das Eis den Boden freigibt, liegen nackte Steine herum, die kaum Pflanzenwuchs zeigen. erst wer sich die Mühe nimmt, genauer hinzuschauen, kann zwischen und auf den Steinen erstes Leben entdecken.
Felsflechten
Landkartenflechte
Moose auf Feinmaterial
Bleibt der Boden auf Feinerde in Höhen um 2000 m ü M unbewachsen, legen sich oft dunkle Schichten von Bodenflechten schützend über die Feinerde und verringern die Erosion und bieten für andere Pflanzen ein Saatbeet (Bilder aus Alpe Buscagna)
Von oben mit ersten Grasinseln
Details mit Strukturen und weiteren Bodenflechten
Detailansicht.
Cryptogamma crispa (Krauser Rollfarn)
Athyrium distentifolia (Gebirgs-frauenfarn)
Senecio incanus (graues Greiskraut)
Luzula alpinopilosa (braune Hainsimse)
Cirsium spinosissium (Alpen-Kratzdistel)
Pionierpflanzen haben wenig Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit. Sie wachsen auch in nacktem Gestein.
Sie produzieren meist viel Samen - bei Farnen Sporen - und sind oft blütenreich, vor allem in den Alpenregionen.
Arnika
Klatschnelke
Purpur - Enzian in Wiese
Purpur - Enzian
Bodenbildung unter Rasendecke
Bodenbildung unter Gebirsrasen auf der Alpe Buscagna in 2000 m Höhe
Zwergstrauch - Heide
Schweizer Weide (Salix herbacea)
Daphne mezerum (echter Seidelbast)
Bärlapppflanze zwischen den Zwergsträuchern
Arnika vor Vaccinium uliginosum (Rauschbeere)
Im Herbst könen Zwergstrauchheiden sehr bunt werden. Hier an einem sonnenüberflüutteten Hang oberhalb Rothwald auf dem Simplonpass
Noch einige Details zu den "brennenden" Heidelbeeren.
Am Rande der Zwergstrauchheiden wagt sich ein erster Pilz, der rote Lackpilz (Laccaria lacata) zwischen dem Alpenhornkraut (Cersatium alpinum hervor und erinner daran dass die Pilze mit dem Zurücktreten der Flechten nicht einfach verschwunden, sondern mit den Gefässpflanzen in Austausch getreten sind (Mykorrhiza-Symbiosen mit verscheidenen Baumarten).
Erstes Erlengebüsch
Waldaufwuchs mit Lärche, Fichte, Birke etc.
Sich schliessender Lärchenwald mit einzelnen Fichten, Erlengebüsch und anderen Sträuchern
Klimax: Geschlossener Fichtenwald mit einzelnen Lärchen und wenig Unterwuchs
Kurz vor der Alpe Devero zeigt sich in einem Lärchenwald die Schichtenfolge des Podsolbodens: Zuerst eine dunkle humose wenig zersetzte Oberschicht, dann eine graue ascheartige ausgelaugte Mittelschicht und darunter der helle orangebraune Unterboden (Im Bild sind etwa 30 cm Boden abgebildet).
Fünf Hauptphasen der Wiederbewaldung im Wallis nach einem Gletscherrückzug:
Pionierphase: Einzelne Pflanzen wachsen im rohen Boden (Pionierpflanzen, Moose und Flechten)
Folgephase 1: Gräser und Kräuter bilden eine geschlossene Vegetationsdecke.
Folgephase 2: Kleinsträucher (Wachholder, Alpenrosen, Heidelbeeren etc.) überwuchern die Felsen
Folgephase 3: Grössere Sträucher und Kleinbäume kommen auf (Erlen, Birken, Weiden
Klimax: Die Bäume werden grösser und bilden einen geschlossenen Wald (Fichten und Lärchen)
Bild aus: Sukzession auf aufgegebenen Feldern im Südosten der USA: Über ein Grasland-Stadium, einen Gras-Strauch-Bestand und eine Kiefernwald-Formation reorganisiert sich der ursprüngliche Eichen-Hickory-Wald ( ODUM 1980, S. 425).
aus: Naturkonzepte und Paradigmen in der Ökologie. Einige Entwicklungen Broder Breckling*