Im Winter zeigen die Bäume ihr "Inneres", unverdeckt von den Blatthülle, stehen sie "nackt" vor uns toten Gerippen gleich. An diesen Gerippen zeigen sie ihre besonderer Charakteren, ihre Beziehung zur Umgebung, zu den Himmelsrichtungen, den Nachbarbäumen etc.. Wer genau hinschaut kann aus den Gerippen auch die Lebensgeschichte eines Naumes herauslesen. Man muss sich aber mit Bedacht einleben in die Gestalt dieser Gerippe und nachempfinden, wie die Stämme im die Höhe wachsen, wie die Seitenäste in den Raum hinausgreifen, wie sie sich weiter verzweigen und wie sie die Baumgestalt nach aussen abschliessen.
Wer das tut, kann vielleicht etwas von dem Nachempfinden, was Christian Morgenstern (1871 - 1914) in dem kleinen Lob auf die Bäume ausdrücken wollte:
"Nichts ist für mich mehr Abbild deer Welt und des Lebens als der Baum. Vor ihm würde ich täglich nachdenken, vor ihm und über ihn." (Christian Morgenstern 1908: aus Stufen. Eine Entwicklung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen, 1918 (posthum))
Im Folgenden wollen wir auf einem Rundgang verschiedene Baumgestalten betrachten und uns in die unterschiedlichen Formen vertiefen.
Abb 1: Grosser Baum im Garten eines Wohnblocks beim Gigersloch
Ein älterer Bergahorn im Garten eines Wohnblocks beim Gigersloch in Dornach bietet Gelegenheit sich in eine erste Baumgestalt einzuleben.
Vorgehen:
Als erstes versuchen wir den Baum grob zu skizzieren (zuerst blind, dann nach Vorbild): Das ist für Viele herausfordernd und beglückend zugleich. Es kommt dabei nicht auf Perfektion an, sondern auf das Einleben.
Danach betrachten wir die Skizzen gemeinsam und versuchen in jeder Skizze das zu entdecken, aus was sie hinweist, etwas auf die Bewegeung der Seitenäste, das Verhältnis zwischen Stamm und Krone, die besondere Art der Abschlusses der Zweigeusw. Die grossen Gestaltgesten und die unterschiedlichen Blickrichtungen werden deutlich.
Nun können die Skizzen verbessert und ergänzt werden. Der betrachtete Baum wirden fassbar, der Blick geschärft.
Dabei können Fragen auftauchen: Zu welcher Art gehört dieser Baum, wie dierht er in 20 Jahren aus, wie sah er vor 20 Jahren aus, wie unterscheidet er sich von nahe verwandten Bäumen, wie von den anderen Baumarten? Was kann man durch eine deratrige Betrachtung für sich gewinnen, was hat der Baum davon?
Kurzskizze 1: Astdichte, Astbewegung und Gesamtform
Kurzskizze 2: Bewegung der Äste
Kurzskizze 3: Abspreizwinkel der Äste
Abb. 5: Spitzahorn mit einer besonderen Geschichte
Abb. 6: Spitzahorn gleichmässig gewachsen.
Abb 1. zeigt einen Bergahorn (Acer pseudoplatanus),, Abb. 5 & 6 zwei Spitzahorne (Acer plataonides).
Die drei Bäume gleichen sich auf auf den ersten Blick,. Schaut man genauer hin, so findet man aber in den starren Gerippen charakteristische Unterschiede, die sich zum Teil aus der Umgebung und aus der Geschichte ergeben und zudem Ausdruck sind der jeweilgen Ahornart.
Dem Betrachter sei empfohlen dies vor Ort zu tun. Wer seinen Blick geschärft hat, kann die Bäume auch von weitem erkennen. Zudem spiegeln sie uns auch unser eigenes Inneres, das an der äusseren Betrachtung reifen kann.
So gerüstet lohnt es sich weiterzuschauen. In der näheren Umgebung finden sich noch zwei weitere einheimische und eine ganze Reihe eingeführter Ahornbäume:
Da muss man als ersten den Feldahorn (Acer campestre) nennen. Er ist häuftig und mit seiner kompakten Wuchsart auch leicht zu finden. Ein geschulteres Auge verlangt der schneeballblättige Ahorn (Acer opalus), der an den sonnigen Hängen im Jura als trockenheitsvertäglicher Waldbaum wächat.
In Gärten und auch auf Parkplätzen trifft man immer etwa auf den Eschenahorn (Acer negundo) mit den gegliederten Blättern und auf den Silberahorns (Acer saccharinum). Deide stammen aus Nordamerika und bieten eine weitere ausdruckstarke Formennuancen. Wer sich dann noch weiter in die Gattung der Ahorne vertiefen möchte, kann sich dann auch noch mit den asiatischen Ahornarten beschäftigen und nochmals neue Formen entdecken.
Abb. 7: Silberahorn in Aesch mit den hängenden im Februar blühenden Endästen
Der hier abgebildete Silberahorn (Acer saccharinum) hat eine besondere Gestalt. Er blüht als erster aus der Fsmilie der Ahorne schon im Februar.
Eine Baumgruppe mitten im Landwirtschaftsland zeugt von den komplizierten Besitzverhältnissen im Gebiet der Asp. Mitten in landwirtschaftlihem Gebiet gehört ein kleiner Fleck wohl einen privaten Grundbesitzer, dere sich hier ein kleines Wäldchen hält.
Waldföhre (Pinus sylvestris)
Walnussbaum (Juglans regia)
In unserem Gebiet wachsen Sommer- (Tilia platyphyllos) und Winterlinden (Tilia cordata). Bäume, die sich gleichen und doch auch - sogar als Wintergerippe - charakteristisch unterscheiden.
Hier das Bild einer Winterlinde auf dem Sportplatz Gigerloch. Man vergleiche einmal das Geäast einer Sommerlinde mit dem der Winterlinde - wenn man sie denn zu unterscheiden weiss. Die unterscheide sind nicht leicht zu finden und verlangen wiederholtes hinschauen. Es kann zudem sein, dass sich die beiden Linden gekreuzt haben (natürlich oder künstlich) und Mischformen (Tilia x europaea, die sogenannte holländische Linde) auftreten.
Die Weissbuche oder Hainbuche (Cyrpiunus betulus) ist nicht mit der Rotbuche verwandt, teilt mit ihr aber den Namen -"Buche". Es lohnt sich, ihre Wuchsart genauer zu studieren und den Unterschied zur Rotbuche herauszuarbeiten.
Schon von weitem fällt im Asp an der Kante zum Alpmechtälchen eine kräftige Baumgruppe auf, die von einer grossen Buche beprägt ist und von einigen Ahornbäume umrahmt wird.
Sehr schön zeigt sich wie die Buche und die Ahornbäumchen miteinander wachsen und sich gegenseitig aneinander anpassen.
Buchen sieht man normalerseise nicht als Einzelbäume. Meist stehen sie als schlanke himmelstürmende Türme im Wald.
Vom Lolibachweg aus. kann man eine Reihe verschiedener Baumgestalten betrachten, die alle unter ähnlichen Bedingungen wachsen.
Esche (Fraxinus excelsior)
Stieleiche (Quercus robur)
Roninie (Robinia pseudoaccacia)
Weissbuche (carpinus betulus)
Die grosse Stieleiche (Quercus robur) beim Chrumacker oberhalb der "Neuen Heimat".