Kurz nach dem Seerosenweiher beginnt der erste geschlossene Waldteil und damit auch das kantonale Naturschutzgebiet «Lolibach». Hier wächst eine Besonderheit des Lolibachtälchens: die in freier Natur recht seltene Pimpernuss (Staphylea pinnata). Die Pimpernuss wird bei flüchtigem Hinschauen leicht mit dem Holunder (Sambucus nigra) verwechselt. Beide Sträucher wachsen hier am Wegrand: der Holunder ein «Allerweltsstrauch», die Pimpernuss eine Seltenheit. Die Pimpernuss gedeiht üblicherweise in lichten Laubmischwäldern. Dass sie hier im schattigen Talgrund neben dem Holunder vorkommt, ist aussergewöhnlich – ein Hinweis darauf, dass es früher hier anders ausgesehen haben muss. Und wirklich: der Talgrund war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts waldfrei (Abb. 29) und der Wald am Sonnenhang lockerer und lichtdurchfluteter als heute, beides Bedingungen, die der Pimpernuss entgegengekommen sind (Knecht D. 1994, 6).
Die meisten Spaziergänger gehen achtlos an den beiden Sträuchern vorbei, ein genauer Blick lohnt sich aber allemal: Beide Sträucher haben vieles miteinander gemein: Beide sind sie von locker strauchigem Wuchs und haben einfache unpaarig gefiederte Blätter (Abb. 1 & 2). Und beide haben sie kulinarisch interessante Blüten und Früchte (Abb. 3 & 4) mit vielerlei Verarbeitungsmöglichkeiten: von kandierten Blütentrauben über Sirupe bis zu Likören.
Erst beim genauen Hinschauen werden die charakteristischen Unterschiede deutlich: Blätter und Zweige der Pimpernuss sind klarer, präziser geformt, die Rinde ist auch bei älteren Zweigen glatt und geschlossen – beim Holunder dagegen ist die Rinde aufgebrochen, rissig. Die Pimpernuss wächst langsam – der Holunder wächst schnell. Die Pimpernuss wirkt in ihrer Gesamtgestalt «gepflegt, trocken, kultiviert» – der Holunder «ungepflegt, hängend, ungeformt». Es sind also zwei Sträucher mit viel Ähnlichkeit – aber mit doch sehr unterschiedlichem Stil.
Und gerade das macht doch den Reiz von Biodiversität aus: Tier und Pflanzen finden immer wieder «individuelle Antworten» auf Umweltbedingungen, Natur ist nicht einfältig, sondern reichhaltig differenziert.
Abb 1: Holunderblatt
Abb. 2: Blatt der Pimpernuss
Abb. 3: Holunderbeeren
Abb. 4: Blasenfrüchte der Pimpernuss