Ein Häuslein für den Pfarrer

Im Jahr 1600 taucht das Haus in der Nähe des Poppenwaldes das erste Mal in den Urkunden auf. Caspar SEILER hatte es wohl selbst hier erbaut und verkaufte es an den Schneider Valentin BÜTTNER, der von Langenbach mit seiner Frau und den 6 Kindern hier nach Wildbach zog. Nach 10 Jahren übernahm dessen Schwiegersohn Peter MÜLLER den Besitz. Der aus Schönau stammende Glaser hatte mit seiner Frau Maria geb. BÜTTNER keine Nachkommen in Wildbach und ging nach Hartenstein.

Er verkaufte am 16. Juli 1631 für 60 Gulden an den 25jährigen Georg BAUMANN, einem gebürtigen Wildbacher. Dieser wohnte hier mit seinem Weib Barbara geb. MEHLHORN und seinen 3 Kindern bis er 1649 verstarb. Die Erben verkauften für 15 Gulden den Besitz am 15. August 1650 an den Sohn des Amtsschössers zu Stein Michael MILLE, genannt ‚der Jüngere‘, welcher mit Ehefrau Susanne geb. HEYDEL und seinen 3 Kindern das Haus die nächsten 11 Jahre instand hielt. Der einzige Erbe zog nach Neudörfel und somit überließ man am 6. November 1661 Grund und Boden dem ‚dicken‘ Michael MEHLHORN mit seiner Frau Susanne geb. SCHWARZ aus Thierfeld. Die Familie lebte 36 Jahre lang in diesen Mauern und zeugte 8 Kinder. 1683 wird MEHLHORN im Untertanen-Verzeichnis der SCHÖNBURGer als Häusler genannt.

um 1951 Sara Möckel mit Enkel

Ansichten 2009

Im Jahre 1697, am 26. August, kauft der in Zschocken geborene Pfarrer Johannes WERNER, der hier seit 1689 im Amt stand, das Haus für 65 Gulden. Mit Ehefrau Margarethe geb. WAGNER aus Lichtenstein und seinen 6 Kindern bewohnte die Familie das Häuslein. Das damalige Pfarrhaus war 1662 erbaut worden und die dortige Wohnung muss wohl in einer Art baufällig gewesen sein, da der Pfarrer nicht dort Einzug halten konnte oder wollte. Er besaß im Pfarrhaus zumindest eine Schreibstube. Ein Jahr nach dem Amtsantritt als Substitut im Jahr 1715 seines Sohnes Johann Christoph WERNER, der 1685 noch in Waldenburg zur Welt kam, wurde schon ein neues Pfarrhaus erbaut.

Der Gerichtsschöppe und Schustermeister Michael SCHUBERT übernahm vom Pfarrer WERNER, der ein Jahr später anno 1717 mit 67 Jahren verstarb, zu einem Preis von 230 Gulden das Gebäude mit Gartengrund am 16. März 1716. Im Oktober heiratete der sogenannte ‚Gäber-Schuster‘ seine Verlobte Christine geb. WEIGEL aus Alberoda mit der er 2 Söhne hatte. Da das Haus nun auch schon ungefähr 140 Jahre alt war wurde eine Erneuerung im Jahr 1737 notwendig. SCHUBERT baute das Wohnhaus neu auf und legte einen Keller an. Sein Sohn Christoph, ebenso Schuhmachermeister, erwarb das Erbe am 4. Juli 1742 und kaufte sich im Jahre 1772 zwei Acker Feld für 150 Gulden dazu und betrieb somit etwas Landwirtschaft. Seine Frau Susanne Elisabeth geb. SCHUBERT mit der er 4 Kinder großzog, lebten bis zum 17. August 1780 als Eigentümer des Gebäudes bis auch dessen jüngster Sohn Johann Gottlieb SCHUBERT das Haus für 430 Gulden erwarb. Der Schuhmachermeister in 3. Generation war von 18041806 Kirchenbauvorsteher beim Neubau unserer Kirche. Er konnte sicher von seinem Haus den Baufortschritt sehr gut verfolgen. Er starb im August 1806 mit 48 Jahren.

"Arbeit und Ordnung erhalten das Haus, Frieden und Eintracht schmücken es aus"

Zwei Jahre später gaben die Erben das Wohnhaus für 1210 Gulden an den Neudörfler Johann Conrad HEYDEL, der das Haus aber nur ein paar Monate innehatte. Schon am 31. Mai 1809 veräußerte er das Haus an den Sohn seines Verkäufers, den Schuhmachermeister Johann Gottlob SCHUBERT für 490 Gulden. In dieser Zeit erhielt das Haus die Katasternummer 41. Anno 1830 errichtete er neben dem Wohnhaus eine Scheune für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Seine Eheliebste, die er im selben Jahr heiratete, war Johanne Christliebe geb. FRANKE aus Thierfeld mit der er zusammen 5 Kinder zeugte, aber nur eines das heiratsfähige Alter erreichte. Und genau diese eine Tochter namens Christiane Wilhelmine wurde die Alleinerbin am 13. Juli 1857 nachdem ihr Vater 2 Jahre zuvor gestorben war. Sie war die Besitzerin bis zu ihren Tod im März 1860.

Am 1. Mai desselben Jahres erstand der 32jährige Franz Friedrich NIETSCH die Immobilie gegen einen Kaufpreis von 1160 Gulden. Sein ältester Sohn und einziges Kind aus der Ehe mit Ernestine Erdmuthe geb. MEHLHORN war Anton Hermann NIETSCH. Da dieser schon 1899 mit nur 39 Jahren verstarb, übernahm der 2. Ehemann der Witwe Emma Clara, der Waldwärter Richard Adolph MÖCKEL, das Haus. Er erneuerte die Scheune teilweise, vergrößerte den Keller und baute einen Stall mit Futterboden bis er schließlich 1944 verstarb und dessen Tochter aus 1. Ehe Hanna Sara MÖCKEL das ererbte Haus als ihr Eigentum nennen durfte.

Nach dem Tod der Mutter übernahm die Tochter Christa Ursula, geboren im Januar 1921, das Wohnhaus, welches sie wiederum deren jüngsten Sohn Heinz KRAMER in den 1980er Jahren übergab und welcher das vor etwa 416 Jahren erstmals erbaute Gebäude bis heute instand hält - als nun schon 19. Besitzer. Das Haus an der Wildbacher Hauptstraße Nummer 61 mit der kleinen alten Westscheune hat seinen dörflichen Charakter bis heute nicht verloren.

Stefan S. Espig, Wildbach

("Die Historische Seite" - erschienen im Gemeindeanzeiger Bad Schlema 05/16 am 30.05.2016 Seite 13)

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